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GeschichteAllgemein / P12
23.10.2009
23.10.2009
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Hannah Refrath streckte sich verschlafen. Erste Sonnenstrahlen kamen durch die Rollos. Die Sonne war wohl gerade erst aufgegangen. Hannah tastete verschlafen nach ihrem Wecker. „Shit!“ Mit einem Ruck war sie hellwach. Hugo würde sie umbringen! Sie schlug die Decke zurück und wollte aus dem Bett springen. Mitten in der Bewegung erstarrte sie jedoch. Da lag noch jemand. Hannah zog langsam und vorsichtig die Decke weg. Da lag ein Mann in ihrem Bett! Jetzt war sie wirklich vollständig wach.

Wie kam der Kerl hierher und vor allem – wer war er? Durch die Bewegung der Decke wachte der Mann auf und drehte sich um. Das durfte ja wohl nicht wahr sein! „Was… wie… haben wir…?“ stammelte Hannah, während sie immer noch ihren Bettnachbarn fassungslos anstarrte. Was war gestern Abend passiert? Sie erinnerte sich an die Kerima-Betriebsfeier, sie erinnerte sich an diese dämliche Rede, die Paolo Amendola über Zusammenhalt und Firmenloyalität gehalten hatte, als ob er wüsste, was das war. Sie erinnerte sich an Bruno, der den ganzen Abend nur Augen für Kim gehabt hatte und sie fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Sie erinnerte sich an Doreen, die sich bei ihr über Sven ausgeheult hatte. Aber daran erinnerte sie sich nicht. Totaler Filmriss. Roberto Donatelli streckte seinen durchtrainierten Arm aus und schlang ihn um ihre Hüften. „Guten Morgen, Principessa!“ murmelte er und drückte sie auf die Matratze zurück. Wie war Roberto nur in ihr Bett gekommen? Soviel hatte sie doch wirklich nicht getrunken, oder? Ihr Blick wanderte zurück zum Wecker. Sie stieß Robertos Arm von sich und stand auf. „Shit! Shit! Shit!“ fluchte sie leise, während sie ihre Klamotten auf dem Boden zusammen suchte. Ein weiterer Hinweis darauf, dass sie mit dem besten Freund von Paolo Amendola im Bett gelandet war, sah sie, als sie bemerkte, dass auch seine Wäsche über den ganzen Boden verteilt war. „Aufstehen! Signore Donatelli!“ Hannah wollte ihn so schnell wie möglich los werden und auf keinen Fall wollte sie, dass jemand bei Kerima von dieser Katastrophe erfuhr.

Sie warf eine Hose und sein Hemd auf das Bett. „Signore Donatelli! Es ist schon nach 9.00 Uhr. Zeit zum Aufstehen!“ drängte sie. Roberto räkelte sich genüsslich auf dem Laken und sah sie an. „Wieso so förmlich? Hat es dir keinen Spaß gemacht?“ fragte er sie neckisch, während er nach seiner Hose griff und aus dem Bett stieg. „Du kannst mich ruhig Roberto nennen. Alle meine Freunde tun das. Und meine Freundinnen auch.“ fügte er belustigt hinzu. Hannah fasste sich an die Stirn. Er machte sich über sie lustig! „Ich brauch nen Kaffee!“ murmelte sie und ließ ihn stehen. Als sie die Türe zum Flur öffnete, fiel ihr siedendheiß Bruno ein. Sie wollte nicht, dass er sie mit Roberto sah. Viel zu lange drängte er schon, dass sie mit dem heißen Sizilianer ausging. Diesen Triumph wollte sie ihm nicht gönnen und außerdem würde das ihre Chancen bei ihm zunichte machen und Bruno weiter in Kims Arme treiben. Sie knallte die Türe wieder zu und drehte sich freundlich lächelnd zu ihrem One-Night-Stand um. Roberto, der gerade seinen Gürtel zumachte, sah verwundert auf. „Stimmt was nicht?“ fragte er irritiert. Hannah musterte ihn kurz.

Sein muskulöser Oberkörper war sonnengebräunt und als er weiter an seinem Gürtel hantierte, spielten seine Armmuskeln dabei adonisgleich mit. „Hannah, ist alles okay?“ wiederholte Roberto. „Du wolltest doch einen Kaffee trinken!“ Hannah nickte. „Ja, richtig. Kaffee. Sollten wir nicht… auswärts einen trinken? Zur Feier des Tages… oder der Nacht… einen Coffee to go?“ Roberto knöpfte sein Hemd zu und sah sie wieder belustigt an. „Principessa, für wen hältst du mich eigentlich? Ich bin doch kein deutscher Idiot. Italienische Männer feiern ihre Erfolge bei Frauen doch nicht wie Trophäen. Und schon gar nicht mit einem Coffee to go. Ich werde uns einen Cappuccino machen, okay?“ Hannah errötete. „Oh…okay. Danke…ich… zieh mich dann mal vollständig an. So kann ich ja kaum zur Arbeit gehen!“ Sie lachte nervös und hoffte inständig, dass Bruno bereits bei Kerima war.

Sie war sich sicher, dass alle sie anstarrten. Wie weit war sie mit Roberto gegangen? Hannah verzog das Gesicht. Sie wusste sehr genau, wie weit sie mit ihm gegangen war. Nervös hantierte sie mit einer Stecknadel herum und stach sie sich prompt in den Finger. „Cheri! Was tust du denn da, wenn ich fragen darf?“ Hugo schlug die Hände über dem Kopf zusammen und kam zu ihr herüber. „Hannah, ich sagte doch, du solltest den Stoff von Thamien nehmen, nicht dieses dämliche Amendola-Zeug. Wo hast du nur deinen Kopf!“ Hugo schüttelte seinen Kopf und nahm ihr die Nadel aus der Hand. „Wieso bist du so durch den Wind?“ Hannah zuckte die Schultern. „Schlecht geschlafen!“ log sie abwesend. Hugo sah sie tadelnd an. „Mach eine Pause und trink einen starken Kaffee. Wenn du wieder kommst, will ich, dass du einen klaren Kopf hast!“ ermahnte er sie. Hannah lächelte schwach und verzog sich in den Cateringbereich. Sie schenkte sich gerade eine Tasse Kaffee ein und schloss ihre Augen, als sie die Stimme von Paolo Amendola hörte. „Na, Frau Refrath? Hatten wir keine gute Nacht?“ fragte er, während er sich am Kühlschrank bediente. Hannah versteifte sich.

Was hatte Roberto ihm erzählt? Hatte er ihm alles erzählt? Hatte er es tatsächlich Paolo erzählt? Natürlich hatte er. Er war sein Freund. Er war zwar charmant und höflich und liebenswert und gutaussehend, aber er war definitiv der Freund von Amendola. „Was meinen Sie damit?“ fragte Hannah atemlos. Paolo grinste. „Ihre letzte Nacht. Haben Sie nicht gut geschlafen?“ Paolo sah sie an, als wäre sie nicht ganz normal. „Das ist doch wohl eine einfache Frage, finden Sie nicht, Frau Refrath?“ „Jetzt lass sie doch in Ruhe. Hannah hat sicher nur gerade nicht richtig zugehört.“ nahm Roberto Hannah in Schutz, der ebenfalls im Fahrwasser von Paolo auftauchte. „Hannah?“ Paolo sah erstaunt von Hannah zu Roberto und zog eine Augenbraue hoch. „Hab ich das war verpasst?“ fragte er dann. Roberto legte einen Arm um seine Schultern und grinste. „Alles geht dich nichts an, Paolo. Kann ich dich kurz sprechen? Es geht um diese dämliche Sache, um die du mich gebeten hast…“ Paolo knallte die Kühlschranktüre zu. „Klar, gehen wir in mein Büro. Frau Refrath.“

Der Geschäftsführer nickte ihr kurz zu und schritt dann davon. „Lass dir von Paolo keine Angst machen, Hannah. Hunde die bellen, beißen nicht!“ meinte Roberto, strich mit dem Finger zärtlich über ihr Kinn und grinste. „Wir sehen uns, Principessa!“ Er zwinkerte ihr zu und folgte Paolo. Hannah stand stocksteif da. War das eben wirklich passiert? Hatte Roberto Donatelli sie gerade in der Öffentlichkeit – mitten bei Kerima – angebaggert und vor Paolo Amendola in Schutz genommen. Hannahs Finger wanderte zu der Stelle, an der Roberto eben seinen Finger liegen gehabt hatte und sie lächelte verträumt. Wer wusste es schon? Vielleicht war Roberto Donatelli doch nicht so übel!
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