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STAR TREK - BREAKABLE

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Hoshi Sato OC (Own Character) Shran T'Pol
04.12.2009
07.06.2018
8
49.432
5
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04.12.2009 5.748
 
1.

REFLEXE UND REFLEKTIONEN


    Wie bereits unzählige Male zuvor stieg der hochgewachsene, breitschultrige Mann der die nachtblaue Uniform der Imperialen Flotte trug, die breite Marmortreppe hinauf. Oben bog er in den Hauptgang des Imperialen Palastes ein, der direkt zum Thronsaal führte. Die Rangabzeichen auf den Schulterklappen der Uniform des Mannes waren einmalig - es gab nur einen Flottenadmiral des Imperiums. Diesen höchsten militärischen Rang innerhalb des Imperiums bekleidete Jeffrey Gardner, der Mann der Imperatrice.
    Erst vor wenigen Stunden hatte Gardner die Inspektion des brandneuen Schlachtkreuzers der PULSAR-KLASSE, I.S.S. SCHARNHORST, beendet. Alle auf der PULSAR getesteten Upgrades wurden zur Stunde in die Systeme der SCHARNHORST integriert. Er selbst hatte den Namen für das Schiff vorgeschlagen.
    In der Vergangenheit der Erde hatte es in Europa eine Nation namens Preußen gegeben. Mehr als anderswo hatte man sich dort auf das Militärhandwerk verstanden, und  Gerhard Johann David Scharnhorst, nach dem das Schiff benannt wurde, hatte zu seiner Zeit einschneidende Reformen für das Preußische Heer durchgesetzt. Nach dem Frieden von Tilsit wurde er am 25. Juli 1807 zum Chef des Kriegsdepartements (Kriegsministerium), zum Chef des Generalstabes und zum Vorsitzenden der Militär-Reorganisationskommission ernannt, zu deren wichtigsten Mitgliedern Gneisenau, Grolman, Boyen und Clausewitz gehörten. In dieser Stellung reorganisierte er das Heer von Grund auf, indem er Qualifikationsvoraussetzungen für den Offiziersstand einführte, das Werbesystem beseitigte und durch möglichst rasche Ausbildung der Rekruten eine starke Reserve schuf sowie den Soldatenstand, was die soldatischen Fähigkeiten betraf, hob. Er wandelte das Söldnerheer in ein stehendes Volksheer um und bereitete so die Organisation der Landwehr und die Befreiung Deutschlands, vom Joch Frankreichs vor.
    Jeffrey Gardner schüttelte diese Gedanken ab. Bereits morgen Vormittag würde der neue Schlachtkreuzer von seiner Frau getauft und offiziell, als neues Flaggschiff der Terranischen Raumflotte, an ihn übergeben werden. Hoshi hatte ihm eine besondere Überraschung versprochen und er war schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wie diese Überraschung aussehen sollte.
    Jetzt, kurz vor Mitternacht, war es so leise im Palast, dass die Echos seine Schritte fast unnatürlich laut in dem Gebäude widerhallten. Von seiner persönlichen Eskorte hatte er sich in der Halle der Imperatoren getrennt; jener monumentalen Eingangshalle des Imperialen Palastes, in der die überlebensgroßen Statuen sämtlicher bisherigen Imperatoren an den Wänden aufgereiht standen, beginnend mit Imperator Zefram Cochrane. Denn von dort an übernahm, laut Protokoll, die Palastwache die Verantwortung für seine Sicherheit.
    Die beiden Posten am oberen Treppenabsatz grüßten zackig, denn sie wussten, dass der Fleetadmiral allergisch auf Nachlässigkeiten jeglicher Art reagierte.
    Der schwarzhaarige Oberkommandierende der Terranischen Raumflotte erwiderte den imperialen Gruß korrekt und musterte mit seinen dunkelbraunen Augen den linken Wachposten, dessen Gesicht ihm unbekannt war. Der junge Mann schien noch nicht besonders lange bei der Garde zu sein. Gardner schritt langsam auf ihn zu wobei er die leichte Unruhe seines Gegenübers förmlich spüren konnte. Der Fleetadmiral kontrollierte mit geübtem Blick die Uniform des Korporals und nickte zufrieden.
    „Kein Grund zur Nervosität, Korporal“, sprach ihn Jeffrey Gardner mit sonorer Stimme an. „Wissen sie warum ich großen Wert auf einen korrekten militärischen Gruß lege, Korporal?“
    Der Korporal blickte den Fleetadmiral verwundert an. „Nein, Sir.“
    Gardners Gesicht drückte Nachsicht aus, als er weiter fragte: „Wissen Sie, wie der militärische Gruß entstand?“
    „Nein, Sir.“
    Gardner seufzte entsagungsvoll und erklärte: „Der Militärische Gruß geht auf das Mittelalter zurück. Wenn sich zwei Ritter begegneten, dann öffneten sie ihr Helmvisier, um zu sehen mit wem man es zu tun hatte. Abhängig davon, wer darunter verborgen war, entschied eine solche Begegnung darüber, ob es Krieg gab oder nicht. Deswegen sollte man Respekt zeigen, vor dem Militärischen Gruß, nicht wahr.“
    Jawohl, Sir!“
    Gardner nickte zufrieden. „Weitermachen“, befahl er und setzte seinen Weg fort. Schmunzelnd versuchte er sich vorzustellen, wie der Korporal diese Begegnung mit ihm, bei seinen Kameraden zum Besten geben würde. Er hielt es für wichtig, den gemeinen Soldaten hin und wieder klar zu machen, dass er kein Halbgott war, sondern ein Wesen aus Fleisch und Blut. Das war einer der Hauptgründe, weswegen sie ihn so verehrten. Hoshi hatte dies anfangs für einen Fehler gehalten, letztlich aber einsehen müssen, dass er mit seiner Art Erfolg hatte.
    Eilig durchschritt Gardner den Säulengang an dessen hellen, beigen, mit rötlichen Adern durchzogenen, Marmorwänden große Ölgemälde, mit Szenen historischer und moderner Schlachten, hingen.
    Auch die beiden Posten vor dem Portal des Thronsaales grüßten korrekt und öffneten die beiden schweren Flügel, um ihn eintreten zu lassen. Natürlich war ihnen Gardners Erscheinen bereits über Funk vom Wachhabenden der Palastwache angekündigt worden.
    Hoshi Sato, die hinter ihrem Schreibtisch auf dem Thron saß, legte ihr Daten-PADD zur Seite, erhob sich und schritt die fünf Stufen hinunter. Sie hatte Jeffrey sofort erkannt und eilte ihm freudig entgegen. Als sie ihn erreichte, umarmte sie ihren Mann verlangend und küsste ihn stürmisch. Gardner erwiderte Hoshis Kuss, schloss sie in seine Arme und wirbelte sie einmal im Kreis herum, bevor er sie wieder auf die Füße stellte. Als sie sich nach geraumer Weile voneinander trennten, fragte er atemlos: „Hast du mich etwa vermisst?“
    Ein warmes Leuchten lag in den dunklen Mandelaugen der Imperatrice, als sie verführerisch lächelnd erwiderte: „Wie immer, wenn du nicht bei mir bist.“
    Der Fleetadmiral schmunzelte unterdrückt. Er kannte seine Frau und wusste, was sie so alles anstellte, wenn er nicht bei ihr war. Natürlich war auch er kein Kind von Traurigkeit und vielleicht war genau das der Grund, warum ihre Liebe für einander immer noch genauso stark war wie zu Beginn ihrer Beziehung. Ihre Herzen schlugen im selben Takt; etwas das die meisten Menschen zeitlebens niemals erlebten und er wusste um diese Kostbarkeit.
    Impulsiv nahm Hoshi ihn bei der Hand und zog ihn mit sanfter Gewalt zum Durchgang der zu ihren Privatgemächern führten. Jeffrey folgte ihr nur zu willig, denn auch ihn verlangte jetzt nach Hoshis körperlicher Nähe.

* * *

    Verschwitzt und schwer atmend lag Jeffrey Gardner auf dem Rücken, hielt seine Frau, die ebenso atemlos und vom Liebesspiel erhitzt war wie er selbst, fest in seinem linken Arm und zeichnete die Linie von Hoshis Rücken und Po mit seinen Fingerspitzen nach. Immer wieder trafen sich ihre Lippen zu kurzen sanften Küssen. Nachdem sie sich zum dritten Mal geliebt hatten, fühlte sich Gardner regelrecht ausgelaugt, aber auch angenehm entspannt. Liebevoll sah er in Hoshis wundervolle Augen und raunte leise: „Ich liebe dich, mein kleiner, leidenschaftlicher Teufel.“
    „Sicher nicht so sehr, wie ich dich“, raunte Hoshi ebenso leise zurück. Sie küsste ihn erneut bevor Jeffrey ihr widersprechen konnte. Als sie ihn endlich wieder frei gab, fiel sein Blick zum Kopfende des Bettes. Natürlich hatte er bereits die neue Kerbe bemerkt. Noch bevor ihr Mann eine entsprechende Bemerkung machen konnte, flüsterte Hoshi ihm grinsend zu: „Damit liege ich wieder um zwei Abschüsse vorne.“
    „Um einen“, korrigierte der Admiral sie schmunzelnd.
    Die Augen der Japanerin funkelten im silbrigen Mondlicht, welches durch die Vorhänge der hohen Fenster fiel, wie Diamanten, als sie ihn neugierig musterte und verschmitzt fragte: „Wer war es denn diesmal? Etwa dein weiblicher, andorianischer Erster Offizier? Sicher würdest du gerne mal die einzige Stelle am Körper einer Andorianerin berühren, die nicht blau ist.“
    „Es gibt keine“, versetzte Jeffrey Gardner trocken und weidete sich am verblüfften Gesichtsausdruck seiner Frau.
    Im nächsten Moment hatte sich Hoshi zurückgebeugt und ein scharfes Klatschen erfüllte den Raum. Sie hatte ihrem verblüfften Mann eine schallende Ohrfeige verabreicht und schrie ihn zornig an: „Du hast mit einer Frau dieser Unterspezies geschlafen...?!“
    Statt einer Antwort griff der Admiral in die Haare seiner Frau und zwang sie so weit herum, bis er schließlich auf ihr zu liegen kam. Ganz dicht beugte er sich zu ihr hinunter und zischte ihr zu: „Komm, du wüsstest doch bestimmt auch nur zu gerne, in welche Richtung sich die Antennen eines Andorianers biegen, wenn er kommt.“
    Einen Moment lang maßen sie einander mit herausfordernden Blicken, bevor sich Hoshis Körper entspannte. Gleich darauf verzogen sich ihre Lippen auf jene typische Art, die Jeffrey so sehr liebte, und sie brach in schallendes Gelächter aus.
    Auch seine Haltung entspannte sich wieder und er fiel in ihr Lachen mit ein. Erneut küssten sie sich lang und ausdauernd, bevor Hoshi sich abrupt von ihm löste und amüsiert meinte: „Da könntest du mir ja Informationen aus Erster Hand liefern.“
    Jeffrey fixierte ihren Blick für einen nicht messbaren Moment, bevor er sanft den Kopf schüttelte und erwiderte: „Tut mir leid, Teufelchen, aber ich bin mir nicht sicher, ob man in dieser Hinsicht andorianische Frauen mit andorianischen Männern vergleichen kann. Außerdem spricht ein Gentleman nicht von solchen intimen Dingen.“
    Für einen kurzen Augenblick loderte erneut Wut in den Augen seiner Frau auf, bevor sie sich wieder im Griff hatte und sarkastisch feststellte: „Du willst also damit sagen, dass man solche Erfahrungen persönlich machen muss. Nun gut, vielleicht werde ich deinem Rat folgen, um es festzustellen.“
    Nun war es an Jeffrey Gardner seine Frau mit wütendem Blick zu mustern. Er liebte es überhaupt nicht, wenn ihm Hoshi auf diese Art und Weise die Worte im Mund herumdrehte; und sie wusste das nur zu gut. Im Gegensatz zu seiner Gattin hatte er seine Gefühle jedoch weitaus besser unter Kontrolle und so antwortete er lediglich entsagungsvoll: „Ganz wie du meinst. dich von einem einmal gefassten Entschluss abbringen zu wollen wäre ohnehin sinnlos, nicht wahr?“
    „Du sagst es, mein Schatz.“ Sie lächelte Jeffrey verführerisch an und wechselte abrupt das Thema. „Wie war die Inspektion der SCHARNHORST sonst für dich?“
    „Ich war einigermaßen verwundert, einen schwer bewaffneten Trupp deiner Leibgarde vor dem Maschinenraum anzutreffen, der mir den Eintritt verwehrt hat“, versetzte Jeffrey Gardner, ohne sich dabei anmerken zu lassen, was er von dem plötzlichen Themenwechsel hielt. „Du weißt, dass ich solche Auftritte deiner Leibgarde nicht sonderlich mag. Warum also diese Einlage?“
    Wie immer, wenn Hoshi ihren Mann beschwichtigen wollte, massierte ihre Rechte sanft seinen Nacken. „Warte es bitte noch einige Stunden ab, Jeff. Morgen nach der Taufe des Schlachtkreuzers wirst du erfahren, warum ich dich nicht in den Maschinenraum gelassen habe. Ich möchte nämlich persönlich dabei sein und dein Gesicht sehen, wenn du diesen Raum besichtigst.“
    „Und du willst mir nicht einen klitzekleinen Hinweis geben?“, fragte Jeffrey leise, obwohl er wusste wie sinnlos das war.
    „Keine Chance“, gurrte seine Frau fast lautlos und drängte ihren nackten Körper eng gegen seinen. Mit sanfter Gewalt drehte sie ihn auf den Rücken und schob sich dann über ihn. „Und bevor du die halbe Nacht damit verbringst fruchtlose Überlegungen anzustellen, werde ich dich besser auf andere Gedanken bringen.“
    Jeffrey Gardner gab ein wohliges Brummen von sich und seine Hände fuhren durch ihr langes, blauschwarzes Haar während sie sich erneut küssten, und er begann zu ahnen, dass diese Nacht noch sehr, sehr lang werden würde.

* * *

    Imperatrice Hoshi Sato stand, in der Galauniform der Terranischen Raumflotte, an den Kontrollen des Gravo-Katapults, welches extra für Raumschiff-Taufen unter den Aufbauten des Raumdock-Kontrollgebäudes eingebaut worden war. Sie starrte wie gebannt, durch die gewaltigen Panoramafenster, auf die schimmernde, hellgraue Duranium-Hülle der I.S.S. SCHARNHORST.
    Der neue Hochgeschwindigkeits-Kreuzer des Imperiums war das beeindruckendste Raumschiff, das sie je gesehen hatte. Sie bedauerte, dass die Datenbanken an Bord der DEFIANT nicht mehr komplett gewesen waren. So gab es zwar einen Verwies darauf, dass die Hülle der  DEFIANT aus einer Tritanium-Legierung bestand; jedoch keinerlei Hinweis darauf, wie Tritanium beschaffen war, oder wo man es entdeckt hatte.
    Die imperialen Ingenieure hatte aus dieser Not eine Tugend gemacht. Sie hatten der SCHARNHORST, zusätzlich zu den verbesserten Energieschilden, eine, ebenfalls verbesserte, polarisierende Hüllenpanzerung gegeben, für den Fall, dass die Schilde aus irgend einem Grund einmal versagen sollten.
    Insgesamt besaß der Schlachtkreuzer eine Länge von 324 Metern. Allein die Primärhülle durchmaß dabei 144,5 Meter und war etwas mehr als 32 Meter hoch. Die Sekundärhülle wirkte mit ihren insgesamt 148,75 Metern etwas in die Länge gezogen im Vergleich zur DEFIANT. Die gewaltigen Warp-Gondeln mit einer Länge von 150,5 Metern und einem Durchmesser von über 15 Metern waren durch, sich zu den Gondeln verjüngende, nach hinten gepfeilte, Streben mit der Sekundärhülle verbunden und konnten dem Kriegsschiff eine maximale Geschwindigkeit von Warp 8,9 über einen Zeitraum von sechs Stunden, verleihen.
    Die Maximalgeschwindigkeit, welche die SCHARNHORST unbegrenzt halten konnte, ohne schwerwiegende Schäden am Antrieb davonzutragen, lag bei Warp 7,7. In einem Anflug von Sarkasmus hatte Hoshi Sato befohlen, direkt unter den vorderen beiden Torpedo-Schächten einen Schriftzug anzubringen, der an die Rebellen gerichtet war.
    „An die Rebellen - Gebt alle Hoffnung auf“, stand dort. In Hinsicht auf die furchteinflößende Offensiv- und Defensivbewaffnung des neuen Schlachtkreuzers schien diese Aufforderung nicht einmal übertrieben zu sein. Ganze zehn Puls-Phaserkuppeln zierten die Primärhülle, sechs auf der Oberseite und vier auf der Unterseite. Zwei weitere Phaserkuppeln saßen über dem Hangar auf der Oberseite der Sekundärhülle. Unter dem Hangar verliefen die beiden, nach Hinten gerichteten, Torpedoschächte. Im Gegensatz zur DEFIANT war der Schlachtkreuzer somit in der Lage, beinahe die gleiche Feuerkraft auf, sich von Hinten nähernde Feindschiffe zu entfalten, wie auf von Vorne kommende.
    Die Primärhülle trug auf ihrer Oberseite, zum unvermeidlichen Imperialen Logo, bereits die neu gestaltete Form gelber Markierungen der Imperialen Raumflotte.
    In Form eines Halbmondes, dessen beide Spitzen nach Vorne gerichtet waren, war diese neue Form zwar schlichter gehalten, wirkte jedoch nicht weniger gefährlich, als die alten Markierungen der, von den Tholians zerstörten, I.S.S. ENTERPRISE.
    Bereits der nächste Kreuzer der Pulsar-Klasse würde, in Erinnerung an ihre Zeit auf diesem  Kreuzer, denselben Namen tragen. Doch es würde die I.S.S. SCHARNHORST sein, die zum ersten, vernichtenden Hammerschlag zur endgültigen Zerschlagung der Rebellion ausholen sollte.
    Die, für alle Schiffe des Imperiums, neu eingeführte Registriernummer des Schiffes, in diesem Fall ICC-1966, befand sich hinter dem, an die Rebellen gerichteten, Schriftzug auf der Unterseite der Primärhülle. Zusätzlich prangten dort zwei weitere Logos des Imperiums, rechts und links, welche etwa 40% kleiner waren, als das nach Vorne gerichtete Logo, auf der Oberseite.
    Hoshi Satos Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück, als ihr Mann sich leise räusperte und sie auffordernd ansah.
    „Und so taufe ich dich auf den Namen: SCHARNHORST“, sprach sie die traditionellen Worte wobei sie den Auslöser des Gravo-Katapultes betätigte.
    Die vorbereitete Flasche Champagner benötigte drei Sekunden, bis sie – vom Gravo-Katapult beschleunigt - an der vorderen Sekundärhülle, zerschellte.
    In diesem besonderen Fall, so dachte Jeffrey Gardner, war es um den Dom Perignon des Jahrgangs 2151 nicht schade. Im Gegenteil, ein Schiff wie die SCHARNHORST hatte nichts Anderes verdient, als das Beste, also war dieser gute Tropfen für die Schiffs-Taufe gerade angemessen.
    Das gute Dutzend der anwesenden Admirale applaudierte pflichtbewusst.
    Die Imperatrice gab ihnen durch ein leichtes Kopfnicken die Erlaubnis, sich zum Transporterraum zu begeben, um zur Besichtigung auf die SCHARNHORST zu beamen. Ihre Leibgarde befand sich bereits an Bord des Schiffes und würde ihnen, wie bereits ihrem eigenen Mann zuvor, den Zutritt zum Haupt-Maschinenraum verwehren. Diesen Raum würde, außer den Maschinisten der SCHARNHORST und ihnen beiden, vorerst kein Lebewesen zu Gesicht bekommen.
    Fleetadmiral Gardner wartete, bis auch die beiden Leibgardisten seiner Frau den Panorama-Saal verlassen hatten, um auf dem Gang auf sie zu warten, bevor er Hoshi ansah und fragte: „Willst du mir nicht endlich verraten wohin die erste Reise der SCHARNHORST gehen soll?“
    Seine Frau streichelte sanft seine Wange und antwortete leise: „Gedulde dich bitte noch etwas. In einer Stunde, wenn die Admirale ihre Besichtigung beendet haben und von Bord sind, brechen wir auf und dann werde ich das Ziel bekannt geben.“
    „Und du hältst es immer noch für eine gute Idee, selbst an dieser Mission teilzunehmen, Hoshi?“
    Das Lächeln der Asiatin vertiefte sich. „Diesen Flug möchte ich, um nichts in der Welt versäumen. Mein Stellvertreter, Gouverneur Mike Singleton ist nicht nur ein fähiger Mann, sondern auch absolut loyal, das weißt du. Die Regierungsgeschäfte sind also bei ihm in guten Händen, Jeff.“
    Der Fleetadmiral nickte zustimmend und nahm seine Frau dann, mit zufriedener Miene an die Hand. „Dann lass uns an Bord gehen, ich bin schon gespannt auf die Überraschung, die du mir versprochen hast...“

* * *

    Im Gegensatz zu den Admiralen, die bei der Schiffstaufe anwesend gewesen waren, benutzten Hoshi Sato und ihr Mann nicht den Transporter um auf die SCHARNHORST zu gelangen, sondern sie bestiegen, zusammen mit den beiden Leibwächtern, eins der kleinen Verbindungsboote die für solche Fälle an den Aufbauten des Raumdocks bereitstanden.
    Jeffrey selbst steuerte das kleine Boot zur linken der beiden Andockschleusen, die mittig der Verbindungsstrebe zwischen Primär- und Sekundärhülle lagen, damit auch größere Schiffe in der Lage waren dort anzudocken.
    Nach einem perfekten Wendemanöver dockte der Fleetadmiral das kleine Boot, unter Zuhilfenahme der Dockautomatik, an. Gelernt war eben gelernt.
    Er und Hoshi warteten, bis die beiden Leibgardisten die, sich öffnenden, Verbindungsschotts durchschritten hatten, bevor sie ihnen folgten.
    Rechts und links der Schottöffnung hatten, je zwanzig, Crew-Mitglieder Aufstellung genommen und standen auf Kommando stramm. Nach alter Tradition trat der jüngste Offizier, ein junger, südländischer Ensign von Terra, einen halben Schritt vor und pfiff Seite; ein tiefer, zwei Sekunden dauernder, Ton, gefolgt von einem kurzen, hohen Ton, auf einer echten Bootsmannsmaatpfeife. Hoshi Sato fragte sich insgeheim, wo die Offiziere des Schiffes diese kostbare Antiquität aufgetrieben hatten.
    Der Wissenschafts-Offizier des Schiffes, Lieutenant-Commander Namoro Enbara, ein wahrer Hüne mit ebenholzschwarzer Hautfarbe, der gleichzeitig die Funktion des Zweiten Offiziers des Schiffes erfüllte, trat vor und grüßte. „Lieutenant-Commander Namoro Enbara zu ihren Diensten.“
    „Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen?“, fragte der Fleetadmiral, dem Protokoll entsprechend und blickte zu dem kahlköpfigen Riesen hinauf.
    „Erlaubnis erteilt“, erwiderte Enbara, ebenfalls dem Protokoll folgend, mit tiefer Bassstimme und machte eine einladende Geste, in Richtung des Turbolifts B.
    „Danke, Lieutenant-Commander“, schaltete sich die Imperatrice in die Unterhaltung ein. „Lassen Sie abtreten und bringen sie uns auf die Brücke.“
    „Aye, Imperatrice.“ Enbara wandte sich an den jungen Südländer: „Lassen Sie abtreten, Ensign Alvarez.“ Danach wandte er sich wieder Sato und ihrem Mann zu. „Wenn Sie mich jetzt bitte begleiten wollen.“
    Hoshi Sato und Jeffrey Gardner folgten dem Afro-Terraner. Gemeinsam fuhren sie zum Kommandodeck hinauf wo sie den Turbolift fünfzehn Sekunden später verließen.
    Die Brücke der I.S.S. SCHARNHORST war selbst im Vergleich zu jener der DEFIANT beeindruckend.
    Wie auch im Rest des Raumschiffes waren die Wände und der überwiegende Teil der Einrichtung in einem hellen Grau gehalten. Lediglich die Polster der Sitze, das den inneren Teil der Zentrale umlaufende Geländer und der Bodenbelag, mit dem Logo des Imperiums waren in einem dunklen Bordeaux-Ton gehalten.
    Zwischen den beiden Turboliften, im rückwärtigen Bereich der Brücke lag, etwas erhöht in einer Art Erker, die Taktische Station, die einen unverhältnismäßig großen Platz einnahm. In Flugrichtung rechts davon, auf der anderen Seite des Turbolifts A, schlossen sich die Stationen des Kommunikations-Offiziers und die des Wissenschafts-Offiziers an. Auf der anderen Seite, neben Turbolift-B, lagen die Kontrollstation des Leitenden Ingenieurs und des Sicherheits-Offiziers. Der breite Sessel des Captains befand sich genau im Zentrum der Brücke. Dort liefen alle Fäden zusammen, wovon die unzähligen Kontrollinstrumente in den breiten Armlehnen Zeugnis ablegten. Vor dem Platz des Captains lag die zweigeteilte CON. Den rechten Platz nahm dabei der Navigator ein, während der Steuermann den linken Platz beanspruchte.
    Man hatte diese Zweiteilung, die man zum ersten Mal an Bord der DEFIANT gesehen hatte, auch für diesen neuen Schlachtkreuzer übernommen. Die Unterteilung der CON in Navigation und Steuerung hatte sich, in den letzten Jahren, als taktisch vorteilhaft herausgestellt.
    Während sich die Admirale noch an Bord aufhielten, nutzte Hoshi Sato die Gelegenheit sich mit den Brücken-Offizieren des Schlachtkreuzers vertraut zu machen.
    Jeffrey Gardner vermied es ganz bewusst mit seinem Ersten Offizier zu beginnen, sondern dirigierte Hoshi zuerst zu seinem Steuermann, Lieutenant Junior-Grade Frank Steiner, einem hochgewachsenen, schlaksigen Mann mit strohblonden Haaren und wasserblauen Augen. Der nächste war der Navigator, Lieutenant Senior-Grade Taarash, ein wuchtig gebauter Tellarit. Vielleicht wirkte er aber auch nur wegen seiner speziell gefütterten Uniform so wuchtig, denn Tellariten waren an weit höhere Temperaturen gewöhnt.
    Der Nächste in der Runde war Kommunikationsoffizier, Ensign T´Lari, vom Planeten Vulkan. Im Gegensatz zum klassischen Schönheitsideal im Imperium trug sie ihr Haar nur schulterlang. Mit einem Alter von gerade mal 23 Jahren, war sie, nach vulkanischen Verhältnissen, noch so etwas wie ein Teenager. Nachdem Hoshi ihr gönnerhaft zugenickt hatte, flüsterte sie Jeffrey zu: „Na, mit den Ohren sollte sie wirklich auch noch die schwächsten Sender hereinkriegen.“
    Der Fleetadmiral schmunzelte unterdrückt und begab sich mit Hoshi auf die umlaufende Galerie um zur Taktischen Station zu gelangen, wo der weibliche, andorianische Erste Offizier des Schiffes letzte Systemchecks vornahm. Als sie den Admiral und Hoshi Sato bemerkte straffte sich ihre Haltung und sie grüßte vorbildlich.
    Jeffrey Gardner stellte sie seiner Frau als seinen Ersten Offizier, Commander Vilarai Selas, vor und die Imperatrice musterte die Andorianerin kühl. Demonstrativ legte Hoshi ihren Arm um Jeffrey´s Hüfte. Sie wusste um die Impulsivität und die Leidenschaft der andorianischen Frauen und sie konnte förmlich spüren, wie es in der äußerst hübschen Andorianerin rumorte, bei dieser Geste. Unterdrückt schmunzelnd schmiegte sie sich eng an ihren Mann und beobachtete zufrieden, wie sich die Antennen der Andorianerin leicht nach Innen krümmten, während ihre Wangen einen etwas dunkleren Farbton annahmen.
    Hoshi erkannte, wenn auch nur widerwillig, an, dass der hochgewachsene, weibliche Commander nahezu perfekte Proportionen besaß. Ihr langes, weißes Haar schimmerte im indirekten Licht der Zentrale beinahe silbern und ihr fein geschnittenes Gesicht wirkte ausgesprochen anziehend. Kein Wunder, dass Jeff ihr nicht hatte widerstehen können.
    „Ich freue mich Sie endlich persönlich kennenzulernen“, sprach Hoshi Sato die blauhäutige Frau schließlich an. „Jeff hat mir bereits sehr viel von ihnen erzählt. Wie man hört, sollen ihre Fähigkeiten äußerst beeindruckend sein.“
    Commander Selas bemerkte die Doppeldeutigkeit in den Worten Satos, ließ sich jedoch nichts davon anmerken, sondern antwortete überlegt: „Danke, Imperatrice.“
    Hoshi Satos Augen wurden zu schmalen Schlitzen, während sie einen halben Schritt auf Vilarai Selas zu machte und leise sagte. „Wir haben eine äußerst wichtige und schwierige Aufgabe vor uns, Commander Selas. Sind sie bereit notfalls ihr Leben zu opfern, für den Erfolg dieser Mission?“
    „Jederzeit, Imperatrice. Meine Loyalität und meine Ehre gehören dem Imperium.“ Sie hielt dem prüfenden Blick Hoshi Satos stand, die herauszufinden versuchte ob diese Worte ernst gemeint, oder lediglich eine spitzfindige Frechheit gewesen waren.
    „Nun gut“, meinte die Asiatin schließlich. „Wir werden es vielleicht noch feststellen.“ Sie wurde abgelenkt, als ein junger Lieutenant die Zentrale betrat, zu ihnen schritt und meldete, dass die Admirale soeben das Schiff verlassen hatten.
    Hoshi Sato nahm die Meldung des „Offiziers vom Dienst“ mit einem Kopfnicken zur Kenntnis und wandte sich an ihren Mann. „Dann ist es nun endlich soweit, dir das Herzstück dieses Schlachtkreuzers zu zeigen.“
    Sie nahm die Hand ihres Mannes und zog ihn mit sich, und auch ohne sich umzudrehen wusste sie, dass Commander Selas Blicke ihnen folgten.
    Während sie in Turbolift-A nach unten fuhren maß Hoshi ihren Mann, der nicht den frischesten Eindruck machte, mit amüsierter Miene. Er teilte ihre Vorliebe für alte 2D-Filme, und so meinte sie anzüglich: „Jeff, du siehst heute Morgen aus, wie Gregory Peck nach zwei Western.“
    „Ich fühle mich eher wie sein Colt nach fünf Schießereien“, konterte der Admiral schlagfertig, was seine Frau zu einem breiten Grinsen veranlasste.
    Etwa dreißig Sekunden später hielt der Lift an und sie betraten den Gang zum Haupt-Maschinendeck. Die Doppelwache der Imperialen Garde grüßte und einer der Soldaten gab den Öffnungscode ein. Dann traten sie zur Seite und gaben den Weg frei.
    Sie beide kannten die Maschinenanlagen, die es in beinahe identischer Form auf der PULSAR gab, zwar schon von diesem Schwesterschiff der SCHARNHORST, aber es war trotzdem aufs Neue ein imposanter Anblick als sie die breite, den gesamten Maschinenraum umlaufend, Galerie betraten.
    Sie traten an den Rand des Schutzgeländers und blickten hinunter auf den silbrig schimmernden, liegenden Zwillings-Warpkern. Die Plasmakammern der beiden, jeweils fünf Meter durchmessenden, Warpkerne strahlten jenes blaue Leuchten aus, wie es für diese verbesserten Neukonstruktionen typisch war. Mit den veralteten Aggregaten der zerstörten ENTERPRISE hatten diese wesentlich leistungsstärkeren Maschinen so gut wie keine Ähnlichkeit mehr. Durch die halbtransparenten Sektionen der Plasmakammern konnte man den Fluss des Warp-Plasmas beobachten, was bei den alten Aggregaten nur im Bereich der Kontrollen möglich gewesen war. Länger als der Warpkern der DEFIANT gaben diese beiden Warpkerne zusammen etwa 80% mehr Leistung ab. Das schien relativ wenig, wenn man die Größe des Warpkerns der DEFIANT heranzog. Dies war jedoch dadurch bedingt, dass man noch nicht in der Lage war die Mikrobauweise des 23. Jahrhunderts nachzuahmen. Dafür konnte die SCHARNHORST mit einem Aggregat aufwarten, welches die DEFIANT nicht besaß.
    Bei den beiden Warpkernen der SCHARNHORST befanden sich die Kontrollen nicht mehr am Kopfende, sondern es gab einen abgeteilten Kontrollraum seitlich davon. Sie stiegen jedoch nicht hinunter, da Hoshi Sato den Chief, Lieutenant-Commander Jörn Petersson, schon vor einigen Wochen kennen gelernt hatte. Ohne die fachliche Kompetenz des schlanken, fast weißblonden, Mannes aus Skandinavien, mit den blauesten Augen, die Hoshi Sato je gesehen hatte, wäre der Einbau jenes Aggregates, mit welchem Hoshi ihren Mann zu überraschen gedachte, nicht möglich gewesen.
    Hoshi beobachtete ihren Mann aufmerksam, während sie auf der Galerie zum hinteren Bereich des Maschinenraums schritten. Als sie ihn erreichten blieb Jeffrey Gardner abrupt stehen, umklammerte mit den Händen den Handlauf des Geländers und blickte ungläubig auf das relativ unscheinbare Gerät, am Ende der beiden Warpkerne. Ein solches Aggregat hatte er bisher nur einmal gesehen, und das auch nur auf Archivbildern.
    „Ein sulibanischer Tarnfeld-Generator“, stieß der Fleetadmiral verblüfft aus. „Wo, zum Teufel, kommt der denn her?“ Mit Allem hatte Jeffrey Gardner gerechnet, aber nicht damit. Fragend blickte er seine Frau an.
    „Das war eines der am strengsten gehüteten Geheimnisse des letzten Imperators gewesen“, erklärte Hoshi ihm, hochzufrieden, dass ihr die Überraschung perfekt gelungen war. „Wir fanden dieses Gerät in einer speziell gesicherten Kammer unter dem Palast, erst Wochen nach dem Putsch. Kurz vor der vollständigen Vernichtung der Suliban gelang es den Truppen des Imperators, nicht nur eins dieser Geräte zu erbeuten, sondern derer zwei. Dieses Aggregat hatte der Imperator zerlegen, und Konstruktionspläne anfertigen lassen. Es hat volle drei Jahre gedauert dieses Gerät wieder funktionsfähig zusammenzubauen. Leider sind unsere Techniker und Ingenieure nicht in der Lage diese Geräte, mit den uns bekannten Elementen und Ressourcen nachzubauen, so dass die SCHARNHORST auf absehbare Zeit das einzige Schiff mit einer solchen Tarnvorrichtung bleiben wird.“
    „Schade“, meinte der Fleetadmiral doch seine Augen leuchteten als er Hoshi umarmte und direkt in die Augen sah. „Mit diesem Schiff werden wir Sternenreiche aus den Angeln heben. Doch zuerst werden wir uns der elenden Rebellen annehmen.“
    Hoshi drückte ihrem Mann einen schnellen Kuss auf die Lippen und flüsterte ihm leise zu: „Es wird Zeit das Dock zu verlassen und den Aufrührern eindringlich zu demonstrieren, wozu dieses Kriegsschiff in der Lage ist.“

* * *

    Als Hoshi zusammen mit ihrem Mann wieder auf der Brücke erschien, hatte sich Commander Selas bereits um die Startvorbereitungen gekümmert. Obwohl der Fleetadmiral wusste, dass er sich in dieser Hinsicht voll und ganz auf seinen Ersten Offizier verlassen konnte, verzichtete er auch dieses Mal nicht auf das kleine Ritual zu fragen: „Ist alles bereit, Commander?“
    „Die Andockklammern sind gelöst. Wir können jederzeit starten, Admiral“, antwortete die Andorianerin mit klarer Stimme und warf dabei Hoshi Sato einen schnellen Seitenblick zu.
    Der Fleetadmiral schenkte Commander Selas ein freundliches Lächeln und wandte sich dann an seine Frau. „Wann hast du zum letzten Mal ein Raumschiff kommandiert?“
    Hoshi blickte erstaunt zu Jeffrey auf und fragte: „Du meinst, ich soll das Kommando über die SCHARNHORST übernehmen?“
    „Du bist der höchste militärische Befehlshaber an Bord.“
    Hoshi strahlte ihren Mann an und flüsterte ihm leise zu: „In Momenten, wie diesen, weiß ich, warum ich mit dir verheiratet bin.“ Laut, so dass sie auf der gesamten Brücke gehört werden konnte, sagte sie: „Für das Protokoll; ab 11:23 Uhr Terranischer Standardzeit übernehme ich das Kommando über die I.S.S. SCHARNHORST.“ Sie warf einen Blick in Richtung des OvD. „Der Offizier vom Dienst wird das im Logbuch des Schiffes vermerken.“ Sie drückte sanft Jeffrey´s Hand, der rechts des Sessels Aufstellung nahm, bevor sie, fast andächtig im Sessel des Captains Platz nahm und Lieutenant Frank Steiner am Steuer anwies: „Steuermann: Bringen sie uns ´raus. Manöverdüsen Achtern.“
    „Aye, Imperatrice“, bestätigte der hochgewachsene, blonde Mann und gab vollen Schub auf die achteren Manöverdüsen. Majestätisch langsam bewegte sich das Raumschiff zwischen der Gitterkonstruktion des Raumdocks vorwärts, dabei kontinuierlich an Fahrt zunehmend.
    Eine halbe Minute später meldete Navigator Taarash: „Schiff hat das Dock verlassen und ist frei.“
    „Danke“, bestätigte Hoshi, die sich bereits ganz in ihrem Element fühlte. „Navigator: Setzen Sie einen Kurs zum Capella-System. Steuermann: Kurs folgen. Ein Viertel Impuls.“
    „Aye!“, bestätigten Navigator und Steuermann wie aus einem Mund. Bereits wenige Augenblicke später hatte der Navigator die Daten zum Pult des Steuermanns überspielt, der den Schlachtkreuzer drehte und, relativ zur Ekliptik der Planeten des Sonnensystems, nach schräg unten beschleunigte.
    „Steuermann: Voller Impuls. Blick achtern.“
    Der Steuermann bestätigte und nahm die entsprechenden Schaltungen vor. Auf dem konkav gewölbten Panoramaschirm wurde die Erde schnell kleiner, bis sie nur noch als ein Stern erster Größe zu erkennen war.
    Jeffrey Gardner ließ sich nicht anmerken, wie stolz er in diesem Moment auf seine Frau war. Sie hatte nichts verlernt, in den vergangenen Jahren.
    Im nächsten Moment gab Hoshi das nächste Kommando: „Lieutenant Steiner: Gehen sie auf Warp 7,7.“
    „Aye, Imperatrice. Warp 7,7.“
    Der Steuermann aktivierte das Warpfeld und schob den Geschwindigkeitsregler nach Vorne. Ein eingebautes Widerstandssystem verhinderte dabei, dass der Hebel abrupt bewegt werden konnte, sondern nur so schnell, wie es die Maschinen des Schiffes verkrafteten. Auf dem Bildschirm wurden die Sterne in nächster Nähe übergangslos zu lang gezogenen Strichen, die im Gegensatz zu vorher nun merklich ihre Position änderten.
    Der Steuermann gab laufend die Fahrtstufe durch: „Warp 1... Warp 2... Warp 3... Warp 4... Warp 5... Warp 6... Warp 7... Warp 7,5... Warp 7,6... Warp 7,7... Befohlene Fahrtstufe erreicht.“
    „Danke, Mister Steiner.“ Die Imperatrice blickte mit einem leicht verwunderten Blick zu ihrem Mann auf. Sie hatte einen Effekt erwartet, zumindest ein leichtes Vibrieren des Schiffes bei voller Reisegeschwindigkeit, doch nichts dergleichen war passiert. Nicht einmal eine Veränderung im Arbeitsgeräusch der Maschinen war zu vernehmen.
    Jeffrey Gardner, der ihren Blick richtig deutete, legte seine Hand auf ihre Schulter und sagte begeistert: „Glatt wie Glas. Findest du nicht auch, dass dieses neue Kriegsschiff absolut atemberaubend ist?“
    Das Leuchten in Hoshis Augen sprach Bände. „Das sind die Momente, an die wir uns auch in Jahrzehnten noch erinnern werden.“ Sie betätigte die Sprechverbindung zum Maschinenraum. „Lieutenant-Commander Petersson, hier Imperatrice Sato. Wir werden nun einmal prüfen, was dieses Raumschiff wirklich kann. Sind ihre Maschinen bereit für einen Flug mit Maximalgeschwindigkeit?“
    Aye! Die Maschinen arbeiten innerhalb normaler Parameter, Imperatrice. Maximalgeschwindigkeit ist jederzeit möglich.“
    „Ich werde Sie beim Wort nehmen, Mister Petersson. Wehe wenn nicht...“ Sato deaktivierte die Verbindung und spannte sich leicht an, bevor sie befahl: „Steuermann, Sie haben es gehört – beschleunigen Sie das Schiff auf Warp 8,9! Fahrtstufenangaben in geraden Abständen zu 0,2 Warp.“
    „Aye, Imperatrice“, bestätigte der Steiner, nicht ohne einen bezeichnenden Blick mit dem Navigator zu wechseln. Nervös legte sich seine linke Hand auf den Beschleunigungshebel. Langsam, fast übervorsichtig schob er ihn über die schwache Sperre hinaus und bewegte ihn in den rot markierten Bereich hinein. Wieder gab er laufend die Fahrtstufe an. „Warp 7,8... Warp 8,0... Warp 8,2... Warp 8,4...“
    Die Arbeitsgeräusche steigerten sich um eine halbe Oktave.
    „Warp 8,6... Warp 8,8...“
    Ein schwaches Vibrieren setzte ein und Jeffrey Gardner legte seine Linke auf Hoshis Schulter. „Übertreibe es nicht, die Maschinen sind noch nicht eingefahren“, flüsterte er ihr zu. „Wir wollen doch nicht, dass die SCHARNHORST auseinander fliegt.“
    „Na und?“, zischte seine Frau halsstarrig zurück. „Fliegt sie eben auseinander...“
    Gardner seufzte entsagungsvoll und blickte kurz über die Schulter, hinüber zu Commander Selas, die hinter der Taktischen Station stand und beide Hände auf die Kante der Kontrollkonsole gelegt hatte. Wie immer strahlte die Andorianerin, nach Außen, eine unerschütterliche Ruhe aus, doch Jeffrey, der sie kannte wie kein Zweiter, wusste es besser. Es waren stets die kleinen Anzeichen, die ihre innere Anspannung verrieten, nicht die großen.
    „Warp 8,92... Maximalgeschwindigkeit erreicht.“
    „Danke Steuermann!“ Hoshi Sato aktivierte erneut die Sprechverbindung zum Maschinenraum. „Mister Petersson, wann gedenken Sie die Vibrationen zu kompensieren und durch eine höhere Energieversorgung der Trägheitsdämpfer auszugleichen?“
    „Sofort, Imperatrice. Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass sich die Arbeitswerte der Strömungs-Sensoren gefährlich nahe am Grenzbereich bewegen.“
    Dann schlage ich vor, Sie sorgen dafür, dass diese Grenzbereiche nicht überschritten werden“, konterte Hoshi kalt und schaltete ab.
    Sekunden später ließen die schwachen Vibrationen nach, bis sie schließlich ganz aufhörten.
    Hoshi blickte sich, mit triumphierendem Grinsen, zu ihrem Mann um und zwinkerte ihm mit dem linken Auge verschmitzt zu. Dann erhob sie sich langsam aus dem Sessel und trat an die Seite ihres Mannes, wobei sie die anerkennenden Blicke einiger Offiziere genoss. „Steuermann, wir bleiben für die nächsten zwei Stunden auf Warp 8,9.“
    Hoshi hörte kaum die Bestätigung während Jeffrey sie ansprach: „Wie ich dich kenne, hast du einen besonderen Grund das Capella-System anzufliegen. Verrätst du ihn mir?“
    Die Japanerin lächelte versonnen, bevor sie in rätselhaftem Ton meinte: „Wir haben dort ein Rendezvous mit der Vergangenheit...“
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