Verbotene Liebe

von KellyG
GeschichteDrama, Romanze / P16
Matreus OC (Own Character) Zanrelot
19.12.2009
10.04.2017
18
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Es war ein Tag wie jeder andere in Lübecks Unterwelt: Zanrelot, der sich längst als rechtmäßiger Herrscher der Stadt sah, wäre da nicht dass Problem, dass er keinen Fuß auf die Oberfläche setzen konnte, tobte vor Wut, wie so oft. Und wie so oft ließ er diese an seinem Diener und Neffen Matreus aus. Dieses Mal jedoch zumindest nicht ganz unbegründet.
Matreus hatte, als er die Seelenhalle putzen sollte, versehentlich das Gefäß einer Seele fallen lassen, das dabei zerbrochen war, so dass die Seele weiter ziehen konnte. Diese eine, winzige Seele stellte den Herrn der Lübecker Unterwelt jedoch vor ein gewaltiges Problem: Ohne genügend Seelen würde er wieder altern und das würde sein Körper nicht ewig mitmachen.
Zanrelot beschimpfte seinen jüngeren Diener als unnützen Trottel, ohne die Entschuldigungen, die Matreus stotterte als hinge sein Leben davon ab – einerseits tat es das auch, andererseits wusste Zanrelot, dass er seinen Diener brauchte – hören zu wollen. Matreus schien unter dem Wutausbruch seines Meisters immer kleiner zu werden, doch mit einem Mal war es vorbei: Zanrelot schien sich ein wenig beruhigt zu haben.
„Ich brauche eine neue Seele und du, Matreus, wirst sie mir besorgen!“, befahl er und sofort nickte Matreus eifrig. Etwas Anderes wäre ihm ohnehin nicht übrig geblieben.
„Natürlich, Meister. Dachtet ihr an eine bestimmte Seele?“
Im Grunde war es dem blonden, jungen Mann egal, wessen Seele er raubte, solange Zanrelot sich nur wieder beruhigte, doch wenn der Meister jemand Bestimmtes haben wollte, tat man ihm den Gefallen besser.
Kalt lächelnd wandte Zanrelot sich seinem Bildschirm zu und deutete auf das Bild einer blutjungen, außerordentlich hübschen Frau.
„Ihre Seele sollst du mir bringen! Sie kann eine ernstzunehmende Gefahr für uns werden!“
Das erstaunte Matreus nun doch. Die Frau war eigentlich noch ein Mädchen und erschien so harmlos, wie nur möglich.
„Wie kann die denn eine Gefahr für Euch darstellen, Meister? Das ist doch noch fast ein Kind!“, rutschte es ihm heraus, ohne dass er es hätte verhindern können. Vorsichtshalber senkte er den Blick, merkte aber dennoch, wie Zanrelot ihn ansah und den Kopf schüttelte.
„Sie sieht vielleicht aus wie eine 18-jährige, aber glaube mir, sie ist älter. Sehr viel älter. Dieses Mädchen ist Fauna Ismael, eine Vampirin, Tochter eines längst vergessenen Herrscherhauses. Sie ist gefährlich, ihre Macht ist unbeschreiblich groß, mit einer der Gründe, warum sie unter der Sonne wandeln kann, und wenn ich ihre Seele habe, wird meine Macht nur noch größer sein!“
Matreus versuchte vergeblich, die in ihm aufsteigende Verzweiflung herunter zu schlucken. Wenn sie so mächtig war, wie sollte er dann den Versuch, ihr die Seele zu rauben, überleben? Dann kam ihm ein anderer Gedanke.
„Aber wenn sie doch schon ein Vampir ist, wie kann sie dann noch eine Seele haben?“
„Sie ist eine geborene Vampirin, keiner dieser verwandelten, seelenlosen Wichte“, erklärte Zanrelot genervt, als wäre es das Logischste auf der Welt. Matreus verlor somit den letzten Funken Hoffnung.
„Aber wie soll ich denn an ihre Seele ran kommen, wenn sie tatsächlich so mächtig ist? Sie würde mich doch sofort“, er suchte beinahe panisch nach dem passenden Wort, „zerstückeln!“
„Aber, aber, aber“, äffte Zanrelot seinen Diener nach, „Lass dir was einfallen!“, den letzten Teil zischte er kühl, ehe er seinen Neffen hinaus warf.

Matreus verschwand an die Oberfläche, wo er am Ufer der Trave landete. Einen Moment lang schoss ihm durch den Kopf, wie oft er sich anfangs verschätzt hatte und statt am Ufer im Wasser gelandet war, dann konzentrierte er sich auf seine Aufgabe, bei der sich jedoch zwei Fragen stellten: Wie sollte er das Mädchen finden? Und wie würde er am besten an ihre Seele heran kommen?
Er seufzte und beschloss, erst einmal los zu gehen. Vielleicht würde er im Rathaus nähere Angaben zu ihr finden.
Matreus machte sich auf den Weg, grübelte jedoch noch über die zweite Frage nach, denn ohne Plan bei Fauna Ismael aufzutauchen, würde ihn garantiert das Leben kosten.

Er war so in Gedanken vertieft, dass er nicht merkte, dass ihm jemand entgegen kam, weshalb er diesen jemand prompt über den Haufen rannte, dabei selbst stolperte und – anders als sein Gegenüber – weich landete. Im ersten Moment wollte er sich entschuldigen, als er sich das Mädchen, das nun unter ihm lag, genauer ansah.
Fauna Ismael durchzuckte es ihn. Das Schicksal hatte es entweder sehr gut mit ihm gemeint, oder hasste ihn wieder einmal. Jeder Gedanke an eine Entschuldigung war verschwunden, dafür rasten tausend andere durch seinen Kopf. Er hatte sie gefunden, brauchte eigentlich nur ihre Seele zu nehmen, lag sie doch vollkommen wehrlos unter ihm. Sein Herzschlag beschleunigte sich aufgeregt.
Ihre Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, sie klang melodisch, als würde sie singen, anstatt zu sprechen.
„Könnten Sie bitte von mir runter gehen?“
Offensichtlich war sie auch noch höflich, aber wen konnte es schon verwundern? Das Mädchen war die Tochter einer Herrscherfamilie.
Damit hatte Matreus jedoch nicht unbedingt gerechnet, so dass er sie einen Moment lang verwirrt anstarrte, als hätte er noch nie ein Mädchen gesehen, dann jedoch stahl sich ein böses Lächeln in sein Gesicht.
„Nein, erst muss ich noch etwas erledigen“, raunte er, woraufhin Fauna ihn erst verwirrt ansah, ehe ihre Augen sich vor Schreck weiteten, im gleichen Moment in dem Matreus einen drückenden Kopfschmerz verspürte. Ohne dem eine größere Bedeutung zuzumessen, beugte er sich tiefer zu ihr herunter, grinsend über den Schock in ihrem schönen, ebenmäßigen Gesicht. Sie murmelte fieberhaft Worte vor sich hin, in einer Sprache, die er nicht verstand, doch auch darum scherte er sich nicht, runzelte lediglich die Stirn, als ihre Augen plötzlich leer und ihre Miene ausdruckslos wurden.
Er öffnete ihren Mund ein Stück, legte seinen darüber und machte sich daran, die Seele aus ihrem Körper zu saugen, doch tat sich nichts, fast so, als hätte sie doch keine Seele. Doch sollte Zanrelot sich wirklich getäuscht haben? War es nicht wahrscheinlicher, dass sie hinter seine Absichten gekommen war und ihre Seele bewusst schützte?
Matreus knurrte gereizt, ehe er die Vampirin fesselte und sich über die Schulter warf. Überrascht stellte er fest, dass sie federleicht war, viel zu leicht im Grunde. Das jedoch war nicht sein Problem, weshalb er sich nicht länger darum kümmerte, sondern mit einer kurzen Drehung zurück in die Unterwelt verschwand, sicher, dass Zanrelot eine Lösung finden würde.

Eben dieser erwartete ihn bereits in der Zentrale, verengte seine Augen jedoch zu Schlitzen, als er das Mädchen in Matreus' Armen bemerkte.
„Was macht das Gör hier?“, fuhr er Matreus an, „Ich wollte, dass du mir ihre Seele bringst, aber du bringst mir das Gör! Was bewegt dich zu so einer Dummheit?“
„Meister, ich versuchte ihr die Seele zu nehmen, doch es funktionierte nicht. Sie wurde plötzlich ausdruckslos und ich kam nicht an ihre Seele heran!“, rechtfertigte Matreus sich hektisch, da er eine Strafe dringend vermeiden wollte.
Zanrelot atmete tief durch.
„Dann nimm ihr die Fesseln ab und lege sie da auf den Boden. Ich kümmere mich darum. Man muss ja wohl alles selber machen!“
Matreus schluckte und befolgte die Anweisungen sofort.
Fauna lag kaum auf dem Boden, da kniete Zanrelot sich neben sie, sah ihr direkt ins Gesicht und zog einen Dolch, den er ihr an die Kehle hielt.
„Komm zurück oder ich werde dich töten!“, flüsterte er drohend, ohne dass seine Worte Eindruck auf sie zu machen schienen. Dann jedoch umspielte ein böses Lächeln seine Lippen. Er beugte sich weiter zu ihr herunter, immer weiter, kam ihr nahe, viel zu nahe.
Plötzlich kam wieder Leben in den schmalen Körper. Fauna blinzelte, riss erschrocken die Augen auf und versuchte, von Zanrelot weg zu rutschen, der sie jedoch eisern fest hielt. Zanrelot rief Matreus zu sich und befahl ihm, ihr nun endlich die Seele zu nehmen.
Matreus gehorchte augenblicklich, setzte sich vor das Mädchen und zwang sie, ihn anzusehen. Er näherte sich ihrem Gesicht und kurz bevor sich ihre Nasenspitzen berührten, hielt er inne. Kurzerhand saugte er ihr die Seele aus dem Körper und spuckte sie in die Flasche, in der sie die Ewigkeit verbringen würde. Diese gab er an zwei Zanreloten weiter, die die lautstark schimpfende Seele in die Seelenhalle bringen würden. Matreus wusste, dass sie irgendwann aufgeben und schweigen würde, so war es immer.
Als er sich wieder aufrichtete, befahl Zanrelot, dass der nun leblose Körper Faunas in eine Zelle gebracht werden sollte. Matreus sollte sie jedoch nicht aus den Augen lassen, der Herr der Lübecker Unterwelt vertraute dem derzeitigen Frieden nicht.

Nach einem kurzen Fußmarsch legte Matreus Fauna in einer kleinen Zelle ab, die eigentlich schon lang nicht mehr genutzt wurde.
Zum ersten Mal sah er sie richtig an. Das hüftlange, schwarze Haar hatte sich wie ein Fächer um ihren schlanken, aber dennoch weiblichen Körper gelegt. Ihre Gesichtszüge waren fein geschnitten und ebenmäßiger als er es je zuvor gesehen hatte, ihre Haut war hell und erinnerte ihn beinahe an Porzellan.
Sie ist wunderschön, schoss es ihm durch den Kopf, als er plötzlich etwas in sich spürte, das er so nicht kannte. Etwas, wie ein sehr starkes Verlangen nach diesem Mädchen. Er wollte ihren Körper unbedingt haben, aber auch ihre Stimme wieder hören.
Was, wenn er einfach ihre Seele befreite und sie ihr zurück gab? Er würde schon eine neue Seele auftreiben können. Nur wohin dann mit Fauna? Hätte sie ihre Seele zurück, wäre sie in der Unterwelt nicht mehr sicher, doch genau das sollte sie sein. Gleichzeitig wollte Matreus sie aber auch in seiner Nähe haben.
Er zögerte, beschloss dann aber, mit seinem Meister zu sprechen. Man müsste sie doch irgendwie auf die dunkle Seite ziehen können, sie war schließlich mächtig. Zanrelot musste ja nichts von seinem Verlangen ihr gegenüber erfahren. So würde jedoch hoffentlich alles gut gehen und Zanrelot würde sich möglicherweise ja überzeugen lassen.
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