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Finsternis

von Solitaire
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / Gen
12.11.2009
07.06.2011
48
46.250
 
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12.11.2009 334
 
Der Tag war vorüber, die Welt würde niemals wieder einen solchen Sonnenaufgang erleben wie den, der diesen Tag begonnen hatte. Denn die Welt, wie sie einmal war, gab es nicht mehr.
Nicht nach einem solchen Tag, nicht nach all dem, was geschehen war. Viel zuviel Blut tränkte den sandigen Boden, aus dem dürres Heidekraut trocken hervorragte.
Langsam senkte sich die Finsternis herab, legte sich über all das wie ein Leichentuch, versuchte, all das Elend vor dem Glanz der Sterne, die nun bald zu sehen waren, zu verbergen.
Doch wer sollte sie sehen. Viele Augen starrten nur noch leer und starr, weit aufgerissen und im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode erschrocken, in die aufkommende Nacht.
Wer noch lebte, interessierte sich nicht für die Nacht und die Sterne, wer noch lebte, wollte gar nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nichts mehr fühlen, wer jetzt noch lebte, wollte nur noch fort und vergessen.

Elende Gestalten schleppten sich davon, so schnell und so gut sie es noch konnten.
Fort, nur fort ! Nichts hielt sie mehr an diesem Ort, dem Ort des Grauens. Am Morgen waren sie noch stolz und zuversichtlich hier aufmaschiert, dachten, sie würden am Abend in triumphaler Parade heimkehren, die Brust stolz geschwellt, umjubelt.
All das lag nun weit zurück, war unwichtig, kam ihnen irreal vor. Wen interessierten Siege, wen Paraden ?
An diesem Tag hatte der Tod eine überreiche Ernte eingefahren. Wer ihm entkommen war, wollte nur noch fort, vergessen, nie wieder hierher zurückkehren, nie wieder daran erinnert werden.
So schleppte sich nun jeder davon, egal, ob Freund ob Feind, alle wollten nur noch weg.
Die Finsternis senkte sich weiter herab, lähmend lastete sie auf ihnen. Am Horizont ging gerade blaß und fahl der Mond auf, wie eine stählerne Sichel würde auch er in dieser Nacht über die Ödnis ziehen und versuchen, noch weitere Opfer zu mähen.
Wer hierblieb, schien verloren. So zog es die letzten Überlebenden nun eilig in Richtung des dunklen Kiefernwaldes, in den Schatten der Bäume. Fort, egal wohin, nur fort.
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