Die Rache der Hohen Priesterin

GeschichteHumor / P12
Eruruu Hakuoro Touka Urotori
14.11.2009
15.11.2009
8
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Copyright: Utawarerumono und sämtliche andere bekannte Figuren gehören mir nicht ,  ich hab sie mir nur ausgeliehen...
Der Text von 'Forever yours' gehört Xandria (Wie komm ich nur ständig zu Xandria-Texten?), 'Schwarze Sonne' gehört E Nomine, auch wenn ich mir erlaubt habe, die Lyrics gerinfügig zu verändern, sodass sie besser passen...


Bemerkungen: Ja, ich weiß, ich habe den armen Hakuoro ganz schön gezwiebelt... dafür hatte ich aber auch eine Menge Spaß und das ist doch das Wichtigste, oder? Und außerdem habe ich mich entschuldigt, also kein Grund zum Aufregen...


„Hört jetzt die Worte unseres Vaters und großen Gottes Witsarunemitea!", verkündete Urotori und breitete die Arme weit aus als wolle sie alle Anwesenden umarmen. Dann fuhr sie mit getragener Stimme fort und begann mit ihrer - sicher etwas länger dauernden - Predigt. „Vor urdenklich langer Zeit begab es sich..."
Hakuoro senkte mit einem leisen resignierenden Seufzen den Kopf und ließ die Worte wie die Tropfen eines Gewitters, dem er nicht entgehen konnte, an sich abprallen. Als der Kaiser Tusukurus konnte er nicht einfach flüchten oder dem 'Gottesdienst' fernbleiben und so blieb ihm nichts weiter übrig als sich die vermaledeiten Predigten anzuhören, egal wie wenig ihm das gefiel und wie peinlich ihm die ehrfurchtsvollen verschachtelten Sätze der Hohen Priesterin immer waren. Hinter ihm kniete der halbe Hofstaat und hörte im Gegensatz zu ihm sehr aufmerksam zu. Neben ihm litten Benawi, Oboro, Eruruu und seine anderen Freunde still mit ihm. Sie hassten diese Reden genauso sehr wie er, aber sie konnten genauso wenig flüchten.
Umso schlimmer war es heute, weil es einer der letzten herrlichen Herbsttage war, es noch einmal relativ warm geworden war und draußen die Sonne schien. Sie sollten den Tag draußen damit verbringen sich an der Natur zu freuen und nicht damit hier ewig im Thronsaal Urotoris Redestrom zu lauschen! Leider war es einer der seit Jahrhunderten festgelegten Feiertage und das Datum stand fest. Er konnte sich zwar nicht daran erinnern jemals etwas in dieser Richtung geäußert zu haben, aber die Onkamiyamukai mussten den Termin ja wohl irgendwo her haben. Vielleicht war er einmal einem Hohen Priester im Traum eingefallen ... Musste ja ein ziemlicher Albtraum gewesen sein, dachte Hakuoro trocken bei sich.
Just in dem Moment drangen Urotoris Worte wieder bis zu ihm durch, die er vorher geflissentlich ausgeblendet hatte: „Und der damalige Hohe Priester verkündete, er hätte von ihm geträumt. Der große Gott erschien vor ihm und befahl, dass der heutige Tag in seinem Gedenken begangen werden solle..."
Hakuoro stellte sich das Ganze unwillkürlich bildlich vor und malte es dramatisch und ziemlich farbenfroh aus: Ein alter tattriger Greis mit den (momentan zerzausten) weißen Flügeln der Onkamiyamukai stand auf einer Wiese. Es war düster und gespenstisch, denn über ihm türmten sich gewaltige schwarze Wolken, es war eisig kalt und regnete wie aus Eimern. Außerdem heulte ein Sturm, der den Mantel des Priesters wie Banner wehen ließ, alte Blätter über die Wiese peitschte und die langen nassen Grashalme wie ein schutzsuchendes Kaninchen zu Boden drückte. Ein Blick erhellte die Nacht, dem sofort ein dröhnender Donner folgte, der die Ohren schmerzen ließ und der vom Sturm zerzauste und vom Regen durchnässte alte Mann schauderte bis ins Mark und sah aus, als wäre er viel lieber an einem anderen Ort, der sich sehr weit weg befand. Vor ihm, von düsteren Schatten umgeben, stand Witsarunemitea in voller Größe und musterte ihn eindringlich.
Der Priester verbeugte sich bis zum Boden und sagte mit zittriger ängstlicher Stimme: „Was wollt Ihr von mir Herr?"
Witsarunemitea warf ihm einen langen Blick aus seinen goldenen Augen zu und verkündete langsam und todernst mit donnernder ehrfurchtgebietender Stimme: „Bis jetzt in alle Ewigkeit sollt ihr mir an diesem Tag auf die Nerven gehen und mich mit überzogenen Predigten nerven!"
Der Priester starrte ihn völlig verdutzt an. „Hä?"
Witsarunemitea antwortete immer noch absolut ernst: „Oh, ich habe mir nur einen Scherz erlaubt..."
Dann fuhr der Priester schweißgebadet aus dem Schlaf. „Was für ein seltsamer Traum!", murmelte er. „Ein Glück, dass ich jetzt munter bin!"
Diese Vorstellung erheiterte Hakuoro so sehr, dass er losprustete und anfing zu lachen.
Urotori warf ihm einen finsteren Blick zu. Die Priesterin wusste genau, dass das was sie erzählt hatte, nie passiert war, weil sie ihm erst hatte erklären müssen warum denn schon wieder eine Predigt fällig war. Hakuoro hatte von dem angeblichen Treffen noch nie etwas gehört und war mehr als verdutzt von der Aussicht gewesen, dass er jemals jemanden gebeten haben könnte ihn mit langen Predigten zu verehren.
Dennoch war es der Situation wirklich nicht angemessen lauthals zu lachen und Hakuoro kämpfte verzweifelt um seine Fassung, aber es war sinnlos. Immer wenn er es geschafft hatte ein einigermaßen ernstes Gesicht aufzusetzen, erschien vor seinem geistigen Auge wieder das Bild des durchnässten bedröppelten Priesters auf der sturmgepeitschten Wiese und eine neue Lachattacke schüttelte ihn. Eruruu, die rechts neben ihm kniete, war wohl von seiner Erheiterung angesteckt worden, denn sie fing ebenfalls an zu kichern. Da sie seine Seele vermutlich besser als er selbst kannte, konnte sie sich vorstellen, was er gerade dachte und das amüsierte sie genauso. Eruruus Lachen machte die Sache nur noch schlimmer, denn immer wenn Hakuoro es endlich geschafft hatte, sein Kichern zu unterdrücken, fing sie wieder an oder es war umgekehrt und prompt lachten alle beide wieder. Es war einer dieser Lachanfälle, die man immer dann bekommt, wenn die Situation total unpassend ist und man eigentlich ein todernstes Gesicht aufsetzen sollte und die sich durch alle Anstrengungen absolut nicht eindämmen lassen.
Hakuoro und Eruruu bemühten sich so angestrengt mit dem Lachen aufzuhören, dass ihnen schon bald alle Muskeln wehtaten und Tränen in ihren Augen standen. Sie bekamen keine Luft mehr, weil sie, wenn sie schon lachen mussten, dann wenigstens leise lachen wollten und es nicht wagten allzu laut Luft zu holen.
Schließlich riss Urotori der Geduldsfaden und sie unterbrach ihre Predigt. Sie stemmte die Hände in die Hüfte, baute sich vor den Beiden auf und setzte den finstersten Gesichtsausdruck auf, zu dem sie nur fähig war.
„Könntet ihr vielleicht euer Amüsement so lange im Zaum halten, bis ich fertig bin?", grollte sie mit einer Stimme, die Übles für zwei gewisse Leute erahnen ließ.
Das sorgte für eine sofortige Ernüchterung. Mit einer wütenden Urotori war nicht gut Kirschen essen.
Hakuoro wischte die Lachtränen unauffällig an seinem Ärmel ab und meinte: „Entschuldige bitte, aber..."
„Kein Aber!", knurrte Urotori wütend. „Das hier ist eine offizielle Veranstaltung, ich muss doch sehr bitten! Also ein bisschen mehr Ernst!" Sie hielt es wohlweißlich für besser nicht Witsarunemiteas Namen zu erwähnen, weil das ziemlich sicher die nächste Lachattacke auslösen würde.
„Das ließ sich nicht-", begann Hakuoro seine Rechtfertigung, doch die Priesterin unterbrach ihn.
„Dann werdet ihr euch ein wenig anstrengen!", wütete sie.
„Das tun wir doch!", versuchte es jetzt Eruruu, wenn auch ziemlich leise.
„Dann strengt euch gefälligst etwas mehr an!", fauchte Urotori lautstark in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.
„Jawohl!", sagten Hakuoro und Eruruu gleichzeitig kleinlaut und senkten wie die ertappten Sünder betreten den Kopf. Widerspruch war zwecklos und würde die Sache nur verschlimmern.
Urotori warf ihnen noch einen weiteren scharfen Blick zu, trat dann aber wieder zurück und fuhr mit ihrer Rede fort.
Hakuoro und Eruruu warfen sich einen heimlichen erleichterten Blick zu, wagten es aber nicht sich länger anzusehen. Nicht, dass sie wieder anfingen zu lachen, denn wer wusste schon wozu die erzürnte Urotori dann in der Lage war... Also richteten sie ihre Blicke wieder auf den Boden und versanken nach kurzer Zeit in dem schläfrigen Dämmerzustand, der ihre einzige Verteidigung gegen Urotoris ausufernde Predigten war. Hakuoro hatte die äußerst praktische Fähigkeit im knien zu schlafen und dabei auch noch absolut munter auszusehen und davon machte er zu diesen Gelegenheiten immer reichlich Gebrauch. Auch jetzt schloss er - angeblich ehrfurchtsvoll - die Augen und da er den Kopf sowieso gesenkt hatte, fiel niemandem auf als er einschlief.
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