Star Trek: Kadetten - To Boldly Go…

von cbra
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
20.10.2009
05.03.2010
19
49520
 
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Star Trek und alle TOS-bekannten Charaktere (die sich aus diesem Universum vielleicht mal blicken lassen / erwähnt werden) gehören Paramount.
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Diese (und 4 andere) Geschichte ist vor einigen Jahren entstanden und lag bis letzten Sommer auf dem Dachboden. Nachdem ich sie wieder ausgebuddelt habe, habe ich sie abgetippt (bzw. bin dran), korrigiert und ein wenig umgeschrieben.
Ich hoffe ihr findet sie unterhaltsam. Über reges Feedback / Reviews würde ich mich sehr freuen!

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Das Shuttle flog über den Wolken und hinderte so die Sicht auf die Erde.
Carol wandte sich vom Fenster ab und schaute ihre Freundin an. Tanja saß direkt neben ihr und bemühte sich, ihre langen, blonden Haare in eine ordentliche Form zu bringen. Als sie es endlich geschafft hatte, grinste sie vergnügt.
„Geschafft.“
Carol rollte lächelnd mit den Augen. Als gäbe es an dem tadellosen Aussehen ihrer Freundin noch etwas zu verbessern.
Tanja wollte noch weitersprechen, als sie jäh von einer lauten Stimme unterbrochen wurde.
„Ich verstehe gar nicht, warum die sich so benimmt, ich werde ja wohl kaum der Grund dafür sein!“
Tanja und Carol reckten ihre Köpfe, um zu schauen zu wem die Stimme gehörte. Die laute Stimme gehörte zu einem blauen Kopf mit blauen Fühlern und kurzen, am Kopf anliegenden weißen Haaren – einer Andorianerin.
„Und überhaupt…“, tobte sie weiter.
„Oh mein Gott“, flüsterte Carol und grinste Tanja zu. Hinter ihnen ertönte eine tiefe Stimme, die vergnügt flüsterte: „Die braucht keinen Phaser, wenn sie jemanden festnehmen will. Sie muß ihn nur anbrüllen, dann erstarrt er vor lauter Schreck auch so.“
Tanja und Carol schauten gleichzeitig nach hinten über ihre Sitze und sahen zwei etwa achtzehn Jahre junge Männer. Der eine hatte blonde Haare und blaue Augen, der andere dunkelbraune Haare und ebenfalls blaue Augen
Tanja lächelte die beiden an und begrüßte sie auf ihre spontane Art.
Beide starrten sie an.
„Hi“, brachte der eine hervor, der vorher nicht gesprochen hatte.
„Was können wir für euch tun?“ fragte der andere.
„Oh, gar nichts. Ich bin Tanja und sie Carol. Wir haben euer Kommentar gehört und wollten uns am Gespräch beteiligen.“ Sie grinste herausfordernd.
„Ich bin Jerry und er Barry.“ Er lächelte verlegen und fuhr sich mit der Hand durch sein braunes Haar.
„Mann, das hört sich an wie Dick und Doof.“
Jerry war dann also der mit dem frechen Kommentar über die Andorianerin.
„Ihr macht eine technische Ausbildung?“
„Woher weißt du das?“ fragte Jerry ein wenig irritiert.
Tanja zuckte mit den Schultern. „Es paßt zu euren Gesichtern.“
Carol verkniff sich ein Lächeln. Tanjas offensive offene Art neue Kontakte zu knüpfen, hatte sie schon immer bewundert.
Die Kommunikationsanlage wurde aktiviert und der Pilot meldete: „Wir setzen in wenigen  Minuten zur Landung an. Bitte kehren sie zu ihren Plätzen zurück. Ende.“
Carol und Tanja rutschten wieder in ihre normale Sitzstellung zurück und sahen aus dem Fenster. Die Wolkendecke war verschwunden. Unter ihnen breitete sich die Oberfläche des Pazifischen Ozeans aus. Sie flogen weiter, tiefer zum Wasser. Vor ihnen erschien nun die Golden Gate Bridge und dahinter tat sich San Francisco auf. Das Shuttle flog über die Brücke und näherte sich der Küste. Weiter vorne konnte man schon den gewaltigen Gebäudekomplex der Akademie erkennen. Es waren zahlreiche Gebäude, die sich durch eine fabelhafte Mischung aus Eleganz und Schlichtheit auszeichneten.
Nur wenige Minuten später landete das Shuttle auf einer der offiziellen Landeflächen der Star Fleet-Akademie. Alle nahmen ihr Gepäck und traten aus dem Shuttle. Die Sonne schien warm auf sie herab und ein sommerlicher Duft hing in der Luft.
Carol atmete tief ein, blieb für einen Moment kurz stehen und schaute sich um. Seit sie die Zulassung bei der Sternenflotte bekommen hatte, hatte sie auf diesen Moment gewartet. Sie wollte diesen Moment bewußt genießen. Carol mußte über ihr theatralisches Verhalten schmunzeln.  Tanja war mit ihrem Gepäck bereits weitergeeilt und Carol schnappt nun rasch ihr eigenes, um ihr zu folgen.
Sechsundzwanzig junge Personen schleppten ihr Gepäck in Richtung Hauptgebäude. Drinnen war es schon recht voll und ein beträchtlicher Geräuschspegel hallte ihnen entgegen. Die Halle war innen noch riesiger als sie von außen erahnen ließ. Aber durch das geschäftige Treiben war es ihr unmöglich mehr um sich herum zu erkennen. Unzählige Kadetten standen allein oder in Gruppen zusammen. Etliche eilten mit und ohne Gepäck durch die Halle. Carol mußte unwillkürlich an Ameisen denken. Tanja lief zu einer noch halbwegs ruhigen Ecke der Halle, während vorne ein junger Leutnant immer wieder verschiedene Namen aufrief. Carol wankte mit ihrem großen Koffer hinter Tanja her und ließ sich erschöpft auf denselben sinken. Carol fluchte lautlos, warum war der Koffer so verdammt schwer?
Tanja lächelte wissend. „Du mußtest ja unbedingt die Kaffeemaschine mitnehmen.“
Carol seufzte und zuckte mit der Schulter. „Was hätte ich tun sollen? Meine Mutter war der Meinung, der hiesige Kaffee sei ungenießbar.“
„Wir werden sehen.“ Tanja schaute sich um und entdeckte die beiden jungen Männer aus dem Shuttle. Sie winkte sie zu ihnen. Die Beiden wurden auf Tanja aufmerksam und kämpften sich durch die Menge und stellten sich schnaufend neben sie.
„Das ist ja schlimmer als auf einem Volksfest“, klagte Jerry und setzte seinen Koffer ab.
„Und was für Spezies hier herumlaufen.“ Er schüttelte begeistert den Kopf. „Ich habe schon etwa ein Dutzend Andorianer gesehen, ein Tellarit und mit ihr...“, er zeigte hinter Tanja, „zwei Vulkanier.“
Carol sah hinter Tanja eine attraktive Vulkanierin stehen, die fast genauso groß wie Tanja war. Ihr langes schwarzes Haar war kunstvoll nach oben gesteckt und ging ihr höchstwahrscheinlich bis auf  den verlängerten Rücken. Spitze Ohren zeigten sich hinter dem glatten Haar, gewölbte Brauen zeichneten sich über braunen Augen ab, die sich scheinbar suchend über die Menge bewegten, als sie sich zu der kleinen Gruppe umdrehte. Carol erhob sich, wollte gerade ihren Mund zum sprechen öffnen, als sie seitlich von einer rücksichtslosen Person gerammt wurde. Sie stolperte vor und landete in Jerrys Armen.
„Hoppla.“ Er strahlte sie an. „Immer schön langsam.“
Sie starrte zu ihm hoch und stellte sich wieder gerade auf. Seltsam, dachte Carol, im Shuttle sahen beide viel kleiner aus. Jerry war mindestens ein Meter achtzig, dazu einen schlanken Körperbau. Wenn hier alle so aussahen…
„Entschuldigung“, murmelte eine junge Frau. „Sie hat nicht gerade viel Anstand, von Höflichkeit ganz zu schweigen. Aber die meisten Andorianer verhalten sich so, oder?“
Carol wandte sich zu ihr um. „Oh, dann war sie das also. Die Andorianerin aus dem Shuttle mit der lauten Stimme?“
Die Fremde nickte.
„Sie heißt Minkal. Ich bin Michelle Johnson. Ich habe die zweifelhafte Ehre sie zu kennen. Sie…“
Vorne rief der Leutnant erneut jemanden auf. „Carol Jones, bitte treten sie vor! Carol Jones!“
„Das bin ich.“ Carol nahm ihr Gepäck und drehte sich noch einmal um. „Ich hoffe, wir sehen uns später.“ Sie sah zu Tanja. „Drück die Daumen.“
Während Carols brünetter Schopf in der Menge verschwand, sah Michelle Tanja an. „Für was sollst du die Daumen drücken?“
Tanja wandte sich Michelle zu, die einen halben Kopf kleiner war als sie. Tanja lächelte freundlich.
„Wir hoffen, daß wir zusammen ein Quartier bekommen. Wir kennen uns, seit ihre Familie vor drei Jahren nach Atlanta gezogen ist. Wo kommst du her?“
„Oh, ich bin auf Deneva geboren, aber vor sechs Jahren mußten wir umziehen, weil mein Vater versetzt wurde. Nun leben wir in Seattle.“
„Deneva? Ist das nicht der Planet, wo vor kurzem ein Bericht durch die Nachrichten  ging?“
Michelle nickte ein wenig bedrückt, als sie antwortete. „Ja, fliegende Parasiten haben den Planeten überfallen. Diese Viecher haben mehrere Planten verwüstet. Die Enterprise hat die Plage vernichtet, aber es gab zu viele Opfer.“
„Siehst du, Jerry, auf so ein Schiff will ich versetzt werden“, warf Barry euphorisch ein.
„Komm wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, Barry. Viele wünschen es sich zwar, aber nach der Statistik kommen gerade mal dreißig Prozent der Kadetten auf ein Schiff der Constitution-Klasse“, sagte Jerry gelassen.
„Falsch, dreiundzwanzig Komma sieben Prozent nach der neuesten Statistik.“
Alle drehten sich herum. Die Vulkanierin hob unschuldig eine Braue. „Nach neuestem Stand, kommen sechsundsiebzig Komma drei Prozent aller Akademie-Absolventen auf kleinere Forschungsschiffe. Das ist Fakt.“
Jerry seufzte. „Wenn die Kadetten hier schon so kleinlich sind, wie wird das erst bei den Dozenten?“
„Vulkanier sind nicht kleinlich – nur präzise.“ Würdevoll straffte sie ihre Schultern und wirkte so noch wesentlich größer.
„Ich heiße Tanja. Wie war nochmal dein Name?“ warf Tanja ein, um einem Streitgespräch zuvor zu kommen. Sie mußte willkürlich lächeln. Ein Streitgespräch mit einer Vulkanierin wäre sicherlich auch interessant mit anzuhören.
„T´Peela“, antwortete die Vulkanierin knapp. Scheinbar war sie nicht wirklich an einem Gespräch interessiert. Wieder ließ sie ihren Blick über die Massen gleiten, als wolle sie sich einen Überblick verschaffen oder als suche sie jemanden.  
Tanja zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder von ihr ab.
„Barry Brooks! Ich rufe Barry Brooks!” Die Stimme des Leutnants tönte über die Masse.
Barry nahm seine Taschen und setzte sich in Bewegung.
„Geh mir nicht verloren“, schrie ihm Jerry lachend hinterher.
Barry sah über seine Schulter und grinste.
„Das ist unlogisch“, murmelte T´Peela kaum hörbar.
Michelle, die einzigste, die nah genug an der Vulkanierin gestanden und sie gehört hatte, flüsterte: „Nur so ein Spruch.“ Und etwas lauter: „ Ich habe vor,  mich auf die Wissenschaftsausbildung als Schwerpunkt Xenobiologie zu spezialisieren. Was hast du vor?“
T´Peelas Augen fixierten Michelle. „Ich habe mich für Kommunikation eingetragen.“
Tanja wandte sich um und sah sie verwundert an. „Kommunikation? Ich dachte Wissenschaft fasziniert  Vulkanier.“
„Viele aber nicht ausschließlich alle. Außerdem beherrsche ich einige Sprachen, die ein Studium in diese Richtung von Vorteil werden lassen.“
„Ja? Welche denn?“ fragte Michelle. Sie wirkte wirklich interessiert.
T´Peela schien ein wenig irritiert von Michelles Neugier. Sie hob eine Braue und antwortete. „Nun, ich beherrsche fünf Dialekte der vulkanischen Sprache, von der Erde beherrsche ich bisher nur Standart, sowie die Landessprache von Triacus und Centaurus.“
„Nicht schlecht.“ Tanja sah sie anerkennend an.
„T´Peela, ich rufe T´Peela!“
T´Peela nahm ihre Tasche vom Boden auf und sagte mit ernstem Gesicht: „Ich denke, ich werde nicht verloren gehen.“
Als sie hinter zwei Kadetten verschwunden war, murmelte Michelle leise: „Ich glaube kaum, daß sie es verstanden hat.“
„Nun“, sagte Tanja, straffte ihre Gestalt und kam so mühelos an Jerrys Größe heran, „unsere traute Runde schrumpelt ziemlich vor sich hin.“
„Michelle Johnson, bitte nach vorne! Michelle Johnson!“ Die Stimme des Leutnants nannte noch ein halbes Dutzend weiterer Namen, während Michelle ihr Gepäck schulterte.
„Man sieht sich“, rief sie zuversichtlich über ihre Schulter und verschwand durch die Menge.
„Tja“, Tanja sah sich zu Jerry um, „dann bleiben also nur noch wir übrig.“
„Gut gesagt.“ Jerry grinste verschmitzt und breitete leicht die Arme aus. „Einsam gestrandet, inmitten von mindestens zehn Dutzend Leuten.“
Tanja lachte. „Und dabei habe ich bei dem Augentest gar nicht so schlecht abgeschnitten.“
Jerry schmunzelte über ihre Antwort. „Apropos Test. Für was für eine Ausbildung hast du dich entschieden?“
„Wissenschaft, allgemein. Zumindest vorerst“, sagte Tanja und strich sich erneut eine Haarsträhne hinter ihr Ohr.
„Tanja Farrell, bitte. Tanja Farrell nach vorne.”
Tanja griff sich ihr Gepäck.
„Und tschüß, so kann´s gehen. Man sieht sich – spätestens wenn ich die Mensa geordet habe.“
Sie lief mit ihrem Gepäck zu dem Leutnant. Jerry sah ihr noch nach, bis sie verschwunden war.
Der große Saal füllte sich noch mehr, als draußen noch drei weitere Shuttles landeten. Nachdem er zehn Minuten auf seinen Aufruf gewartet hatte, und zwischendurch fast von einer kleinen zierlichen Inderin – die kaum die erforderliche Mindesthöhe zu haben schien – überrannt wurde, wurde er endlich aufgerufen.
Ein fast zwei Meter großer Leutnant gab ihm einen Chip und begrüßte ihn. „Diese ist für Gepäck, damit sie es auch in ihrem Quartier erreicht. Nun, Kadett, sie bekommen – an mir vorbei und dann rechts – so etwas wie einen Lageplan. Den werden sie wahrscheinlich in den ersten Tagen zu schätzen wissen. Links davon bekommen sie ihre Uniformen und einen Aufgabenplan für heute und morgen. Falls sie an einer Führung teilnehmen wollen, sie findet in zwei Stunden statt. Viel Glück.“
Jerry befestigte den Chip an seinem Koffer. Dann ließ er sein Gepäck bei dem Leutnant und besorgte sich einen Lageplan, doch konnte er kaum einen Blick darauf werfen. Sein Hintermann schob ihn vorwärts zur Uniformausgabe. Ein gestreßter Fähnrich fragte nach seinem Namen und tippte nachdem Jerry ihm geantwortet hatte, auf seinem Terminal herum. Jerry schaute ihm dabei unverwandt zu. Scheinbar rief er seine Konfektionsgröße ab. Jerry hob die Augenbrauen, wartete aber geduldig ab. Dann bückte sich der namenlose Fähnrich und zog einen Stapel Uniformen unter seinem Tresen hervor. Kaum hatte Jerry den Stapel an sich genommen, drückte ihm der Fähnrich ein paar schwarze Stiefel und einen Stapel Unterlagen in die Hände. Oben drauf schmiß er einen Aufgabenplan.
„Gehen sie geradeaus, dort werden sie ihrem Quartier zugeteilt“, sagte er knapp mit einem verdrießlichen Gesichtsausdruck. Ein knapper Wink mit seiner Hand wies Jerry in die entsprechende Richtung. Dann wandte sich der Fähnrich auch schon dem nächsten Kadetten zu.
Jerry tastete sich vorwärts. Sein Sichtfeld war durch seine Sachen stark eingeschränkt. Als er den besagten Raum betrat, waren noch sechs andere Kadetten vor ihm. Auch dieser Raum war wie alle, die er bisher betreten hatte, nur zweckmäßig eingerichtet. Es war kaum zu erkennen, für was er an normalen Tagen dienen könnte. Noch bevor sich Jerry weiter umschauen konnte, wurde er wieder von hinten durch weitere Kadetten vorangeschoben. Der kleine Raum füllte sich mit etlichen Kadetten. Weiter vorne stand ein Leutnant und gab gut gelaunt dem Computer Anweisungen. Er scherzte mit jedem Kadetten. Als Jerry an die Reihe kam, war es nicht anders.
„Name?“ fragte er freundlich.
„Jerry Mitchell.“
„Willkommen an der Akademie, Kadett. Haben sie einen bestimmten Quartierswunsch? Überlegen sie es sich gut, ob sie nein sagen. Wahrscheinlich ist es die letzte Möglichkeit, in nächster Zeit einen Wunsch zu äußern.“ Jerry lächelte. Die saloppe Freundlichkeit war eine nette Abwechselung. Und auf solch eine Möglichkeit hatte er gar nicht zu hoffen gewagt.
„Ok, haben sie Kadett Brooks schon jemandem zugewiesen?“ versuchte Jerry sein Glück.
Der Leutnant blätterte im Computerdatenblock nach. „Nein, aber ich nehme an, sie wollen zu ihm?“ Er sah auf und blickte Jerry an.
„Ja, wenn es sich einrichten läßt?“ fragte Jerry vorsichtig und streckte sich ein wenig, um auf den Computerbildschirm des Leutnants einen Blick zu erhaschen.
„Na klar. Ab jetzt bewohnen sie eine Suite  im Kadettenblock W. Viel Spaß.“ Der Leutnant lächelte freundlich. Jerry grinste zufrieden und bedankte sich.
In den nächsten anderthalb Stunden mußte Jerry allerdings feststellen, daß das Verhalten des Leutnants von der Quartierabteilung eher selten war. Ständig erhielt er Instruktionen, Erklärungen sowie unzählige Anweisungen. Zwischendurch hatte er auf seinem Weg noch die Willkommensrede von einem Admiral vernommen, als er nun auf dem Weg zu seinem Quartier war. Die Schotten öffneten sich, während er seine Kleidung mit einem Stapel Zettel, Folien und eine Miniaturdatenbank versuchte, auf einem Stapel vor sich zu halten.
Barry sah von seinem halb ausgeräumten Koffer auf.
„Wow, Jerry! Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß wir ein gemeinsames Quartier bekommen.“ Er trat auf ihn zu, nahm ihm die Datenbank ab und stellte sie auf einen kleinen Schreibtisch, der sich neben dem der Türschotte befand.
„Mann, ich bin fix und alle. Ich habe meine Krankenakte bestimmt viermal komplett vorgetragen.“ Jerry fuhr sich durch die dunkelbraunen Haare und ließ sich auf das zweite freie Bett sacken.
Barry lachte und nickte  zustimmend, als er sich wieder seinem Koffer zuwandte. „Mir ging es genauso.“
Jerry blickte sich vom Bett aus um. Das Quartier war geräumig. Zwei Betten, auf jeder Seite eines.  Über den Betten befanden sich in gemäßigter Höhe lange schmale Ablagen. Ein kleiner Schreibtisch mit zwei Stühlen befand sich in einer Nische neben dem Eingang. Und am Ende des Raums konnte er einen Durchgang zu einer Hygienezelle erkennen.  Neben dem Durchgang standen zwei große Schränke, für jeden Kadetten einer. Barry hatte seinen Koffer bereits zur Hälfte eingeräumt. Und auch seine Uniformen und Stiefel hatte er schon eingeräumt. Dennoch war noch mehr als genügend Platz in dem Schrank. Jerry fand, daß das Quartier mehr als ausreichend Platz für sie und ihre Sachen bot. Hier würde es sich aushalten lassen.
„Übrigens: Wenn wir das Kofferauspacken auf nachher verschieben, kommen wir noch rechtzeitig zur Führung durch die Akademie.“
„Treffpunkt?“ fragte Barry und überlegte nachdenklich, ob sie heute irgend etwas hier bei diesem allgemeinen Durcheinander finden würden. Er hatte mit großer Mühe das Quartier gefunden.
Jerry sah von der Übersichtskarte auf.
„Die Mensa. Von hier aus geradeaus, dann links, Lift drei, Etage vier, nicht zu verfehlen.“
Barry grinste über die Genauigkeit seines Freundes. „Normalerweise bin ich doch der, der von dem Essen angezogen wird, wie ein Magnet. Was ist los?“
Jerry lachte auf. „Pures Interesse. Komm, wir haben noch ganze acht Minuten bis die Führung beginnt.“
Sie traten auf den Korridor, auf dem geschäftiges Treiben herrschte. Entweder eilten Kadetten an ihren vorbei oder sie schleppten ihr Gepäck und Unterlagen mühsam an ihren vorbei. Andere liefen suchend mit ihren Karten den Korridor entlang, scheinbar auf der Suche nach ihrem Quartier. Jerry warf einen weiteren Blick auf die Karte und ging sicheren Schrittes Richtung Turbolift. Jerrys Fähigkeit den Gebäudeplan richtig zu lesen, führte sie schnell zur Mensa.
Als sie die Mensa betraten, waren noch mindesten hundertachtzig weitere Kadetten zugegen. Sie wurden zügig in sechs Gruppen geteilt, als Jerry in dem Chaos auch Tanja und Michelle entdeckte.
„Na, wo ist der Rest?“ fragte er an Tanja gewandt und schaute sich ein wenig um. Allerdings ließ sich von dem Raum kaum was erkennen. Das Gedränge war einfach zu groß um ihn herum.
„Wenn du Carol meinst“, sagte Tanja, „so habe ich sie seit vorhin nicht mehr gesehen.“
„Und was ist mit euren Zimmerpartnerinnen? Sind sie auch hier?“ fragte Barry.
„Oh, ich habe anscheinend noch keine.“ Tanja zuckte mit ihren Schultern.
„Ich wünschte, ich könnte mit dir tauschen“, warf Michelle ein. „Ich bewohne mein Quartier mit Minkal. Sie kam gerade als ich hierher ging.“ Sie verzog den Mund.
„Du arme.“ Jerry warf ihr  einen mitfühlenden Blick zu.
Tanja sah Jerry neugierig an und strich sich eine blonde Strähne ihres langen Haares hinter ihr Ohr. „Und ihr? Bewohnt ihr ein Quartier zusammen?“
„Ja, ich hatte das kleine Glück, an einen verständnisvollen und zuvorkommenden Leutnant zu kommen, der mich zu Barry steckte.“ Jerry wirkte sichtlich erleichtert und sehr zufrieden mit dieser Zimmeraufteilung. Tanja konnte nur hoffen, daß sie auch Glück mit ihrer Zimmerpartnerin haben würde. Vier Jahre mit einer unangenehmen Person waren nicht gerade wünschenswert. Genau genommen war sie immer davon ausgegangen, ihr Zimmer mit Carol zu teilen. Weiter vorne rief ein Leutnant sie auf, ihm zu folgen.
Die Gruppe setzte sich in Bewegung. Aus der Mensa heraus, ging es an Hörsälen vorbei, Computerräumen, Laboratorien  aller Wissenschaftseinrichtungen, durch den Gebäudekomplex und unzählige andere Sektoren. Die Führung dauerte über eine Stunde, und dabei hatte man ihnen noch nicht einmal den Testkomplex und den anliegenden Park gezeigt.
Es war Nachmittag, als sie endlich dazu kamen etwas zu essen und sich dann in die Quartiere zurückzogen, um sich weiter einzurichten.
Tanja kam in ihre Unterkunft. Ein paar Sachen und Kleidungsstücke, sowie eine Kadettenuniform lagen auf dem Bett und in der Dusche summte es. Bravo, dachte Tanja, endlich ist meine Mitbewohnerin eingetroffen. Sie ging zu ihrem Koffer und übersah die kleine Kaffeemaschine auf dem Tisch.
Das Summen hörte auf und kurz darauf erklang eine bekannte Stimme: „Überraschung!“ Carol trat frisch geduscht und in ihrer neuen Kadettenuniform aus der Hygienezelle.
Tanja drehte sich überrascht um. „Carol! Du?!“
„Warum nicht? Ich habe halt so meine Beziehungen.“ Sie strahlte ihre Freundin an.
„Der Leutnant, stimmt´s?“ Auf Tanjas Gesicht breitete sich ein Grinsen aus.
„Oh, verdammt, woher…?“ Carol stemmte ihre Hände in die Hüfte.
„Ich hab halt so meine Quellen.“ Tanja umarmte ihre Freundin lachend. Tanjas gute Laune sprang auf Carol über.
„Sag mal, wo warst du überhaupt in den letzten Stunden?“ fragte Carol, als sie sich wieder ihrem Koffer zuwandte.
Tanja öffnete den Schrank und schob ohne groß zu überlegen in das erstbeste Fach einen Stapel Kleidung aus ihrem Koffer.
„Ich habe an einer Führung durch die Akademie teilgenommen und in der Mensa noch etwas gegessen. Und wo hast du gesteckt?“ fragte Tanja. Sie griff sich einen Stapel Uniformen und schob ihn neben ihre Freizeitkleidung.
Carol streckte sich um an ein höher gelegenes Fach ihres Schrankes zu komme, um ihre Trainingsanzüge in den Schrank zu legen.
„Ich bin gleich in ein Szenario gesteckt worden. Es ging um Politik.“ Sie wandte sich erneut ihren Uniformen zu und überlegte, wie sie sie am gescheitesten unterbrachte.
„Was? Ein Szenario gleich am ersten Tag?“ Tanja griff sich einige Socken und warf sie gedankenlos in den Schrank.
„Keine Ahnung. Doch da waren nur Neulinge wie ich. Auch Minkal. Du mußt dir vorstellen: Ein runder Tisch. Darum fünf Kadetten, die den Völkerbund darstellen. Ein Kreis darum mit Stühlen und Kadetten, die verschiedenste Planeten.“
„Und wo warst du?“ Tanja sah von ihrem Koffer auf und warf Carol einen fragenden Blick zu.
„In einer Ecke mit vier anderen Kadetten. Wir stellten Vulkan dar und durften uns nur alle halbe Stunde an den Völkerbund wenden.“ Carol biß sich auf die Lippen und musterte mit in die Hüfte gestemmten Armen ihren Schrank.
„Wieso denn das?“ Tanja verstand nicht, sie sah ihre Freundin an.
Carol streckte sich und zog die Trainingsanzüge aus dem Schrankfach, um sie eine Etage tiefer hinzulegen. Sie griff sich die nächste Wäsche und verstaute sie in dem gerade frei gewordenen Fach.
„Das waren unsere Regeln. Jeder hatte andere Planetenregeln. Die einen konnten flüstern, andere durften nur mit Papier ihre Nachrichten kundtun, und selbst dann konnte es geschehen, daß dieser Planet dieses technische Niveau noch nicht erreicht hatte. Ich glaube, die Commodore haben noch nie so ein Chaos erlebt.“
Tanja beobachtete das geschäftige Einräumen ihrer Freundin und warf ein übriggebliebenes Sockenpaar zu den anderen in den Schrank.
„Und wo war Minkal?“
Carol lachte. „Sie war im Völkerbund. Ich versichere dir, es flogen die Fetzen.“
Sie drehte sich zu Tanja um und zeigte auf ihre Kadettenuniform. „Wie sehe ich aus?“
„Wunderbar, sie steht dir ausgezeichnet.“
„Gut.“ Carol griff sich ihre kleine Kaffeemaschine und hielt sie in den Händen. Sie drehte sich um die eigene Achse, um zu schauen, wo ein geeigneter Platz für sie war.
„Hm, ich habe mir überlegt, ob wir mal zu unseren angrenzenden Nachbarn rübergehen und vielleicht finden wir ja auch heraus, wo Michelle abgeblieben ist.“
Tanja verstaute die letzten Kleidungsstücke in einem der Fächer und schloß ihren Koffer.
Carol zuckte mit den Schultern. „Von mir aus. Worauf warten wir noch?“ Sie fand einen geeigneten Platz in einer Nische auf dem Schreibtisch für ihre Kaffeemaschine und stellte sie hinein.
Tanja wartete bereits an der Türschotte auf sie.
Sie traten in den Korridor und gingen einen Raum weiter. Nichts. Niemand öffnete. Erst ein Quartier weiter öffneten sich die Schotten. Tanja und Carol machten einen kleinen Schritt in den Raum hinein. Das Quartier glich dem ihren bis ins letzte Detail. Ein großes geräumiges Quartier, zwei Betten, zwei große Schränke, direkt neben der Tür ein Schreibtisch mit zwei Stühlen und am gegenüberliegenden Ende des Raumes, hinter der verschlossenen Türschotte mußte sich die Hygienezelle befinden. Es war verwunderlich: Auf der einen Seite des Zimmers herrschte mühsam geordnetes Chaos und auf der anderen Seite lag alles fein säuberlich in bester Ordnung aufgereiht auf dem Bett.
Die Vulkanierin T´Peela, legte ihre Uniform fein säuberlich auf einen akkuraden Stapel, sah von ihrem Koffer auf und musterte sie fragend.
„Hallo. Wir wollten nur in Erfahrung bringen, wer unsere Zimmernachbarn sind. Nun, wir wohnen zwei Zimmer weiter.“ Tanja deutete lächelnd in die entsprechende Richtung aus der sie kamen.
„Wo ist deine Zimmerpartnerin?“ Carol sah sich um, konnte aber niemanden entdecken, als sich die Türschotten hinter ihnen  öffneten.
„Oh, Besuch?“ Eine kleine zierliche kleine Person schlüpfte an ihnen vorbei  in den Raum. Sie schaute sorgenvoll auf ihr Chaos auf ihrer Zimmerseite und versuchte, ihre Kleidung zu ordnen.
„Nun, wir sind mehr oder weniger eure Zimmernachbarn. Sie ist Tanja und ich bin Carol.“
„Tja, ich heiße Sasi und ihr dürft euch auf meiner Seite nicht umschauen. Es herrscht absolutes Chaos.“  Sie lächelte entschuldigend und versuchte eilig ihre Trainingskleidung zusammenzulegen, die unordentlich über ihren anderen Uniformen und Kleidungsstücken verteilt lag. Der Versuch mißlang. Sie schüttelte das Kleidungsstück erneut auf und versuchte es erneut, diesmal langsamer. Ihre Hände zitterten leicht, scheinbar vor Aufregung, doch diesmal konnte sie die Trainingskleidung ordentlich zusammengelegt und in ihren geöffneten Schrank hineinlegen.
Carol musterte sie. Sie war den Gesichtszügen und dem goldbraunen Teint nach anscheinend Inderin und hatte mittellanges  und leicht gewelltes dunkles, fast schwarzes Haar. Sie schien jünger als sie. Sie schätzte sie auf sechszehn Jahre. Dunkelbraune Augen blickten verzweifelt erst auf T´Peelas wohl geordnete Zimmerseite, dann auf das wilde Durcheinander auf ihrem Bett.
Tanja hatte sich in der Zwischenzeit an den Tisch neben der Tür gesetzt. „Was machst du für eine Ausbildung?“
Sasi versuchte etwas Ordnung in das Chaos zu bringen, als sie antwortete: „Technische Ausbildung.“ Und nach kurzen Zögern: „Und ihr?“
„Ich mache die wissenschaftliche Ausbildung und sie“, Tanja zeigte mit dem Daumen auf Carol, „will sich im Bereich Navigation spezialisieren.“
Die Schotten öffneten sich erneut, als Michelle ihren brünetten Schopf zur Tür herein streckte.
„Hallo, oh, komme ich ungelegen?“ In ihren grünen Augen blitzte es auf.
T´Peela seufzte kaum hörbar, als es langsam im Zimmer eng wurde. Sie wandte sich mit stoischer Ruhe wieder ihrem Koffer zu. Tanja hatte das Seufzen überhört und lächelte Michelle aufmunternd zu. „Stell dich am besten dahin wo noch Platz ist.“
Michelle nickte und ging zur Zimmernachbarin, die sie noch nicht kannte.
„Hi, ich bin Michelle Johnson und komme von nebenan.“
Sasi sah sie verzweifelt aus ihren braunen Rehaugen an. „Ich bin Sasi Sabib und ich wohne hier – glaub ich jedenfalls.“
Michelle sah sie erstaunt an. „Wieso…?“
Die Schotten öffneten sich einmal mehr. Zwei große Gestalten standen in der Tür.
„Findet hier eine Party statt?“ Jerry grinste breit und Sasi schüttelte ihren Kopf hoffnungslos. Sie sah wirklich verzweifelt aus.
Carol hatte Erbahmen und sagte: „Nun, ich denke, hier wird es langsam zu voll. – Und schließlich wollten wir nur mal hallo sagen. Äh, wir sehen uns sicher noch, oder?“
Sasi nickte zaghaft und wünschte sich offensichtlich, daß in dem Zimmer wieder Ruhe einkehrte.
Carol zog Tanja mit sich aus dem Quartier. Jerry und Barry folgten ihnen auf den Korridor. Nur Michelle blieb zurück und bat um Asyl, da Minkal in ihrem gemeinsamen Zimmer das Regime zu führen glaubte. Sie hoffte der Andorianerin noch eine Weile aus dem Weg gehen zu können.
Die folgenden Stunden vergingen ebenso rasch wie die Stunden zuvor und spät am Abend fielen sie müde in ihre Betten, nachdem sie ihr Quartier fertig eingerichtet und sich einigermaßen eingelebt hatten.
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