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Nights of Wonder

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Dr. Walter Bishop Peter Bishop
17.12.2009
17.12.2009
1
957
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
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17.12.2009 957
 
Titel: Nights of Wonder
Autor: Lady Charena
Fandom: Fringe
Episode: 2x10 Grey Matters
Prompt: # 094. Old
Charaktere: Peter Bishop, Walter Bishop
Pairing: - -
Rating: pg, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja



Summe:  Nachdem sein Vater fast ums Leben gekommen wäre, verbringt Peter die Nacht an Walters Bett.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




The nights of wonder
Looking beyond the embers of bridges glowing behind us
To a glimpse of how green it was on the other side
Steps taken forwards but sleepwalking back again
Dragged by the force of some inner tide…  (Pink Floyd, High Hopes)



„Hallo Sohn.“

Walters Stimme, leise und rau, fern wie ein Echo in der Dunkelheit, weckte Peter.

Er setzte sich auf und presste mit einem Aufstöhnen beide Handflächen gegen die Schläfen. Die Kopfschmerzen hatte er seiner eigenen Sturheit zu verdanken. Walter hatte ihm gesagt, dass er okay wäre – wirklich, alles wäre nun in Ordnung mit ihm - doch gerade diese Worte hatten Peter darin bestärkt, die Nacht neben dem Bett seines Vaters zu verbringen. Er hatte sich den unbequemsten Stuhl gesucht, aber war wohl nach kurzer Zeit doch eingeschlafen. Vielleicht hätte er auf seinen Vater hören sollen, niemand wusste besser als Walter, wie Walter tickte und er vertraute für gewöhnlich darauf, dass sein Vater ihm nichts wirklich Ernstes verheimlichte. Peter griff reflexhaft nach der Decke, die über seinen Beinen lag und die jetzt in Richtung Boden glitt, als er sich aufsetzte. Eine Decke? Woher kam die? Walter. Er musste noch einmal aufgewacht sein und hatte ihn schlafend vorgefunden.

Peter hatte die Lampe auf dem Nachttisch brennen lassen. Sie spendete nur ein mattes, weichgoldenes Licht, das Walter nicht beim Schlafen stören sollte, ihm aber ermöglichte, ihn im Blick zu behalten. Oder es hätte, wäre er nicht selbst eingenickt.

Er berührte Walters Arm. „Ich bin hier“, sagte er.

Walter wandte ihm den Kopf zu – doch seine Augen waren geschlossen und seine Augenlider zuckten in REM-Schlaf. Er war nicht wach, offenbar träumte er.

„Ich bin hier, Walter“, wiederholte Peter in der Hoffnung, dass es ihn beruhigen würde, seine Stimme zu hören.

„Hallo Sohn“, kam es von Walter, wie bei einer Schallplatte, die einen Kratzer hatte, so dass die Nadel an ein-und-derselben Stelle fest hing und sie wieder und wieder abspielte.

Er wusste, dass Walter etwas im Bad eingenommen hatte – Peter hatte darauf bestanden, dass er die Tür einen Spalt offen ließ, zur Sicherheit – er hörte das Geräusch, dass der Schrank machte, in dem Walter seine Medikamente aufbewahrte und das Klappern von Pillen, die auf Porzellan fielen. Vielleicht eine weitere Dosis Valium, die ihm helfen sollte, zu schlafen. Peter konnte nur hoffen, dass es nicht irgendetwas anderes war, das in die Richtung illegaler Drogen ging und in einem von Walters Reagenzgläsern im Labor zusammengekocht worden war. Er war sich fast sicher, dass er zumindest Walters LSD-Bestand gefunden und vernichtet hatte.

Peter strich ihm übers Haar, über die grauen Locken und fand, dass sein Vater erschreckend alt aussah. Alt und zerbrechlich… gebrechlich… fast als wäre er im Laufe des Tages in sich zusammengeschrumpft. Die Falten in seinem Gesicht waren im Schlaf tiefer, die Muskeln schlaff, die dunklen Ringe unter seinen Augen deutlicher. Vielleicht lag es auch nur am Licht, doch Peter fand, Walters Haut sah aus wie Pergament, die Nadelmale an seiner Schläfe dunkelrote, verkrustete Wunden. Peter verspürte den Wunsch, ein Pflaster darüber zu kleben, als könne er so auch die Erinnerungen verdecken.

„Peter“, murmelte Walter und drehte den Kopf, um das Gesicht gegen seine Handfläche zu drücken. „Peter. Hallo Sohn.“ Seine Stimme klang ruhiger; zufriedener, als hätte etwas irgendwo tief in ihm verstanden, dass Peter wirklich an seiner Seite war.

Er wusste, dass Walter diese Umverteilung der Rollen verabscheute… dass es ihn kränkte und verletzte, dass Peter sich oft weniger wie ein Sohn, als wie ein Vater benehmen musste. Es war ihm nicht gelungen, Walter davon zu überzeugen, dass es in Ordnung war, dass es nur für eine bestimmte Zeit so sein würde, bis es Walter besser ging, bis er sich völlig an sein neues/altes/neues Leben gewöhnt hatte. Doch wenn der Ausflug nach Chinatown eines bewiesen hatte, dann dass es Walter eher schlechter ging. Zu wissen, dass es sehr wahrscheinlich damit zu tun hatte, dass jemand vor vierzehn Jahren Stückchen aus dem Gehirn seines Vaters geschnitten hatte, war kein Trost für Peter. Es warf im Gegenteil so viele neue Fragen auf, dass ihm schwindlig wurde, wenn er nur daran dachte.

Peter fragte sich, welche Erinnerungen diese drei Stückchen grauer Gehirnmasse beherbergt hatten. Es musste mehr gewesen sein, als Walters „Tür“ zu einer Parallelrealität. Etwas, dass seinen Vater tief verletzt hatte. Und es hatte etwas mit ihm zu tun. Er wusste nicht, woher dieses Gefühl kam. Vielleicht entstammte es Walters Reaktion, nachdem er ihn in ihrem alten Haus gefunden hatte. Die unendliche Erleichterung in den Augen seines Vaters – als wäre es Peter gewesen, der verschwunden war und wiedergefunden wurde

Und es erfüllte ihn nach wie vor mit Erstaunen und Unsicherheit, dass er noch vor kaum mehr als einem Jahr sich niemals hätte vorstellen können, auch nur im gleichen Raum mit diesem Mann – seinem Vater – zu sein, so tief hatte er geglaubt, dass sein Hass auf ihn wäre. Aber nun sah er seine Gefühle, als das, was sie gewesen waren: der Schmerz eines kleinen Jungen, der glaubte, dass sein Vater ihn und die Mutter im Stich gelassen hatte. Hatte er Walter das je gesagt?

„Hallo Sohn“, murmelte Walter im Schlaf, als hätte er Peters Gedanken gehört. „Peter.“

„Hallo Vater“, erwiderte Peter und küsste ihn auf die Schläfe, die Nadelmale vermeidend. „Hallo Vater.“

Ende
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