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Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Elyon Brown Phobos Will Vandom
26.10.2009
26.10.2009
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Thoughts

Es war Abend und Will saß gerade an ihren Hausaufgaben, als ihre Gedanken wie schon so oft in letzter Zeit, mal wieder zu ihrem ersten und nicht ganz freiwilligen Aufenthalt in Meridian abschweiften. Phobos hatte sie von Cedric entführen lassen um das Herz von Kandrakar zu bekommen, dieses hatte sie glücklicherweise aber gerade nicht bei sich und konnte später mit Carlebs Hilfe entkommen.


Dieser Vorfall lag nun schon einige Zeit zurück und dennoch musste sie immer wieder daran denken. Sie musste immer wieder daran denken wie man sie vor den Prinzen geführt und dieser sie mit seinem durchdringendem Blick eingehend gemustert hatte. Sie hatte damals ihren Blick nicht von ihm abwenden können, so sehr hatte sein Anblick sie gefesselt.


Natürlich wusste sie, dass es ganz und gar nicht gut für sie war so zu denken, er war immerhin ihr Feind, aber sie konnte einfach nicht anders.


Sie musste immer wieder an diese schönen intensive grünen Augen, das lange seidenblonde Haar und die augenscheinlich doch recht schlanke Figur des Prinzen denken. Auch seine leicht bedrohliche Ausstrahlung zog sie irgendwie an.


Kurz gesagt, sie bekam ihn überhaupt nicht mehr aus dem Kopf.


Stöhnend ließ sie ihren Kopf auf die Schreibtischplatte fallen und seufzte.


>Das ist doch zum verrückt werden! Ich sollte mir eigentlich etwas einfallen lassen um Phobos zu besiegen, statt ständig an seine wunderschönen Augen zu denken. … Oh nein, stöhn, jetzt tue ich es schon wieder. Ah, es ist doch wirklich zum verrückt werden!<


Schrie sie gedanklich auf, doch es brachte nichts. Selbst wenn sie versuchte sich an jede noch so kleine Gemeinheit ihres kurzen Gesprächs zu erinnern, so waren doch das Einzige woran sie denken konnte wieder mal nur diese schönen intensive grünen Augen. Sie seufzte.


>Es hat ja doch keinen Zweck. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren.<


Ging es ihr durch den Kopf, woraufhin sie ihr Geschichtsbuch schloss und sich fürs Bett fertig machte. Als sie fertig war sagte ihrer Mutter noch schnell gute Nacht und legte sich dann hin. Einschlafen jedoch konnte sie nicht. Sie lag im Dunkeln und starrte an ihre Zimmerdecke, während ihre Gedanken mal wieder nach Meridian wanderten.


Am nächsten Morgen wurde Will ihrer Meinung nach viel zu früh aus ihrem Schlaf gerissen, als ihre Mutter ins Zimmer kam und die Vorhänge beiseite schob um das Sonnenlicht einzulassen.


>Stöhn. Ist das hell.<


“Aufstehen Will. Es ist Montag. Du musst heute zur Schule.”


“Ja ja gleich Mama.” antwortete die rothaarige, zog die Bettdecke jedoch noch ein Stück höher. Ihre Mutter seufzte.


“Will ich meine es ernst, du musst aufstehen.”


“Ich bin aber noch viel zu müde.”


“Was, aber es war doch gerade mal halb Zehn als du gestern ins Bett gegangen bist.”


“Ja, ich weiß. Ich konnte aber einfach eine ganze Weile lang nicht einschlafen.”


>Wie denn auch, wenn ich immer wieder an diesen blöden Prinzen denken muss.<


Susan seufzte erneut und setzte sich dann zu ihrer Tochter ans Bett.


“Und was hat mein kleines Mädchen so sehr beschäftigt, dass es wach im Bett liegt?” fragte sie liebevoll nach.


Will jedoch schwieg, da sie keine Ahnung hatte wie sie antworten sollte. Schließlich konnte sie ihr die ganze Geschichte wohl kaum einfach erzählen.


Da Will nach einer Weile immer noch keinen Ton von sich gegeben hatte, versuchte es ihre Mutter noch einmal.


“Na komm kleines. So schlimm kann es doch nicht sein, oder?”


>Wenn du wüsstest.<


“Also, was nimmt deine Gedanken so sehr ein, mhm?” fragte Susan noch einmal so sanft wie nur möglich nach, um ihrer Tochter wenigstens einen Hinweis zu entlocken.


“Grüne Augen.” rutschte es Will daraufhin auch wie auf Kommando heraus.


Vor lauter Schreck über sich selbst schlug sie eine Hand vor den Mund.


>Oh Mist! Das hatte ich doch eigentlich gar nicht sagen wollen.<


“Aha, also hat dir ein süßer Typ den Kopf verdreht?”


“Ja. Ich meine nein, oder doch. Nein, ich meine ich weiß nicht. Ich, ich will nicht.” plapperte die rothaarige einfach drauf los ohne nach zu denken und ließ ihren Kopf schließlich auf ihre Knie gleiten.


Ihre Mutter unterdessen wusste nicht so recht, ob sie nun besorgt oder einfach nur belustigt sein sollte. Sie entschied sich schließlich für beides.


“Nana, eins nach dem anderen. Beruhige dich erst mal.”


“Beruhigen?! Wie soll ich mich da denn beruhigen?!” entfuhr es ihr heftiger als gewollt.


“Also Will.”


“Entschuldige.”


“Schon gut, aber nun sag mal, was ist denn so schlimm daran jemanden zu mögen? Ich meine normalerweise ist das doch ein schönes Gefühl oder?” hakte Susan nach.


>Normalerweise handelt es sich bei der Person aber auch nicht um einen bösen Prinzen von einem anderen Planeten.<


Da Will sich auch dieses mal ausschwieg, seufzte Susan lediglich erneut und erhob sich dann vom Bett ihrer Tochter.


“Na gut, wenn du nicht darüber reden willst, kann ich dich natürlich nicht dazu zwingen. Solltest du es dir allerdings doch noch anders überlegen, kannst du jederzeit zu mir kommen. So jetzt musst du dich aber wirklich langsam für die Schule fertig machen, ja?”


“Ja, Mama.”


Daraufhin verließ Susan das Zimmer ihrer Tochter und Will begann sich für die Schule fertig zu machen. Etwa eine halbe Stunde später saß sie mit ihrer Mutter am Küchentisch beim frühstücken, wobei die rothaarige nicht sonderlich gesprächig war.


Kurze Zeit darauf befand sie sich auch schon vor ihrer Schule, wo die anderen Mädels bereits auf sie zu warten schienen.


>Und schon hat der Alltag mich wieder.< seufzte sie gedanklich, ließ sich äußerlich jedoch nichts anmerken und ging scheinbar gut gelaunt auf ihre neuen Freundinnen zu.


“Morgen Will!” wurde sie auch sogleich freudestrahlend von Hay Lin und den anderen begrüßt.


“Morgen Leute.” antwortete sie lächelnd, in der Hoffnung das niemand ihre wahre Gefühlslage bemerken würde. Was anscheinend auch niemand tat, da keine der anderen sie auf etwas derartiges ansprach und sich bereits wieder über belanglose Themen wie Klausuren und nervige Lehrer zu unterhielten.


In der nächsten Minute klingelte es dann auch schon und alle begaben sich in ihren jeweiligen Unterricht. Dieser zog aber eher an Will vorüber als das die wirklich etwas mitbekam, auch wenn sie so gut aufpasste wie nur möglich.





Zur gleichen Zeit in Meridian:


Prinz Phobos saß in seinem Trohnsaal und durfte sich mal wieder die Ausreden seiner Diener anhören, warum sie das Versteck der Rebellen noch nicht gefunden hatten. Irgendwann reichte es ihm und er entließ den armen Wicht vor sich mit einer strengen Ermahnung, sich stärker zu bemühen. Daraufhin verneigte sich besagter Diener vor dem Prinzen und sah zu das er schnellst möglich weg kam, erleichtert noch einmal davon gekommen zu sein.


Phobos seufzte lediglich froh endlich wieder seine Ruhe zu haben. So konnte er endlich einmal seinen Gedanken nachhängen, die ihn wie des Öfteren in die Vergangenheit zogen. Er hatte damals gerade erfahren, dass es neue Wächterrinnen zu geben schien und befahl Cedric daraufhin die Anführerin zu ihm zu bringen, damit er endlich das Herz von Kandrakar an sich nehmen könne. Das tat Cedric dann auch. Er brachte ihm ein junges rothaariges Mädchen, das mit großen braunen Augen zu ihm aufsah, nachdem sein Diener sie vor ihn auf den Boden geworfen hatte. Sie schien vollkommen verschreckt zu sein. Ein Anblick der ihn bei den früheren Wächterinnen wohl zum Lachen gebracht hätte, aber bei ihr amüsierte es ihn nur mäßig und so verlangte ohne weiteren Spott nach dem Herzen. Das Mädchen hatte es jedoch nicht bei sich, also ließ er sie zu dem kürzlich gefangen genommenen Rebellenführer ins Verließ werfen. Mmf er hatte damals sogar einen Moment lang daran gedacht sie lediglich in ein Zimmer einzusperren, da sie keine Bedrohung darzustellen schien. Diesen Gedanken hatte er dann jedoch auch gleich wieder verworfen, da es ihm mehr genutzt hätte dem Rebellenführer jede Hoffnung zu nehmen und wodurch hätte er das besser tun können, als durch eine vollkommen unerfahrene Wächterin. Im Endeffekt hatte dies jedoch lediglich zur Folge gehabt, dass beide entkommen waren.


Damals hatte er sich furchtbar darüber aufgeregt, dass er seine beiden Trümpfe gleichzeitig verloren hatte, doch heute hatte er einen neuen Trumpf in der Hand, seine kleine Schwester. Wobei er sich zum x ten mal fragte wie lange er seine Fassade ihr gegenüber wohl noch aufrecht erhalten konnte. Elyon mochte zwar naiv sein, jedoch war sie alles andere als blöd. Im Gegenteil sie war sogar eine sehr empathische Person, sie bemerkte sehr schnell wenn etwas nicht stimmte.


Außerdem hatte sie das Talent zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Er musste nur an den letzten Monstertrupp denken auf den sie zufällig gestoßen und dann in heller Panik zu ihm gerannt war. Wenn sie seinen Namen nicht schon quer durchs ganze Schloss gerufen hätte, hätte er sie bestimmt nicht mehr rechtzeitig bemerkt um die Illusion um den Thronsaal wieder zu erneuern.


Seit diesem Vorfall nahm er die Illusion nur noch zurück wenn er sich sicher war, dass seine Schwerster beschäftigt war. Etwas was sich auch sogleich als weise Entscheidung herausstellen sollte, denn während Phobos noch weiter seinen Gedanken nach hing, wurde die Tür zum Thronsaal leise geöffnet und Elyon trat ein ohne von ihrem Bruder bemerkt zu werden. Als die Prinzessin sich dieser Tatsache bewusst wurde ging sie leise auf ihren Bruder zu der sichtlich in Gedanken war.


Eigentlich hatte sie den Prinzen nur aufsuchen wollen weil ihr langweilig war, da Miranda gerade keine Zeit hatte, aber nun war auch ihre Neugierde geweckt und sie fragte sich was ihren Bruder so beschäftigen konnte das er nicht einmal bemerkte das jemand vor ihm stand.


“Phobos?” machte sie schließlich auf sich aufmerksam und konnte beobachten wie angesprochener aus seinen Gedanken schreckte und ihr nun vollkommen verdattert ins Gesicht sah, sich dann nach kurzem jedoch wieder fasste.


“Elyon, was kann ich für dich tun?”


“Ist jetzt nicht mehr so wichtig.”


“So was dann?” hakte der Prinz leicht irritiert nach.


“Das sollte ich glaub ich lieber dich fragen. Also was beschäftigt meinen großen Bruder so sehr, dass er nicht einmal bemerkt wenn jemand vor ihm steht?” fragte sie lächelnd, jedoch auch leicht besorgt nach.


>Na großartig und was nun? Ich kann ihr ja wohl kaum sagen, dass ich darüber nachgedacht habe wie lange ich sie wohl noch hinters Licht führen kann. Nein, aber irgendetwas muss ich ihr sagen.< stellte er fest.


Da ihr Bruder keinerlei Anstalten machte ihr zu antworten, fing die Prinzessin nun an sich tatsächlich Sorgen zu machen, denn es kam alles andere als oft vor, dass Phobos sich einfach ausschwieg. Deshalb setzte sie sich kurzerhand auf eine der Thronlehnen und umarmte ihn.


“Nun sag schon was ist los mit dir?” wollte sie erneut wissen und man konnte ihr ihre Besorgnis deutlich anhören.


Phobos war im ersten Moment ziemlich erschrocken, entspannte sich dann jedoch auch sehr schnell wieder. Zu schnell seiner Meinung nach, denn er hatte sich nicht etwa erschrocken weil es ihm zu wieder war, sondern weil viel eher das Gegenteil der Fall war.


>Langsam fange ich an mich an sie zu gewöhnen.< schoss es ihm durch den Kopf und er legte leicht eine Hand auf Elyons Rücken. Diese sah immer noch besorgt und fragend zu ihm.


>Was kann ich ihr nur antworten um sie zu beruhigen? So lange wie ich auf ihre Frage bereits geschwiegen habe, muss ihr klar sein das es nicht um eine Kleinigkeit geht, also was kann ich ihr sagen? Oder was von dem an was ich gedacht habe könnte ich ihr einigermaßen gefahrlos sagen? Vielleicht… .<


Phobos seufzte und sah dann wieder seiner Schwester ins Gesicht.


“Ich habe die zurück liegenden Ereignisse in meinem Kopf noch einmal Revue passieren lassen.” versuchte es der Prinz.


“Oh, meinst du seit ich nach Meridian gekommen bin?”


“Nein, seit die neuen Wächterrinnen da sind.”


“Die neuen Wächterrinnen? Soll das heißen es gab schon vor Cornelia und den anderen welche?”


“Ja, bestehend aus der Großmutter der Windwächterin und deren Freundinnen.”


“Oh, und warum hat dich das so eingenommen?” hakte Elyon entgegen den Hoffnungen ihres Bruders nach.


“Nun um ehrlich zu sein, weiß ich das selbst nicht so genau.” beantwortete er ihre Frage dennoch und es stimmte. Es war wohl sogar eine der ehrlichsten Antworten die er seiner Schwester je gegeben hatte.


“Mmm, okay. Erzählst du mir dann woran genau du gedacht hast, vielleicht kann ich es dir dann ja sagen?” schlug die Prinzessin vor.


>Na toll, damit wären wir dann wieder am Anfang und jetzt?< überlegte der Prinz daraufhin.


“Das glaube ich kaum, denn im Grunde ist es nichts weiter als Geschichte.” versuchte er eine Antwort zu umgehen und dieses mal schien es ihm auch zu gelingen.


“Geschichte?” fragte Elyon nach und musste dann kichern.


“Du nennst die Ereignisse seit den neuen Wächterrinnen bereits Geschichte? Ist meine Rücker nach Meridian denn vielleicht auch schon Geschichte?” fragte sie belustigt weiter.


“Nun, wenn man es genau nimmt ja und außerdem falls es irgendwann ein Geschichtsbuch über Meridian gäbe, dann würde der Tag deiner Rückkehr mit Sicherheit ein bedeutendes Datum sein.” gab ihr Bruder daraufhin schelmisch lächelnd zurück, dass brachte Elyon nun endgültig zum lachen und die trüben Gedanken von zuvor waren erst einmal vergessen.


Ihr Lachen klang so befreiend, dass sogar Phobos seine Pläne mal Pläne sein ließ und vom Thron aufstand. Die Prinzessin beruhigte sich daraufhin und sah ihren Bruder wieder fragend an, dieser lächelte jedoch nur sanft und fragte:


“Sag mal Elyon was würdest du von einem kleinen gemeinsamen Spaziergang im Garten halten?”


Auf diese Frage hin begannen Augen der Prinzessin vor Freude zu strahlen, denn es kam leider nicht allzu oft vor das sich ihr Bruder Zeit nur für sie beide nahm. Deshalb nickte sie auch sogleich und antwortete:


“Ja gerne.”


“Gut, dann lass uns gehen.”


Das ließ sie sich nicht zwei mal sagen und sie folgte dem Prinzen aus dem Thronsaal. Draußen angekommen gingen sie erst eine Weile zwischen den Hecken spazieren, wobei sie von der Köchin gesehen wurden die gerade ein paar frische Kräuter holen wollte. Sie blieb unwillkürlich stehen und beobachtete die zwei eine Zeit lang, wovon diese aber erstaunlicher Weise nichts zu bemerken schienen. Elyon war vollkommen fasziniert von all den Pflanzen die aus den Hecken heraus wuchsen und Phobos schien es nicht müde zu werden sie über jede einzelne aufzuklären. Er war gerade wieder einmal dabei ihr eine Pflanze zu erklären, als etwas anderes Elyons Aufmerksamkeit auf sich zog. Zwar handelte es sich dabei ebenfalls um eine Pflanze, jedoch war es eine wunderschöne savierblaue Rose, die aber am oberen Ende der Hecke blühte. Zwar hatte sie nichts gesagt, da sie ihren Bruder auch nicht in seiner Erklärung unterbrechen wollte, dennoch bemerkte Phobos den sehnsüchtigen Blick den seine kleine Schwester der Rose über ihnen zu warf. Er schloss mit seiner Erklärung ab und ging weiter, Elyon warf der Rose noch einen letzten Blick zu und folgte ihrem Bruder dann. Kaum hatte die Prinzessin sich endgültig von der Blume abgewandt, machte Phobos eine unauffällige Handbewegung, durch die die Rose von der Hecke getrennt wurde und nun hinter ihnen her schwebte. Nachdem die Rose seine kleine Schwester eingeholt hatte, sorgte er dafür das die Blüte leicht Elyons Schulter berührte. Besagte drehte sich auch sofort nach der Uhrsache um, konnte jedoch nichts entdecken da die Rose mit ihr gedreht hatte und weiterhin hinter ihr schwebte. Elyon sah sich noch einmal genau in der Richtung um, als die Rose sie wieder an der Schulter berührte. Daraufhin drehte sie sich wieder in Richtung ihres Bruders, welcher sie mit einem amysirten Lächeln beobachtete, um. Als sie jedoch erneut nichts entdecken konnte sah sie ihren Bruder nur verwirrt an, dieser fing nun leicht an zu glucksen und deutete leicht nach oben. Das Mädchen folgte dem Blick des Prinzen und entdeckte die blaue Rose über sich, welche sich auf eine nun deutliche Handbewegung ihres Bruders hin hinter ihr Ohr steckte.


Leicht ehrfürchtig strich Elyon über die Blütenblätter und sah dann mit leuchtenden Augen zu ihrem Bruder.


“Sie ist wunderschön, vielen dank.” mit dem letzten Worten umarmte sie den Prinzen spontan um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen. Dieser verhielt sich genauso wie bereits im Thronsaal und antwortete:


“Dafür nicht kleines. Sie steht dir.”


Dann lösten sie sich wieder von einander und gingen tiefer in den Garten hinein. Nicht wissend das ihnen eine reichlich verblüffte Köchin hinterher sah. Nicht nur das sie die ganze Zeit nicht von den anderen bemerkt worden war nein, auch das Verhalten des Prinzen versetzte sie in einiges Erstaunen. Noch nie hatte sie ihn so fröhlich und ja geradezu verspielt gesehen.


>Wenn er zu jedem so nett wäre, wie zu der Prinzessin, dann würden die Rebellen gar nicht gebraucht werden.< seufzte sie gedanklich und machte sich wieder an ihre Arbeit.


Phobos und Elyon kamen nach einer kleinen Weile in einem versteckt liegendem Teil des Gartens an, den man vom Schloss aus nicht einsehen konnte. In dieser Ecke befand sich ein großer Schatten spendender Baum durch dessen Blätterdach aber noch so viel Licht fiel, das Muster auf den Boden gezeichnet wurden und ein kleiner Teich auf dem verschiedenen Seerosen blühten. Während die Prinzessin sich noch bezaubert von der Ausstrahlung des Ortes umsah, ging ihr Bruder bereits auf den Baum zu und setzte sich auf den weichen Boden. Fasziniert beobachtete er wie seine Schwester jede Einzelheit der kleinen Oase in sich auf nahm.


“Ich war lange nicht mehr hier, aber ich dachte mir es könnte dir hier gefallen.”


äußerte er sich nach kurzem.


“Oh ja, ich finde es einfach traumhaft hier.” erwiderte die jüngere und setzte sich nun zum Prinzen. Nach einiger Zeit in der sie einfach nur so da gesessen hatten wand Elyon sich wieder an ihren Bruder.


“Warum warst du lange nicht mehr hier?” wollte sie ehrlich interessiert wissen.


“Ich bin einfach irgendwie nie dazu gekommen.”


“Oh man. Ich hoffe wenn ich Königin bin werden meine Pflichten mich nicht auch so sehr in Anspruch nehmen, dass ich keine Zeit mehr finde hierher zu kommen.” erwiderte die Prinzessin daraufhin und ließ sich nach hinten ins Gras fallen. Phobos sah daraufhin mit einem undeutbaren Blick auf seine Schwester hinunter, was dieser aber entging da sie momentan ihre Augen geschlossen hatte. Sie wusste nicht das sie Phobos mit dieser Aussage mit einem Schlag in die Realität zurück befördert hatte die er, zu seinem eigenen Erstaunen, für einen Moment tatsächlich verdrängt hatte. Der Prinz war schon kurz davor wieder in seinen Gedanken zu versinken, als die Prinzessin begann leise eine ihm gut bekannte Melodie zu summen.


“Das ist ein sehr altes Meridianisches Lied, woher kennst du es?”


“Ich weiß es nicht, es kam mir gerade einfach in den Sinn.” erklärte das Mädchen.


“Ach so. Vermutlich hat dein Kindermädchen es dir früher vorgesungen.”


“Ja vielleicht. Ich kann mich aber nur noch an die Melodie erinnern, nicht mehr an den Text.” entgegnete sie ihrem Bruder leicht traurig darüber.


“Ich schon, aber ich habe es ja auch viel öfter gehört als du.”


“Ja? Kannst … .” begann Elyon stoppte dann jedoch.


“Ja, was ist?” hakte Phobos nach.


“Naja, also… .”


“Ja?” ermutigte er sie freundlich.


“Also, könntest, ich meine würdest du es mir vielleicht vorsingen?” fragte sie leicht verlegen nach, woraufhin sie von ihrem Gegenüber ein wenig überrascht angesehen wurde. Dieser hatte erwartet, dass es die Prinzessin vielleicht interessierte worum es in dem Lied ging, aber nicht unbedingt das sie es gerne von ihm hören würde. Erst wollte er ablehnen, da er so gut wie nie sang und schon gar nicht vor anderen, doch bei dem hoffnungsvollen Blick seiner Schwester überlegte er es sich noch einmal und kam zu dem Schluss das es eigentlich nicht schaden konnte, da sie immerhin mehr als weit genug weg waren vom Schloss.


“Rein theoretisch schon, ich kann aber nicht dafür garantieren, dass es dir gefällt.” warnte er die jüngere dennoch vor, diese hatte allerdings schon wieder vor Freude glänzende Augen und versicherte ihrem Bruder, dass sie es auf jeden Fall hören wolle.


“Also gut. Sag hinterher aber nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.” mit diesen Worten wandte Phobos das Gesicht von seiner Schwester ab und in die Ferne, dann begann er leise zu singen. Schon bald war er so sehr darin vertieft, dass er alles andere um sich herum komplett vergaß und nur noch das Lied für ihn existierte. Elyon war hin und weg. Sie hatte zwar erwartet das der Prinz seine Gesangskünste unterschätzte, mit etwas derartig schönem hatte sie dennoch nicht gerechnet. Vor allem aber hatte die Prinzessin nicht damit gerechnet, dass ihr Bruder so sehr in der Musik versinken würde. Sie konnte ihm ansehen, dass er alles um sich herum vollkommen vergessen hatte und dieser Anblick erfreute sie zutiefst, denn noch nie hatte sie ihren Bruder so befreit erlebt. Langsam neigte sich das Lied jedoch dem Ende zu und es war nur noch eine Frage der Zeit bis der Prinz sich seiner Umgebung wieder gewahr werden würde. So geschah es dann auch. Der Gesang endete und Phobos kehrte langsam in die Wirklichkeit zurück.


Sich langsam wieder der Realität bewusst werdend drehte er sich angespannt zu seiner Schwester um, diese aber lächelte ihn mit vor Begeisterung glühenden Augen an.


“Das, das war umwerfend!” platzte es schließlich aus ihr heraus, woraufhin der Prinz sie überrascht, aber auch erleichtert ansah.


“Findest du wirklich?” vergewisserte er sich dennoch, was von seiner Schwester mit einem nicken bestätigt wurde.


“Ja glaub mir, du hast wirklich eine unglaubliche Stimme.”


“So, dessen war ich mir gar nicht bewusst. Ich singe normalerweise nicht und schon gar nicht vor anderen.” erläuterte der Prinz.


“Das habe ich mir schon fast gedacht.”


“Warum?”


“Ganz einfach, weil du von Anfang an nicht wirklich daran geglaubt hattest, dass es mir gefallen würde.” antwortete Elyon lächelnd.


“Stimmt.” erwiderte Phobos darauf lediglich.


“Einerseits finde ich es schade, dass dich sonst niemand so erlebt wie ich es gerade habe und andererseits freue ich mich genau darüber, denn es bedeutet das du es nur für mich getan hast. Du hast dich allein für mich überwunden vor jemand anderem zu singen und das macht mich einfach glücklich.” erklärte sie und wurde von ihrem Bruder daraufhin lediglich vorsichtig angelächelt. Diesem wurde so langsam klar, dass seine kleine Schwester recht hatte. Er hatte sich nur für sie dazu überwunden und das nicht etwa um sie ruhig zu stellen oder sie weiter zu vereinnahmen, sondern einfach nur deshalb weil er ihr einen Gefallen hatte tun wollen. Es war ungefähr das gleiche wie zuvor mit der Rose. Er hatte ihr einfach eine Freude machen wollen, nicht mehr und nicht weniger. Zwar war Phobos durchaus bewusst, wie gefährlich solche Gedanken und Gefühle für ihn werden konnten, dennoch schob er seine Bedenken im Moment einfach beiseite. Er wollte jetzt einfach nicht daran denken. Stattdessen ließ er sich nun ebenfalls ins Graß hinter sich sinken, wobei er die Hände hinter seinem Kopf verschränkte. So blieben die Geschwister dann auch eine ganze Weile lang neben einander liegen und genossen einfach die seltene Ruhe.
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