Bis das der Tod uns scheidet

GeschichteThriller / P18
18.12.2009
18.12.2009
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Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er schon vier Stunden in der Kälte, vor ihrer Tür stand. Seit heute morgen schneite es unablässig. Ein schneidender Wind wehte ihm ins Gesicht. Fröstelnd zog er seinen Schal über Mund und Nase um sie vor der Kälte zu schützen. Wo blieb sie nur?
Es war nun kurz vor Mitternacht und immer noch gab es keine Spur von ihr. Ihren Dienstplan kannte er. Sie musste heute nicht länger arbeiten und unter der Woche ging sie niemals aus oder trank etwas mit ihren Kollegen. Sollte er es wagen und sie anrufen?
Seine rechte Hand glitt in seine Manteltasche und wühlte sein Handy hervor. Schnell tippte er ihre Nummer ein. Zumindest versuchte er es. Doch das Wählen mit Handschuhen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Hastig zog er seinen linken Handschuh aus und wählte erneut. Es klingelte. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal. Dann hob sie ab: „Ja?“
„Wo bist du?“, fragte er.
„Verdammt, woher hast du diese Nummer?“
„Ich mache mir Sorgen um dich. Wo bist du?“
„Wie oft habe ich dir gesagt, dass du mich in Ruhe lassen sollst. Ist das so schwer zu verstehen? ICH WILL NICHTS VON DIR!!!“, schrie sie ins Telefon.
Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen: „Ich warte an deiner Haustür auf dich. Ich habe eine Überraschung für dich.“
„Verschwinde! Ich will dich nicht sehen.“ Dann war die Verbindung unterbrochen.
Diese Worte hinterließen ein bitteres Gefühl in ihm. Resignieren stellte er die kleine Schachtel vor ihrer Tür ab, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand nach wenigen Schritten in der Dunkelheit.
Es sollte noch weitere zwei Stunden dauern, bevor Susan ihr zu Hause erreichte. Sie hoffte Inständig, dass ihr ungewünschter Verehrer endlich verschwunden sei. Es war schon sehr frustrierend ihm immer und immer wieder aufs Neue sagen zu müssen, dass sie nichts von ihm wissen wolle. Er war zwar ganz süß, sehr höflich und sehr zuvorkommend. Auch versicherte er ihr, ewige Treue. Aber trotzdem. Da war etwas in seiner Art. Irgendetwas, das in ihr ein mulmiges Gefühl verursachte, wenn sie ihn sah. Seine Augen konnten sie in einem Augenblick noch voller Liebe betrachten und im nächsten waren sie voller Kälte und Hass. Es war ihr geradezu unheimlich seine emotionalen Schwankungen zu beobachten.
Aus versteckten Lautsprechern erklang das ihr vertraute Klicken der Blinker. Sie bog in ihre Straße ein und schaute sich um. Keine Spur von ihm. Ist er wirklich gegangen? Gedankenverloren drückte sie auf einen grauen Knopf am Armaturenbrett und das Tor zu ihrer Garage glitt auf. Ohne einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden fuhr sie hinein. Sie freute sich schon auf einen ruhigen Abend oder zumindest auf das, was davon noch übrig war.
Als sie die Tür öffnete drang eisige Kälte ins Innere des Autos. Susan zitterte kurz und bekam auf den Armen Gänsehaut. „Ein Scheißwetter!“, fluchte sie und schloss das Auto ab.
Mit großen Schritten trat sie aus der Garage hinaus. „Muss es ausgerechnet heute so schneien?“. Susan zog sich ihre Jacke noch enger um die Schultern. Eins kam ihr seltsam vor. Sonst war es immer nötig geworden die Polizei zu rufen. Doch heute. Heute war etwas anders. Ben war nirgends zu sehen. Ist er wirklich ihrer Aufforderung nachgekommen? Mit klammen Fingern wollte sie ihre Schlüssel aus der Jackentasche holen.
„Verdammt!“
Sie hatte sie im Auto vergessen. In ihre Hände hauchend lief Susan zurück zur Garage, schloss das Auto auf und suchte in der Armlehne nach ihren Schlüsseln. Langsam beute sich eine Person über sie und hauchte ihr ins Ohr: „Na meine süße! Hast du mich vermisst?“
Panisch schreiend wirbelte sie herum.
„Scheiße! Karen. Verdammt noch mal. Mach sowas nie wieder!“
Karen musste grinsen: „Tut mir leid süße. Aber dein Gesicht grad war Gold wert!!!“