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Wüstenrose

von Erina
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
05.11.2009
07.12.2011
52
338.349
24
Alle Kapitel
264 Reviews
Dieses Kapitel
15 Reviews
 
 
05.11.2009 1.586
 
Ich habe das Spiel erst vor kurzem gespielt und habe mich gleich dran gesetzt, eine FF darüber zu schreiben. Lese auch gerade fleißig andere Geschichten in diesem Genre ;-)
Ich will nicht viel vorweg nehmen, sondern nur etwas Grundsätzliches feststellen:
Es handelt sich zwar um eine Romanze, aber wer hier Schmalz / Kitsch und  ein schnelles Happyend erwartet, wird enttäuscht werden.
Im Vordergrund steht natürlich die romantische Beziehung, die sich aber langsam entwickelt und durchaus Schwankungen standhalten muss.
Es wird auch Übergänge zu anderen Genres geben, wie Drama und Abenteuer. Da es sich um Assassinen handelt, wird es an einigen Stellen auch blutig werden. Ihr seid gewarnt.
Der Ablauf des Spiels wird nicht berücksichtigt, wird aber teilweise in ähnlicher Form auftauchen, d.h. bekannte Figuren und Ereignisse tauchen auf.
Ansonsten verdiene ich kein Geld mit dieser Geschichte und die Figuren, die aus dem Spiel bekannt sind, gehören mir auch nicht.

Das war es dann von mir! Wünsche viel Spaß und ich würde mich sehr über Reviews freuen *liebguck*



Kapitel 1


Akkon 1176


Sie waren zu zehnt. Zehn Templer gegen einen…gegen ihren Vater James.
Das kleine Mädchen namens Aurelia drückte sich in den Schatten, wo sie immer noch von einem dieser Bestien festgehalten wurde.
Sie sah, wie ihr Vater, einst selbst Mitglied jenes Ordens, wie ein Besessener für die Leben seiner Tochter und seiner Frau Edith, die Tochter eines Wollhändlers hier in Akkon, kämpfte.
Aber welcher Ritter kann es gleich mit zehn voll gerüsteten Männern aufnehmen?
Und doch war sich die kleine Aurelia sicher, dass alles gut werden würde.
Die dunkelblauen Augen der Siebenjährigen richteten sich auf ihre Mutter. Sie konnte sie nicht sehen, nur hören… Was taten diese Männer nur mit ihr? Es sah aus, als wollen sie sie nacheinander zerquetschen. Immer wieder warf sich ein anderer Mann auf Edith und grunzte dabei.
Ihre kleinen Beine setzten sich in Bewegung, aber schon nach zwei Schritten wurde sie erbarmungslos zurück gezerrt und einfach in die Ecke geschleudert.
Das Geklirr der aufeinander treffenden Waffen nahm zu. Mit vor Schreck geweiteten Augen nahm Aurelia war, dass ihr Vater blutete. Seine ganze rechte Seite war bereits Blut verschmiert.
Sie schrie, hörte aber selbst nicht, was sie  schrie. Jedes Wort ging im Kampfeslärm unter. Warum taten sie so etwas? Was hatte ihr Papa, denn schlimmes getan?
Ihre Mutter lag noch immer auf dem Boden und schrie.
Aurelia sah zum Ritter hoch, der sie nicht mehr beachtete.
Auf allen vieren krabbelte sie zu ihrer Mutter.

„Aurelia, du musst sofort von hier verschwinden…Du musst weg.“
Die zittrige Hand ihrer Mutter strich ihr über die Wange.
„Ich möchte gerne hier bei euch bleiben Mama. Papa sagte doch, das wir immer zusammen bleiben können.“
Ihre Mutter lächelte. „Ich weiß mein Liebling, wir werden auch immer zusammen bleiben, aber…“ Ihre Stimme ging in einem Laut des Schmerzes unter und sie griff sich an den Bauch.
Erst jetzt bemerkte das Mädchen den dünnen Griff eines Dolches, der im Leib ihrer Mutter steckte.
„Geh, Kind…Du musst gehen.“
Aurelia brach in Tränen aus und schüttelte störrisch den Kopf. Sie warf sich auf ihre Mutter und schluchzte. Die Arme ihrer Mutter legten sich um sie.
„Lauf Aurelia…geh.“
Die Augen ihrer Mutter erstarrten und blickten leer zur Decke.
„Mama?“ Aurelia stieß die Schulter ihrer Mutter an. Der Arm, der immer noch um die Schulter des Mädchens geschlungen war, fiel zu Boden.
„Mama!“, schrie die Kleine.

Sie schluckte und rappelte sich auf. Sie spähte zu ihrem Vater, der von einem Ritter in die Knie gezwungen wurde.
Das geliebte Gesicht ihres Vaters war kaum wieder zu erkennen.
„Und de Sable? Habt ihr erreicht, was ihr wolltet?“
Der Angesprochene nahm seinen Helm ab.
„Erst wenn ihr Tod seit, eure Familie ausgelöscht ist und euer Verrat endgültig gerächt ist, werde ich zufrieden sein. Bald bin ich dann Großmeister, weil ihr ja als Verräter keinerlei Ansprüche mehr geltend machen könnt.“
Aurelia wusste, sie musste etwas tun, aber dann fing sie den Blick ihres Vaters auf. Er befahl ihr zu verschwinden.
Sie sah, wie der Mann namens Robert de Sable, sein Schwert hob und es auf ihren Vater niedersausen ließ.
Ruckartig drehte sie sich um und stolperte zur Tür. Ihre Beine trugen sie mehr schlecht als recht.
“Wo ist das Kind?“, hörte sie den Mann rufen.

Ihre Beine bewegten sich sofort schneller, aber wie sollte eine Siebenjährige vor zehn Männern davon laufen.
Sie riss die Tür auf und lief in die dunkle Gasse in der sie in Akkon wohnten.

Sie rannte einfach los. Aber ihre Beine gehorchten ihr nicht. Sie stürzte zu Boden und spürte, die Männer näher kommen. Nicht einmal mehr aufstehen konnte sie. Schluchzend blieb sie liegen, bis hinter ihr der Lärm anschwoll. Sie hörte, wie Klingen aufeinander trafen und hörte das Geschrei von Männern, dann ein dumpfes Poltern, als würde jemand stürzen.
Sie sah über die Schulter und erkannte…sie kniff die Augen zusammen…ein Engel? Ein weißer Engel mit Schwert, der zu ihrer Rettung geschickt wurde.
Sie konnte ihren Blick nicht abwenden. Dieser Engel kämpfte weit besser, als die Templer…Aber dann flohen einige, darunter auch Robert de Sable.
Ihr Engel steckte sein Schwert zurück und kam auf sie zu.
Dieser Engel war wirklich groß, aber hatten Engel keine Flügel?
Ihr Retter kniete sich neben sie hin und sprach mit tiefer, fester Stimme und einem Akzent, den sie schon oft gehört hatte. Man nannte sie Sarazenen. Warum schickte Gott einen Sarazenen, als Engel?
„Alles in Ordnung, Kleine?“
Sie antwortete nicht, weil sie noch immer zu verwirrt war. Aber Angst hatte sie keine vor ihm.
„Alles in Ordnung? Bist du verletzt?“
Sie schüttelte den Kopf und starrte weiter.
Der Engel trug eine weiße Kapuze, die er sich soweit ins Gesicht gezogen hatte, dass sie nicht viel sah. Aber sie sah, dass er lachte.
„Wo sind deine Eltern?“
„Tot. Die Templer nannten meinen Papa einen Verräter und töteten ihn und meine Mama.“
Schluchzend schmiegte sie sich an die Schulter des Mannes, der ihr nach einigem Zögern, den Arm um die Schulter legte.

„War dein Vater selbst Templer?“
Sie schniefte und nickte. „Früher, bevor ich kam.“
Da sie weiter weinte, konnte sie die Gefühlsregungen im Gesicht des Fremden nicht sehen.
„Hast du Verwandtschaft hier in Akkon?“
„Nein.“


Adnan sah auf den dunklen Haarschopf des kleinen Mädchens hinab. Sie war bemerkenswert ruhig, bedachte man, was gerade geschehen war. Aber er hatte keine Zeit mehr. Seine Arbeit in Masyaf und Akkon war erledigt. Es war Zeit nach Alamut heimzukehren. Heim? Wohl kaum. Seitdem seine Frau und sein kleiner Sohn im letzten Winter starben, hatte er dort kein Heim mehr, sondern nur ein leeres und kaltes Haus.
„Komm mit mir, Kind.“
Er erhob sich und hielt ihr seine Hand hin. Vertrauensvoll legte sie ihre Hand in seine und folgte ihm.
„Wie heißt du denn, Kleines?“
„Aurelia.“
„Ein hübscher Name. Ich bin Adnan.“
„Bist du ein Engel?“
Sie hörte sein Lachen. „Ja, so werden wir manchmal auch genannt. Ich bin ein Assassine.“
Aurelia sah zu ihm auf. „Was sind Assassinen? Kann ich auch einer werden?“
„Ich erkläre dir alles…Aber jetzt schweig, trauere um deine Eltern und dann beginn ein neues Leben.“
Er hob sie sich auf die Arme, wo die kleine bald darauf einschlief.



Drei Jahre später


Adnan hatte Aurelia zu seiner Tochter gemacht und überwachte sorgenvoll ihr Heranwachsen. Sie war nun zehn und im Temperament stand sie keinem Jungen in Alamut etwas nach. Sie war von dem Wunsch besessen Assassine zu werden. Sie wusste, was sie taten, sie wusste von den Leben, die sie beendeten, aber sie lebte damit und gewöhnte sich an den Gedanken, nun dazu zu gehören. Von ihren Eltern sprach sie nur sehr selten. Wenn überhaupt sprach sie nur mit Adnan oder ihrem besten Freund Hasim über ihr Leben vor Alamut.

Jetzt stand Adnan vor seinem kleinen Haus und sah seiner Tochter beim Herumtoben zu. Gestern hatte sie sich ihr Haar abgeschnitten und wirkte nun mehr denn je, wie ein Bursche.
Man konnte behaupten, er hätte es auch darauf angelegt. Aus dem kleinen Mädchen erwuchs eine Kämpfernatur.
Am Morgen hatte der alte, weise Assassinenmeister von Alamut seinen Segen für ihre Ausbildung erteilt. Aber der Preis, der zu zahlen war, war hoch.
Sie musste sich für ein Leben entscheiden, in dem sie voll und ganz auf alles Weibliche verzichten würde.
Keine weibischen Emotionen duldete man, sie durfte nicht kreischen, nicht unüberlegt handeln, nicht weinen und sich nicht mehr mit den anderen Mädchen des Dorfes zum Spielen treffen. Von nun an würde sie ein Leben der Gewalt kennen lernen und das Haus ihres Vaters verlassen, um in der Festung ihre Ausbildung zu beginnen.
Möge Gott verhüten, dass es die falsche Entscheidung war, sie zu einem Jungen zu erziehen…


Es vergingen weitere acht Jahre, in denen aus Aurelia, Lia wurde. Sie bestand alle Prüfungen, wie die Jungen ihres Alters. Sie lernte auf ihre Gefühle zu achten und lediglich Wut gegen ihre Feinde zu zulassen. Leider entwickelten sie auch andere Seiten. Es war für ihren Vater und die Menschen, die ihr nahe standen, offensichtlich, dass sie etwas schmerzlich vermisste…Sie wurde jähzornig. Der kleinste Anlass machte sie zu einer rasenden Bestier und niemand war vor ihren Angriffen sicher. Nur mühsam konnte sie sich bremsen.
Der alte Meister der Assassinen sah aber das Potenzial, dass sich dahinter verbarg und förderte sie weiter, bis sie zu den Besten zählte und die harten Abschlussprüfungen bestand.
Ihr erstes Opfer tötete sie schnell und ohne einen Anflug von Reue, was sie zu einem vollwertigen Mitglied der Bruderschaft machte. Lia wurde nicht mehr als junge Frau gesehen, sondern als Assassine…
 
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