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Die Herrschaft des Vampirs

GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
Arthur Holmwood / Lord Godalming Dr. John / Jack Seward Graf Dracula Jonathan Harker Mina Murray / Harker Professor Abraham Van Helsing
08.11.2009
28.10.2014
4
5.832
1
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.11.2009 1.151
 
Ich habe lange auf etwas neues warten lassen, aber erst durch den Ansporn eurer Reviews und den Anschubser einer guten Freundin wieder dazu gefunden und ich hoffe euch nach der Zeit nicht zu enttäuschen!

***

Mina Harkers Tagebuch:  15.08.2012 - Morgen

Ich schreibe noch immer in mein Tagebuch, obwohl mir nicht viel im Moment einzufallen vermag. Beziehungsweise: Ich tue so, als würde ich schreiben. Andrew, ein von seinen Zügen her recht jung aussehender Vampir, steht hinter mir zu meiner Rechten, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und starrt in die Ferne. Das tut er immer, obwohl ich weiß, dass er meinetwegen hier ist. Er soll mich auf Geheiß zurückholen. Aber trotzdem wartet er, bis ich fertig bin mit meiner Tätigkeit. Im Grunde genommen ist er ein sehr unauffälliger Kerl, was ihn bei seinen Aufgaben zu Gute kommt. Er ist nämlich einer der Spione, die Er unter seinem Kommando hat. Und zudem der Sohn Seines engsten Beraters. Gott, es ist anstrengend nicht seinen Namen niederzuschreiben, es drängt mich fast danach, denn ich weiß, dass er zugleich bei mir sein würde – und das ist es, was ich so fürchte.
Andrew wirkt heute Abend etwas unruhig. Er soll seine Erlösung bekommen. Deshalb werde ich später weiterschreiben.

15.08.2012 – Abend

Es war ein recht betriebsamer Tag gewesen, deswegen werde ich versuchen die Ereignisse chronologisch und nicht, wie sie mir in den Sinn kommen, niederzuschreiben. Zunächst hatte mir Andrew mit einer Verbeugung einen „Guten Morgen“ gewünscht – eine Geste, an die ich mich noch immer nicht gewöhnen konnte. Danach erklärte er mir, dass Er am heutigen Tage leider keine Zeit für mich aufbringen könnte, da er „politischen Verhandlungen“ nachgehen müsse. Diese, so wusste ich, bestehen in erster Linie darin seine Kolonien per Videoübertragung zu kontrollieren und die Streitigkeiten mit dem Verbund freier Länder zu einer Lösung zu bringen. Der Verbund freier Länder hatte sich bereits nach dem plötzlichen Ende der Seuche und dem Abzeichnen eines neuen Machtverhältnisses zusammengerafft, war aber mit der Zeit immer kleiner geworden. Die Einflussreichsten unter ihnen waren neben Italien, Deutschland und Ägypten zu allem Verdruss der Vampire - Rumänien. Sie konnten bis heute nicht verstehen warum das Heimatland ihres Herrschers sich weigerte sich ihnen anzuschließen. Mir dagegen ist jedes Land recht das gegen die drohende Weltregierung durch die Vampire steht oder sogar rebelliert.
Allerdings war Andrew von anderer Stelle ebenfalls zu mir geschickt worden, eher widerwillig, denn die Person, von der er eine Nachricht für mich erhalten hatte, war nicht gerade ein Freund von ihm. Davon aber von mir und deshalb hatte Andrew angenommen.

Er erwartete mich an jenem Ort, an dem man ihm am meisten antraf und dorthin begab ich mich ohne Umschweife.

Ein unwohles Gefühl hatte mich überkommen, so wie fast immer, als ich die Eingangshalle des großen Krankenhauses betrat und mich in kurzweiliger Ehrfurcht umsah. Das Gebäude war während der Seuchenzeit errichtet worden, am Anfang mehr im schlechten Zustand, aber durch gewissen Einfluss wurde es schnell zu einem prachtvollen Gebäude hochgezogen. Einige Ärzte schwirrten momentan durch die untere Halle, in der ich mich befand, nicht selten begleitet von neuen Assistenten oder Schülern. Das neue Lehrjahr hatte begonnen und die Universität war gleich um die Ecke, was nicht bedeutete, dass man nicht weit bis dorthin zu gehen hatte. Mein langjähriger Freund stand hoch oben im dritten Stock an die Brüstung gelehnt und sah erwartungsvoll zu mir herunter. Ich winkte kurz, woraufhin er nickte und sich in Bewegung setzte. Trotz der Tatsache, dass er ein vollwertiger Vampir war, gab er mir die Chance wenigstens bis in den ersten Stock zu gelangen und nahm deshalb ebenfalls wie ich die Treppe. „Jack!“, begrüßte ich ihn lächelnd am Treppenansatz und umarmte ihn, als er vor mir zum stehen kam. Er erwiderte die Umarmung sanft, stets darum besorgt, dass er mir mit seiner Kraft Schaden zufügen könnte. „Mina“, hauchte er und als wir uns trennten, lächelte auch er, zwar schwach, aber es war ein seltener Umstand. Trotzdem fielen mir die leichten dunklen Ringe unter seinen Augen auf, die für einen Vampir seines Alters ungewöhnlich waren und im Falle, wenn er noch menschlich gewesen wäre, wohl wie schwarzer Lidschatten seine Wirkung entfaltet hätten. Generell machte er einen müden Eindruck, und das war, wie ich wusste, die einzige Grenze die er in seinem jetzigen Zustand zu überschreiten gedachte. Er arbeitete rund um die Uhr. Vor allem deshalb, weil er damit Ruhe vor seinem Günstling hatte, worum ich ihn nicht nur einmal beneidet hatte. „Andrew meinte, du wolltest… mich sprechen?“, fragte ich zögerlich, denn mir fiel wieder einmal auf, dass er sehr viel mit seinem alten Mentor Van Helsing gemeinsam hat. Er strahlt etwas Wissendes aus, vor allem lässt mich das Gefühl nicht los, wenn sein Blick auf mir ruht, dass er tiefer sehen kann als nur bis auf meine Haut. Jack ist ein begnadeter Arzt, talentiert in fast allen Gebieten. Manchmal vergesse ich, dass er mit der Psychologie begonnen hatte…
„Ja, ich hatte es ihm ausgerichtet, dass… ähm…“, begann er und kratzte sich am Hinterkopf wie ein verlegener Junge und es amüsierte mich ihn so nervös zu erleben. Er seufzte schwer. Ihn beschäftigte etwas Großes, das merkte ich ihm an. „Lass uns in dein Büro gehen, wenn du nicht hier sprechen willst“, schlug ich einlenkend vor und nahm ihm bei seinem Arm. „Ja, wunderbare Idee!“, gestand er plötzlich überschwänglich und überrumpelte mich, da wir beide eigentlich wissen, dass die Wände Ohren haben. Denn wenn Dra… Er einem nicht traut dann ist es Dr. Seward, obwohl er ihm offiziell die Mitarbeit mit unseren alten Freunden „verziehen“ hat. Jack hatte lediglich seine Menschlichkeit aufgeben müssen… Es schmerzt mich noch immer, dass er es meinetwegen getan hat.
Wir erreichten sein Büro ohne zwischendurch ein Wort von Belang gewechselt zu haben. Er öffnete behände die Tür mit seinem Schlüssel, den er vor Jahrzehnten in einer geheimen Ecke der Stadt samt Schloss hatte anfertigen lassen, nachdem ihm dieser Raum zugesprochen wurde und drückte sie sachte nach innen auf. Mein Blick fiel gleich auf das Deckenhohe Bücherregal, welches sich von der Tür die Wand entlang bis zum Fenster zog. Es war bis oben hin gefüllt mit Medizin- und Naturbüchern. Ein weiteres Regal dieser Größe und Fülle erstreckte sich auch an der gegenüberliegenden Wand, vor dem sich allerdings auch weitere Bücher und Bände stapelten. Doch wegen dem gewaltigen Eichentisch in der Mitte des Raumes, hinter dem ein recht einfacher Holzstuhl stand, war kaum mehr Platz für eine weitere Ablage. Vor dem Schreibtisch standen im Kontrast zu dem Stuhl zwei luxuriöse bordeaux Ledersessel. Jack bot mir einen davon an, als ich eingetreten war und schloss nach sich sorgsam die Tür.
Sein Raum hatte sich über die Jahrzehnte kaum verändert, der Geruch von Papier und Tinte hing wie selbstverständlich in der Luft. Er nahm mir gegenüber, hinter dem Schreibtisch, auf dem Stuhl platz und räumte erst ein paar Akten beieinander, bevor er das Wort ergriff: „Wir haben Anzeichen dafür entdeckt, das die Seuche wiedergekommen ist.“
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