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STAR TREK - BREAKABLE

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Hoshi Sato OC (Own Character) Shran T'Pol
04.12.2009
07.06.2018
8
49.432
5
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16.05.2017 4.567
 
6.

LIST UND UNGEDULD


    Vilarai Talas zeigte nur äußerst selten, dass sie überrascht war, auch wenn sie überrascht war. In diesem Augenblick jedoch, in dem breiten Bett in Thy'Lek Shrans Quartier, nackt in dessen Armen liegend und dicht an ihn geschmiegt, sah sie den General mit einer Mischung aus Neugier und Wahnsinn an. Dieser Blick allein sprach bereits für sich.
    Thy'Lek hatte ihr, noch etwas außer Atem wegen des vorangegangenen Liebesspiels, von seinem Plan berichtet, den er zusammen mit Thy'Ron Dheran umzusetzen gedachte. Endlich, wobei sich ihre Antennen unruhig in alle Richtungen bewegten, sagte sie mit jener dunklen, etwas abgesenkten, Stimme, die dem General so sehr gefiel: „Dass dein Freund Dheran ein Tollkühn-Verrückter ist, das war mir immer schon klar, aber ich wüsste gerne, wann er dich mit dieser Eigenschaft infiziert hat. Du weißt, dass ich kein Feigling bin, aber dieser Plan scheint selbst mir etwas zu verwegen, Thy'Lek.“
    Die linke Hand des Generals fuhr durch das lange, silbrig-weiße Haar seiner Freundin, als er heiser erwiderte: „Ich bewundere dich dafür, dass du etwas gesagt hast. Mir selbst erscheint dieser Plan viel zu verwegen, doch wir haben keine andere Wahl, Eisblume.“
    Die schlanke Andorianerin beugte sich vor und hauchte ihrem Freund einen sachten Kuss auf die Lippen. Sie mochte diesen Kosenamen und er wusste das natürlich. Dann blickte sie ihn fragend an und erkundigte sich: „Ihr zwei seid euch wirklich sicher, dass man der Vulkanierin vertrauen kann?“
    „Thy'Ron vertraut ihr - und ich vertraue ihm.“
    „Das ist auch eine Antwort“, spöttelte Vilarai und wechselte dann abrupt das Thema. „Ihr Zwei wollt also unseren Stützpunkt, hier auf Ceti-Alpha-Fünf, vorsätzlich aufgeben. Es ist nicht so, dass mir dieser Planet fehlen wird, aber ich frage mich, ob die Imperatrice wirklich nach diesem Köder schnappt. Dieses Biest hat bereits öfter unter Beweis gestellt, dass es sehr gerissen ist.“
    „Ich bin mir sicher, dass Thy'Ron weit davon entfernt ist die Pinkyhäute zu unterschätzen, Eisblume.“
    Die Antennen des Generals bewegten sich leicht in verschiedene Richtungen. Dabei zeichnete seine linke Hand die Linie ihres straffen, blauen Rückens nach bis hinab zum Po, wo sie liegen blieb. Rau fuhr Shran fort: „Gerade die Verwegenheit dieses Plans wird diese terranische Verbrecherin vermutlich davon ablenken, dass sie einer List zum Opfer fallen wird. Doch sie ergibt Sinn, denn gegenwärtig sind wir noch zu schwach um dem Imperium weiterhin offen entgegentreten zu können. Wir brauchen Zeit um unsere Verluste an Kriegsschiffen zu ersetzen. Dieser Plan wird uns die Zeit geben, wenn er funktioniert.“
    Die Antennen der andorianischen Frau richteten sich wie Dolche auf das Gesicht ihres Liebhabers. „Werden wir dann auch Zeit finden für etwas Anderes, Thy'Lek?“
    Der General wusste worauf Vilarai anspielte und sein Gesicht kam ihrem näher, als er heiser erwiderte: „Ja, meine Eisblume. Du weißt, dass ich dir versprochen habe, dich zur Frau zu nehmen und dass ich mit dir eine Familie gründen will. Trotz der unruhigen Zeiten.“
    Die Andorianerin seufzte schwach. „Ich wollte wir hätten die nächsten Tage und Wochen bereits hinter uns.“
    Damit richtete sich Vilarai Talas widerstrebend im Bett auf. Lasziv nahm sie die Hände hinter den Kopf und reckte ihre festen Brüste vor, bevor sie verführerisch lächelnd aufstand und sich, mit wippenden Hüften, hinüber zum Sanitärbereich des Quartiers begab.
    Shran bewunderte dabei einmal mehr ihre, für ihn perfekte, Figur. Dabei richteten sich seine Antennen gerade auf, bei dem Gedanken, dass sie ganz und gar ihm gehörte. Aus dem Nebenraum hörte er sie fragen: „Wann verlässt du die KUMARI?“
    „Sobald wir das System erreicht haben, Eisblume. Ich möchte, dass du an Bord bleibst und die Patrouillenflüge, rund um Ceti-Alpha, organisierst. Aber sei auf der Hut, ich glaube nicht, dass uns die Imperatrice allzu viel Zeit lassen wird bevor die Kriegsflotte des Terranischen Imperiums hier erscheint.“
    Von Nebenan erwiderte Talas nach einem Moment: „Ich hätte vermutet, dass Dheran die Organisation der Patrouillenflüge übernimmt.“
    „Den brauche ich momentan an meiner Seite!“, gab Shran zurück, ohne auf den primären Grund dafür einzugehen. Denn Thy'Lek Shran machte sich seine Gedanken zu den Gefühlen seines Freundes, die er für die Vulkanierin T'Pol entwickelte. Noch vertraute er der Vulkanierin nicht und deshalb hielt er es für geraten Thy'Ron Dheran im Auge zu behalten. Sollte die Vulkanierin ein falsches Spiel treiben wollen und dabei Einfluss auf seinen Freund gewinnen so würde er ein Problem haben. In diesem Fall aber nicht nur er, sondern der gesamte Widerstand gegen das Terranische Imperium.
    Abgesehen davon: Dheran war ein noch fähigerer Taktiker, als er selbst und er würde seine Expertise, bei dem was in der nächsten Zeit auf sie zu kam, verdammt nötig haben. Darüber hinaus konnte er T'Pol selbst besser überwachen lassen, als wäre sie bei seinem Freund, an Bord der RAKARI.
    Ein dunkles Lachen kam aus dem Sanitärbereich. „Thy'Ron wird das durchschauen. Er wird bestimmt ahnen, dass du T'Pol nicht traust. Hast du ihn schon informiert?“
    „Ja, bevor wir beide herkamen.“
    Vilarai Talas kam wenig später, nun komplett angekleidet, wieder in den Schlafraum. Sie beugte sich zu ihrem Liebhaber hinunter und küsste ihn flüchtig auf die Wange. „Mein Dienst beginnt gleich. Ich wünschte, dass wir mehr Zeit für uns hätten.“
    Shran grinste schief: „Falls wir die nächsten Ereignisse überleben dann werden wir das auch, das verspreche ich dir, Eisblume.“
    Der andorianische General blickte seiner Geliebten nachdenklich hinterher, als sie sein Quartier an Bord der KUMARI verließ. Dann erhob er sich selbst und schritt hinüber zum Sanitärbereich. Es wurde Zeit sich für das Treffen mit Thy'Ron und auf die anschließende Einsatzbesprechung auf Ceti-Alpha-Fünf vorzubereiten.

* * *

    Thy'Lek Shran wartete ungeduldig bis sein Freund Thy'Ron Dheran endlich, in Begleitung von T'Pol, im Konferenzraum des Stützpunktes erschien.
    Vor einer halben Stunde war der andorianische Kampfverband im Ceti-Alpha-System eingetroffen und Shran wollte keine Zeit vergeuden. Bereits jetzt wurden die ersten Maßnahmen zu einer glaubhaft wirkenden Verteidigung des Stützpunktes in die Wege geleitet. Commander Telev kümmerte sich darum diese Maßnahmen zu koordinieren.
    Zuvor hatte sich Thy'Lek Shran, via Kurzstrecken-Funkverbindung zur RAKARI, einige Minuten lang eingehend mit T'Pol unterhalten und dabei einige technische Fragen, in Bezug auf die terranische Scanner-Technik, geklärt. Dabei hatte die Vulkanierin ihm einige Fakten genannt, die gut in den Plan passten den Thy'Ron Dheran und er für die Verteidigung des Planeten, die sie vorzutäuschen gedachten, entwickelt hatten.
    Nachdem Dheran sich, Shran gegenüber, an das andere Kopfende des Tisches gesetzt hatte, erhob sich der Anführer der Rebellion und ließ seine Blicke über die gut zwei Dutzend anwesenden Kommandanten der Verteidigungsflotte wandern.
    Hinzu kamen weitere fünf Sektions-Offiziere, die das Verteidigungsfeuer vom Boden aus koordinieren sollten. Allen Anwesenden war klar, dass dies ein Himmelfahrtskommando sein würde und sie alle hatten sich damit abgefunden.
    Überwiegend saßen Andorianer und Tellariten am Tisch, wobei, außer T'Pol, zwei weitere Vulkanierinnen und ein Vulkanier aus der Menge hervorstachen.
    Thy'Lek Shran berichtete von den Ereignissen, seit sie T'Pol von Capella IV befreit hatten und er berichtete von dem Verrat, den die Romulanerin Te'Voral geplant und zum Teil auch durchgeführt hatte.
    Dabei konnte die Nachricht, dass er persönlich die Verräterin hingerichtet hatte kaum das wütende Gemurmel unter den Anwesenden verhindern.
    Schließlich bat der General um Ruhe und deutete auf seinen Freund. „General Dheran wird nun ausführen wie die Verteidigung von Ceti-Alpha-Fünf ablaufen wird. Ihnen allen ist wohl absolut klar, dass wir dabei glaubhaft verlieren müssen, um nicht das endgültige Aus der Rebellion zu riskieren.“
    Thy'Ron Dheran übernahm an dieser Stelle. „Sie alle haben sehr viel für die Rebellion gegeben, darum fällt es mir um so schwerer jetzt das ultimative Opfer von Ihnen und von den Ihnen unterstellten Männern und Frauen zu verlangen. Es ist unbedingt notwendig, dass die Imperatrice, im Anschluss an die Schlacht, die vor uns liegt, an eine totale Zerschlagung der Rebellion glaubt. Nur dann erhalten wir die notwendige Zeit, um unsere Kriegsschiffe mit der Technik aus der Zukunft auszurüsten und sie später erfolgreich gegen das Terranische Imperium antreten lassen zu können.“
    Dheran machte eine Pause und sah zu der Frau, die er zu seiner Gefährtin auserkoren hatte, bevor er fortfuhr: „Die Vulkanierin T'Pol, die von uns befreit worden ist, hat die Pläne für uns geborgen. Sie sind bereits auf dem Weg zu dem Punkt, an dem wir sie kopieren und anschließend analysieren werden. Nach einer ersten Einsicht in Teile der gesicherten Pläne bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass wir dazu etwa zehn Jahre brauchen werden. Zehn Jahre, die uns die Imperatrice ganz sicher nicht geben wird, wenn wir ihr nicht glaubhaft vermitteln, dass sie uns endgültig ausgeschaltet hat. Dies wird uns nur gelingen, wenn es bei der vor uns liegenden Schlacht entsprechend hohe Verluste geben wird. Aus diesem Grund haben wir alle Kriegsschiffe, die kurz vor der Außerdienststellung stehen, hierher beordert. Die Mannschaften für diese Kriegsschiffe sind auf das absolut notwendige Minimum reduziert worden. Dabei wurde darauf geachtet, dass nur familiär ungebundene Mannschaften und Offiziere auf diese Schiffe abkommandiert wurden. Es handelt sich dabei durchwegs um Freiwillige, so wie auch bei Ihnen. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle versichern, dass ich stolz auf Sie alle bin.“
    Dheran machte eine kleine Pause und sah in die fanatisch leuchtenden Augen der Anwesenden, bevor er weiter ausführte: „Kommen wir zu den Einzelheiten des Kriegsplanes: Die Hälfte der Leichten Kreuzer der VA´LA´KIAN-KLASSE werden im engen Orbit des Planeten, in der Nähe des Stützpunkts, Position beziehen. Der Rest der Flotte, darunter drei veraltete Schwere Kreuzer der KIR´TA´SHAN-KLASSE und drei Kampfkreuzer der SURAK-KLASSE, verteilt sich im weiten Orbit davor um den ersten Ansturm der Terranischen Flotte abzuwehren. Sie werden dem Feind schmerzhafte Verluste beibringen, die ihn am Ende in dem Glauben bestärken werden, die Rebellion ausgemerzt zu haben. Die KUMARI und die RAKARI werden sich ebenfalls an der Verteidigung beteiligen bis die Lage unhaltbar werden wird. Leider besitzen nur diese beiden modernen Kriegsschiffe die nötigen technischen Voraussetzungen, ihre Ionenspur erfolgreich zu maskieren, so dass die Raumschiffe der Terraner sie nicht anmessen und verfolgen können. Ich weiß, dass ich mich auf Sie alle voll und ganz verlassen kann. Ihre Taten werden dazu beitragen, dass die Rebellion schlussendlich siegreich sein wird.“
    Unterdrückter Jubel und zustimmende Zurufe brandeten auf.
    Thy'Lek Shran meldete sich schließlich wieder zu Wort und teilte die Kommandanten der Leichten, andorianischen Kreuzer für die jeweiligen Verteidigungsabschnitte ein. Danach folgten die Kommandanten der übrigen Raumschiffe.
    Dabei nutzt T'Pol, die bisher geschwiegen hatte, die Gelegenheit, an Thy'Ron Dheran heranzutreten und zu sagen: „Das ist barbarisch!“
    Die bläulich-violetten Augen des Andorianers funkelten in einem eigenartigen Glanz, als er heftig zurückgab: „Ja, das ist es! Krieg ist generell barbarisch. Doch er wurde uns aufgezwungen. Vom Imperium. Die Alternative dazu, nämlich sich zu unterwerfen, ist für mich jedoch keine Option! Oder etwa für dich?“
    Die Vulkanierin schüttelte heftig den Kopf. „Nein. Ich wünschte nur, es gäbe eine Alternative zum Opfergang all dieser Kämpfer.“
    Die Antennen des Andorianers krümmten sich leicht nach innen. „Glaubst du denn, ich würde mir das nicht wünschen, T'Pol? Mit vielen dieser Kämpfer, die in den nächsten Tagen ihr Leben lassen werden damit die Rebellion weiterleben kann, bin ich seit zehn Jahren durch die Schwarze Verdammnis gegangen. Mir sind all diese Seelen nicht egal. Aber war es nicht ein Vulkanier der gesagt hat: Das Wohl vieler wiegt schwerer, als das Wohl Weniger, oder das Wohl eines Einzelnen?“
    T'Pol blickte schweigend in die Augen des Andorianers. Erst nach einer ganzen Weile gab sie zu: „Das ist korrekt. Im Moment erkenne ich jedoch nur die Logik darin, nicht aber die Weisheit.“
    Dheran schüttelte etwas unwillig den Kopf. „Ist dir mal der Gedanke gekommen, dass beides möglicherweise nicht immer Hand in Hand geht?“
    Shran beendete die Befehlsausgabe, als T'Pol antwortete: „Bisher nicht.“
    Thy'Ron Dheran nickte in Gedanken, während sein Freund die Besprechung beendete und sich ihnen langsam näherte. „Das dachte ich mir.“
    Als Thy'Lek Shran an die Seite von Dheran trat, blickte er in dessen Miene und fragte, mit einem schnellen Seitenblick zu der Vulkanierin: „Gibt es Probleme?“
    Dheran grinste schief. „Nicht mehr, als üblich. T'Pol verursacht es nur ebenso sehr Magenschmerzen wie uns beiden, dass viele unserer tapferen Mitstreiter die nächsten Tage nicht überleben werden.“
    Shran wandte sich mit einem spöttischen Lächeln an T'Pol. „Wenn ich es nicht besser wüsste dann würde ich vermuten, dass Sie Gefühle entwickeln, Lieutenant-Commander.“
    Thy'Lek Shran warf dem Freund einen vielsagenden Blick zu bevor er den Übrigen folgte. Er hatte noch Einiges vorzubereiten.
    T'Pol sah im nach und meinte dann nachdenklich: „Er vertraut mir nicht.“
    „Das ist richtig“, bestätigte Dheran offen. „Doch er vertraut mir und ich habe ihm versichert, dass ich dir vertraue. Lass mich das nicht bedauern.“
    Ohne darüber nachzudenken, legte die Vulkanierin ihre Hand auf den Unterarm des Andorianers. Sie merkte es erst, als Dheran ihre Hand in seine nahm und sah zu ihm auf. Ein entschlossener Zug lag auf ihrem Gesicht, als sie seine Hand leicht drückte und dabei sagte: „Du hast mich auf der RAKARI gefragt ob ich mein zukünftiges Leben an deiner Seite verbringen will, Thy'Ron. Die Antwort ist: Ja.“
    Leicht überrascht sah Dheran in die dunklen Augen der Vulkanierin. Ein fast heiterer Zug lag auf seinem Gesicht. „Das fällt dir genau jetzt ein? Du musst unbedingt daran arbeiten herauszufinden, wann man was sagen sollte, T'Pol.“
    Hand in Hand verließ der Andorianer mit seiner Gefährtin den Konferenzraum, wobei er geflissentlich das leichte Anheben ihrer Augenbrauen ignorierte.

* * *

    Auf der Brücke der ISS SCHARNHORST stand Flottenadmiral Jeffrey Gardner neben seiner Frau und sah mit angespannter Miene auf den Hauptbildschirm des Schweren Schlachtkreuzers der PULSAR-KLASSE.
    Nachdem das Ziel der Rebellen durch die romulanische Spionin, Te'Voral, auf fast schon brillante Art und Weise, an sie weitergegeben worden war, hatte Hoshi nicht gezögert, die Flotte zu verständigen.
    Vor wenigen Augenblicken war sie an diesem Punkt des Weltalls eingetroffen. Keine sieben Lichtjahre entfernt vom Ceti-Alpha-System.
    Auf dem großen Bildschirm zeichneten sich mehrere der sechs Schweren Kreuzer der NX-KLASSE ab. Flankiert wurden sie von zehn Fregatten der ANDROMEDA-KLASSE, schnelle, schwer bewaffnete Kriegsschiffe von immerhin 192 Metern Länge.
    Außerhalb des gezeigten Ausschnitts des Weltalls, so wusste Gardner, flog nun die ISS DAEDALUS auf derselben Höhe wie die SCHARNHORST. Das Typenschiff der nach ihm benannten DAEDALUS-KLASSE besaß, nach dem Flaggschiff der Flotte, die schwerste Bewaffnung innerhalb der Imperialen Sternenflotte. Ein Gigant von 186,2 Metern Länge.
    Im Gefolge dieser 18 Kriegsschiffe befanden sich noch weitere 4 Raumschiffe der veralteten NV-KLASSE, die an den typischen Halb-Disk-Primärhüllen zu erkennen waren und zwanzig der kleinen, deltaförmigen Zerstörer der NR-KLASSE.
    42 von insgesamt 76 momentan einsatzfähigen Kriegsschiffen der Terranischen Sternenflotte. Eine beeindruckende Streitmacht. Jeffrey Gardner zweifelte daran, dass die Rebellen ihr etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen hatten. Besonders deswegen, weil die Raumschiffe der NX-KLASSE, der ANDROMEDA-KLASSE und die DAEDALUS bereits ebenfalls, wie die SCHARNHORST, über die verbesserten Photonentorpedos und über die neuen Phaserkanonen verfügten, deren Effizienz nahe an jenen lagen, die man auf dem Beuteraumschiff DEFIANT demontiert hatte, um ihre Bauweise zu studieren.
    Drei Jahre lang hatte Jeffrey Gardner persönlich das Kommando über die DEFIANT geführt. So wusste er um die Kampfkraft der Raumschiffe, die mit den neuen Waffen ausgerüstet waren.
    Seit einem halben Tag war die SCHARNHORST selbst wieder voll einsatzfähig. Die letzten Schäden der Wasserstoff-Explosion in dem Interstellaren Nebel, in dem ihnen die KUMARI eine Falle gestellt hatte, waren inzwischen behoben.
    Fleetadmiral Jeffrey Gardner wandte sich kurz um und wechselte einen langen Blick mit Commander Vilarai Selas.
    Die Andorianerin lächelte flüchtig und zwinkerte ihm unmerklich zu. Im nächsten Moment konzentrierte sie sich dann wieder auf ihre Aufgabe.
    Gardner stellte mit Zufriedenheit fest, dass sie ihm den Messerstich, den er ihr versetzte, nachdem sie dabei gewesen war seine Frau, im Beisein der Brückenbesatzung zu kritisieren, offensichtlich bereits verziehen hatte. Andererseits blieben ihr auch kaum Alternativen dazu, denn sich ihn zum Feind zu machen, das würde sie nicht lange überleben. Das wusste Vilarai Selas natürlich denn sie besaß einen scharfen Intellekt. Etwas, das Gardner an Frauen, neben Schönheit, am meisten schätzte.
    Nach der Schlacht gegen die Rebellen würde er schon eine Gelegenheit finden, sich gemeinsam mit ihr angenehmen Beschäftigungen hinzugeben. Er würde sie letztlich wieder so eng an sich binden wie zuvor schon. Es würde fraglos ein wildes und sehr leidenschaftliches Vergnügen werden und schon jetzt freute sich der Schwarzhaarige darauf.
    „Woran denkst du“, drangen die Worte seiner Frau in die Überlegungen des Flottenadmirals. Gardner fühlte sich für einen Moment lang ertappt. Offen erwiderte er: „An die Zeit nach dieser letzten Schlacht gegen die Rebellen.“
    Die Imperatrice lächelte wissend und so leise, dass nur Jeffrey sie verstehen konnte, erwiderte sie: „An dein andorianisches Flittchen also.“
    „Was ist mit dir?“, konterte Gardner ebenso leise.
    „Da werden sich schon ein paar helfende Hände finden, möchte ich meinen.“ Die zierliche Asiatin lächelte verschmitzt und den leisen Anflug von echter Eifersucht im Blick ihres Mannes zu entdecken tat außerordentlich gut. Sacht drückte sie dabei seine Hand, und in stiller Übereinkunft sahen sie einander an.
    Im nächsten Moment ließ Hoshi Sato ihren Mann los und als sie sich an Commander Selas wandte, da ließ nichts erkennen worüber sie und Jeffrey Gardner sich eben noch unterhalten hatten.
    „Commander Selas: Signal an die Schiffe der Flotte, der SCHARNHORST zu folgen. Geben Sie Alarmstufe ROT für alle Einheiten. Alle Waffen in Bereitschaft.“
    Noch während die Andorianerin bestätigte und den Befehl ausführte, wandte sich die Japanerin an ihren Mann. „Jeff, du übernimmst das Kommando über das Schiff. Ich selbst werde mich auf das Oberkommando über die Flotte konzentrieren.“
    „Aye, Sir“, grinste der Admiral und wurde sofort wieder ernst. Sich an den Piloten des Schlachtkreuzers wendend befahl er: „Mister Steiner: Beschleunigen Sie das Raumschiff in Richtung des Ceti-Alpha-Systems. Bleiben Sie dabei auf halber Impulsgeschwindigkeit bis sich die Flotte, in Angriffsformation, formiert hat. Wenn die Flotteneinheiten ihre Positionen eingenommen haben, Meldung an mich, Lieutenant.“
    „Aye, Sir.“
    Inzwischen hatte sich Hoshi Sato zur Taktischen Station begeben. Neben Commander Selas stehend sagte sie zu der Andorianerin: „Halten Sie einen Kanal zu den übrigen Raumschiffen offen, Commander.“
    Die Andorianerin kam der Anweisung umgehend nach und bestätigte die Ausführung des Befehls der Imperatrice. Dabei gab keine der beiden so unterschiedlichen Frauen zu erkennen was sich im Quartier der Andorianerin zwischen ihnen abgespielt hatte. Beide waren momentan geradezu ein Muster an Disziplin und Konzentration.
    Hoshi Sato bemerkte wohlwollend, dass die Andorianerin das Dienstliche strikt vom Privaten trennen konnte und mit ungewohnt warmer Stimme sagte sie schließlich: „Danke, Commander Selas.“
    Es dauerte nicht lange, bis Lieutenant Steiner die Bestätigung gab, dass die Kriegsschiffe der Flotte, die ihnen bestimmte Position für den Anflug auf das Ceti-Alpha-System eingenommen hatten. Ein nochmaliges Zusammenkommen der Befehlshaber aller Schiffe war unnötig. In den letzten Jahren hatte die Imperiale Sternenflotte vielmals solche Überfälle auf Sternensysteme durchgeführt und die Angriffstaktik für solche Einsätze war, bis auf Abweichungen in Details, fast jedes Mal identisch gewesen. Jeder Kommandant kannte seine Aufgabe und worauf er gesondert zu achten hatte.
    Darüber hinaus mochte Hoshi Sato keine zu starren Vorgaben denn nach ihrer Erfahrung überstand ohnehin kein Plan den ersten Feindkontakt. Der unbarmherzige Drill für die Flotte, den sie während ihrer nun zwölfjährigen Amtszeit permanent verfolgt hatte, würde sich nun bezahlt machen.
    Jeffrey Gardner, der immer noch vor dem Kommandosessel stand, wandte sich zu seiner Frau um und wartete auf eine Reaktion.
    Die Asiatin nickte ihm zu wobei ein diabolisches Lächeln ihre feinen Gesichtszüge überflog und gab das Kommando, das auf allen anderen Kriegsschiffen ebenfalls empfangen wurde: „Beschleunigen mit Warp-7!“

* * *

    Effektivität hatte das Handeln auf und um Ceti-Alpha-Fünf bestimmt, in den letzten fünf Tagen. Entscheidungen die sonst Tage benötigten waren innerhalb von Stunden gefällt worden. Rund um das Hauptquartier der Rebellen herum waren neue Abwehrstellungen entstanden, innerhalb der letzten Tage. Zusätzlich zu den Phaserstellungen umgab nun ein Ring aus Torpedo-Abschussvorrichtungen den Tafelberg. Sie waren fast in Rekordzeit installiert worden, und sie würden den verhassten Terranern empfindliche Verluste bescheren. Zumindest hofften die Rebellen das.
    Zum Teil hatten die Techniker und Raumfahrer der Rebellen drei Tage hintereinander durch ihren Dienst verrichtet. Immer wieder hatten die Kommandanten der einzelnen Bereiche ihre Leute angetrieben und ihnen Höchstleistungen abverlangt. Um die Kampfkraft zu erhalten war es jedoch nötig gewesen, dass Thy'Lek Shran und Thy'Ron Dheran Anweisung gegeben hatten, ab dem vierten Tag der Verteidigungsvorbereitungen, die Mannschaften rundum ruhen zu lassen. Sobald der Angriff erfolgte dann würde man die Männer und Frauen ausgeruht und vollkommen auf die Sache konzentriert brauchen.
    Beiden Generalen war es dabei nicht leicht gefallen, ihre eigenen Befehle zu befolgen. Sie hatten sich bei der Einhaltung ihrer Ruhephasen abgesprochen damit zumindest immer einer von ihnen beiden wach war.
    Thy'Ron Dheran war zufrieden, als er am Ende des fünften Tages, seit sie das Ceti-Alpha-System erreicht hatten, die Meldung erhielt, dass die Verteidigungsvorbereitungen weitgehend abgeschlossen waren. Gemeinsam mit Thy'Lek Shran kontrollierte Dheran abschließend nochmal die wichtigsten Schlüsselpositionen, sprach mit den jeweiligen kommandierenden Offizieren, nahm kleinere Änderungen im Ablauf vor und gab letzte Anweisungen. Nachdem sie diese letzten Vorbereitungen abgeschlossen hatten, begaben sie sich ein letztes Mal zum Hauptquartier. Gut geschützt, etwas mehr als einhundert Meter unter der Felsdecke des siebenhundert Meter aufragenden Tafelberges, lag das Nervenzentrum des Komplexes, in dem auch die hervorragend getarnten Hangars angelegt worden waren.
    Das Vorzimmer, in dem sich sonst Talas aufgehalten hatte, war verwaist. Jedoch waren auch jetzt noch die integrierten Individualtaster aktiviert die jeglichen unbefugten Zugang verhinderten.
    Das Licht der untergehenden Sonne des Systems schien orange-rot durch die drei schmalen, hohen Fenstern, die man in die Felswand eingefügt hatte und die notfalls mit Stahlblenden, in der Farbe der umgebenden Felsen, versiegelt werden konnten.
    Als die beiden Andorianer schließlich General Shrans Arbeitsraum im planetaren Hauptquartier aufsuchten, fanden sie dort T'Pol und die beiden Commander, Caridan Telev und Rhy'Ker Viliam, vor. Die Vulkanierin war dabei den beiden Raumschiff-Kommandanten noch einmal einzuschärfen wie sie die Ionenspur ihrer Schiffe zu maskieren hatten, damit die Scanner der Imperiumsraumschiffe sie nicht orten konnten.
    Sowohl die KUMARI, als auch die RAKARI, sollten bei der Verteidigung des Systems anfänglich dabei sein. Im Verlauf der Schlacht würden sie sich unauffällig absetzen, so dass die Terraner annehmen mussten, die beiden Raumschiffe seien während der Schlacht über dem Planeten vernichtet worden.
    Die beiden Generale hörten schweigend zu bis T'Pol ihre Ausführungen beendet hatte. Erst dann traten sie näher und Thy'Lek Shran wandte sich an die Commander der KUMARI und der RAKARI. „Sie wissen, was Sie zu tun haben, damit unsere beiden Kreuzer unbemerkt verschwinden können?“
    Die beiden Offiziere bestätigten und die Antennen des Generals spreizten sich zufrieden. „In Ordnung, dann begeben wir uns nun an Bord unserer Kreuzer. Der Kommandant der Planetenfestung und der umliegenden Stellungen kennt die Planung.“
    Ein letztes Mal sah sich Shran in dem klimatisierten Raum um. Hier hatte ihnen die Verräterin Te'Voral den Vorschlag gemacht, T'Pol in einem riskanten Unternehmen zu befreien. Als Tarnung für ihre eigentlichen Machenschaften. Doch letztendlich spielte sie der Rebellion nun damit in die Hände.
    Thy'Ron Dheran schien ähnlichen Gedanken nachzuhängen denn Shran bemerkte, dass der Freund T'Pol einen nachdenklichen Blick zu warf. Als Dheran realisierte, dass sein Freund ihn beobachtete, sagte er rau: „Verschwinden wir von diesem unwirtlichen Ort.“
    Durch den hell erleuchteten Verbindungsgang, dessen Innenverkleidung aus graublauem Kunststoff bestand, schritten sie gemeinsam in Richtung des Turbolifts, der sie zum Hangarbereich des Stützpunktes bringen würde. Auf einen Transport, mit einem der beiden erbeuteten terranischen Transporter, verzichteten sie diesmal.
    Auf Höhe des Hangar-Decks angekommen fiel T'Pol etwas zurück, als sie zum Hangar schritten und mit neugieriger Miene begab sich Thy'Ron Dheran zu ihr und fragte: „Was ist denn los? Wir haben es eilig.“
    Die Vulkanierin blieb stehen statt zu antworten und lehnte sich gegen die Gangwand, wobei sie ihre Hände um ihren Leib schlang. Sie holte ein paarmal vernehmlich Luft und blickte dann, mit blassem Gesicht, zu Dheran auf. Dabei sagte sie dunkel. „Es geht gleich wieder. Nur ein Magenkrampf.“
    Es dauerte einige Augenblicke. Dann schien es T'Pol wirklich besser zu gehen und Dheran fragte: „Ist wirklich alles in Ordnung mit dir?“
    „Ja, es ist nichts Ernsthaftes“, versicherte die Vulkanierin und ihre Gestalt straffte sich etwas. „Die Aufregung und die Anstrengungen, nach der langen Gefangenschaft, waren vielleicht etwas zu viel. Ich bin in Ordnung, Thy'Ron.“
    Endlich konnte T'Pol den Weg fortsetzen und erleichtert stellte Dheran fest, dass ihr gesamtes Auftreten nun wieder so sicher war wie zuvor.
    T'Pol ihrerseits war froh, dass dieser erste Moment der Schwäche schnell vergangen war. In den nächsten Wochen würden noch einige weitere folgen, doch das war in dem Zustand, in dem sie sich seit diesem Moment vermutete, nicht ungewöhnlich. Immer vorausgesetzt, sie hatte Recht mit ihrer Vermutung. Nun, das würde sich bald herausstellen. Im Moment gab es Wichtigeres.
    Sie erreichten den Hangar und verteilten sich auf die zwei kleinen Fähren. In einer von ihnen flog Dheran, zusammen mit T'Pol und Commander Telev, zur RAKARI. Noch während sie sich im Anflug auf den andorianischen Kampfkreuzer befanden erreichte sie die Nachricht, dass die Langstrecken-Ortungsstation am Südpol von Ceti-Alpha-Fünf einen anfliegenden Raumschiff-Verband, in einer Entfernung von etwas mehr als einem Lichtjahr, gescannt hatte. Mindestens vierzig Raumschiffe hielten direkten Kurs auf das System.
    „Die vom Imperium haben wirklich keine Zeit vergeudet“, knurrte Commander Telev düster. „Ich wette, das sind sie.“
    „Wer würde sich wohl auch sonst mit einem solchen Aufgebot in diesen Bereich der Galaxis verirren“, gab Dheran spöttisch zurück. „Wir sollten uns besser beeilen an Bord der RAKARI zu gelangen oder diese Schlacht beginnt ohne uns.“
    Derweil hing T'Pol ihren eigenen Gedanken nach. Vielleicht enthoben die kommenden Ereignisse sie ja davon über ein bestimmtes Thema mit Thy'Ron reden zu müssen. Doch falls nicht so würde ihm sicherlich eine Überraschung bevorstehen.
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