Blood Desert

GeschichteAbenteuer / P18
02.11.2009
02.11.2009
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Heißer Wind strich über sein Gesicht und trug eine Sandwolke über ihn hinweg. Benommen öffnete er die Augen und sah sich um. Er lag in der Wüste, vor ihm eröffnete sich ein riesiger, verkohlter Krater. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase. Angewidert versuchte er den Brechreiz zu unterdrücken. Mühsam richtete er sich auf und kam taumelnd auf die Beine. Erst jetzt, wo sich der aufgewirbelte Sand legte, erkannte er das volle Ausmaß des Geschehens.
Das Geräusch eines Helikopters drang in sein Bewusstsein. Die Intensität nahm stetig zu und übertönte sogar das Pfeifen in seinen Ohren. Immer noch benommen schaute er sich um. Er versuchte zu orten, wo das Geräusch herkam. Doch da war noch ein weiteres. Der Sand um ihn herum wurde aufgewirbelt. Jetzt wusste er, was das war: Es war das Knattern eines schweren MGs. Jemand schoss auf ihn! Instinktiv ließ er sich zu Boden fallen, rollte sich ab und zog in der Rolle seine Pistole aus dem Halfter. Max kam auf den Knien zum Stehen. Es dauerte nicht lange, bis er sein Ziel fand. Er legte an und schoss vier Mal. Doch der Helikopter schoss vor ihm in den Sand und wirbelte ihn auf. Keine der vier Kugeln fanden ihr Ziel. Dann war der Helikopter schon wieder über ihn hinweg. Max drehte sich dem Helikopter nach und schoss das Magazin leer. Eine der elf Kugeln traf den Hubschrauber am Heckrotor.
Ein kleiner Knall war zu hören und schwarzer Rauch kam aus dem Heck des Helikopters. Max schätzte, dass er noch einmal angreifen könne und dann abdrehen müsse.
Er warf das leere Magazin aus. Noch bevor es den Boden erreichte, hatte Max schon ein Neues in den Schaft geschoben. Es klickte laut, als das Magazin einrastete. Er zog den Schlitten zurück und konnte hören, wie Metall auf Metall. Sand knirschte in der Mechanik. Max hoffte inständig, dass seine Waffe jetzt nicht versagte.
Der Heli hatte gewendet und flog nun einen zweiten Angriff. Wieder war das Knattern zu hören. Die erste Salve verfehlte Max und schlug vor ihm in den Boden ein. Die Zweite jedoch, traf seine Brustpanzerung. Sie verhinderte zwar, dass die Projektile seinen Körper penetrierten, konnte aber nicht genug kinetische Energie schlucken um den Aufprall zu dämpfen. Luft entwich schmerzhaft aus seinen Lungen und ließ ihn keuchend zu Boden gehen. Verzweifelt rang er nach Luft, aber jeder Atemzug verursachte solche Schmerzen, dass es ihm beinahe unmöglich war zu atmen. Trotzdem zwang er sich auf die Knie, legte an und schoss. Er konnte die Wucht des Rückstoßes nicht ausgleichen. Sie traf ihn wie ein Vorschlaghammer. Er wurde einfach umgeworfen und blieb reglos auf dem Rücken liegen. Der Helikopter wendete erneut, flog über ihn hinweg und drehte dann schließlich gen Westen ab.
Stille kehrte ein. Max lag auf dem Boden. Stumm starrte er in den Himmel und versuchte seine Gedanken zu ordnen.
Ihm tat alles weh. Unter größten Anstrengungen löste er seinen Brustpanzer, tastete die Einschusskrater ab und fuhr sich anschließend über seine Brust. Als er mit den Fingern sanft auf die linke Hälfte seines Brustkorbs drückte, zuckte er vor Schmerzen zusammen. Seine Rippen waren gebrochen. Das durfte nicht so bleiben. Der Schmerz war lähmend. Max griff in seine Feldtasche, holte den Subkutaninjektor hervor. Doch das wichtigste fehlte. Die Phiolen mit dem Yaskrit. Panik stieg in ihm hoch. Ohne Yaskrit war ihm der Tod gewiss.
Unter Schmerzen kroch er durch den Sand zu einem seiner getöteten Kammeraden, der zur Hälfte unter dem Sand verborgen lag. Er zog ihn, seine Beine umklammernd, hervor.
Großflächige Verbrennungen bedeckten sein Gesicht. Es war so entstellt, dass es unmöglich war ihn zu identifizieren. Doch das war Max erst mal egal. Wichtiger war das Yaskrit. Hektisch durchwühlte er die Taschen seines toten Kammeraden. Schließlich fand er was er suchte. Schnell schob er die Phiole in die Öffnung, hielt sich den Subkutaninjektor an den Hals und drückte auf den Auslöser. Seine Muskeln im Gesicht zuckten, als sich die Flüssigkeit rasend schnell in seinem Körper ausbreitete. Schlagartig ließ der Schmerz nach. Jetzt konnte er auch wieder klar danken. Er blickte sich um und erkannte erst jetzt das Ganze ausmaß.
In dem Krater vor ihm brannten kleinere Feuer. Metallplatten lagen seltsam deformiert überall im Sand verteilt. Aber auch etwas anderes, was ihn veranlasste sich seine letzte Mahlzeit wieder durch den Kopf gehen zu lassen: Zerfetzte, verbrannte und sich zersetzende Körper. Es schien ihm wie ein Wunder überlebt zu haben. Fast niemand war mehr in einem Stück. Der Sand war rot vor Blut. Überall lagen kleinere Bröckchen Fleisch herum, die vielleicht auch mal Organe waren. Er ließ seinen Blick an sich herunter wandern. Seine Panzerung schien weitestgehen intakt zu sein. Doch sie war mit einer Mischung aus Sand, geronnenem, aufgekochtem Blut und verschmorten Fleischteilen oder Organen bedeckt. So genau ließ sich letzteres nicht mehr definieren. Max versuchte seine Übelkeit unter Kontrolle zu bekommen. Hier bleiben konnte er nicht. Wer auch immer ihn angegriffen hatte, würde bestimmt wiederkommen. Er überlegte, was er brauchte: Wasser, Waffen, Munition, eine Karte, einen Kompass, Medikamente, Nahrung, Verbandsmaterial, einen neuen Brustpanzer, Feuerzeuge, ein Funkgerät und Granaten bzw. Sprengstoff.
Max rannte von Leiche zu Leiche, hob die Taschen auf und nahm alles mit, was er tragen konnte. Er hatte ein Scharfschützengewehr gefunden. Zudem noch ein Sturmgewehr mit Granatwerfer und ein paar Pistolen. Aber Wasser war nicht mehr viel übrig. Gerade mal noch zwölf Flaschen.
Mit der untergehenden Sonne im Rücken, machte er sich auf seinen Marsch ins Ungewisse. All das zurücklassend, was hinter ihm lag.
Es würde nicht lange dauern, bis die Unvergänglichkeit der Wüste seine gefallenen Kammeraden verschlungen haben wird und sie in der Unendlichkeit der Geschichte in Vergessenheit geraten werden. Auch er würde irgendwann sterben und dann sind auch die letzten Erinnerungen an sie vergessen.
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