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Tag vor Heiligabend

GeschichteDrama / P12 / MaleSlash
Dee Layton Randy "Ryo" MacLane
20.12.2009
03.06.2010
5
14.839
 
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.12.2009 1.865
 
Titel: Tag vor Heiligabend
Teil: 2/4 (+Epilog)
Autor: Yamica
Email: yamica@craig-parker.de
Fanfiction: FAKE
Rating: PG
Warnung: [depri]
Kommentar: Die Idee zu der Geschichte liefert eigentlich ein alter Film mit Harrison Ford...vielleicht kennt den sogar jemand^-^
Prinzipiell leiden in meinen Geschichten immer meine Lieblinge, aber wer hier mehr leidet dürfte fraglich sein......
Disclaimer: Gehört mal wieder nix mir, sondern Sanami Matoh und wohl noch ein paar anderen *seufz* und Geld kann ich mit meinem Geschreibsel wohl kaum machen...^.^;;




Mehrere Tage verstrichen, ohne dass sich Ryos Zustand wesentlich veränderte. Je länger sein komatöser Zustand andauerte, umso schlechter schien es Dee zu gehen. Er war kaum noch mehr als ein Schatten seiner selbst. In wenigen Tagen hatte er etliche Kilos abgenommen. Die Pullover flatterten um die ausgemergelten Schultern. Jeder, der ihn sah, tat der Anblick weh, aber Dee schaffte es nicht auch nur einen vernünftigen Bissen herunter zu bekommen.

Am dritten Tag des neuen Jahres platzte Carol der Kragen, nachdem Dee abermals das Mittagessen verweigerte, das eine Freundin extra gekocht hatte, und aus Wut knallte sie Dee eine, sodass man den Handabdruck auf seiner Wange noch regelrecht sehen konnte. Entgeistert starrte er das junge Mädchen an, das den Kampf gegen die Tränen bereits verloren hatte. Ihre Stimme zitterte, dennoch konnte man ihren eisigen Entschluss daraus heraus hören. "Was soll das? Sag mal spinnst du? Was glaubst du was du hier treibst? Du isst nichts, trinkst kaum was und geschlafen hast du seit Tagen nicht mehr. Glaubst du allen ernstes, dass Ryo glücklich über diesen Zustand wäre? Hey!! Er braucht dich! Was kannst du ihm für eine Hilfe sein, wenn er aufwacht, wenn du bald umkippst?" Carols Worte brannten sich schmerzhaft in Dees Gedächtnis. Sie hatte recht. Natürlich hatte sie das!! Er ertrank beinahe in Selbstmitleid und Sorge um seinen geliebten Freund. Dabei benötigte der gerade jetzt jemanden, auf den man sich verlassen konnte.

Noch in seine Gedanken hinein klingelte das Telefon. Wie immer war Bikky der erste der am Apparat war und den Anruf entgegen nahm. Seine blauen Augen wurden mit einem Mal riesengroß und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht, als er wieder aufhängte.

Carols Blick schien Bikky beinahe zu durchbohren. Mit ihren Lippen formte sie ein lautloses 'Was ist?' Dessen Gesicht hatte sich zu einem breiten Grinsen verwandelt, dass vom einen Ohr bis zum anderen reichte. "Er-ist-aufgewacht!!!!!"

Den beiden Kindern blieb nicht genügend Zeit, um überhaupt zu Dee zu sehen, als dieser auch schon an ihnen vorbei raste und die Treppe runter polterte. So schnell wie an diesem Morgen war er in den vergangenen Tagen noch nie im Krankenhaus gewesen. Er hastete durch die weißen Korridore und schlitterte geradewegs vor die Zimmertür seines Partners. Er wollte gerade rein stürmen, als Doktor Braket ihn an der Schulter festhielt. Dee sah den Arzt verwundert an.

"Mr. Layton..."

"Er ist aufgewacht, oder?"

"Ja, dass ist er. Heute morgen erst... aber... Mr. Layton... ich muss sie leider warnen, sie dürfen nicht erschrecken..."

"Warnen? Wovor in aller Welt warnen? Und warum erschrecken...?" Seine Hand ruhte bereits auf dem Türgriff und war bereit runter zu drücken.

"Sie werden nicht mit ihm reden können."

Dees Gesicht schien eine einzige Frage zu sein. "Nicht... reden... aber... warum...?" Die Hand sank nun von dem Griff und er sah den Mann unsicher an.

"Bei der Verletzung ihres Partners wurden wichtige Hirnsynapsen zerfetzt oder durchtrennt..."

"Hä? Seine was? Doktor... was ist mit ihm... so, dass ich es verstehe, bitte."

Der Arzt atmete tief durch. "Ihr Freund ist zwar wieder aufgewacht, aber er leidet unter Amnesie... dass heißt, er kann sich an nichts mehr erinnern, was vor dem Unfall war."

"Am-ne-sie...? Gedächtnisverlust." Dee nickte verstehend, doch der Arzt war noch nicht fertig mit seinem Bericht.

"Nicht nur Gedächtnisverlust. Teile seines Gehirns, die für die Motorik verantwortlich sind, wurden beschädigt. Zwar parabel, wie wir glauben, doch es wird ein schwieriger Weg sein bis dahin."

"Was genau heißt das...?"

"Randy wird von vorne anfangen müssen... er wird lernen müssen zu gehen, zu sprechen, selbständig zu schlucken... er wird lesen und schreiben lernen müssen, genau so wie er alles wieder lernen muss, was mit anderen Menschen zu tun hat. Es kann Monate, sogar Jahre dauern, aber es ist auch gut möglich, dass er sich mit einem mal wieder an die Leute aus seiner Vergangenheit erinnert... doch vorerst werden sie sehr viel Geduld mit ihm haben müssen."

Dee nickte stumm. Die Freude, die gerade noch in ihm geherrscht hatte war verschwunden. Beinahe zögernd trat er ins Zimmer und schloss die Tür wieder hinter sich. Ryo lag in seinem Bett und starrte an die Decke. Sein Brustkorb hob und senkte sich regelmäßig und die Töne der Überwachungsmaschine schienen leiser als an den Tagen zuvor. Langsam trat Dee an das weiße Bett. Ryos Augen waren noch immer an die Decke über sich gerichtet. Erst als Dee mehr als vorsichtig seine Hand auf die seines Freundes legte, zuckte er zusammen und schien zu realisieren, dass jemand bei ihm war. Sein Kopf drehte sich und er sah Dee aus großen, dunklen Augen an. Sah ihn aus diesen Augen an, die Dee so sehr liebte. Die so sanft und wissend schienen. Doch gerade jetzt schienen die sonst so lebhaften Augen leer und hoffnungslos aus und... unwissend.

/Wer... bist du...?/ Ryo blinzelte. Versuchte sich an das Gesicht und die Person, die vor ihm saß zu erinnern. /Wer... was... bist du...? Wer... bin... ich...?/ Die Erkenntnis, dass er sich weder an das Gesicht, noch an sonst was erinnern konnte, schien schmerzhaft zu sein. Gequält kniff der junge Polizist die Augen zusammen.

"Ryo..." Dee versuchte aufmunternd zu lächeln, doch es war lediglich ein schiefes Grinsen, was er zu Stande brachte.

/Ryo... bin... bin ich das...? Wer bist du...?/ Sein Mund öffnete sich leicht, doch keine Worte drangen daraus hervor. Dee spürte wie ihm heiße Tränen in die Augen schossen. "Ryo..." Sein Griff um die schmale Hand wurde stärker.

Als Dee an diesem Abend nach Hause kam, war er nachdenklicher, als all die Tage zuvor. Sein Hirn arbeitete unter Hochdruck. Versuchte zu verarbeiten, was ihm die Ärzte noch vor wenigen Stunde versucht hatten zu erklären. Zu viele Informationen auf einmal prasselten auf ihn ein und nun allein zu Hause hatte er endlich Zeit um nach zu denken. Bikky und Carol schienen noch unterwegs zu sein und so verkrümelte sich der dunkelhaarige Cop auf dem Sofa. Eines der großen Kissen hatte er sich vor die Brust geklemmt und sein Gesicht darin vergraben. Je mehr er nachdachte, je mehr er sich versuchte die Zukunft vor zu stellen, umso unruhiger schien er zu werden. Sein Blick starr gerade aus auf den schwarzen Fernsehbildschirm gerichtet schien leer.

Er war so sehr in Gedanken versunken, dass er noch nicht einmal hochsah, als die Kinder nach Hause kamen. Bikky verschwand in der Küche um gleich darauf mit einer Milchtüte wieder auf zu tauchen. Er hatte sie angehängt und nuckelte zufrieden daran.

Carol sah ihn tadelnd an. "Bikky..."

"Ryo hasst das... du zerkaust immer die Tüten..."

"Eh?" Carol fuhr verwundert zu Dee herum. Doch der saß noch immer in der selben Position auf dem Sofa und sah gerade aus. Etwas unsicher sah sie ihren großen Freund an. War etwas mit Ryo? Sie wollte fragen, verkniff es sich dann aber doch lieber. Sie kannte Dee schon so gut, dass sie wusste, dass er momentan nicht in der Stimmung zum Reden war. Also verzog sie sich zum schlafen und warf Bikky einen Blick zu, der bedeuten sollte, es ihr gleich zu tun. Schulter zuckend folgte ihr der blonde Junge.

Mitten in der Nacht quälte sich Bikky aus dem Zimmer um in die Küche zu tapsen. Es war zwar durch die Straßenlichter nicht stockfinster in dem Zimmer, dennoch stieß er mit dem Knie gegen die Ecke des Sofas und fluchte darauf hin leise. Doch erst im Zurückkommen erkannte er, dass das Sofa nicht nachgegeben hatte, weil es noch immer ein Gewicht zu tragen hatte. "Dee...?", fragte Bikky ungläubig, als ob die Chancen, dass wer anders auf dem Sofa saß 1:1'00'000 standen. "W-was machst du noch hier? Willst du nicht schlafen?" Langsam tastete sich Bikky zum Lichtschalter vor und knipste die kleine Eckbeleuchtung an. Beinahe wäre er erschrocken, als er Dee auf dem Sofa erkannte. Seit er und Carol ins Bett gegangen waren, hatte Dee sich anscheinend keinen Zentimeter gerührt. Nun war es Bikky aber doch etwas zu seltsam und er pflanzte sich neben Dee in die weichen Polster.

"Was ist...? Willst du den Rekord im Dauer-Still-Sitzen gewinnen?"

"Hn...."

"Aha... alles klar... was ist los? Stimmt etwas mit Ryo nicht? Er kommt doch wieder in Ordnung oder? Braucht nur etwas Zeit... also worüber machst du dir Gedanken?" Forschend sah Bikky in Dees Gesicht und schreckte fast zurück, als dieser ihn plötzlich ansah.

"W-was ist los?" Bikky fand es nun langsam überhaupt nicht mehr spaßig, sondern begann sich ernsthaft Sorgen zu machen. In nächsten Augenblick wäre er fast rückwärts von der Sofalehne gekippt, als er sah, dass das glänzende Etwas in Dees Augen sich löste und als Träne ihren Weg über seine Wange suchte. Er war kaum zu verstehen, als Dee Bikky endlich stockend berichtete, was los war.

"... und..." Er schloss die Augen.

"Und... was?"

"Ich hab Angst..."

"A-angst? Vor... vor was...?"

"Vor... allem... vor der Zukunft. Er... er wird wieder ganz von vorne anfangen müssen. Er wird mich nicht kennen und sich selber nicht. Was ist, wenn er sich nie wieder erinnern wird? Was... was wenn er sich nicht mehr an unsere... unsere Gefühle erinnert? Ich hab Angst davor... davor genau das zu erfahren... die ganze Zeit der Ungewissheit... und ich hab Angst davor, dass ich nicht genug Kraft dafür hab..." Einen Moment herrschte Totenstille in dem Zimmer. Nur Dees schneller Atem war zu vernehmen. "Und ich hab Angst davor, dass meine Liebe nicht stark genug ist, das alles durch zu stehen...", schloss er schließlich leise.

"Hm... verstehe."

Bikky fuhr herum und sah Carol fragend an: "Echt? Ich nicht..." Wieder sah er zu Dee, der sich nun ganz leicht vor und zurück wiegte.

"Weißt du Dee", fuhr Carol fort, während sie sich neben ihn auf das Sofa zwängte und sich an ihn kuschelte. "Allein schon die Tatsache, dass du dir solche Gedanken darüber machst, lässt mich eigentlich nicht daran zweifeln, dass du das alles durchstehen wirst."

Dee sah das Mädchen aus dunklen, traurigen Augen an. Ein leises Seufzen entwich seiner Kehle.

"Und nun schlaf ne Runde! Du musst morgen fit sein, wenn du zu Ryo fährst." Carol drückte Dee einen feuchtwarmen Kuss auf die Wange und zog ihm dann die Ellbogen weg, so dass er sich hinlegen musste. Lust darauf ihn jetzt auch noch ins Bett zu bringen hatte sie nicht sonderlich.
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