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Denn Hoffnung stirbt zuletzt

GeschichteMystery / P12
Herr Gevatter Punphutt
31.10.2009
31.10.2009
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Es war wie immer. Wie immer.

Peitschenknall. Abgewandte Gesichter. Angespannte Hektik. Der Meister macht den Gesellen Beine. Im Mondschein. Wie immer.

Doch es bin ich, der Furcht einflößt. Ich, der anschließend das Korn zum Hofe herausfährt. Ich, ich bin der Herr Gevatter.

Aber ich war es nicht immer, nein. Ich bin zugleich Angst- und Hoffnungsbild für alle Müllerburschen. Das Angstbild ist der Herr Gevatter. Das Hoffnungsbild ist Pumphutt.

Und ich bin beide.

Aber es gab eine Zeit, da war ich nur Pumphutt. Eine glückliche Zeit.

Alles fing damit an, als ich gegen meinen damaligen Meister zu rebellieren begann. ich lehnte mich gegen seine harten Methoden auf. Es war ein ganz besonderer Meister, dem ich damals diente. Seine größte Besonderheit war seine Blindheit auf dem linken Auge.

Damals kam ich noch als grüner, unerfahrener Müllersbursche zu diesem Meister, der damals noch beidäugig sehen konnte. Zunächst ging es mir gut, denn ich konnte hart arbeiten und gehorchen. Aber als ich dann vom Fluch der Mühle erfuhr, war alle Zuneigung für mein neues Zuhause dahin.  Und tatsächlich schaffte ich es, dem Fluch der Mühle zu entkommen.

Ich kämpfte. Und ich fügte dem Meister diese Wunde zu. Er war besiegt und die Mühle verbrannt. Fürs erste.

Aber ich konnte die dunkle Macht der Mühle nie vergessen. Und nie ganz aus meiner Seele verbannen.

Als Pumphutt, der Meister der Gerechtigkeit, zog ich durch die Lande. Meine vielen Abenteuer als Hilfe gequälter Müllersburschen war ich der Held des Landes. Man erzählte Geschichten und Sagen über mich.

Und eines Tages ging ich zu der Stelle, an der die dunkle Mühle von Schwarzkollm einst gestanden hatte. Wie vom Blitz getroffen blieb ich stehen, denn die Mühle stand an ihrem Platz, als hätte sie nie gebrannt.

Ich trat zögernd ein.

Was ich noch bereuen sollte.

Keine Müllerburschen und kein Meister bewohnten die Mühle. So verließ ich das düstere Gebäude wieder.

Da begann ein Rabe zu krächzen, laut wie ein Chor. Ich blickte mich erschrocken um. Da stand der Meister.

Wir kämpften wieder.

Und ich verlor.

In diesem Moment, als der Rabe, in dem mein Geist steckte, von dem des Meisters niedergerungen wurde, teilte sich meine Seele.

Eine blieb Pumphutt.

Die andere wurde abgrundtief böse.

Und seitdem ist der Fluch der Mühle wieder auferstanden. Mit einer Neuerung:

Einmal im Monat kommt der Herr Gevatter, holt sein Korn, nimmt einmal im Jahr einen Burschen mit in den Tod.

Und weiß, dass er eigentlich nur das Beste wollte. Aber Hoffnung stirbt zuletzt. So auch ich.
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