Tag vor Heiligabend

GeschichteDrama / P12 Slash
Dee Layton Randy "Ryo" MacLane
20.12.2009
03.06.2010
5
14.839
 
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Dieses Kapitel
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20.12.2009 3.179
 
Titel: Tag vor Heiligabend
Teil: 1/4 (+Epilog)
Autor: Yamica
Email: yamica@craig-parker.de
Fanfiction: FAKE
Rating: PG12
Warnung: [depri]
Kommentar: Die Idee zu der Geschichte liefert eigentlich ein alter Film mit Harrison Ford...vielleicht kennt den sogar jemand^-^
Prinzipiell leiden in meinen Geschichten immer meine Lieblinge, aber wer hier mehr leidet dürfte fraglich sein......
Disclaimer: Gehört mal wieder nix mir, sondern Sanami Matoh und wohl noch ein paar anderen *seufz* und Geld kann ich mit meinem Geschreibsel wohl kaum machen...^.^;;



"W-w-w-w-würdest d-d-du b-b-bitte au-au-austeigen... ich ha-ha-hab k-k-kalt..." Ryo wirkte mitleiderregend. Zusammengekauert saß er im Beifahrersitz. Die dicke Jacke fest um sich geschlungen und den Kragen hochgeschlagen, so dass selbst seine Nasenspitze darin verschwand.

"Hmmm?" Dee beugte sich rüber zu seinem Partner und schob dann den Kragen etwas beiseite. Er kniff ein Auge zusammen, während er ein Grinsen unterdrücken musste. "Du hast wirklich kalt, ne?", meinte er mit einem Wink auf Ryos bereits blau gewordene Lippen. "Ich wüsste schon, wie wir die wieder warm bekommen."

"Untersteh dich", fauchte Ryo. "Komm gar nicht erst auf falsche Gedanken. Jetzt steig endlich aus und hol mir nen heißen Kaffee. Ich... ha... ha... haaa... tschiiii..."

Dee beeilte sich aus dem Wagen zu kommen, ansonsten hätte er für dieses dämliche Grinsen garantiert eins übergebraten bekommen.

Er trabte durch den Zentimeter dicken Neuschnee und schüttelte sich den frisch gefallenen Schnee von seinen Klamotten, als er ins Innere der Tankstelle trat.

Okay, er verstand Ryos Missmut. Es war ein Tag vor Heiligabend, die Leute waren zwar in Hektik, aber seltsamerweise kaum zu kriminellen Handlungen in Stimmung. Dementsprechend langweilig war der Nachdienst und kalt war es obendrein wirklich.

Nun ja, morgen würden sie beide frei haben. Beide... wie das mal wieder in Dees Ohren klang. Himmlisch, göttlich, einfach unbeschreiblich... dabei wusste der New Yorker Cop noch nicht einmal, ob Ryo überhaupt Lust dazu hatte, den 24. Dezember mit ihm zu verbringen. Andererseits, entweder Dee, oder diese nervigen, kleinen Ratten aus der Gosse. Dee schauderte schon nur bei dem Gedanken an Bikky. Oh nein, diesmal nicht. Diesmal würde er die Tür sicher verschließen, sobald er Ryo über die Schwelle geschoben hatte. Die Tür verrammeln und verriegeln und sie nicht eher öffnen, bis er... ein ziemlich eindeutiges Grinsen, dass seine heimlichsten Gedanken an die Oberfläche trug, breitete sich in seinem Gesicht aus.

Das Grinsen lag noch in seinen Gesichtszügen, als er sich in dem kleinen Tankstellenshop umsah. Ah ja... er war nicht der einzige, der kurz vor Mitternacht noch etwas Warmes brauchte. Vor dem Kühler mit Fertiggerichten stand eine junge Frau und sah ziemlich hilflos aus, womit für Dee das Vorurteil, nur Männer können nicht kochen, wieder mal enthärtet wurde.

Noch immer mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck marschierte er zu dem Tankwart, der gerade mit einem ziemlich verlumpt wirkenden Mann redete.

Im Vorbei gehen schnappte sich Dee eine Tüte mit Marshmallows. Ryo liebte diese, auch wenn er es niemals zugeben würde.

Mit Schwung knallte er die Tüte auf den Tresen, smilte den Tankwart an und deutete mit dem Kinn auf die Kaffeemaschine. "Zwei mal, wenn's nicht zu viele Umstände macht."

Der alte Mann sah ihn beinahe entgeistert an und auch der andere Mann starrte Dee völlig überrascht an. Dee blinzelte. Verwirrt darüber, dass man ihn so seltsam ansah und sonst nicht weiter reagierte. Seine Augenbrauen verengten sich. "Och, kommt schon. Mir ist kalt und ich....."
Sein Blick war in diesem Moment an dem Burschen gegenüber hinab gewandert und erstarrte. /Oh nein! Nicht auch das noch! Nicht heute! Nicht JETZT/ Am liebsten hätte er nun laut aufgestöhnt, aber das war so ziemlich das dümmste was er gerade hätte machen können. Die Ausbuchtung in der Jacke des Typen war mehr als unverkennbar und zu dem war er reichlich nervös. Was Dee allerdings erst jetzt auffiel. Der Blick huschte suchend umher und die Hand, die nicht in der Jackentasche stecke zitterte merklich.

Vorsichtshalber ging Dee einen Schritt zurück, doch sofort herrschte ihn der Typ an, er solle stehen bleiben. Dee tat wie ihm geheißen wurde. Er hob seine beiden freien Handflächen nach vorne, um zu zeigen, dass keinerlei Gefahr von ihm ausging. Er hatte Mühe, dass Gefasel zu verstehen, dass der Junkie von sich gab, dennoch versuchte er irgendwie ruhig mit ihm zu reden.

Inzwischen schlotterte sich Ryo weiter einen ab. Selbst die dicke Daunenjacke schien jedes Lüftchen durchzulassen und er erzitterte erneut. Sein Blick fiel grummelnd zur Tankstelle. Von hier aus konnte er Dee sehr wohl erkennen. Gab's denn so was? Während er sich hier etwas abfror, laberte der seelenruhig mit dem Verkäufer und einem... einem jungen Mann. Augenblicklich wurde Ryo wärmer. Eigentlich sogar kochend heiß. Na super, so viel bedeutete er seinem Partner also: Er verfror hier draußen und der amüsierte sich da drinnen.

Leise fluchend stieg Ryo schließlich doch noch aus dem Zivilwagen und stampfte durch den Schnee zur Tankstelle. Mit Schwung stieß er die Glastür auf und wollte schon mit einer Schimpftirade über Dee herfallen, als der Mann neben seinem Partner herum fuhr.

Dee glaubte einen Moment, sein Herz würde stehen bleiben. Alles lief ab wie in Zeitlupe. Binnen Sekunden war der Junkie herumgefahren und hatte eine Waffe aus der Jacke gezogen und abgedrückte. Zwei mal... Herzschlag für Herzschlag rasten die Kugeln durch den Raum.

Ryo wurde nach hinten gegen die Glastür geschleudert, die krachend nachgab. Mit einem dumpfen Aufprall landete Dees Partner auf der Strasse.

Dees Augen weiteten sich vor Schreck und er schien einen Moment unfähig zu reagieren. Konnte sich nicht rühren und den Junkie, der nun flüchtete, auch nicht aufhalten. Alles um ihn herum schien zu verschwimmen. Die Geräusche der Großstadt drangen nur noch gedämpft zu ihm hindurch. Nur sein eigener lauter Atem und sein Herzschlag konnte er vernehmen, als er schließlich mit wankenden Schritten nach draußen ging.

Blut... über all... Blut... Ryos Blut. Seine Hand fuhr fahrig über Ryos Brust, die sich schwach hob und senkte. Er lebte. Oh mein Gott, er lebte! Aber er war getroffen worden. Zwei mal......

Dee beugte sich tief runter. "Ryo? Ryo, kannst du mich hören?" Keine Reaktion. Nur ein stockendes Ein- und Ausatmen. Auch noch, als die Sirenen des Krankenwagens, den der Tankwart verständigt hatte, von Fern erklangen.

Dee wurde von den angekommenen Sanitätern ziemlich unsanft zur Seite gestoßen. Während er sonst jedem an die Kehle gegangen, der das mit ihm gemacht hätte, so blieb er jetzt ruhig, beinahe beängstigend ruhig, daneben stehen. Beobachtete wie der Notarzt und seine Helfer seinen Partner versorgten. Wie sie eine Nadel in seine Armvene stachen und ihn an eine Infusion legten. Wie sie ihm eine Beatmungsmaske anlegten und ihn schließlich auf einer Trage in den Krankenwagen schoben.

Die Türen schlossen sich gerade, als zwei Polizeiwagen vorfuhren. Aus einem sprang ein junger Mann mit fliederfarbenen Haaren. Doch entgegen seines sonstigen Auftreten, dass darin bestand Dee nahe zu über den Haufen zu rennen, trat er still neben ihn. "Dee-senpai? Was ist passiert?"

Aber Dee reagierte nicht im geringsten auf J.J.s Frage, sondern starrte dem davon fahrenden Krankenwagen hinterher. Erst als Ross Barkley ihn an schupste, sah er hoch. Gleich darauf stieg die Wut in seinem Gesicht hoch. Doch ehe er überhaupt ansetzen konnte, hatte in sein Chef schon zu dem Polizeiwagen gestoßen und die Tür geöffnet. "Rein da! Wir fahren hinter her!"

Die Fahrt schien unendlich lang zu dauern. Doch noch länger schien es zu gehen, nachdem sie im Krankenhaus angekommen waren, bis sich endlich ein Arzt bei ihnen meldete. Der Mann stellte sich ihnen als Doktor Braket vor. Sein Gesicht verriet Spannung und Unwohlsein. Ross hob den Arm um Dee davon abzuhalten gleich wie ein Irrer auf den Arzt einzureden. Stattdessen stellte er selber die entscheidende Frage um den Zustand seines Detektivs.

Der Arzt atmete tief durch. "Nun... zurzeit ist er noch im OP... sein Zustand ist... kritisch, aber stabil......."

"W-wie kritisch?", fragte Dee leise.

"Die eine Kugel hat sein Herz nur knapp verfehlt, konnte aber ohne Probleme entfernt werden. Die zweite Kugel jedoch... ist zwar an der Schädeldecke abgeprallt, hat jedoch trotzdem erheblichen Schaden angerichtet. Teile des vorderen Stirnlappens..."

Die folgenden Worte nahm Dee gar nicht mehr richtig wahr. Zu kompliziert um sie zu verstehen. Noch einmal ließ er das Ganze vor seinem inneren Auge ablaufen. Was war passiert? Was hatte er falsch gemacht? Hätte er es eventuell abwenden oder verhindern können? Hätte er den Junkie gestellt, wäre er vermutlich über den Haufen geschossen worden, worauf hin Ryo ziemlich sicher auch gekommen wäre und es wieder denselben Endeffekt gehabt hätte. Wie er es auch drehte und wendete, das Ende blieb das gleiche. Als er wieder hochsah, sah er direkt in die ernsten Gesichter seines Vorgesetzten und seines Mitarbeiters und er vernahm die letzten Worte des Arztes. Nur wenige Worte, doch sie reichten, um ihm das Blut in den Adern gefrieren zu lassen: ,Koma' und ,wissen nicht wie lange'

"K-kann ich zu ihm, wenn er...."

"Dee...?" Die unsichere Mädchenstimme riss Dee aus seinen Gedanken. Er fuhr herum und blickte in die ängstlichen Augen eines jungen Mädchens und eines Jungen. "Carol... Bikky... was... was macht ihr hier?"

"Bikky hat den Polizeifunk abgehört und da... da......"

"... sie haben gesagt, dass ein Kollege angeschossen wurde und da sind wir auf dem Revier vorbei gefahren und...." Bikkys sonst so nervtötende Stimme war kaum zu verstehen gewesen und brach nun gänzlich ab. Dee ging langsam auf die beiden Kinder zu und ging vor ihnen in die Hocke. Noch ehe er sich versah waren ihm beide um den Hals gefallen. Carol schluchzte leise auf, während der 12-jährige noch versuchte die Tränen zurück zu halten. "Ryo... ist er... ich meine..." Und schon war der Kampf verloren.

Dee schüttelte den Kopf an den beiden schmalen Schultert. "Er liegt im Koma... es kann also noch alles gut werden... wenn....."

"Sie können mitkommen, wenn sie möchten." Die Worte des Arztes ließen Dee zusammen fahren. Er nickte und löste sich sanft aus den Kinderumarmungen. "Wartet hier... ich fahr euch nachher nach Hause."

Dee folgte dem Arzt, der ihn auf die Intensivstation führte. Langsam öffnete sich die Tür vor seiner Nase und für einen Moment schloss er die Augen. Dann trat er langsam in den Raum. Noch trennte ihn eine Wand mit einer Glasscheibe von seinem Partner. Dee wagte es nicht, auch die letzte Tür zu durchschreiten. Er blieb vor der Scheibe stehen. Seine Hände legten sich flach an das kühle Glas. Er zitterte. Der Anblick der sich ihm bot, zerriss beinahe sein Herz und er musste einen Augenblick abermals die Augen schließen. Nur sehr zögernd öffnete er diese wieder. Was er sah schmerzte bis tief in sein Inneres. Überall waren Kabel und Schläuche an Ryos leblosem Körper befestigt. Durch einen kleinen Lautsprecher vernahm er das nervöse Piepen, dass Ryos Herzschlag schwach anzeigte. Ein merkwürdiges Nebengeräusch lies Dee schaudern, bis er es schließlich der Beatmungsmaschine zuordnen konnte.

Eine warme Hand legte sich auf seine zitternde Schulter und der Arzt streckte ihm einen sterilen Klinikkittel hin. Wortlos streifte Dee ihn sich über und sah den Mann im weißen Kittel unsicher an. Dieser nickte ihm aufmunternd zu und denn betrat er das kleine Zimmer durch die geöffnete Tür. Im Innern waren die Geräusche der Maschinen beinahe unerträglich und es kostete Dee sämtliche Überwindung, um nicht aus dem Zimmer zu flüchten. Schließlich aber trat er doch neben das Bett seines Partners und betrachtete ihn unsicher. Seine Haut war bleich, beinahe so weiß wie das Kissen, auf dem er lag. Nur der weiße Verband um seinen Kopf war an einer Stelle etwas rot verfärbt. Besorgt warf Dee einen Seitenblick auf den Arzt, aber der schüttelte nur beruhigend den Kopf und der junge Polizist wandte sich wieder seinem Freund zu. Langsam ging er neben dem Bett in die Hocke und nahm Ryos Hand in die seine. Normalerweise schienen die beiden Männer in etwa gleich groß und gleich kräftig gebaut zu sein und doch schien Ryos Hand in diesem Moment so zerbrechlich in Dees. Vorsichtig, beinahe ängstlich, strich er über die weiche Haut unter seinen Fingern. Etwas heißes, schmerzhaftes, brannte in seinen Augen und noch ehe er sich versah, floss die erste Träne seine Wange hinab.

Taktvoll verließ der Arzt das Zimmer und lies Dee einen Moment alleine mit seinem Schmerz zurück. Noch immer flossen Tränen seine Wangen hinunter. Zum ersten mal seit langem. Doch seit langem fühlte er sich so hilflos und allein. Wie nur sollte er seinen geliebten Freund wieder zurück holen? Wie ihn wieder aus dem Todesschlaf zurück bringen? Leise flüsternd kam drang seine Bitte über seine Lippen. "Ryo... bitte... komm zurück... bitte..." Seine Schultern erbebten als er versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken. Schließlich erhob er sich und beugte sich tief über den bewusstlosen Körper seines Partners. Zärtlich drückte er seine Lippen auf Ryos Stirn und beinahe huschte ein Lächeln über Dees Gesicht. "Ruh dich aus. Ich werd morgen wieder kommen."

Die leere Wohnung schien Dee beinahe verschlingen zu wollen, als er sie eine halbe Stunde später betrat. Unruhig lies er seinen Blick durch das Wohnzimmer gleiten. Auf dem Salontischchen stand noch immer die Cornflakesschüssel vom morgen. Dafür war allerdings die sonst immer so zerknautschte Decke schön ordentlich zusammengelegt. Dee musste schmunzeln. Jap, Ryo war heute Morgen hier gewesen, hatte die Wohnung jedoch fünf Minuten vor Dee verlassen und schon sah man wieder die Zerstörungskraft des jüngeren Cops.

Nun schien die ganze Wohnung leer zu sein, auch wenn Bikky und Carol hinter ihm standen. Ein kalter Windhauch ließ Dee frösteln und er schloss endlich die Wohnungstür hinter sich zu. Die beiden Kinder schliefen wenig später zusammengerollt auf einer Hälfte des großen Doppelbettes, nur Dee fand keinen Schlaf. Er war müde, ihm war kalt, aber Schlaf fand er trotzdem keinen. Zu sehr taten die Bilder, die dann vor seinem inneren Auge auftauchten, weh und waren nur sehr schwer zu vertreiben.

Schließlich fiel er in den frühen Morgenstunden doch noch in einen unruhigen Schlaf, schreckte jedoch keine drei Stunde später schon zum vierten Mal hoch. Die Schüsse halten noch lange in seinen Ohren und sein Atem ging heftiger als nach einem Dauerlauf um vier Häuserblocks.

Carols Gesicht tauchte besorgt dreinblickend vor Dee auf. In der rechten Hand hielt sie eine Tasse mit dampfendem Kaffe, den sie ihm nun unter die Nase hielt. Dee nahm einen Schluck und stellte die Tasse dann bei Seite. Irgendwie hatte der Kaffee einen bitteren Beigeschmack und das lag nicht an Carol, denn sonst mochte er ihren Kaffee eigentlich, auch wenn er reichlich stark war.

Auch Bikky tauchte nun hinter Carols Rücken auf. Er mampfte gerade auf einen Stück Toast herum und reichte Dee ebenfalls eins. Doch der verzog nur das Gesicht. Allein bei dem Gedanken an Essen hätte er sich schütteln mögen. Trotz Bikkys Enttäuschung, weil er sich doch extra die Mühe gemacht hatte, den Toast nicht zu verkohlen, weigerte sich Dee überhaupt etwas Essbares zu sich zu nehmen. Noch immer halbwegs angezogen kroch er aus dem Bett und torkelte in Richtung Bad. Dort flogen erst mal sämtliche Klamotten in den Wäschekorb und gleich darauf konnte man die Dusche rauschen hören.

Die beiden Kinder saßen nebeneinander auf dem Sofa, als Dee etwas später mit einer sauberen Jeans und einem frischen Shirt bekleidet ins Wohnzimmer kam. Ohne ein Wort zu sagen zog er sich seine Turnschuhe über und schlüpfte in die Jacke.

"Dee.....? Wohin...?" Carol brauchte die Frage eigentlich überhaupt nicht zu stellen. Sie verstumme bei Dees Blick augenblicklich wieder und rutschte zurück zu Bikky aufs Sofa.

Ohne sich weiter um die Zwei zu kümmern jagte Dee die Treppe hinunter und sprang in seinen Wagen. Die Uhr zeigte bereits halb zehn und Dee wollte nicht unnötige Zeit von seinem Partner getrennt sein. Also gab er ordentlich Gas und erreichte das Krankenhaus knapp zehn Minuten später.

Als er das Zimmer auf der Intensivstation betrat, überkam ihn wieder dieses mulmige Gefühl. Eine innere Unruhe breitete sich in ihm aus und er verfluchte sich selber dafür. Noch immer schien Ryos Zustand unverändert zu sein. Puls und Blutdruck wurden ebenso regelmäßig kontrolliert wie die restlichen Vitalfunktionen. Während der ganzen Zeit, in der Dee an Ryos Bett saß, hielt er die feine Hand seines Geliebten und strich vorsichtig mit dem Daumen über dessen Handrücken.

Nur ganz leise sprach Dee mit seinem Freund. Verstummte, wann immer jemand das Zimmer betrat. Es war merkwürdig niemals eine Antwort zu erhalten, dennoch dachte Dee nicht im Geringsten daran, aufzuhören. Die Ärzte hatten ihm gesagt, dass Ryo ihn wahrscheinlich hören könne, es aber nicht bewiesen sei. Jedoch war klar, dass das einzige, was Dee in diesem Moment tun konnte, reden war. Reden und bei ihm sein, ihm zeigen, dass er nicht allein wahr. Und so redete und redete Dee, doch selbst ihm ging irgendwann der Gesprächsstoff aus und die Zuversicht sank von Stunde zu Stunde.

Nach Einbruch der Nacht, der heiligen Nacht, in der Dee eigentlich so viele Pläne verwirklichen wollte, saß er noch immer bei seinem Partner. Doch seine Erzählungen waren stockender geworden und langsam begann die Angst in ihm zu nagen. Die ersten 48 Stunde waren entscheidend, dass wusste er. Je mehr Zeit verstrich, umso schwerer würde es werden Ryo überhaupt wieder zurück zu bekommen. Dees Verzweiflung wuchs und er begann stumme Gebete gen Himmel zu schicken.

Leise redete er auch noch auf Ryo ein, als kurz vor Mitternacht Berkeley Rose ins Zimmer trat. Ohne sich bemerkbar zu machen, lauschte er Dees flehenden Worten. "Komm bitte zurück. Du wirst hier noch gebraucht. Hast du das schon vergessen? Was soll denn aus Bikky und Carol ohne dich werden? Meinst du sie überleben meine Kochkünste? Bitte... ich versprech' dir alles... wir können meinetwegen auch ne verdammte Katze anschaffen, wenn du sie immer noch unbedingt haben willst. Nies ich mir eben einen ab oder ich jag mir diese Antiallergiespritze in den Hintern. Kein Problem, aber du musst dich um das Vieh kümmern... verstehst du? Du musst sie versorgen." Dees Stimme begann langsam zu versagen, dennoch sprach er weiter. Erzählte Ryo, was sie noch alles zusammen unternehmen würden, wenn er nur wieder aufwachen würde. "Und so bald es wärmer wird, fahren wir runter zum Strand und dann schwing ich mich hinter dir auf ein Pferd. Ich werde sterben vor Angst, aber hei... du bist dann glücklich, oder? Oder willst du noch immer nach Disneyland? Wir können hin, so bald es dir besser geht... auch jetzt schon im Winter. Ich werd dich einfach ganz warm einpacken und dann wirst du schon nicht krank... versprochen..." Er schluchzte, konnte sich die aufkeimenden Tränen nicht mehr verkneifen. "Ryo... komm zurück... bitte!!!"

Ross schwieg die ganze Zeit. Jetzt etwas zu sagen, käme etwa einem Faustschlag ins Gesicht gleich. Lautlos zog er sich wieder aus dem Zimmer zurück. Er seufzte. Er würde eine lange, eine sehr lange Zeit ohne zwei seiner besten Detectives auskommen müssen.
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