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Over the hills and far away

von Fenny
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
19.10.2009
25.10.2011
13
21.996
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19.10.2009 1.765
 
Das rote Auto bog in die abgelegene Straße ein. Sein Ziel war eine Waldlichtung in absoluter Abgeschiedenheit.
Die beiden jungen Frauen, die darin saßen, hießen Cine und Mai und sie waren auch die besten Freundinnen.
Mai hatte schulterlange, schwarze Haare, rehbraune Augen und ein feuriges Temperament.
Sie hielt die Straßenkarte in der Hand und sah ihre Freundin kopfschüttelnd an. „Ich glaube, wir haben uns verfahren. Dieser Weg ist gar nicht auf der Karte. Fahr mal rechts ran!“
Cine tat, wie ihr geheißen. Sie hatte lange, blonde Haare, die sie immer zu einem Pferdeschwanz zusammenband, und graue Augen.
Beide stiegen aus und sahen sich um. Eigentlich war es eine idyllische Gegend. Sie konnten einen Fluss hören und saftig grünes Gras wuchs um sie herum. Einige Sträucher standen am Straßenrand und verbargen drei Kaninchen, die sie beobachteten.
Mai holte ihren Kompass heraus und versuchte sich zu orientieren. Cine dagegen bemerkte plötzlich Reifenspuren im Dreck, die die Straße entlang führten. „Mai, hier sind Reifenspuren. Sieht so aus, als wären die von Anja und Steffi.“ „Wie kommst du darauf?“ „Die haben Pirelli-Reifen und vor etwa zwei Wochen hat Anja sich da einen Nagel eingefahren. Du kannst die Flickstelle im Profil erkennen. Siehst du?“
Die Blonde zeigte auf eine Unregelmäßigkeit in der Spur. Ihre Freundin sah sie sich an und fragte schließlich: „Von dort kommend oder nach dort fahrend?“ „Fuhr wie wir. Und kam nicht zurück.“ „Dann fahren wir hinterher. Die haben schließlich ein Navi. Das liegt nicht falsch, hoffe ich zumindest.“
Sie stiegen wieder ein und fuhren weiter.


Die drei Kaninchen verließen ihre Deckung und starrten ihnen hinterher. „Verdammt viele hrududil unterwegs heute. Das könnte Ärger bedeuten.“, meinte ein schwarzes, hageres Tier. „Ich weiß nicht. Sie sahen nicht gefährlich aus.“, sagte ein anderes mit brauner Farbe. „Alle Menschen sind gefährlich, Campion! Wir sollten diese Vorkommnisse dem General melden.“


Auf der Lichtung standen schon zwei Autos und vier junge Frauen bauten gerade die Zelte auf, als der rote Audi ankam.
Eine der Frauen mit kurzen, roten Haaren blickte auf und lief freudestrahlend auf das Auto zu, welches neben den anderen beiden parkte.
„Ihr kommt verdammt spät. Wo wart ihr denn?“, fragte sie. Cine und Mai stiegen aus und begrüßten alle. „Ach, weißt du, Anja, wir haben uns total verfahren. Mit euern Navis kann ja nichts passieren. Wir dagegen versuchen noch mit Karte und Kompass zu überleben!“, meinte die Schwarzhaarige belustigt. Ihre blonde Freundin mischte sich ein. „Nun ist sowieso Schluss mit der Technik. Schließlich steht dieser Urlaub unter dem Motto: Back to the roots!“ „Und da könnt ihr euch gleich mal nützlich machen. Wasser holen, Holz sammeln und Zelt aufbauen. Cine, am besten baust du eure Zelte auf und ich geh mit Mai zum Fluss.“

Cine sah sich um und öffnete dann ihren Kofferraum. „Kann mal jemand mit anpacken? Ist doch etwas viel.“, rief sie in die Runde. Zwei junge Frauen, die eine klein mit hellblonden Haaren und grünen Augen, die andere groß und beleibt mit schulterlangen, braunen Haaren, ignorierten den Ruf. Die dritte jedoch nickte und kam dann näher. Sie hatte, wie Mai, schwarze Haare und braune Augen, trug aber eine Brille. „Ich habe ohnehin gerade nichts zu tun. Was hast du denn alles mitgebracht?!“, fragte sie stirnrunzelnd. „Och, ein riesiges Zelt, Survival-Pack, Töpfe, Pfannen, Blechnäpfe, Tarnregenmäntel… Alles aus den alten Armeebeständen meines Vaters. Aber sag mal, was ist eigentlich mit den beiden da hinten los? Schlechte Laune?“ „Wenn du mich fragst, hätten wir die doch nicht mitnehmen sollen. Steffi ist etwas mit ihrer Schwester aneinander geraten. Die Herfahrt war grausam, sage ich dir. Ständig diese Zickereien. Und Julia, naja, die ist doch sowieso die Oberzicke in Person.“ Sie zeigte zuerst auf die Beleibte und danach auf die kleine Blonde. „Tja, Netti, man kann eben nicht alles haben. Aber ich hätte mich, ehrlich gesagt, auch für eine andere Reisebegleitung entschieden.“ „Jaah, aber wir sechs haben nun mal vor Jahren festgelegt das zu machen und jetzt machen wir das! Keine Ahnung, welcher Teufel uns da geritten hat. Egal! Nun sind wir hier und wollen zu unseren Wurzeln finden. Überleben in der Natur. Ein echtes Abenteuer!“ „Hoffen wir, dass es nicht zu abenteuerlich wird und wir uns wie Urmenschen mit Keulen die Schädel einschlagen!“

Sechs Zelte standen am Ende in einem Kreis, die Autos standen weiter abseits. In der Mitte der Zelte war eine Feuerstelle angelegt, um die sich die sechs jungen Frauen versammelt hatten.
Cine versuchte intensiv mit zwei Stöckern ein Feuer zu entzünden, doch scheiterte sie bereits seit einer Stunde an dieser Aufgabe.
„Wir haben gar nichts zu essen mitgebracht. Ich meine, das war ja auch so abgemacht, aber sollen wir etwa den ersten Abend hungern?“, fragte Steffi und starrte ungeduldig in die Runde. Ihre Schwester meldete sich zu Wort. „Manchen von uns würde das gar nicht schaden!“ „Fangt nicht an zu streiten! Vielleicht sollten wir zumindest für den ersten Abend die Regeln ein wenig dehnen!“ Julia stand auf, schnappte sich ihren Autoschlüssel und sagte: „Ich fahre in die Stadt und hole uns Fast Food. Gebt mir eine Stunde oder so…“ Damit verschwand sie auch schon und fuhr in ihrem weißen Skoda davon.
„Hmm, sie hat auch Pirelli-Reifen. Wie du, Anja. Wir haben den Weg hierher nämlich nur gefunden, weil wir deine Reifenspur gesehen haben. Du hast dir ja den Nagel eingefahren und jetzt ist die geflickte Stelle als deutliche Delle zu erkennen.“ „Tatsächlich? Darauf achtest du?“ „Mir ist es nur durch Zufall aufgefallen. Ich hatte auch mal Pirelli-Reifen, seit einem Jahr habe ich aber Continental aufgezogen. Wer von euch ist eigentlich hergefahren?“ „Steffi und ich haben uns abgewechselt. Netti hat zwar auch einen Führerschein, aber sie kennt das Auto nicht, da wollten wir kein Risiko eingehen.“
„Verstehe ich.“, meinte Mai. „Ich fahre auch nie mit Cines Audi. Der ist mir außerdem zu groß. Die Parkplatzsuche ist immer eine Qual.“ „Ja, und er schluckt wie ein LKW. Ich musste zweimal tanken auf dem Herweg! Bin aber auch mit zweihundert Sachen auf der Autobahn unterwegs gewesen.“
Steffi zuckte mit den Schultern. „Siebenhundert Kilometer ist kein Zuckerschlecken. Wir mussten gefühlte fünfzigmal tanken, aber wir haben ja auch nicht die Kapazität im Tank. Außerdem sind wir mit Reserve losgefahren. Da mussten wir erstmal volltanken. Und kurz vor Autobahnabfahrt haben wir nochmal getankt, sicherheitshalber.“ „Julia tut mir ein bisschen Leid. Sie ist schließlich allein gefahren. Wir haben sechs Stunden gebraucht. War ja auch meist Autobahn, nur das letzte Stück über Land sind wir geschlichen.“, sagte Cine und fuhr fort mit dem Feuermachen. „Wir sind acht Stunden gefahren, aber wir waren ja auch schon früh um vier unterwegs. Julia ist übrigens nicht allein gefahren. Ihre Eltern machen hier Urlaub, solange wir auch hier sind. Sie ist eigentlich sogar ausgeruht, denn ihr Vater ist nur gefahren. Sie hat die Eltern beim Hotel abgesetzt und ist dann noch eine Stunde hierher gefahren.“, erklärte Anja und Mai mischte sich ein: „Was? Jetzt will sie doch nicht etwa wieder eine Stunde zur Stadt fahren, oder?“ „Nein, da ist eine Kleinstadt in der Nähe. Wir sind vorhin durchgefahren.“ „Ehrlich? Wir haben uns so verfahren. Nur Feldwege überall. Und vereinzelte Höfe… Huch!“
Endlich fing das trockene Reisig an zu qualmen und Cine blies vorsichtig darauf, um ein Feuer zu entfachen. „Puste es jetzt nicht aus! Wir haben keine Feuerzeuge mit!“, fing Mai zu meckern an, doch ihre Befürchtungen erfüllten sich nicht. Eine Flamme erschien und wuchs mit jeder Sekunde, bis die fünf Frauen an einem prasselnden Lagerfeuer saßen.


Als Julia wiederkam, war Cine schon wieder im Wald und suchte mehr Feuerholz.
Die kleine Blonde hatte etwas vom Chinesen geholt und verteilte es nun. „Ich habe ganz schön lange auf das Essen warten müssen. Wo ist denn Cine? CINE! ES GIBT ESSEN!“
Schon kam die junge Frau mit Holz im Arm auf die Lichtung und zog eine Augenbraue in die Höhe. „Ihr habt nach mir gebrüllt, Euer Mickrigkeit?“ „Cine! Hör auf mit den Sticheleien. Ziel dieses Urlaubs ist es unsere Freundschaft zu festigen und uns der Natur und unserem Leben bewusster zu werden.“, rügte Mai.
Netti gab Cine die Chinanudeln und sie aßen still und genossen das Knistern des Feuers.
Als sie fertig waren verbrannten sie einfach das Plastikgeschirr und starrten sich an.
„Vielleicht sollten wir unseren Freundschaftsspruch aufsagen… Naja, ihr wisst schon. Vielleicht klappt es dann zwischen uns besser.“, sagte die Schwarzhaarige und rückte sich verlegen die Brille zurecht. Steffi zuckte mit den Schultern. „Das Problem ist, dass wir hier in zwei Lagern leben. Anja, Mai und Cine sind eine Gruppe, Du, Julia und ich sind die andere. Aber schön, wer fängt an?“
„Wir sind Freunde für die Ewigkeit;
Ja – Freunde für ein Leben.
Denn das Bündnis wahrer Freunde
Wird’s für alle Zeiten geben.“, begann Mai und sah dann Anja an.
„Ich hab wahrlich schon gezweifelt,
dass man wahre Freunde findet.
Doch mir wurde bei uns klar,
dass uns wahre Freundschaft bindet.“
Cine fuhr fort.
„Rennst du weg wenn es dir schlecht geht,
renn ich mit dir durch die Nacht.
Hast du Ärger mit ein paar Leuten,
zieh ich mit dir in die Schlacht!“
„Lass dich niemals mehr alleine,
werde immer mit dir gehen.
Zieh mit dir durch unser Leben,
und werd immer zu dir stehen.“, kam es nun weniger überzeugt von Julia. Danach setzte Steffi ein.
„Wahre Freundschaft zählt für immer,
ich würd alles für dich machen.
So wie du mich auch behütest,
werde ich stets über dich wachen.“
„Wenn wir einst in vielen Jahren,
über alte Zeiten reden.
Werden wir uns daran erinnern,
an das Bündnis für ein Leben.“, schloss Netti mit dem Gedicht.

Mai zuckte mit den Schultern. „Wenn sich nur jeder von uns daran halten würde…“ Julia wurde böse. „Es war ein kindischer Schwur und hat kaum noch Bestand. Das hier ist doch kaum mehr als der klägliche Versuch alte Zeiten wiederzubringen! Ich habe nur mitgemacht, weil jeder hier mitmachen wollte.“ Verärgert stand Mai auf. „Du hast doch nie wirklich dazugehört! Wahre Freunde und damit verbundene Treue gibt es nur selten! Und diese Tugenden besitzt du überhaupt nicht!“ „Ich erniedrige mich nicht so wie Cine und ertrage deine Launen und dackel dir hinterher wie ein treudoofer Hund!“ Nun sprang auch Cine auf. „Was soll das heißen?! Mai ist meine beste Freundin und ich bin stolz darauf!“
Netti mischte sich ein. „Kommt mal wieder runter, ihr drei! Vielleicht sollten wir uns langsam mal hinlegen. Es war eine anstrengende Fahrt und wir sind alle etwas überreizt.“ „Jetzt spiel du dich doch nicht als unparteiisch auf! Wir alle wissen, dass du jedem nur nach dem Mund redest! Ich gehe jetzt schlafen! Bis morgen früh!“
Damit rauschte Mai ab und verschwand in ihrem Zelt.
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