Christines Weihnachtsgeschenk

von Rabenweib
GeschichteAllgemein / P12
01.12.2009
01.12.2009
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Christines Weihnachtsgeschenk

Dr. Christine Chapel haderte mit dem Schicksal. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hatte sie Weihnachten auf der Erde verbringen wollen. Nyota Uhura und sie hatten es schon vor Monaten geplant. Die Hütte in den Bergen Colorados war gemietet, die Weihnachtsparty geplant und alle Einladungen waren schon vor Wochen verschickt worden. Es sollte so etwas wie eine große Wiedersehensfeier werden. Dr. McCoy hatte zugesagt und auch Jim Kirk wollte dabei sein. Janice Rand hatte versprochen Captain Hikaru Sulu mitzubringen, denn die Excelsior musste in die Werft. Soweit so gut, sie alle würden da sein. Nur sie selbst nicht, wenn nicht noch ein Wunder geschehen würde.
Drei Wochen zuvor hatte Starfleet Command Christine zur Raumstation K4 beordert, dort war eine Epidemie ausgebrochen, ein unbekanntes Fieber, eingeschleppt von einem Raumschiff der Andorianer. Zum Glück hatten Dr. Chapel und ihr medizinisches Team den Erreger schnell isolieren können und ein Gegenmittel entwickelt. Während die anderen Mediziner auf K4 blieben, wollte Christine so schnell wie möglich zur Erde zurück. Sie buchte eine Passage auf einem privaten Linienraumschiff und freute sich auf den bevorstehenden Urlaub und das Treffen mit ihren Freunden und Kameraden. Christine hatte vor ihrem Rückflug ein kurzes Gespräch mit Uhura geführt. Ihre Freundin versprach sich um alles Weitere zu kümmern, selbst Christines Gepäck für den Aufenthalt in den verschneiten Bergen würde sie mitnehmen. Nyota zählte auf, was sie schon an Einkäufen getätigt habe und versprach Christine eine Extra-Überraschung zum Weihnachtsfest. Das Grinsen ihrer Freundin verriet Christine, dass diese sich mit Sicherheit nicht verplappern würde und so versuchte sie erst gar nicht, das Geheimnis zu ergründen. Es hätte alles so schön sein können, wenn nicht ein Ionensturm den Weg des Passagierraumers gekreuzt hätte. Der Pilot des Schiffes  hatte seinen Kurs nur knapp geändert um den Zeitplan einhalten zu können, zu knapp, um den Auswirkungen des Sturmes zu entgehen. Der Antrieb war beschädigt, es gab einige Verletzte und mit Warpgeschwindigkeit zu fliegen, blieb eine Illusion.
Nachdem Dr. Chapel in der Krankenstation des Schiffes ausgeholfen hatte, war sie zur Kommandobrücke gegangen, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Es war entmutigend. Zwar bestand keine Gefahr für das Schiff, aber sie würden es nicht schaffen, zum Weihnachtsfest auf der Erde zu sein.
Christine warf sich bäuchlings auf ihr Bett und trommelte mit beiden Fäusten auf das Kopfkissen. Wieder einmal würde sie die Festtage auf einem Raumschiff verbringen, so wie in den letzten fünf Jahren zuvor. Entweder war es ein Raumschiff oder eine Raumstation oder irgendein fremder Planet gewesen. Und gerade in diesem Jahr, wo es die Gelegenheit gab, alle alten Freunde von der Enterprise wieder zu treffen, ausgerechnet da hing sie in einem lädierten Linienraumer fest. allein, ohne irgendjemanden an ihrer Seite, den sie kannte. Sie hatte sich so gefreut, auf den Schnee in den Bergen (Uhura hatte ihr die Wetterprognose durchgegeben, die Schnee und sonniges Winterwetter versprach), auf ein paar ruhige Tage mit vielen Gesprächen. Auf Leonard McCoy, den sie so lange nicht gesehen hatte, auf Jim Kirk und auf Janice und Sulu und natürlich auf Uhura, mit der sie in ständigem Kontakt stand, aber auch sie hatten sich schon mehr als zwei Jahre nicht persönlich getroffen. Ganz kurz streifte der Gedanke an Spock, den Vulkanier, ihr Bewusstsein. Christine hatte versucht, ihn zu erreichen, aber er war nicht aufzufinden. Auch ihre Bemühung, eine telepathische Verbindung zu ihm zu bekommen, war erfolglos geblieben. Seit Spock vor einigen Jahren eine Gedankenverschmelzung mit Christine durchgeführt hatte, hatte sie schon oft seine Gedanken gespürt. Aber...merkwürdigerweise, nicht mehr in der letzten Zeit. Christine richtete sich auf. Ob ihm etwas passiert war? Nein, den Gedanken verwarf sie sofort, das hätte sie gespürt. Das spürte sie immer, in den vergangenen Jahren war es mehr als einmal vorgekommen, dass sie im Innersten einen heftigen Schmerz verspürte. Und jedes Mal wusste sie, dass Spock verwundet worden war, denn immer kam danach eine telepathische Botschaft, dass sie sich keine Sorgen machen sollte, es ginge ihm gut. Es waren nicht direkt Worte, die sie empfing, eher Empfindungen.
Christine stand  von dem zerwühlten Bett auf. Da benahm sie sich wie ein kleines verwöhntes Mädchen, nur weil nicht alles so lief, wie sie es wollte, dabei gab es Wichtigeres. Sie holte sich einen Tee, setzte sich in einen der bequemen Sessel und horchte in sich hinein. Sie war keine Telepathin und daher war es für sie immer schwierig zu entscheiden, ob sie denn Kontakt zu Spock gehabt hatte, aber dieses Mal war sie sicher, dass es nicht klappte, dass er nicht in ihrem Geist war. War er zu weit weg? Hatte er sich abgeschirmt? Oder war doch etwas nicht in Ordnung mit ihm?
Plötzlich erschien es ihr unheimlich wichtig, dass er sie hörte, doch da war nichts!
Zwei Tage später erwachte Christine mit dem Gefühl, dass heute etwas Besonderes geschehen würde. Sie setzte sich in ihrem Bett auf, als es ihr einfiel. Heute war Weihnachten! Deprimiert sank sie wieder in ihre Kissen und das euphorische Gefühl verblasste. Undeutlich erinnerte sie sich an den Traum, den sie gehabt hatte. Da war Schnee gewesen und Leute mit denen sie durch einen tiefen Wald lief, zu einem See. Sie waren Schlittschuh gelaufen, hatten Glühwein getrunken und gesungen. Danach saßen alle um einen Kamin herum, sie konnte die Wärme des Feuers förmlich spüren. In diesem Traum hatte sie in einem großen, roten Sessel gesessen und es war jemand neben ihr gewesen. Das Gefühl der Geborgenheit, der Freundschaft, das sie empfunden hatte, klang in ihr nach, vermischt mit diesem Kribbeln, das man spürte, wenn einem gleich etwas aufregend Schönes passieren würde. Aber heute würde sicher nichts Besonderes passieren, es sei denn, der Warpantrieb wäre repariert und sie käme wenigstens in einer Woche zurück zur Erde, dann blieb ihr noch Silvester, dass sie und die anderen auch zusammen verbringen wollten. Am besten wäre es, sie bliebe den ganzen Tag in ihrem Bett. Decke über den Kopf ziehen und schlafen, nicht nachdenken. Ob Uhura wusste, wo sie steckte, ob man sie vermissen würde? *Du bist schlimmer als ein kleines Kind*, schimpfte Christine mit sich selbst. *Natürlich werden sie dich vermissen*.
Entschlossen stand die Ärztin nun doch auf, duschte und kleidete sich an. In dem kleinen Schrank hing das Kleid, das sie eigentlich heute hatte anziehen wollen. Es war zweiteilig, ein langer, brauner Seidenrock mit einem breiten Gürtel, der mit glitzernden Steinen besetzt war. Dazu kam ein raffiniert geschnittenes goldfarbenes Oberteil. Eigentlich war es viel zu festlich für eine Hütte in den Bergen, aber als sie es auf K4 gesehen hatte, konnte sie nicht widerstehen. Seufzend schloss Christine die Schranktür, na, egal, irgendwann gäbe es sicher eine Gelegenheit, dass sie es tragen konnte. Sie machte sich auf den Weg zur Brücke, um zu erfragen, ob die Möglichkeit einer Funkverbindung  bestünde.
Dort erfuhr sie, dass es nicht möglich war. Entmutigt ging die Ärztin weiter zur Krankenstation, aber die Verletzten waren soweit wieder hergestellt, dass es nichts zu tun gab. In der Messe des Raumers deutete nichts auf Weihnachten hin, die meisten der anderen Passagiere kamen von anderen Planeten, auf dem das Fest keine Bedeutung hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück, ging die Ärztin zurück in ihre Unterkunft. Gelangweilt griff sie zu einem Buch, aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Immer wieder dachte sie an den Traum. Wenn sie jetzt auf der Erde wäre, dann würde es kein Traum bleiben, aber sie sass ja hier fest. Verdammt noch mal, warum traf immer sie so etwas? Hatte sie nicht das Recht auf Entspannung auf Spaß und auf Leute, die sie mochte und von denen sie gemocht wurde? Plötzlich hielt sie inne. Was war das gleich gewesen, was sie dort auf der Raumstation gekauft hatte? Der Händler hatte gesagt, es sei ein Prototyp. Ein kleines Gerät, das llusionen erzeugen konnte. Eine Umgebung erschaffen, die nicht real war, aber so wirkte. Sie hatte es gekauft, weil sie Kuriositäten liebte, nicht das sie daran geglaubt hatte, es würde funktionieren, aber jetzt! Wo hatte sie es bloß hingepackt? Im Koffer, sie war sicher, aber da war es nicht. Fieberhaft durchsuchte Christine den ganzen Raum, bis sie es schließlich unter ihrem Bett fand. Es musste heraus gefallen sein, als sie das Kleid aus dem Koffer nahm.
Unschlüssig drehte die Ärztin das faustgroße, würfelförmige Metallstück in den Händen. Der Händler hatte gesagt, man sollte sich auf das konzentrieren, was man sehen wollte, dann könne man durch einfaches Drücken der Kontaktpunkte Änderungen vornehmen. Na, dann würde sie mal ausprobieren, ob es klappte. Christine Chapel setzte die dazugehörige Brille auf, betätigte den Einschaltknopf, das Gerät summte und leuchtete in einem dunkelblauen Licht. Sie stellte sich das Innere einer Hütte vor, den Kamin, die Stühle und Sessel und einen Tisch. Weihnachtsdekorationen an den Wänden und Fenster, in denen sich der Schnee in den Ecken abgesetzt hatte. Als Christine die Augen öffnete, die sie zwecks besserer Konzentration geschlossen hatte, hatte sich ihre Umgebung tatsächlich verändert. Es funktionierte wirklich. Christine ließ sich vorsichtig auf einen der Sessel nieder, halb erwartend, dass sie auf den Boden fallen würde, aber der Sitz fühlte sich echt an. Doch schnell merkte die Ärztin, dass sie auf ihrem Bett sass. Trotzdem war die Illusion so echt, dass sie sich entspannte und bereit war, so zu tun, als ob sie sich in der Berghütte befand und auf ihre Freunde wartete.
Nach zwei Stunden der Entspannung war die Batterie des Gerätes leer und Chris befand sich wieder in der Realität. Sie konnte es wieder aufladen, aber das würde sicherlich eine Weile dauern. Dann eben etwas Anderes. Christine schaltete den Computer an und rief eine animierte Schneelandschaft auf. Die Flocken auf dem Bildschirm fielen, sie schaltete die Beleuchtung aus, setzte sich vor den Monitor und sah den Schneeflocken zu. Dabei musste sie wohl eingeschlafen sein, denn plötzlich fand sich die Ärztin auf dem Boden wieder. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es bereits "Abend" war.
Lustlos bestellte sie sich ihr Abendessen in die Unterkunft, doch sie ließ es fast unberührt wieder zurückgehen, die Laune war auf dem Tiefpunkt und so beschloss sie, schlafen zu gehen. Auf dem Monitor leuchtete nun ein Weihnachtsbaum, aus den Lautsprechern klangen weihnachtliche Melodien. Christine lag in ihrem Bett und versuchte sich vorzustellen, was ihre Freunde auf der Erde jetzt tun würden. Sicherlich saßen diese jetzt tatsächlich am Kamin, aßen etwas, verteilten die Geschenke und vielleicht tranken sie auch einen auf ihr Wohl. Nun, was sollte sie sich weiterhin ärgern, sie konnte nichts tun. Aber der Schlaf wollte nicht so rasch kommen,  etwas machte sie unruhig, Christine konnte es nicht definieren, aber etwas von der freudigen Stimmung, die sie beim Erwachen gespürt hatte, war wieder da.
Ganz plötzlich spürte sie eine Wärme, die nicht von außen kam, da war etwas, das sie tröstete, wie eine unsichtbare Umarmung, eine lautlose Stimme, die aufmunternde Worte sagte. Es dauerte eine ganze Weile, ehe Christine begriff, dass sie diese Stimme schon oft gehört hatte, in ihrem Kopf. Mit einem Ruck fuhr sie in die Höhe!
"Spock!"
*Ja, Christine*.
Unsicher, ob sie den Kontakt zu ihm würde herstellen können, wenn sie die Worte nur dachte, sprach sie laut.
"Wo waren Sie, ich habe so lange nichts gehört, gespürt?"
Seine Gedanken waren so deutlich, als sei er neben ihr.
*Ich war sehr weit von Ihnen entfernt, aber ich hatte ihre Gedanken bei mir.*
"Dann erging es Ihnen besser als mir".
Eine Weile kam keine Erwiderung, dann spürte sie die Gedankenfühler des Vulkaniers erneut, stärker dieses Mal.
*Alle denken an Sie, Christine, alle senden ihre Gedanken an Sie.*
"Sie haben das in meinem Geist gesehen?"
*Ja, und es tut mir sehr leid, dass Sie nicht bei Ihren Freunden sind*.
Christine versuchte, ein Schluchzen zu unterdrücken.
"Ist schon in Ordnung. Es ist nur...ich hatte mich so sehr gefreut, und nun! Aber...sie sind ja jetzt da, auch wenn es nur in meinen Gedanken ist."
Ehe sie eine Antwort bekam, summte der Türmelder. Ungehalten drückte Christine auf den Öffnungssensor.
Als das Schott auf glitt, sprang sie aus dem Bett.
"Ich möchte nicht gestört werden, es sei denn, sie wollen mir mitteilen, dass wir wieder auf Warpgeschwindigkeit gehen können."
Im Halbdunkel, das sowohl in der Kabine als auch auf dem Korridor herrschte, hatte die Ärztin nicht erkennen können, wer da störte. Aber die Stimme erkannte sie sofort.
"Störe ich tatsächlich, Dr. Chris? Dann gehe ich besser wieder und sorge persönlich dafür, dass der Warpantrieb repariert wird."
"Spock!!!" mit einigen hastigen Schritten war die Ärztin an der Tür.
"Spock, wo kommen Sie denn her?"
Mit der vulkanischen Andeutung eines Lächelns und der charakteristisch hochgezogenen Augenbraue betrat Spock den Raum und ließ die Tür hinter sich zu gleiten.
"Guten Abend, Dr. Chris. Ich bin auch erfreut sie zu sehen!"
"Sind Sie das jetzt auch wirklich?"
Der Vulkanier trat näher an Christine heran und berührte ganz leicht ihre Schulter.
"Ja, das bin ich. Und um Ihre erste Frage zu beantworten: Ich komme direkt von Vulkan."
Die Ärztin schüttelte ungläubig mit dem Kopf.
"Entschuldigen Sie, ich bin etwas durcheinander, setzen Sie sich doch erst einmal und dann wäre es sehr nett, wenn Sie mir alles erklären würden, ich glaube ich träume schon wieder."
Der Vulkanier kam der Aufforderung nach und musterte die Frau die sich wieder auf das Bett gesetzt hatte. Verlegen griff Christine zu ihrem Bademantel, aber Spock war schon wieder aufgestanden und kam auf sie zu.
"Warum legen Sie sich nicht wieder hin. Ich werde mich zu Ihnen setzen und erzähle Ihnen, was geschehen ist."
Christine grinste.
"Nein, das machen wir ganz anders, ich ziehe mich an, während sie erzählen."
"Gut“, Spock setzte sich auf die Bettkante, indem Chris zum Kleiderschrank ging.
Dann begann er zu sprechen.
"Ich wollte zur Erde, schließlich hatte ich eine Einladung erhalten. Lieutenant Commander Uhura hatte mich offensichtlich als Weihnachtsgeschenk für Sie eingeplant."
"Was??"
"Nun ja, ich erhielt eine Mail mit dem Inhalt, dass ich am 24. Dezember in Colorado erwartet würde und ich bitte nur nichts davon Ihnen gegenüber erwähnen sollte, denn ich sei eine Weihnachtsüberraschung."
"Das ist typisch Uhura“, stöhnte Christine.
Auf das bestätigende Kopfnicken Spocks, meinte die Ärztin.
"Hätte ich mir denken können, dass sie so etwas plant, aber das erklärt nicht, wie Sie hierher kommen."
"Ich wollte mit einem Vulkanischen Transporterschiff zur Erde, als ich ihre Gedanken empfing. Ich ließ den Kurs ändern und so bin ich nun hier, wir sind nicht sehr weit von Vulkan weg. Die Transportercrew hilft bei der Reparatur. Und wenn Sie wollen, bringe ich sie mit unserem Schiff zur Erde, sobald die Arbeiten an den dem Linienraumer beendet sind."
Ohne lange nachzudenken, umarmte die Ärztin den Vulkanier, ließ ihn dann aber erschrocken wieder los.
"Entschuldigen Sie Spock, aber ..."
"Keine Entschuldigung nötig. Ich habe Ihre Traurigkeit gespürt und weiß, wie gerne Sie jetzt in den Bergen Colorados wären."
"Dann sind Sie nicht mehr auf dem Laufenden. Im Moment bin ich sehr froh hier zu sein." Christine lächelte und wandte sich wieder dem Kleiderschrank zu. Sie hörte, das Spock aufgestanden war und spürte seine Gegenwart hinter sich.
"Warum ziehen Sie es nicht an? Schließlich ist Weihnachten."
Christine wandte den Kopf etwas zur Seite.
"Ist das nicht unlogisch für Sie, ein solches Fest zu feiern?"
"Sie vergessen, dass meine Mutter von der Erde ist. Ich bin durchaus mit den Traditionen vertraut. Ziehen Sie das Kleid an, Sie haben es doch extra dafür gekauft und sich dabei überlegt, ob ich es wohl schön finden würde. Das kann ich nur entscheiden, wenn sie es an haben."
"Ich hasse es, dass sie jeden meiner Gedanken erkennen können, und ich nicht die Ihren lesen kann."
"Ganz so ist es doch nicht, ich kann ihre Gedanken auch nur lesen, wenn sie derart intensiv sind."
"Sind sie das denn?"
"Ja, in den letzten Tagen ja. Ich habe Uhura informiert über das, was Ihnen geschehen ist. Alle lassen Sie grüßen und ich soll Ihnen sagen, dass die Silvesterfeier viel besser wird."
"Danke."
"Fühlen Sie sich jetzt besser?"
"Ja, das tue ich!"
"Gut, dann ziehen Sie das Kleid an, wir werden in die Mess Hall zum Essen gehen und dann erzählen Sie mir, wie Sie eigentlich feiern wollten."
"Okay!" Christine grinste verschmitzt und fuhr fort.
"Und Sie sagen mir, ob Ihnen mein Kleid gefällt!"
Spock hatte wieder einmal dieses winzige Lächeln in den Augenwinkeln.
"Am besten ist es, Sie lesen meine Gedanken."
Doch das war nicht wirklich nötig, Christine erkannte es an dem Gesichtsausdruck des Vulkaniers, dass er ihr Outfit schön fand, so gut kannte sie ihn inzwischen.  
Die Ärztin und der Vulkanier blieben vor der Tür zu Christines Unterkunft stehen. Sie hatten in der Messe zu Abend gegessen, sich unterhalten und Christine hatte schnell ihre gute Laune wieder gewonnen. Und jetzt standen sie vor ihrer Tür und sie fühlte sich mal wieder wie ein Teenager, der etwas Verbotenes im Sinn hat.
"Spock, ich weiß nicht was ich sagen soll, ich...nun ja, es wäre schön, wenn..."
Spock berührte ganz flüchtig ihren Handrücken.
"Warum versuchen Sie nicht, unsere geistige Verbindung zu nutzen? Sie können es."
Und sie konnte es, es fiel ihr so leicht, als hätte sie nie etwas anderes getan. Sie entriegelte die Tür und trat hindurch, ihre Gedanken suchten die seinen.
*Sind Sie sicher, dass das eine gute Idee ist?*
*Ja, das ist es. Natürlich will ich Sie...dich zu nichts drängen.*
*Nein, ich fühle mich geehrt, nicht gezwungen!*
"Sehen Sie..Entschuldigung, siehst du Christine, du kannst es. Wenn wir es jetzt noch einmal tun, dann wird unsere Verbindung stabiler werden und es sollte dir auch leichter fallen, meine Gedanken zu erfassen."
Christine lachte leise.
"Das hört sich jetzt schon fast unanständig an. Oh, mein Gott, verzeihen...verzeih Spock, ich hätte das zweite Glas Wein nicht trinken sollen."
"Dann hätte ich das Dessert auch nicht essen dürfen, Christine. Du kennst die Reaktion von Vulkaniern auf den Genuss von Schokolade."
"Spock, willst du damit sagen, dass du ...betrunken bist?"
Der Vulkanier streckte seine Hand nach der ihren aus und zog die Frau zu sich heran.
"Nicht mehr und nicht weniger als du, Christine." Er ließ sich auf das Bett fallen.
"Komm her und leg dich zu mir. Wir werden unsere Gedanken verschmelzen, dann kann ich das sehen, was du mit dem heutigen Tag verbindest, kann verstehen, warum du so traurig warst und ich werde dir dafür zeigen, wie ich das Weihnachtsfest damals als Kind erlebt habe, wenn du das möchtest."
"Dafür brauchst du einen Schokoladenrausch?"
"Nein, aber wenn du und ich schon zusammen feiern..."
Er ließ das Ende des Satzes offen und Christine setzte sich zu ihm.
"Das allein ist  wie ein Rausch, Spock. Heute ist heute, morgen haben wir bestimmt vergessen, was wir heute sagten."
"Das hoffe ich doch nicht. Komm näher zu mir, lass unsere Gedanken eins werden."
Für einen Außenstehenden musste es so aussehen, als würden sie schlafen, aber die Gedanken der irdischen Ärztin und des Vulkaniers waren hellwach. Sie lagen auf dem Bett, Christines Kopf ruhte auf Spocks Brustkorb.
In das Bewusstsein des Vulkaniers drangen Bilder von Kaminfeuer, Schneeflocken, Spaziergängen im Wald und Geschenken. Gelächter und Tränen. Gesprächen und dem Gefühl der Geborgenheit, Freundschaft und Liebe. Christine ließ ihn teilhaben an vergangenen Weihnachtsfesten mit ihrer Familie, mit Freunden, auf der Enterprise und daran, was sie und Uhura für den heutigen Tag geplant hatten. Sie vermittelte ihm aber auch ihre Freude darüber, dass er da war, bei ihr war. Auch wenn Spock spürte, dass sie nicht alle ihre Gedanken vor ihm ausbreitete, so spürte er doch, wie viel es ihr bedeutete mit ihm zusammen zu sein, ihn bei sich zu haben. Als Spock seine Erinnerungen für Christine öffnete, konnte sie nicht umhin, zu erschrecken. Ja, er hatte mit seiner Mutter Weihnachten auf der Erde gefeiert, aber es war ihm von seinen menschlichen Verwandten nicht gerade übermäßig viel Liebe zuteil geworden. Und auf Vulkan gab es kein Weihnachten, auch wenn Amanda sich bemühte, diese Tradition ihrem Sohn zuliebe aufrecht zu halten, war es nicht das, was Christine mit ihren Erinnerungen verband.
*Du brauchst mich nicht zu bemitleiden, Christine. Es war in Ordnung, wie es war, ich kannte es nicht anders. Aber nun verstehe ich, warum du so verzweifelt gewünscht hast, doch noch nach Colorado zu kommen. Und ich hoffe, wir werden einmal dieses Erlebnis nachholen können, mit unseren Freunden.*
Es war eine intensivere Gedankenverschmelzung als die erste, die nun schon einige Jahre zurücklag. Christine hatte das Gefühl, dass da etwas war, was Spock ihr zeigen, sagen wollte, aber es war nur ein flüchtiger Eindruck, der schnell wieder verschwand. Nachdem der Vulkanier die Verbindung behutsam wieder gelöst hatte, wollte Chris schnell aufstehen um ihm etwaige Peinlichkeitsgefühle zu ersparen, aber Spock hielt sie zurück.
"Nein, bleib hier, neben mir. Ich...ich möchte den Nachhall unserer Verbindung auskosten, es war ein gutes Erlebnis, etwas, dass bleiben wird, hier in mir und ich...möchte heute bei dir bleiben."
Als Christine nach einem erfrischenden Schlaf aufwachte, fand sie sich in den Armen des Vulkaniers wieder. Sie trug noch immer ihr Festtagskleid und lächelte bei dem Gedanken, was für ein Gesicht Spock wohl machen würde, wenn er erwachte.
*Warum erwartest du, das ich einen besonderen Gesichtausdruck haben werde? Nimm einfach an, dass diese Nacht mein Weihnachtsgeschenk war."
*Von dir für mich?*
"Nein Christine, es war ein Geschenk für mich. Ein Geschenk, das ich nie vergessen werde. Lass uns weiter schlafen, es ist noch sehr früh und dein Traum war gerade so schön."
Christine lachte und kuschelte sich wieder an ihn.
*Du liest meine Gedanken, du träumst meine Träume mit, aber es stört mich nicht. Und weißt du was? Uhura hatte recht: Du bist ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk.*
Christine spürte ein mentales Lachen, dann schlief sie wieder ein und träumte von einem roten Sessel am Kamin, in dem sie sass. Aber dieses Mal wusste sie genau, wer neben ihr war.


ENDE