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Die Herrschaft des Vampirs

GeschichteMystery, Fantasy / P16
Arthur Holmwood / Lord Godalming Dr. John / Jack Seward Graf Dracula Jonathan Harker Mina Murray / Harker Professor Abraham Van Helsing
08.11.2009
28.10.2014
4
5.832
1
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Dieses Kapitel
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08.11.2009 1.742
 
Es ist eine Mischung aus dem Buch ,,Dracula'' von Bram Stoker (erschienen 1897) und aus dem Film ,,Bram Stoker's Dracula'' von F.F. Coppola (erschienen 1992). Da es mehr um den Buchanteil geht, ist es in die ,,Bücher''-Kategorie gefallen. Ich möchte nicht mehr voraus sagen, als in der Kurzbeschreibung steht, doch wäre es für einige, die den Film und/ oder das Buch nicht kennen, ratsam, sich einige Grundkenntnisse anzueignen...

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Mina Harkers Tagebuch

Wie lange war es wohl schon her, seitdem ich Tagebuch führte? Waren es 10 oder bereits 100 Jahre her, seit sich diese seltsamen Ereignisse abgespielt und in mein Gedächtnis für immer eingebrannt hatten? Eigentlich wollte ich nie mehr in mein Tagebuch schreiben, es nie wieder öffnen, seit wir diese Kreatur gejagt und schließlich vernichtet hatten. Doch haben wir das? Nein...
Er, bei dem ich es nicht wage, seinen Namen hier hineinzuschreiben, da ich fürchte, dass er so meine Gedanken lesen könnte, war zurückgekehrt. 5 Jahre waren nur vergangen, bis er plötzlich vor mir stand, mit seinen gierigen, roten Augen mich musterte und mich seelenruhig fragte, wie es mir denn ging...
Es war viel geschehen in jenen 5 Jahren:

Zuerst war da diese Vision, die mir zeigte, wie meine ,,Zukunft'' aussehen würde: Ich würde einen Sohn zur Welt bringen, den wir, Jonathan und ich, nach unserem verstorbenen Freund, Quincey P. Morris, benennen würden. Es war mir viel mehr ein Traum als eine Vision, der mich in der Nacht einholte, nachdem wir das Schloss des Grafen verlassen hatten. Ich erzählte niemanden von dem Traum, da ich fürchtete, dass es nur ein Traum bleiben würde... Komisch, dass er wirklich nur ein Traum war, und niemals Realität.
Die nächsten drei Jahre waren die ruhigsten nach dem Vorfall in Rumänien. Ich besuchte oft das Grab meiner lieben, verstorbenen Freundin Lucy Westenraa. Durch die Aufzeichnungen Dr. Sewards wusste ich, wie ihr Körper darin verweste: Ein Pflock im Herz, den Kopf abgetrennt und mit Knoblauch gefüllt. Dieser Gedanke ekelte mich schon, und ich war froh, nicht dabei gewesen zu sein, als diese tapferen Männer ihr den ewigen Frieden schenkten... Neben ihr lag ihre Mutter, die in der selben Nacht verstorben war wie Lucy. Ihr Herzleiden machte ihr damals schwer zu schaffen, und da sie ihr Todesurteil bereits vor ihrem Urlaub in Whitby zugesichert bekommen hatte, war es umso schwerer für sie, zu leben. Vor allem, da sie wusste, dass Lucy dazu neigte, Schlafzuwandeln. Arme Frau Westenraa...
Nach diesen 3 Jahren verlief alles so chaotisch, sodass ich nicht alles auf einmal erzählen kann, wie es mir in Erinnerung kommt: Ein Gerüchte gingen umher, dass sich eine noch nie da gewesene Krankheit in Schottland ausgebreitet hätte und langsam nach England kommen würde. Jonathan und ich teilten die gleiche Befürchtung, doch passte dies nicht zu den Erfahrungen, die wir mit den Vampiren hatten. Trotzdem kontaktierten wir Dr. Seward, der bereits von Carfax Abbey weg- und eine größere Irrenanstalt innerhalb von London eingezogen war, um ihn um seinen Rat zu fragen. Wir baten ihn auch, Professor van Helsing zu schreiben, da wir seine Adresse in Amsterdam nicht besaßen und sonst keine Möglichkeit sahen. Mit dem Brief, den wir von Dr. Seward erhielten, brach ein weiteres Stück weg von dem Glauben, dass doch alles Realität war, was damals geschehen war: Van Helsing war gestorben, es war schon eine Weile her, nur Entschuldigte sich Dr. Seward mit den Worten, keine Zeit gehabt zu haben, uns zu schreiben, da er mit anderen Ärzten versuchte, diese ,,seltsame'' Krankheit aufzuhalten. Er teilte unsere Ansicht, dass ein Vampir dahinter stecken könnte, aber nicht der, den wir vermuteten...
Es verging nicht einmal ein Monat, da zeigte sich schon bei uns in Exeter, dass diese Krankheit nicht aufzuhalten war: Zuerst waren es nur die Tiere, die starben. Kein gutes Anzeichen, meinte unser Nachbar, doch war niemandem bewusst, wie stark diese Krankheit war. Innerhalb der letzten 7 Monate des Jahres 1897 starben über die Hälfte aller Engländer an Ihr. Und es gab kein Heilmittel...
Jonathan war einer von ihnen, die starben. Ich dagegen war nicht mal infiziert, soviel konnte Dr. Seward, zu dem ich gereist war nach dem Tod meines Mannes, feststellen. Er war wieder nach London zurückgekehrt, um dort so gut es ihm möglich war zu helfen. Seine Anstalt wirkte vielmehr nach einem Sammellager für unheilbar Kranke und uninfizierbare Gesunde. Er erzählte mir, als er sich ein wenig, auf mein Raten hin, ausruhte, dass es auch Lord Godalming, oder eher Arthur Holmwood, erwischt hatte. Ich hatte erst vor kurzem, als ich noch in Exeter weilte, gelesen, dass er geheiratet hatte. Man sah Dr. Seward an, auch wenn er es nicht zugegeben hätte, dass es ihn kränkte, dass sein langjähriger Freund das bekam, was er wollte. Auch sah man, wie es ihn quälte, dass sein Mentor, Lehrer und Freund, Professor van Helsing, nun tot war. Es war auch für mich eine Qual zu erfahren, dass er nun nicht mehr unter uns weilte, aber der Tod würde jeden uns irgendwann holen, oder etwa nicht?
Jeden Tag, den ich in Dr. Sewards Anstalt verbrachte, sah ich, wie Menschen starben, wie sie hinausgetragen und begraben wurden, und wie neue Patienten hineinkamen, abgemagert und leichenblass... Das neue Jahr hatte niemand gefeiert, nur  in jenen Ländern wurde gefeiert, die nicht von dieser Plage befallen waren. Wie ich durch die Zeitung erfuhr, betteten viele Gläubige auf dem Petersplatz dafür, dass sie von der Krankheit verschont bleiben. Auch ich hätte gerne gebetet, doch ich hatte keine Zeit, da ich half, wo ich nur konnte. Bis zu jenem Tage, an dem ich ziellos und tagträumerisch durch die Straßen Londons ging...
,,Was für ein herrlicher Tag, nicht wahr?", hörte ich eine Stimme hinter mir sagen. Ich kannte diese Stimme nur zu genau, da sie sich in mein Gedächtnis gebrannt hatte. Insgeheim hoffte ich, dass ich mich getäuscht hatte, doch um sicherzugehen drehte ich mich um... und da stand er! Er trug, nicht so wie ich ihn in Erinnerung hatte, einen grauen Anzug aus dem feinsten Stoff. Er war auch nicht hager, sondern sehr kräftig gebaut, nicht muskulös. Seine Haare liefen in sanften Wellen über seine Schultern und waren Nussbraun. Ebenso waren seine Augen Braun, nur entging mir nicht dieser rote Stich in ihnen, die vor Begierde fast leuchteten.
Ich bekam kein Wort heraus, und beinahe wäre ich auch ohnmächtig geworden, wäre er nicht so schnell gewesen und hätte mich aufgefangen! ,,Sie sollten vorsichtiger sein. Die Straße bietet so manche Tücken!", meinte er ein wenig spöttisch, ein wenig liebevoll geradeaus in mein Gesicht, welches von seinem nicht gerade weit entfernt war. ,,Was erlauben sie sich!" herrschte ich ihn an, wobei ich kleinlaut wirkte. Was konnte er schon tun? Mich auf offener Straße zu einer der Seinen machen?
Als konnte er meine Gedanken lesen, antwortete er kühn:,, Wieso sollte ich es denn nicht versuchen, meine liebe Mina!" Mir stockte der Atem, als er mich sanft wieder auf die eigenen Füße stellte. ,,Wo ist denn... ihr Ehemann?", fragte er, ohne dabei ein Gesicht zu ziehen. Als ich nicht antwortete, sondern mich zum gehen wandte, ergriff er meinen Arm und flüsterte in mein Ohr:,, Dann stimmt es, was ich auf dem Grabstein lesen durfte!" Er war an seinem Grab gewesen, also war er bereits seit längerem wieder in England unterwegs. Somit bestätigte er meinen Verdacht. ,,Mörder!", brachte ich nur heraus, während mir die Tränen über das Gesicht liefen. Elegant wie bei einem Tanz drehte er mich zu sich um und reichte mir ein Taschentuch. ,,Wenn ihr mich für den Tod all der Menschen verantwortlich machen wollt, nur zu... nur bin ich nicht im Stande, Krankheiten solchen Ausmaßes hervorzurufen. Ja, nicht einmal eine kleine Seuche kann ich bewirken. Soweit gehen meine Fähigkeiten nun auch nicht!" Nun fiel mir auf, wie verbittert er klang. ,,Also..." begann ich, während ich das Taschentuch entgegennahm. ,,Nein, würde ich dann noch hier vor Ihnen stehen und Ihnen diese fragen stellen?" Es leuchtete mir ein, aber was wollte er noch hier?
,,Wisst Ihr", begann er, als wir zusammen auf einer Bank im Hyde Park saßen. ,,Ich bin zurückgekehrt, weil ich Rache nehmen wollte. An Euch und an jenen, die noch daran Schuld waren, dass ich in der Unterwelt gelandet bin. Oder wie ihr es nennen würdet, die Hölle." Er stockte, weil gerade eine Frau in schwarz mit einem Kinderwagen vorbeikam. Als diese dann außer Hörweite war, erzählte er weiter:,, Ich reiste zuerst, als ich endlich auf meinem Sarg hinauskommen konnte - eine Hostie versperrte mir den Weg nach draußen - nach Whitby, wo ich an Land ging. Das erste, wonach ich suchte, war ein Mensch, den ich aussaugen konnte!" Das er sowas ausgerechnet mir gestand, und dabei noch so offen war, war wirklich verrückt! Dennoch hörte ich zu, irgendetwas an ihm machte mich neugierig, nur wusste ich nicht, was! ,,Nur fand ich niemanden. Die Stadt war wie leer gefegt. In einer alten Zeitung fand ich dann den Grund dafür: Krankheit breitet sich über ganz Großbritannien aus! Überlebende fliehen nach Süden! Und somit reiste ich nach Exeter, in der Hoffnung, Euch und Euren geliebten Gatten vorher zu erwischen... Nun ja, ich war wohl nicht schnell genug." Er lachte, wobei ich nur die Augen schloss, um nicht noch sein Gesicht zu sehen. Wie konnte er nur...
Nachdem er sich beruhigt hatte, entschuldigte er sich und meinte:" Somit kam ich nach London und wen treffe ich? Euch! Was für ein Zufall..." Traurig und auch wütend öffnete ich meine Augen wieder, aber blickte geradeaus auf die Wiese. ,,Ich glaube nicht, dass es Zufall war!", meinte ich geistesabwesend und ohne den Sinn meiner Worte klar zu sein. ,,Nein, kein Zufall!", gab er zurück und plötzlich fuhr mir ein eiskalter Schauder über den Rücken. Erst jetzt bemerkte ich, dass es schon dunkel geworden war und das ich niemanden mehr sehen konnte. Dann, die Lippen an meinem Hals, wie sie langsam über die Haut streichelten. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Das einzigste, was ich noch hörte, waren seine Worte - ,,Es wird nicht so schlimm, du hast ja bereits Erfahrung" - und dann dieses schmerzhafte Gefühl und diese grausame, schwarze Leere vor meinen Augen...

Ich weiß nicht, was ich glauben soll, was ich noch denken soll. Mein Leben, es hätte schon längstens enden sollen, es tut es aber nicht... Mein Körper müsste schon längstens Staub sein, doch bin ich immer noch so jung wie damals... Unrein, Unrein!
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