Dunkle Wolken

GeschichteAbenteuer / P12
15.10.2009
15.10.2009
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Diese Geschichte spielt nach ‚Kann es noch schlimmer werden?’


***


Hakuoro setzte sorgfältig den letzten Pinselstrich auf der Schriftrolle und las sich den Text noch einmal durch. So konnte es bleiben.
Wunderbar!
Mit einem erleichterten Seufzen legte er den Pinsel zur Seite, rollte die Schriftrolle zusammen und warf sie zielsicher auf den Berg der fertigen Schriftstücke.
Endlich fertig für heute!
Er sprang auf, streckte sich einmal, um die verspannten Gelenke zu lockern und eilte nach draußen. Nicht, dass Benawi in letzter Sekunde noch mit einem neuen Stapel hereinkam, der unbedingt noch heute erledigt werden musste! So wie er ihn kannte, war das nämlich durchaus möglich und der Samurai-General würde ihn so lange nicht in Ruhe lassen, bis er alles durchgegangen war. Also besser, er gab ihm gar keine Gelegenheit dazu. Dafür war das Wetter viel zu schön und er schon viel zu genervt von dem ganzen Papierkram.
Seit Oboro ihm wieder die Kaiserwürde übertragen - oder besser: sie ihm aufgedrängt hatte - gehörte das leider zu seinem täglichen Arbeitspensum. Aber das war immer noch um Welten besser, als die furchtbare Leere des Siegels, in der er für seinen Geschmack viel zu viel Zeit verbracht hatte oder blutige Kriege mit den Nachbarländern. Doch niemand hatte es gewagt Tusukuru anzugreifen, seit es sich herumgesprochen hatte, dass er wieder da war. Alle erinnerten sich nur zu gut daran, wie erfolgreich sie mit den Avu-Kamuu aus Kunnekamun fertig geworden waren und das schreckte sie ab. Niemand wollte sich mit einem Land anlegen, das in der Lage gewesen war die 10 m großen Kampfmaschinen zu besiegen, gegen die weder Schwerter noch Pfeile oder andere konventionelle Methoden viel ausrichten konnten.
Hakuoro kam das sehr gelegen, er war froh, wenn er sein taktisches Talent oder die Kampfkraft seiner Freunde nicht auf einem Schlachtfeld benutzen musste, sondern wenn alles ruhig und friedlich war. Dann musste er sich zwar um den vermaledeiten Schreibkram kümmern, aber er brauchte sich keine Sorgen zu machen, dass seinen Freunden etwas geschah, sie verletzt oder getötet werden konnten. Und dafür kämpfte er sich auch ohne zu murren durch ganze Stapel von Schriftrollen.
Aber jetzt, wo er damit erst einmal fertig war, nutzte er sofort die Gelegenheit und machte sich aus dem Staub. Er eilte durch die Gänge des Schlosses und suchte Eruruu. Sie hatte ihm noch vor kurzem einen ihrer Tees vorbeigebracht und einen aufmunternden Blick zugeworfen, der ihn gleich noch einmal zu Höchstleistungen angespornt hatten, doch jetzt, wo er sie suchte, fand er sie nicht. Sie war nicht in ihrem Zimmer und auch nicht in der Vorratskammer, weshalb er sich die anderen Zimmer des Palastes vornahm. Bei Urotori hatte er Glück: die Priesterin und die Heilerin standen auf dem Balkon, tranken Tee und beobachteten etwas im Garten unter ihnen. Hakuoro klopfte leise an die Tür.
„Darf ich reinkommen?“
„Natürlich!“, rief Urotori als sie ihn erkannt hatte und winkte ihn herein. „Warum fragst du eigentlich ständig? Du weißt doch, dass du willkommen bist!“
„Willst du einen Tee?“, fragte Eruruu und warf ihm ihr strahlendes Lächeln zu.
„Ja, vielen Dank.“
Hakuoro trat an ihre Seite und nahm ihr dankbar die dampfende Teeschale ab. Er war wie immer vorzüglich.
„Schon fertig für heute?“, fragte Urotori beiläufig und beobachtete ihre kleine Schwester Kamyu, Kuya, die frühere Kaiserin von Kunnekamun, Aruru, Eruruus Schwester und deren riesigen weißen Tiger Mukkuru beim Spielen im Garten.
„Ja, zum Glück!“, sagte Hakuoro und klang dabei so erleichtert, dass Eruruu ihm unwillkürlich einen prüfenden Blick zu warf. „Es waren nur noch 20 Schriftrollen...“, fügte er mit einem beruhigenden Lächeln in ihre Richtung hinzu. Alle wussten, dass Benawi peinlich genau darauf achtete, dass der Schriftkram erledigt wurde und das er auch kein Problem damit hatte, Hakuoro so lange auf die Nerven zu gehen, bis er das getan hatte. In der Hinsicht verfügte der Samurai über eine erstaunliche Hartnäckigkeit.
„Vielleicht sollte ich Benawi einfach bitten mir mal zu helfen...“, fügte Hakuoro hinzu, als wäre es ihm gerade erst eingefallen, obwohl er schon eine geraume Zeit mit dem Gedanken spielte. Schließlich hatte Benawi ihn schon einmal sehr gut vertreten (Oboro war in der Hinsicht des Schriftkram-bewältigens noch weitaus schlimmer, untalentierter und nachlässiger als Hakuoro) und es würde einfach schneller gehen, wenn die Arbeit von zwei Leuten gemacht wurde, statt nur von einer Person.
„Versuch es doch mal. Bin mal gespannt, ob er sich da rausreden kann...“, meinte Urotori mit einem Grinsen. Sie wusste, das auch Benawi nicht unbedingt ein Freund der Schriftrollen war - es war sein äußerst ausgeprägtes Pflichtbewusstsein seinem Land gegenüber, das ihn dazu brachte, sich darum zu kümmern und nicht seine Schreibbesessenheit. Aber wenn Hakuoro ihn darum bat ihm zu helfen, würde er es wohl oder übel tun, denn immerhin war er der Kaiser und hatte damit alles Recht der Welt ihm zu befehlen - auch wenn er das schon längst nicht mehr tat. Sie waren viel zu gute Freunde, als das sie noch groß an irgendwelchen Förmlichkeiten festhielten - zumindest nicht, wenn sie allein waren.
„Soll ich wirklich?“, fragte Hakuoro, der das genauestens wusste, unschuldig.
„Wenigstens geht’s dann doppelt so schnell.“, meinte Urotori immer noch mit einem breiten Lächeln. Sie würde sich Benawis Gesicht bei dieser Frage zu gerne ansehen.
Die Drei nippte an ihrem Tee und beobachtete glücklich und entspannt die Kinder, die unter ihnen spielten. Es war einfach ein sehr schöner Tag und jetzt, wo der Pflicht genüge getan war, konnten sie ihn endlich genießen. Die Sonne schien und tauchte alles in leuchtende Farben, ein leichter Wind verhinderte dass es zu warm wurde. Die Blätter der Bäume raschelten leise in der Brise und irgendwo zwitscherten Vögel. So konnte es ewig bleiben...
Doch dann seufzte Eruruu und stellte ihre Tasse wieder auf das Tablett.
„Tut mir Leid, aber ich habe noch zu tun, entschuldigt mich bitte. Da warten noch einige Tränke, die ich vorbereiten muss.“
„Kann ich dir helfen?“, fragte Hakuoro sofort, der jede Gelegenheit nutzte um in ihrer Nähe zu sein. Eruruu lächelte und sagte: „Vielleicht heute Abend, ja?“
„Natürlich.“
Damit drehte sich Eruruu um und ging. Urotori sah ihr mit einem Kopfschütteln hinterher. Immer wenn sie die Zwei zusammen sah, beschlich sie das dumme Gefühl irgendwie zu stören...
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