Efeu auf dem Steinkreuz

GeschichteAllgemein / P6
14.11.2009
14.11.2009
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Efeu auf dem Steinkreuz

Starr ragt es aus dem Boden auf,
aus rotem Sandstein gehauen,
schon von Efeu umrankt zu Hauf',
hier wird niemand etwas bauen.

Von Efeuranken umschlungen
und Jahrhunderten durchdrungen.
Bleibt's noch so manches Jahr stehen,
viele werden es noch sehen.

Ich sitze an seinem Fuße
auf einem weichen Efeubett,
den Rücken an es gelehnt
und warte noch auf die Muße.

Liegen noch Knochen unter mir?
Denn für den Tod steht es hier
oder steht's nur zum Gedenken?
Und tat die Knochen versenken,

in den dunklen Tiefen der See?
Doch wie soll ich es erfahren?
Der Stein ist verwittert, oh je
steht schon seit hunderten Jahren.

Vom Efeu nehme ich ein Blatt
und betrachte es sehr lange
bewunder's doch mir wird bange,
leg' es in mein Buch und drück's platt.

Ich nehme Tinte und Feder
und ein Blatt Pergament heraus.
Leg's auf meiner Tasche Leder
beginn' den Dichter_Leichenschmaus.

Auf dem Pergament tanzt sie,
Durch dies' Werk erhalt' ich kein Hohn.
Von der Feder bleibt eine Spur
Blutrot, so wie eine Samtschnur.

Das Kreuz flüstert mir Reime zu,
der Efeu ordnet sie im Nu.
Sie halfen schon vielen Dichtern
hier saßen mit Kerzenlichtern.

Das Kreuz steht tief drinnen im Wald
einen weiten Weg muss man geh'n
um vor ihm, im Zwielicht zu steh'n,
wie die Bäume hier ist es alt.

Nur wenige wissen von ihm
und noch weniger gehen hin.
Meistens sitzen nur Dichter hier,
fern ab von Lärm, Wein und Bier.

Hier können sie denken in Ruh'
hier schmiedeten sich schon Reime.
Erdachten den Titel dazu.
Kamen so mit sich ins Reine.

Ewig wird es noch hier stehen
doch wer wird’s nach mir sehen?
Versteckt steht es im Wald schon lang
nach kurzem Weg wird’s vielen bang.

Dunkel und dicht umarmt'S der Wald.
Tote Bäume stehen Wache.
Viele schreckt's, dass ich nicht lache,
vielen wird es hier ums Herz kalt.

Ruhig war's selbst in den Kriegen,
kein Soldat wagte sich hier her,
hier dachte niemand ans siegen
dafür fürchteten sie sich sehr.

Im Dorf heißt es, hier gäb's Geister.
Wenn's sie gibt, bin ich ihr Meister.
Sicher fühlt' ich mich immer hier
und schreib der Zeilen immer vier.

Langsam füllen sich die Seiten,
meine Tinte geht zur Neige.
Ich werd meine Schritte leiten,
Heim zu dir und deiner Geige