Crazy Talk zur Weihnachtszeit

von Sarina
GeschichteAbenteuer / P12
Clark Kent Cloe Sullivan Lana Lang Lex Luthor Lionel Luthor Martha Kent
19.12.2009
24.12.2009
2
6.731
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
19.12.2009 3.349
 
Crazy Talk

„Was ist nur geschehen? Was ist nur geschehen?", murmelte der Mann leise vor sich hin.

Seine Worte waren mehr an ihn selbst gerichtet, als an die andere im Raum anwesende Person. Bei dieser handelte es sich um einen kleinen untersetzten Mann, der mit übereinander geschlagenen Beinen, in einem mit Leder überzogenem Sessel saß. In der einen Hand hielt er einen Block, in der anderen einen Stift. Aufgeschrieben hatte er allerdings noch nichts. Das lag zum einen daran, dass die Sitzung gerade erst begonnen hatte, zum anderen daran, das sich sein Patient ungewöhnlicherweise alles andere als gesprächig zeigte.
Auch sonst verhielt sich der auf dem Sofa liegende Mann auffällig, in ganz und gar unbekannter Weise. War er sonst immer kraftstrotzend und sehr temperamentvoll in die Behandlungsräume des Psychiaters Dr. Klein gestürmt, so war er an diesem Tag merkwürdig bedächtig hereingekommen.
Statt wie so oft zuvor durch das Zimmer zu tigern, um die innere Unruhe abzubauen, hatte er zielstrebig die Couch angesteuert und sich darauf niedergelassen.
Dort lag er nun seit geschlagenen 20 Minuten und das einzige, was von Zeit zu Zeit von ihm kam waren die vier Worte, die er wie ein Mantra wiederholte.

Dr. Klein hatte bislang nicht gewagt einen Wutausbruch des Luthors dadurch zu provozieren, dass er ihn in seinen Gedankengängen störte und das an seinen Nerven zerrende Schweigen nicht gebrochen. Der starken Persönlichkeit seines Klienten hatte er nichts entgegenzusetzen, weswegen er oftmals anzweifelte der geeignete Arzt und Ansprechpartner für Lionel zu sein. Diese Bedenken laut zu äußern, hatte er sich jedoch nicht getraut. Schließlich schien der milliardenschwere Mann mit seinen Diensten zufrieden, denn er suchte regelmäßig das Büro von ihm auf.
Es hätte Klein zwar nicht geschmerzt, hätte er auf das stets großzügige Honorar verzichten müssen. Mit Lionel Luthor wollte er es sich trotzdem nicht verscherzen. Dazu hatte dieser einfach zu weitreichende Beziehungen und der Psychiater war sicher, dass er dadurch zahlreiche seiner Kunden verloren hätte.

Um sich bei seinem Patienten wieder in Erinnerung zu rufen, räusperte sich der Doktor leise. Da er nicht wirklich damit gerechnet hatte, war er freudig überrascht, als seine Maßnahme den gewünschten Erfolg zeigte.
Lionels anklagender Blick, in dem ein Hauch von Verzweiflung zu erkennen war, richtete sich auf ihn. Klein lief ein Schauer den Rücken hinunter und am liebsten wäre er in seinem Sessel zusammengesunken. Das hatte er nun davon, dass er den Luthor aus dessen Überlegungen gerissen hatte.
Da das erwartete Donnerwetter aber ausblieb und der Doktor weder angeschrieen noch bedroht wurde, wagte er es aufzuatmen.
Beim Klang von dessen Stimme zuckte er kurz zusammen, dann konzentrierte er sich jedoch darauf, als der Patient zu erzählen begann.


Pünktlich um 6.55 Uhr betrat Lionel sein Büro. In einer Hand hielt er seine Aktentasche, in der anderen eine Zeitung. Ohne aufzusehen, da er in einen Artikel vertieft war, ging er auf seinen Schreibtisch zu, stellte dort seine Tasche ab und ließ sich in seinem Sessel nieder. Seine Augen flogen über die Buchstaben und erst als er die letzte Zeile, sowie den Namen des Reporters gelesen hatte, legte er seine Lektüre zur Seite.
Sein Blick streifte über die Oberfläche seines ordentlich aufgeräumten Schreibtisches und blieb Sekunden später an einem Gegenstand hängen, der hier absolut nichts zu suchen hatte.                                                             
Tiefe Falten gruben sich in seine Stirn, als er die Pflanze betrachtete, deren rote Blütenblätter eine seltsame Wirkung auf ihn hatten.
Doch sobald ihm das bewusst geworden war, schüttelte er das Gefühl ab. Er hatte keine Zeit sich Sentimentalitäten hinzugeben!
Ohne lange darüber nachzudenken wie der Weihnachtsstern in sein Büro gekommen war, griff er nach dem Topf. Er verharrte nicht einen Augenblick, sondern ließ das in seinen Augen unnütze Grünzeug in den Tiefen seines Abfalleimers verschwinden.
Mit einem leisen Schnauben wandte er sich anschließend seinen Unterlagen zu. Den kleinen Vorfall hatte er gleich darauf erfolgreich verdrängt.


Mit zunehmender Irritation hatte Dr. Klein den Worten seines Patienten gelauscht. Das Verhalten passt zu dem Lionel Luthor den er kannte. Deswegen war er verwundert, weshalb der Milliardär ihm dieses scheinbar unwichtige Erlebnis berichtete.
Andererseits war er von seinen steinreichen Klienten exzentrisches Verhalten gewohnt und diese zahlten schließlich gut genug, also konnten sie erzählen wonach ihnen der Sinn stand. Klein war das nur Recht, denn er verdiente mit jeder verstreichenden Minute etwas mehr Geld.


Am späten Nachmittag kehrte Lionel in sein Büro zurück. Die letzten Stunden hatte er bei einem Meeting verbracht, an dem auch sein Sohn Lex teilgenommen hatte.
Missmutig hatte der ältere Luthor bemerkt, dass sein Sohn nicht hundertprozentig bei der Sache gewesen war und  immer mal wieder nach draußen geschaut hatte. Auch ohne dem Blick von Lex zu folgen wusste Lionel, dass zahlreiche Flocken vom Himmel schwebten und die Konzentration von mehreren Anwesenden ablenkten.
Der erste Schnee hatte für manche Leute, zu denen sehr zu seinem Missfallen auch sein Spross zählte, eine magische Wirkung. Dabei hatte Lionel stets versucht aus Lex sein Ebenbild zu formen. Das war ihm, wie ihm durchaus bewusst war, nicht in dem Maße gelungen, wie er es beabsichtigt hatte.


Klein hatte nicht gewagt den Redefluss seines Patienten zu unterbrechen, nachdem dieser so schwerlich in Gang gekommen war. An einigen Stellen hätte er zwar gerne Zwischenfragen gestellt, aber so begnügte er sich damit sich eifrig Notizen zu machen. Er glaubte nun bereits zu wissen, welchen Verlauf das Gespräch nehmen würde.
In zahlreichen vorangegangenen Sitzungen hatte ihm Lionel seine Unzufriedenheit in Bezug auf Lex geklagt. Tief in sich drin war sich der Milliardär durchaus darüber bewusst, dass er bei der Erziehung seines Sohnes versagt hatte. Dieser Hass über sein Versagen, das er einfach nicht überwinden konnte, war schuld daran, dass es um die Beziehung der beiden Luthors so schlecht stand. Lionel wurde beim Anblick von Lex stets an sein Versagen erinnert, weshalb er diesem gegenüber voll negativer Gefühle war.


Mit Schwung stieß der Milliardär die Tür auf, die zu seinem Arbeitszimmer führte. Er hatte den Raum schon bis zur Hälfte durchquert, als er abrupt stehen blieb. Mit verkniffenem Gesicht starrte er den auf seinem Schreibtisch stehenden Gegenstand an, den er dort nicht erwartet hatte. Schließlich hatte er den Weihnachtsstern Stunden zuvor in den Mülleimer verfrachtet, ein eindeutiges Zeichen, dass auch die noch so geistig minderbemittelte Reinigungskraft verstanden haben sollte.
Wütend eilte er zu seinem Tisch, packte die Pflanze ein zweites Mal, um sie erneut wegzuschmeißen. Er war kurz davor den Weihnachtsstern fallen zu lassen, als er in seiner Bewegung erstarrte. Aus dem Dunkel des Abfallbehälters ragten rote Blätter.


Der Psychiater hatte mit zunehmender Verwirrung festgestellt, dass sein Klient die      
Erzählung in eine andere Richtung gelenkt hatte. Seltsamerweise schien Lionel diese Sache mehr zu beschäftigen als die Unzufriedenheit mit seinem Sohn.
Das war schon außergewöhnlich genug, doch Klein kam nicht dazu eine Schreibpause einzulegen. Die Gesprächigkeit seines Patienten war ungebrochen und so schickte er sich an, fleißig mitzuschreiben.


Sehr zu seinem Ärger hatte Lionel denjenigen nicht ausfindig machen können, der ihm gleich zwei Weihnachtssterne auf den Schreibtisch gestellt hatte. Seine Sekretärin beteuerte, nicht dafür verantwortlich zu sein und niemanden gesehen zu haben, der sein Büro betreten hatte. Der Sicherheitsdienst mit dem er deshalb Kontakt aufnahm, konnte dies nur bestätigen. Niemand hatte in die Arbeitsräume des Milliardärs eindringen und dort eine Pflanze zurücklassen können. Lionel hatte dies nicht glauben wollen, doch nachdem er die Videobänder mehrere Male selbst überprüfte, war ihm nichts anderes übrig geblieben, als die Sache vorläufig auf sich beruhen zu lassen. Es widerstrebte ihm zwar mit dieser Ungewissheit leben zu müssen, andererseits fehlten ihm Beweise um etwas unternehmen zu können.


Klein war für die kurze Pause, in der sein Patient Luft holte dankbar. Verstohlen blickte er auf die Uhr hinüber. Inzwischen war eine Stunde vergangen, in der er ununterbrochen geschrieben hatte. Er beherrschte zwar perfekt Steno und war es gewohnt über längere Zeit hinweg mitzuschreiben, dennoch schmerzte seine rechte Hand.


Gegen seine Gewohnheit hatte Lionel an diesem Tag relativ früh den Luthor Tower verlassen und war in sein Penthouse gefahren. Die Fahrt dorthin hatte länger als sonst gedauert, da der Schnee die Mehrheit der Autofahrer von Metropolis unerwartet getroffen hatte.
Kaum einer hatte mit der weißen Überraschung gerechnet und so kam es, dass der Verkehr ins Stocken geriet.
Die Verspätung hatte die Laune des Luthors noch verschlechtert. Er mochte die kalte Jahreszeit nicht und hätte gut und gerne auf alle damit verbundenen Ereignisse verzichtet. Ihm bedeuteten weder die ersten winterlichen Boten, noch das Weihnachtsfest etwas.
Vor vielen Jahren hatte er das Fest zwar gefeiert. Aber das war gewesen, bevor die schreckliche Krankheit bei seiner geliebten Frau Lillian diagnostiziert worden war. Lionel verdrängte den Gedanken an seine verstorbene Gattin. Das war schon längst vorbei und er hatte nicht vor sich in der Vergangenheit zu verlieren oder ihr gar nachzutrauern.


Während er dies vernahm, nickte der Doktor beiläufig. Diese Einstellung war typisch für den Luthor. Von Gefühlsduseleien hielt er absolut nichts und er hatte dafür auch bei seinen Mitmenschen gar kein Verständnis. Für Lionel zählte nur Stärke und er machte auch bei seiner Familie keine Ausnahme. Er erwartete von dieser noch mehr als von anderen. Er wollte Perfektion, gleichgültig ob diese Erwartungen erfüllt werden konnten, oder nicht. Lex hatte ihn in dieser Hinsicht oftmals enttäuscht, weswegen er ihn als einen Schwächling ansah. Dabei hatte dieser sich seine Menschlichkeit bewahrt, etwas das dem älteren Luthor schon vor langer Zeit abhanden gekommen war. Das war Lionels große Schwäche, was ihm jedoch nicht bewusst war.
Diese Einschätzung behielt der Psychiater allerdings für sich, da er wusste, wie sein Klient auf eine solche Eröffnung reagieren würde.


Ein helles Lachen riss Lionel aus seinen Gedanken und ließ ihn herumfahren. Die schöne Erscheinung einer gertenschlanken Frau, trat lächelnd auf ihn zu und blieb nur wenige Schritte von ihm entfernt, stehen.                                         
„Nein, du träumst nicht, mein Liebster.", erklärte sie, sichtlich amüsiert über seinen absurden Gedanken.
Heiterkeit spiegelte sich auf ihrem Gesicht wider, als sie seinen fassungslosen Blick bemerkte, mit dem er sie musterte. Sie sah ihm an, dass er die Situation nicht begreifen konnte und wollte. Dieses Verhalten war für ihn so typisch und würde ihr ihre Mission erschweren. Das hatte sich schon gezeigt, wie er mit den Weihnachtssternen umgegangen war.
Eine gewisse Strenge zeigte sich auf ihrer Miene, als sie daran dachte, wie er mit den Pflanzen umgegangen war. Er war keine einfache Persönlichkeit, das hatte sie schon von Anfang an gewusst. Doch sie hatte vor, ihm ein unvergessliches Weihnachtsfest zu bereiten, mochte seine Gegenwehr auch noch so groß sein.


Dr. Klein wusste nicht genau, was er von den neusten Schilderungen halten sollte. Der Tod seiner Frau war für Lionel ein schwerer Verlust gewesen, auch wenn er dies nicht offen nach außen gezeigt hatte. Manch einer mochte den Milliardär für gefühlskalt gehalten haben, denn genau so hatte sich dieser in der Öffentlichkeit gezeigt.
In ihm hatte es allerdings ganz anders ausgesehen. Doch Lionel war nicht in der Lage gewesen, den Schmerz über das Ableben Lillians mit irgendjemanden zu teilen. Nicht einmal seinen Sohn gegenüber hatte er sich diese Gefühle eingestanden. Lionel hatte alleine mit der Situation zurechtkommen wollen. Für ihn war es eine wichtige Demonstration seiner Stärke, die ihn in jener Zeit aufrecht erhielt.


Lionel konnte noch immer nicht begreifen, was soeben geschehen war. Noch vor wenigen Minuten war er alleine in seinem Penthouse gewesen und nun hielt er sich in der Gesellschaft seiner vor Jahren verstorbenen Frau auf.
Diese schenkte ihm schon seit geraumer Zeit keine Beachtung mehr. Lillian, die in ein schneeweißes Kleid gewandet war, dass ihr vorzüglich stand, bewegte sich tänzelnd durch die Räumlichkeiten. Leise summte sie eine Melodie vor sich hin, während sie überall Weihnachts-
dekoration anbrachte.
Lionel hatte keine Ahnung, woher die Misteln, Tannenzweige und der restliche Kram gekommen waren. Lillian schien diese aus dem Nichts zu zaubern, denn sie streckte sich jeweils nur zu einer passenden Stelle an der Wand hoch und machte dort das nächste Teil fest.
Kein einziges Mal sah Lionel sie zu einer Kiste eilen, um dort die Gegenstände heraus zu nehmen. Schweigend beobachtete er, wie sie ihr Werk vollendete und sich zufrieden umsah. Erst dann wandte sie sich ihm wieder zu.
„Gefällt es dir?", erkundigte sie sich lächelnd. Ohne eine Antwort von ihm abzuwarten, zu der eh im Moment eh nicht in der Lage gewesen wäre, drehte sie sich vergnügt um.
Mit kindlicher Begeisterung klatschte sie mehrmals in die Hände, nur um gleich darauf plötzlich still zu stehen und mit andächtigem Gesicht zur Decke hochzusehen.
Als Lionel ihrem Blick folgte, weiteten sich seine Augen. Von überall her begannen kleine weiße Flocken auf ihn herab zu fallen. Entgeistert starrte er in die Höhe, bis der erste Schnee ihn erreichte hatte. Die weißen Kristalle machten vor ihm nicht halt, sondern legten sich auf seine Haut, wo sie schmolzen.


Ohne es zu merken, hatte der Psychiater aufgehört zu schreiben. Gebannt lauschte er der Erzählung Lionels, der mit fester Stimme berichtete und jedes Wort so zu meinen schien, wie er es sagte. Niemals zuvor hätte Klein an der Integrität seines Klienten gezweifelt. Doch im Moment war er mehr als verunsichert. Das Gehörte klang zu abstrakt, um dem Gehirn des Luthors zu entstammen und doch konnte er mit eigenen Augen sehen, dass dieser nur wenige Meter entfernt, auf der Couch in seiner Praxis lag.


„Beende es! Auf der Stelle!", donnerte Lionels vor Wut bebende Stimme durch den Raum. Nach zahlreichen endlosen Minuten hatte er sich soweit gefasst, dass er auf diese Ungeheuerlichkeiten reagieren konnte.
Seine Augen fixierten die Gestalt der Frau, die seiner geliebten Lillian dermaßen ähnlich sah, dass ihn der Anblick schmerzte. Er hatte geglaubt mit der Erinnerung an sie Leben zu können und bislang hatte das geklappt, da er sich nur selten an die Zeit mit ihr zurückerinnerte. Im Moment verkraftete er es aber nicht länger sie und das weihnachtlich geschmückte Zimmer zu sehen. Es war zu viel und zu unbegreiflich, als das er diese Intrige gegen ihn noch eine Sekunde länger geduldet hätte.
„Oh Lionel, ich habe nicht vor dich in den Wahnsinn zu treiben!", sprach Lillian in diesem Augenblick die Befürchtung aus, die ihm zusetzte.
Sie spürte seinen misstrauischen Blick auf sich ruhen, was ihr ein leises Seufzen entlockte. Sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er ihr nicht glauben, geschweige denn vertrauen würde.
„Das alles hier...", Lillian deutete mit einer Handbewegung auf die eben erst angebrachte Dekoration. „und ich", sie deutete auf sich selbst. „können sofort verschwinden.", erklärte sie.
Forschend blickte sie in sein Gesicht. Die Zustimmung darin war all zu deutlich und kränkte sie ein wenig, obgleich sie damit gerechnet und nichts anderes erwartet hatte.
„Allerdings nur, wenn du mir ein Versprechen gibst!", forderte sie.


Gebannt hing der untersetzte Doktor an den Lippen seines Patienten. Die Geschichte wurde mit jeder Minute abenteuerlicher und hatte nichts mehr mit der Realität zu tun, dennoch fesselte ihn die Story. Als Lionel an dieser Stelle eine kurze Pause einlegte, um sich zu räuspern, hätte Klein ihn am liebsten gedrängt, schnellstens Fortzufahren. Zu seinem Glück musste er sich nicht lange gedulden.


Obgleich es ihm widerstrebte, hatte Lionel der Gestalt Lillians das verlangte Versprechen gegeben. Einen Wimpernschlag später war der Spuk vorbei und er wieder ganz alleine in seinem Penthouse gewesen. Der Milliardär hatte das getan was er am besten konnte und den Vorfall verdrängt. Es hätte ohnehin nichts gebracht, wenn er den Sicherheitsdienst alarmiert und über den Vorfall informiert hätte. Niemand hätte seinen Worten geglaubt, zumal es keinen Beweis für einen außergewöhnlichen Vorfall gab. Jeder normale Mensch hätte seine Schilderung als ein Hirngespinst abgetan, dass durch Überarbeitung oder dem übermäßigem Konsum von Alkohol, entsprungen war.
Nachdem 24 Stunden vergangen waren, hielt Lionel das Geschehen selbst für einen Umstand seines überreizten Gehirns, weshalb er sich die darauf folgenden Tage jeweils eine Stunde mehr Schlaf gönnte. Tatsächlich verlief wieder alles wie üblich, was es ihm erleichterte den einmaligen Vorfall zu vergessen.


Klein musste sich eine leichte Enttäuschung darüber eingestehen, dass sich alles so nüchtern aufgelöst hatte. Zudem wusste er noch immer nicht, was für ein Versprechen abgegeben worden war, dabei schien dies das Interessanteste an der Ganzen Sache gewesen zu sein.
Er musste sich sehr zurückhalten, um nicht nachzufragen. Allerdings wollte er nicht den Unmut seines Klienten auf sich ziehen. Dieser schien mit dem Geschehen abgeschlossen zu haben, da war es besser nicht in einer noch frischen Wunde zu stochern.


Zwei Tage später stieg Lionel aus der Limousine, in der er direkt vor die Mansion in Smallville chauffiert worden war. Ohne den Fahrer zu beachten, dem er bereits auf den Weg hierher instruktiert hatte, ging er die wenigen Stufen zum Portal hoch.                
Wie schon zahlreiche Male zuvor, öffnete er die Eingangstür, die in die Eingangshalle des weitläufigen Schlosses führte. Kaum war er eingetreten, bemerkte er die hier versammelten Menschen, die ihre Aufmerksamkeit auf ihn richteten.
Ihm am nächsten stand das Ehepaar Kent. Jonathan hatte den Arm um die zierlichen Schultern seiner Frau gelegt und blickte ihm finster entgegen, als er eintrat.
Lionel schenkte der grimmigen Mine des Farmers keinerlei Beachtung. Er hielt es für unter seiner Würde, die Herausforderung anzunehmen, die er in den Augen des Mannes gelesen hatte. Denn Kent stellte keinen akzeptablen Gegner für ihn dar. Allerdings amüsierte es den Milliardär doch, welche Reaktionen es bei Jonathan hervorgerufen hatte, als er dessen Frau Martha eindeutige Avouncen gemacht hatte.


Auf der Stirn des Doktors zeigten sich Falten, als er daran dachte, was er über Lionel gehört hatte. Dieser nahm sich was er wollte, ganz gleich ob er ein Anrecht darauf hatte oder nicht. Das bezog sich nicht nur auf Gegenstände oder Firmen, sondern ebenso auf Frauen.
Klein hatte es bislang für Gerüchte gehalten, wenn davon die Rede gewesen war, dass der ältere Luthor bereits während seiner Ehe mit der zu früh verstorbenen Lillian einige Affären gehabt hatte. Wie es aussah, mochte daran aber etwas Wahres gewesen sein. Oder interpretierte er zu viel in die Tatsache, dass sich Lionel zu Martha hingezogen fühlte?


Neben den Kents konnte Lionel dessen Sohn Clark, den Sohn der Richterin Ross, sowie Lana Lang und Chloe Sullivan ausmachen und natürlich hielt sich auch sein eigen Fleisch und Blut in der Halle auf.
Während die Gesichter der Anwesenden verrieten, was sie von dem neu hinzugekommenen hielten, bildete Lex hierbei eine Ausnahme. Dennoch wusste Lionel, dass er seinem Sohn hier genau so wenig willkommen war, wie den anderen.
Er zeigte sich von der Tatsache nicht im Geringsten beeindruckt. Empfindsamere Menschen hätten es wohl als beängstigend empfunden, sich in einem Raum aufzuhalten, in dem einen Hass und Ablehnung entgegenschlug. Der Milliardär nahm die Situation mit beeindruckender Gelassenheit und marschierte in die Mitte der Halle.
„Hat der Schneesturm nachgelassen?"
Der Blick Marthas, der sein Gesicht fixierte machte deutlich, dass die Frage tatsächlich an ihn gerichtet war. Trotzdem erstaunten ihn die Worte der Frau, weshalb er kurz zögerte zu antworten.
„Draußen fallen nicht einmal vereinzelt Flocken.", erwiderte der Angesprochene würdevoll.
Kaum waren seine Worte verklungen, wurde rings um ihn herum Gemurmel laut. Martha und Jonathan tauschten verstohlene Blicke aus, bevor der Farmer zur Tür ging und diese aufriss. Ein scharfer Luftzug wehte in die Halle und mit ihm Dutzende von wild durcheinander wirbelnden Flocken, die draußen bereits den Boden meterhoch bedeckt hatten.


Kleins Finger spielten mit dem Füllfederhalter, den er in Händen hielt und seit geraumer Zeit schon zweckentfremdete. Er hatte sich bereits damit abgefunden, dass diese Sitzung sich eindeutig von allen anderen unterschied. Da er sich zunehmend mit der Situation überfordert fühlte, obwohl er nur in der Rolle des Zuhörers war, hätte er sich eine kurze Pause gewünscht.
Review schreiben