Begegnung mit Folgen

von Hope0908
GeschichteDrama / P16
Matreus Zanrelot
09.10.2009
09.10.2009
13
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09.10.2009 527
 
Matreus war auf einem Rundgang an der Oberfläche unterwegs. Er hatte den Auftrag, die Wächter auszuspionieren, da Zanrelot vermutete, sie könnten einen neuen Plan schmieden. Nachdem die Kinder zu Hause nicht aufzufinden waren, beschloss Matreus, seine Aufgabe ein wenig ruhen zu lassen. Er ging zum Krähenteich und setzte sich ans Wasser. Lange genoss er die warmen Sonnenstrahlen, den kühlenden Wind und die frische Luft. Matreus beobachtete die Menschen, die vorüberzogen. Viele Pärchen waren an diesem Tag unterwegs. Die Meisten gingen Händchen haltend durchs Gras, einige schmiegten sich eng aneinander und wieder andere küssten sich leidenschaftlich. „Bäh, wie widerlich“, murmelte er vor sich hin. Er hatte gelernt, Liebe und Freundschaft zu hassen, genauso wie alle sonstigen positiven Gefühle. Angewidert stand er auf, ging ein Stück den Teich entlang, bis er alleine war, und drehte sich schließlich zurück in die Unterwelt.

In der Zentrale wurde er bereits erwartet. Matreus wusste, dass er die Anweisungen seines Meisters missachtet hatte. Nicht einmal eine Notlüge hatte er vorbereitet. Unsicher stellte er sich an seinen Platz auf der Plattform und schwieg. Zanrelot sah ihn erwartungsvoll an. Ärgerlich über das Verhalten seines Dieners fauchte er Matreus an. „Hast du mir nicht etwas zu erzählen?“ Matreus schluckte. Natürlich hatte er nichts zu erzählen, jedenfalls nichts, was den Meister zufrieden stellen würde. Er senkte ein wenig den Blick. „Nein Meister, bitte verzeiht, die Wächter waren nicht zu Hause und...“ Weiter kam er nicht. Zanrelot packte ihn grob am Kragen und flüsterte bedrohlich leise. „Du wirst jetzt sofort wieder nach oben gehen und zusehen, dass du meinem Befehl nachkommst. Wage es nicht, mich noch einmal zu enttäuschen, oder du wirst dir wünschen, nie geboren worden zu sein.“ Matreus sah seinen Meister mit angstweiten Augen an. Der riesige Kloß in seinem Hals hinderte ihn am Sprechen, er konnte nur nicken. Matreus taumelte ein Stück zurück, als Zanrelot ihn unvermittelt losließ. „Geh!“, brüllte Zanrelot seinen Diener an. Matreus verließ daraufhin eiligst die Zentrale.

Erst einige Gänge weiter wagte er es, stehen zu bleiben und durchzuatmen. „Puh, das ging ja gerade nochmal gut. So etwas darf mir nicht noch einmal passieren.“ Nachdem er sich wieder gesammelt hatte, machte er sich auf zurück an die Oberfläche.

Matreus sah sich um. Die Wächter waren noch immer nicht nach Hause zurückgekehrt. Es war Nachmittag und die Sonne stach vom Himmel. „Wahrscheinlich sind die im Schwimmbad. Verdammt, das sehen die doch, wenn ich dort auftauche.“ Matreus stellte sich darauf ein, nicht so bald wieder zurück in die Unterwelt gehen zu können. Ohne einen Bericht würde er es nicht noch einmal wagen, dem Meister unter die Augen zu treten. Also beschloss er, den Tag einfach ein wenig zu genießen. Bei der vielen Arbeit, die er sonst hatte, war das durchaus auch einmal verdient, befand er. Also ging er zum Hafen, um die ein- und auslaufenden Schiffe zu beobachten. Schon als Kind war er häufig dort gewesen und noch immer faszinierten ihn die großen und kleinen Boote. Er hatte früher oft davon geträumt, selbst Seemann zu werden. Doch in der Unterwelt lernte er schnell, dass Träume keine Zukunft haben, dass sie verschwendete Zeit sind. Und so hörte er eines Tages einfach damit auf, zu träumen.