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Serenity: WRITTEN IN THE STARS

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
09.12.2009
09.12.2009
1
4.495
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
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09.12.2009 4.495
 
Hinweis: Diese Story enthält eine explizite Nc 17-Szene. Wie immer in meinen Geschichten kommt diese Szene nicht online sondern wird nur privat verschickt. Reviewer, die über 18 sind, können mich einfach mit ihrer E-Mail-Adresse kontaktieren, dann bekommen sie den entsprechenden unzensierten Text zugeschickt.


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Titel: Serenity: WRITTEN IN THE STARS
Titelbild
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Universal Pictures, Joss Whedon, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: Serie/Realfilm
Zeitlinie: am Ende des Films ‚Serenity‘
Zensur: P-16 (Erotik)
Zusammenfassung: Ein Captain, der Tode in seiner Crew betrauert, findet Halt und Trost oft in den Armen der unwahrscheinlichsten Person in seinem Leben…
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D









Serenity
WRITTEN IN THE STARS




Es dauerte weniger als halbe Stunde bis Mal davon überzeugt war, dass River das Schiff praktisch schon allein durchs ganze Universum fliegen konnte, wenn man ihr gelegentlich auf die Finger sah und er sie getrost im Cockpit allein lassen konnte.

Vermutlich würde sie ohnehin nicht lange allein sein, sonst ließ Simon sein kleines Schwesterchen schließlich auch nicht länger als für einen Gang zur Toilette aus den Augen. Ein Wunder, dass Kaylee ihn bereits den ganzen Tag im Maschinenraum hatte halten können.

Jedenfalls war River erstmal beschäftigt. Sie saß mit Feuereifer über den Kontrollen und wuchs immer mehr in ihre neue Aufgabe hinein. Feinheiten wie Starten und Landen würden sie beide sicher noch ein paar Mal üben müssen, gerade wenn es rau wurde, aber bei Rivers übernatürlich schneller Auffassungsgabe hatte Mal keinen Zweifel, dass sie in kurzer Zeit eine hervorragende Pilotin sein würde.

Eine Erleichterung, wenn es schon den Schmerz über Washs Verlust nicht milderte. „Kann ich…?“

„Geh nur“, lächelte sie, wieder dieses sanfte, kindliche Lächeln, das er kurz nach dem Start zum ersten Mal bei ihr gesehen hatte und das sie einfach wunderschön wirken ließ. Jetzt wo ihr Gesicht nicht mehr länger von Wahnsinn beherrscht war, wurde erst deutlich, was für ein hübsches Mädchen River eigentlich war.

Mal hoffte von ganzem Herzen, dass sie es von nun an leichter haben würde und sie ihre Probleme in den Griff bekommen würde. Wenn jemand ein leichteres Leben verdient hatte dann River, die bei der letzten Mission praktisch allein die ganze Crew gerettet hatte und wirklich schon genug Mist in ihrem Leben mitgemacht hatte.

„Wenn etwas nicht stimmt…“ Er wusste, er war überbesorgt, aber nachdem er zwei seiner Leute verloren hatte, lagen seine Nerven einfach blank. Ein Wunder, dass er die ganze Reparatur und die medizinischen Behandlungen ohne einen größeren Zusammenbruch hinter sich gebracht hatte. Der würde erst kommen, wenn er endlich ein paar Stunden allein in seinem Quartier sein konnte. Im Moment fühlte er sich einfach… leer.

„Ich komme schon klar, Captain. Geh du zu Inara.“ River sah kaum auf bei diesen unverblümten Worten, sie lächelte auch nicht, als wolle sie Mal necken oder versteckt ausfragen. Sie stellte einfach eine Tatsache fest.

„Hör mal…“ Mal fand erstaunlicherweise genug Kraft, um einigermaßen scharf und bestimmt zu klangen. „Ich weiß ja nicht, wie sehr du diese Gedankenlesensache kontrollieren kannst, aber ich will nicht, dass du…“

„Ich habe nicht deine Gedanken gelesen.“ River verschränkte die Beine im Schneidersitz auf dem Pilotensessel und warf einen Blick über ihre Schulter zurück. „Wie auch? Du weißt doch noch gar nicht, dass du zu ihr willst. Ich habe nur Schlüsse aus deinem Verhalten gezogen.“

„Solche Schlüsse täuschen oft.“ Mal beeilte sich, zur Cockpittür zu kommen. „Das ist etwas, was du erst noch lernen musst, kleines Mädchen. Menschliches Verhalten ist keine mathematische Formel, die man aufgrund von Daten berechnen kann.“





River sah ihrem Captain mit hoch gezogener Augenbraue nach, zuckte mit den Achseln und öffnete die Datei mit ihrer Arbeit über die Crewmitglieder auf der Navigationskonsole, um ihre neuen Beobachtungen festzuhalten.





Selbst wenn Mal auch nur für einen Sekundenbruchteil das völlig unsinnige Verlangen gehabt hätte, Inara zu besuchen, hatte River diese Absicht erfolgreich zerstört, bevor sie sich noch richtig geformt hatte. Was sollte er denn bei ihr wollen? Sie stritten sich sowieso die Hälfte der Zeit nur, und die andere Hälfte trieb sie ihn in den Wahnsinn. Er würde in sein Quartier gehen, sich besaufen, wie das ein guter Captain machte, der Leute verloren hatte, und dann drei Tage durchschlafen, bevor er versuchen würde, zu entscheiden, wie es jetzt weitergehen würde. Welche Art von Aufträgen in Zukunft für die Serenity anstehen würde.
Guter Plan. Zufrieden nickend ging er schnurstracks auf sein Quartier zu. Und daran vorbei.
Richtig, der Alkohol musste erst aus der Küche geholt werden. Der Tag war zu lang gewesen.
Nur Sekunden später ging er auch durch die Küche, ohne auch nur anzuhalten.
Das war nun wirklich seltsam. Stirnrunzelnd blieb er stehen, um zu verstehen, was sein Unterbewusstsein vorhatte, da stellte er fest, dass er vor Inaras altem Shuttle stand. Seltsam. Nun, wieso nicht da drin die Nacht verbringen? Eine Flasche Whiskey würde er da sicher auch auftreiben. Immerhin hatte Inara einige Sachen hier gelassen, als sie die Serenity verlassen hatte, die Crew einfach im Stich gelassen hatte- als er sie vertrieben hatte, wie Kaylee das ausdrücken würde. Wieso dachte er schon wieder darüber nach? Inara und er, das war Geschichte. Noch mehr, das hatte es noch nie gegeben. Da war kein ‚Inara und er’, das würde auch nie passieren.

Noch bevor sich die Shuttletür richtig geschlossen hatte, sah er Inara auf ihrem alten Bett liegen, ihren Kopf fest in ihren Armen vergraben, mit zuckenden Schultern. Ihr schmaler Körper zitterte verdächtig von heftigem Atem, aber wenn sie weinte, dann so leise, dass er es nicht hören konnte.

Rivers Dauer-Verwirrung musste ihn angesteckt haben. Anders war das nicht erklärbar, dass er etwa zwei Zehntelsekunden später neben ihr kniete und sie besorgt an der Schulter berührte. „Hey. Alles okay?“

„Sicher doch.“ Sie rollte sich mit einem bitteren Lachen auf den Rücken, weg von ihm, anscheinend überhaupt nicht überrascht, dass er sie gefunden hatte, obwohl er ihr eigentlich eins der Gästequartiere angeboten hatte. „Wash und Book sind tot, mein Leben ist ein einziger Trümmerhaufen, was soll schon sein?“

„Aber das stimmt doch so gar nicht… Ich meine, ja, das mit Wash und Book, aber…“ Er verhaspelte sich schon bevor er überhaupt noch richtig angefangen hatte, wunderbar. Einmal die richtigen Worte finden, das konnte doch nicht so schwer sein, verdammt! Er versuchte es noch einmal, aber irgendwie kam aus seinem Hals plötzlich nicht mehr viel mehr als ein heiseres Krächzen. Vielleicht ein Signal seines Körpers, dass er das mit dem Reden lieber lassen und Inara verdammt noch mal einfach umarmen sollte, wenn es ihr beschissen ging, egal wie gut oder schlecht ihr Verhältnis zueinander war.
Bevor er noch hundert Mal darüber nachdenken und es dann doch nicht tun würde, nahm er sie stumm an den Schultern und strich ihr zögerlich über den Rücken, als sie sich weinend in seine Arme stürzte. An jedem anderen Tag hätte er es sicher genossen, die Rundung ihrer Brust an seiner, ihren süßen Geruch, ihre weichen schwarzen Haare an seiner Haut, die fließende Seide ihres kurzen roten Nachtkleids… Heute nahm er das alles irgendwie nur am Rande wahr, angesichts dessen, was sich in seiner Seele ausbreiten wollte wie schwärzeste Nacht. Was er in den letzten Tagen nicht hatte zulassen wollen und was jetzt umso heftiger hervorbrach, so sehr er diese Bilder und Gefühle auch verdrängen wollte. Bilder von Blut. Gefühle, die es lange nicht in dieser Form gegeben hatte. Tiefste Trauer. Alles auffressender Schmerz. Einsamkeit.

„Mal, du weinst.“ Inara klang verblüfft und alarmiert zugleich, als würde sie die Feststellung noch mehr aus der Bahn werfen. Überrumpelt wich sie zurück und legte ihre Hände an Mals Gesicht, ohne Zögern, ohne irgendetwas, das zwischen ihnen stand, völlig selbstverständlich klappte das plötzlich.

„Tu ich nicht.“ Er wollte schnaubend zurückweichen, aber einmal mehr versagte sein Körper seinem Willen den Dienst. Aus dem Schnauben wurde ein Schluchzen, die Rückwärtsbewegung brachte ihn erneut in Inaras Arme. „Das ist nur dein verdammter Weihrauch hier drin…“

„Es brennt nicht mal eine Kerze.“ Sie lachte kurz, hilflos auf, versuchte wohl irgendwie, ihre Emotionen soweit unter Kontrolle zu bringen, dass sie sich entscheiden konnte, ob sie es abstoßend oder wunderbar fand, wie sie sich gerade berührten. „Du konntest nichts dafür. Niemand macht dir einen Vorwurf.“

„Das macht sie auch nicht wieder lebendig“, fuhr er sie an, weil er sonst niemanden hatte, den er anfahren konnte. Es war schon fast wieder so wie früher.

Nur dass sie ihn inzwischen kannte und wusste, wann er tief verletzt war. „Nein. Aber es verhindert, dass dich dein Gewissen zu Kleinholz macht.“ Sie strich ihm sanft über den Nacken, den Moment genießend, solange er andauern würde, bis sie beide aufwachen würden und sich fragen würden was bei allen Sternen sie da machten. „Und es hilft beim Trauern. Das dürfen wir auch, das sollen wir sogar. Das haben sie verdient. Es ist nichts Falsches daran, zwischendurch einmal zusammenzubrechen, auch nicht bei einem Malcolm Reynolds.“

„So wie du redest, könnte man fast glauben, du hättest Psychologie studiert, nicht Sex.“ Sein Mund sprach bevor sein Verstand ihn aufhalten konnte. Er hätte sich ohrfeigen können und wünschte sich fast, Inara würde es tun, damit er endlich diese verdammten Bemerkungen sein ließ, mit denen er sie immer wieder verletzte.

Sie tat es nicht. Sie wich nur zurück, mit einem hässlichen bitteren Zug, der ihre hübschen vollen Lippen umspielte, strich sich fahrig die Tränen weg und stand auf. Vermutlich hatte er ihr gerade bei ihrer Entscheidung geholfen, ob sie auf der Serenity bleiben wollte. Für diesen belastenden, nervenaufreibenden Zustand der gegenseitigen Respektlosigkeit brauchte sie wirklich nicht zurückzukommen.

„Warte. So geht das nicht weiter.“ Er zwang sich, ebenfalls aufzustehen, obwohl sich seine Beine wie Blei anfühlten, obwohl jeder Schritt eine Tonne zu wiegen schien. Noch nie war etwas so schwer gewesen wie Inara eine Hand auf ihre schmale, bloße Schulter zu lagen. Und noch nie hatte sich etwas so wundervoll angefühlt. „Ich würde das abstellen, wenn ich nur könnte, Inara. Ich habe es jeden Tag wieder versucht. Ich wollte dich deinen Weg gehen lassen, weil es kaum jemanden gibt, den ich so schätze wie dich. Aber ich konnte nicht. Es hat so wehgetan… Alle diese Männer… Alle diese Frauen…“

„Die Frauen auch?“, fragte sie mit einem schwachen Lächeln über ihre Schulter zurück. „Ich dachte immer, der Gedanke würde dir gefallen.“

„Vielleicht bei jemand anderem.“
Prompt wurde er rot und ließ Inara rasch los, aber nur, um um sie herumzugehen und ihr wieder in die Augen zu sehen, fest und unbeirrbar. „Ich versuche mich hier gerade zu entschuldigen, also genieß es. Es wird so schnell sicher nicht wieder passieren. Es tut mir leid, dass ich dich immer wieder verletze. Ich würde gern versprechen, es kommt nicht mehr vor, aber das habe ich mir schon mehr als einmal vorgenommen. Ich kann einfach nicht mit dem Gedanken leben, dass du… das machst.“

Das, Mal, ist ein ehrenwerter und angesehener Beruf“, antwortete sie genauso traurig wie ruhig. Er würde sich in dieser Hinsicht niemals ändern können, das wusste sie. Sie beide würden immer an diesem Punkt stehen und nicht weiterkommen. Es wurde Zeit, dass sie zurück zu ihren Mädchen ging, auch wenn sie dort nicht glücklich sein würde. Der einzige Ort wo sie sich je glücklich gefühlt hatte, war einer, an dem Mal sie jeden Tag daran erinnerte, was zwischen ihnen nicht sein konnte. „Ich kann dir nicht dabei helfen, das zu akzeptieren. Ich kann nur tun, was ich schon letztes Mal getan habe. Ich gehe, um dir diesen Schmerz zu ersparen.“

„Ich will nicht, dass du gehst.“ Endlich war es gesagt, endlich! Wieso war das so schwer gewesen? Wieso hatte er es nicht schon beim letzten Mal fertig gebracht, als sie so voreinander gestanden waren und es sein Herz in zwei gerissen hatte, als sie gesagt hatte, sie würde die Serenity verlassen? Noch einmal würde er diesen Fehler nicht machen. Wenn sie es ihm nur ein wenig leichter machen würde… Nur einen Schritt auf ihn zugehen, damit er nicht diese Worte aussprechen musste, vor denen er sich fürchtete, weil sie so endgültig waren… Weil sie endgültig bestätigen würden was er sich bisher nie hatte eingestehen können…

Aber genau das wollte sie. Genau das hatte sie auch verdient. Sie war ihm schon oft genug entgegen gekommen. Selbst jetzt wo er es mehr als verdient hätte, dass sie ihn wegstieß und sich in einem Quartier einschloss, bis er sie bei ihrem Tempel absetzte, blieb sie stumm, mit flehendem Blick vor ihm stehen.

Und er war immer noch blind? Herrgott, wie lange brauchte ein Malcolm Reynolds um sich endlich sein Mädchen zu angeln? „Ich möchte, dass du mein zweiter Offizier wirst, Inara. Ich möchte, dass du deinen festen Platz auf diesem Schiff bekommst. Jetzt, wo Zoe sicher erst einmal kürzer treten wird, brauchen wir Hilfe- und du brauchst endlich eine Aufgabe, die dich fordert. Bleib auf der Serenity. Bleib bei mir.“
Er streckte die Hand nach ihr aus und stellte verärgert fest, dass sie zitterte. Mehr als nein sagen konnte sie doch nicht… Aber wenn sie das tun würde, würde es ihm das Herz brechen. Noch nie hatte er so klar gesehen, war er so ehrlich zu sich gewesen. Zeit, dass er es auch zu ihr war. „Ich würde dir alles geben, was ich habe. Ich bin in dich verliebt, seit wir uns das erste Mal getroffen haben. Ich möchte, dass du mein Mädchen wirst. Keine Companion-Aufträge mehr, keine Kunden. Nur mehr wir beide, dieses Schiff und das All.“

Wieder Tränen, und irgendwie machte es ihr Lächeln nicht besser. Ihre Augen blickten viel zu ernst, zu dunkel… Gleich würde sie sagen, dass es zu spät war, oder schlimmer, dass sie ihn nie geliebt hatte, dass er es sich nur eingebildet hatte, und sie…
Sie sagte es nicht. Sie sagte etwas, das fast noch schlimmer war. „Weißt du, wie lange ich darauf gewartet habe, dass du mir das sagst? Nacht für Nacht, immer wieder. Ich konnte mit niemandem mehr schlafen, ohne dein Gesicht vor meinen Augen zu sehen. So oft habe ich geweint… Ich habe mich dafür gehasst. Ich hasse es immer, wenn ich weinen muss. Ich dachte, du würdest es nie sagen können. Dass ich sterben würde, ohne dass ich je erfahre, wie sich diese Worte aus deinem Mund anhören.“

„Es tut mir leid.“ Er ließ seine Hand rasch sinken, im Begriff, zurückzutreten, sie gehen zu lassen, bevor es für sie beide noch schmerzhafter wurde, stieß aber auf Widerstand. Als er verwirrt den Kopf senkte sah er, dass sie plötzlich seine Hand hielt. Sie zitterte nicht. „Inara…“

„Nicht mehr.“ Sie nahm auch seine zweite Hand und zog ihn fast unmerklich an ihn heran. „Dein Mädchen will jetzt endlich geküsst werden.“

Mals Verstand brauchte einen Moment, um diese Worte richtig einzuordnen, um zu realisieren, dass sie ja gesagt hatte, so einfach, während er noch versucht hatte, sie gehen zu lassen. Sie hatte ja gesagt.
Als sich dieses Begreifen erstmal einen Weg durch seinen von Müdigkeit geschwächten Geist gesucht hatte, zog er Inara so stürmisch an sich heran, dass sie fast gestolpert wäre und küsste sie, als sollte es das letzte sein, das sie tun würden. Einen Augenblick lang war er überzeugt davon, er träumte und würde gleich aufwachen, oder er hätte sich das alles nur im betrunkenen Zustand eingebildet, und Inara würde ihn gleich ohrfeigen. Oder wahlweise kastrieren. Natürlich geschah es nicht. Sie beide waren lange genug umeinander herumgeschlichen, und jetzt, endlich, hatten sie den entscheidenden Schritt geschafft. Endlich durfte er das fühlen, wonach er sich solange gesehnt hatte, ihre verführerischen, geschickten Lippen an seinen, ihre drängend tastende Zungenspitze und ihr erhitzter Körper ganz nahe an seinem… Es würde nicht bei einem Kuss bleiben, das wusste er in dem Moment, als sich ihre schmalen, zierlichen Hände in seinem Hemd verkrampften und ihre Zunge neugierig, tief in seinen Mund eintauchte. Fühlte, wie ihr Bein sich besitzergreifend um seins schlang, ihn enger an ihre schlanke Silhouette heran presste... Nicht, dass er das unbedingt vorgehabt hatte- bis vor ein paar Minuten war ihm schließlich nicht einmal bewusst gewesen, dass er auf dem Weg war, endlich der Frau seiner Träume seine Liebe zu gestehen. Aber wenn sie so offensichtlich mehr wollte, wer war er, sie aufzuhalten?
Er hatte gedacht, dass es schwer sein würde, dass er ständig daran würde denken müssen, womit sie ihr Geld verdiente. Aber das war eben nicht die Inara, die das hier sonst für Geld tat. Sie war ungeduldig, ungestüm, heftig wie ein Teenager im Hormonrausch, keine Spur von Verwöhnung, Hingabe, unendlicher Geduld. Sie wollte ihn mit jeder Faser ihres Herzens, genauso sehr, wie er sie wollte. Und genau deshalb würde er jetzt nichts überstürzen sondern ihr die Nacht ihres Lebens bereiten. Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht, als er sie nur ein wenig zurückschob und sie ihn erstaunt, fast schon empört über die Unterbrechung musterte. „Keine Sorge. Ich habe nicht vor, heute Nacht noch einmal meine Hände von dir zu nehmen. Nur nicht… hier drin.“ Diesmal bemühte er sich redlich, seine Stimme nicht wieder abwertend klingen zu lassen. Mit diesem Teil von Inaras Vergangenheit – und allen Himmeln sei Dank war es jetzt Vergangenheit – würde er einfach klarkommen müssen, das wollte er sie nicht spüren lassen. Aber er würde auch sicher nicht in einem Raum mit ihr schlafen, in dem das schon so einige Männer vor ihm getan hatten.

Inara hatte einige Eigenschaften, die ihm beizeiten gewaltig auf die Nerven gehen konnten, aber dumm war sie definitiv nicht. Sie fragte nicht, sie erwiderte nicht einmal etwas. Sie nahm seine Hand einfach nur etwas fester und zog ihn mit sich zur Tür. Erst auf dem Gang wollte sie ihn loslassen, schon aus Reflex, und sah erstaunt auf, als jetzt er sie festhielt.

„Denkst du wirklich, es wird irgendjemanden auf diesem Schiff geben, der das nicht innerhalb von zweieinhalb Stunden weiß?“ Ein wenig, wenn er ehrlich war, wollte Mal auch selbst, dass diese Neuigkeit die Runde machen würde. Schließlich war ihm in letzter Zeit oft genug nachgesagt worden, er wäre ein herzloser, gefühlskalter Bastard. Der Ruf war zwar ganz gut fürs Geschäft, aber am Abendbrottisch regelmäßig von Blicken gegrillt zu werden, darauf konnte er durchaus verzichten.

Vor allem Kaylee würde vermutlich auf der Stelle mit den Hochzeitsvorbereitungen anfangen wollen- wenn sie und Simon sich durch jede Ecke des Maschinenraums gefickt hatten. Der Schauder bei diesem Gedanken übertraf fast noch den, jemals mit irgendjemandem vor den Traualtar zu treten- dieses eine Mal damals zählte nicht. Kaylee und Simon. Ganz abgesehen davon, dass er sich nicht vorstellen konnte, dass irgendein Mann in diesem Universum mit Kaylee ins Bett gehen wollte, ohne sie vorher zu knebeln- Simon? Simon? Mister ‚Wenn ich wütend bin, werden meinen Pupillen weiter‘? Natürlich war das Kaylees Sache, aber irgendwie…

Jeder, der auf diesem Schiff angeheuert hatte, hatte es mit der Zeit irgendwie geschafft, sich in Mals Herz zu schleichen, und gerade bei den weiblichen Crewmitgliedern kam er einfach nicht umhin, einen gewissen Vaterinstinkt zu verspüren. Sah man von Zoe ab, die ihn selbst noch im Zustand tiefster Trauer jederzeit locker k.o. geschlagen hätte. Seit dem Krieg hatte er sich nie wieder auf eine so enge Beziehung mit irgendjemandem einlassen wollen. Im Grunde auch vorher nicht. Andere Menschen, Bekanntschaften, Mitarbeiter… Das war immer nur ein Mittel zum Zweck gewesen. Und jetzt? Jetzt riskierte er wegen eines siebzehnjährigen Mädchens sein Leben, ließ sich zu Brei schlagen und trauerte einem spätpubertären Pavian hinterher, der mit einer Gummipuppe verheiratet gewesen war. Er war Landurlaubs-reif, definitiv.

„Hey, Mal, willst du erst einen Rundgang durchs ganze Schiff machen, bevor du mich mit zu dir nimmst?“ Inaras amüsierte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, ein sanfter Zug an seiner Hand ließ ihn anhalten, bevor er mit gesenktem Kopf an der Tür zu seinem Quartier vorbeilaufen konnte.

„Tut mir leid.“ Solche Worte schienen auf einmal so einfach zu sein, wenn es nur die richtige Person war, der er sie sagen musste. Mit einem müden Kopfschütteln betätigte er die gelb leuchtende Schaltfläche, welche die Treppe nach unten zu seinem Raum aktivierte. „Zuviel in meinem Kopf im Moment.“

„Alles andere wäre auch nicht natürlich.“ Inara beließ es bei einem kurzen, zärtlichen Kuss auf seine Handfläche. Reden konnten sie morgen, und dann würde sie sicher einiges zu sagen haben, das ihm vielleicht helfen würde, dieses Chaos in seinem Inneren zu besänftigen.
Vorerst wollte sie ihn ablenken, wenigstens seinen Körper zur Ruhe kommen lassen, und nach der ersten Eile vorhin schien sie sich jetzt wieder auf ihre jahrelang einstudierten Fähigkeiten zu besinnen. Mit einer Selbstverständlichkeit, als würde sie seit Monaten hier wohnen, reduzierte sie das grelle Licht im Wohnraum auf eine niedrige Stufe und ließ ihre Fingerspitzen in einer langsamen, sanften Bewegung über Mals Rücken streifen, seine Schultern, als sie um ihn herumging, ein Funkeln der Aufregung und Vorfreude in ihren dunklen Augen. Ihre bestimmten, eleganten Schritte trugen sie rückwärts zum wie immer ungemachten Bett, über am Boden liegende Kleidungsstücke und Flaschen hinweg, als wären diese gar nicht da. Dieses Anmutige, Leichte in ihren Bewegungen war etwas, das sie nicht erst in ihrer Ausbildung gelernt haben konnte. Es war ihre ganz eigene Aura, die ihren Körper beherrschte, zusammen mit dem deutlichen Verlangen auf ihren hübschen Zügen eine unwiderstehliche Kombination aus Schönheit und Wildheit. Das war es, was sie so einzigartig machte.

Es war eine Venusfliegenfalle, der sich Mal ohne nachzudenken und auch ohne schlechtes Gewissen hätte hingeben können, es hätte ihr nichts ausgemacht. Für einen Moment war er tatsächlich versucht, als Inara ihn so am Kragen mit sich zog, wie sie sich auf dem Bett niederließ, einladend auf einer Hand aufgestützt, mit angezogenen Beinen… Sie war die Verführung in Person.

Er musste nicht verführt werden. Er wollte sie. Und sie sollte spüren, wie es sich anfühlte, auf diese Weise begehrt zu werden. Ohne Geld im Hintergrund. Mit einem kurzen Handheben signalisierte er ihr, dass sie warten sollte, ging zurück zur Tür und schaltete das Licht wieder an. Er wollte sie sehen, und zu verstecken gab es nichts. Auf dem Weg zurück entledigte er sich seines Hemds, ohne groß darüber nachzudenken. Es war einige Grad heißer in diesem Raum geworden. Inaras etwas verwirrtem Blick begegnete er mit einem verschmitzten Lächeln. „Mein Raum, meine Regeln.“ Das empörte Aufblitzen in ihren Augen konnte sich nicht lange halten, als er sich neben sie fallen ließ und sie hastig in seine Arme zog, den schnippischen Kommentar auf ihren Lippen mit seinen erstickend. Erst hier, wo sie definitiv allein und ungestört waren, konnte er sich wirklich fallen lassen, sich verlieren in dem süßlichen Duft ihres Parfums, der Weichheit ihrer Haare, die über seine Schulter strichen. „Ich will dich sehen, das ist alles.“ Er schloss sein zärtliches Flüstern an ihrem Ohr mit einem zärtlichen Biss in selbiges ab und rutschte ein Stück in Richtung Kopfende, der geschickten Bewegung von Inaras Händen an seinen Oberschenkeln entkommend, um seinen Wunsch in die Tat umzusetzen.

Ein Wunsch, den Inara wohl als Aufforderung verstanden hatte, denn ihre Hände lagen als nächstes an ihrem Rücken, an dem Reißverschluss ihres Kleids. Einmal mehr sah sie verwirrt zu ihm zurück, als er sanft ihre Handgelenke nahm und beiseite schob. Es amüsierte ihn fast ein wenig zu sehen, dass sich langsam Unsicherheit in ihr breit machte, weil er so gar nicht nach ihren Regeln spielte. „Mal?“

Für einen langen, ungeduldigen Moment zwang er sich, seine Arme vor ihrem Bauch zu verschränken und seine Lippen zart über ihren Hals wandern zu lassen, noch einmal tief, genießerisch den zarten, süßlichen Duft ihrer Haut einzuatmen. Er wollte mehr davon, wollte die Weichheit ihrer Rundungen, ihrer wunderschönen Kurven sehen, fühlen… Aber sie brauchten keinen Rekord dabei aufzustellen, und er wollte jede Sekunde bewusst erleben, sich einprägen. „Manchmal bin ich ein bisschen altmodisch“, raunte er ihr lächelnd zu. „Ich packe meine Geschenke lieber selbst aus.“

„Dann mach aber auch“, murmelte sie, ihre Wangen verdächtig gerötet ob ihrer eigenen Ungeduld. Mit einer schnellen, trainierten Bewegung hatte sie sich aus seinem sanften Griff um ihre Unterarme befreit und zog mit ihren langen Nägeln eine leichte Linie über seine Seiten, seine Hüfte, am Bund seiner Hose entlang. Eine heftige Gänsehaut folgte ihrer Berührung, die unter der neckenden Berührung von verspielten Fingerspitzen zu einem zitternden Schaudern wurde. „Oder hast du vor, mich in den Wahnsinn zu treiben?“

„Nein.“ Mal legte seine Fingerspitzen sanft an ihr Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung, erwiderte das herausfordernde Funkeln in ihren blitzenden Augen mit einer Ruhe und einer Ernsthaftigkeit, die ihn selbst überraschte. Jede andere Frau hätte ihn mit so vielen Provokationen schon längst über die Grenze jegliche Beherrschung hinausgetrieben. Mit Inara… war alles anderes. Er hatte viel zu lange von dem hier geträumt, hatte viel zuviel Angst davor gehabt, dass es nie passieren würde oder dass er ihr dann nicht geben konnte, was sie wollte, weil er zu geprägt von ihrer Vergangenheit war… Er konnte es, und er würde es tun. Aber so, wie er es brauchte, um ihre Beziehung zu beginnen, alles andere hinter sich zu lassen. „Ich will mit dir schlafen. Nichts anderes. Keine Spielchen, keine Rollen. Lass dich fallen.“ Der letzte Satz war eine Bitte, keine Aufforderung, auch wenn er es mit einem entsprechenden Tonfall nicht so hatte, aber sie verstand schon.

Für einen Moment vielleicht sogar zu gut, ein Schatten huschte über ihr Gesicht, so wie vorhin im Shuttle, als er sie fast ein zweites Mal von diesem Schiff vertrieben hatte. Man konnte nicht einfach vergessen, weder er noch sie. Er verlangte etwas von ihr, das sie keinem ihrer Kunden hatte geben müssen. Er verlangte von ihr, ihrem alten Job endgültig den Rücken zu kehren. Etwas zu tun, das sie seit Jahren nicht getan hatte. Vielleicht noch nie… Die Kontrolle abzugeben. Das alles sagten ihm ihre Augen in diesem Moment, und wenn sie jetzt aufgestanden und gegangen wäre, hätte es ihn nicht gewundert, so steif und unbehaglich wie ihre Haltung plötzlich wurde. Vielleicht brauchten manche Dinge mehr Zeit, als er gedacht hatte.
Aber dann trat fast so etwas wie… Trotz in ihre Miene. Jemand wie Inara schreckte nicht einfach vor einer Herausforderung zurück. In einer zögerlichen, etwas hilflosen Geste hob sie ihre Schultern.
Wie?

Mal lächelte, beugte sich noch ein wenig vor und fing ihre Lippen in einem langen Kuss ein, streichelte zärtlich mit seinen Händen über ihren Bauch, ihre Beine, erleichtert zu merken, dass sie sich wieder etwas entspannte.
Vertrau mir.





Als sie beide sein Quartier irgendwann, gefühlte zwei Wochen später zusammen wieder verließen, fühlte Mal sich zum ersten Mal, seitdem er zuerst Book und dann Wash beim Sterben hatte zusehen müssen, als ob er seinen Job wieder so weitermachen konnte wie früher.
Und so oft Inara und er auch mit ihren vielen Differenzen und nicht nur einer Krise in diesem Leben zusammen zu kämpfen haben würden, für das sie sich an diesem Abend entschieden hatten, das würde er ihr nie vergessen.
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