Bis in alle Ewigkeit

von Hope0908
GeschichteDrama / P12
Matreus Zanrelot
09.10.2009
09.10.2009
11
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09.10.2009 428
 
Matreus saß am Ufer der Trave und blickte hinaus aufs Wasser. Über vier Monate war es nun schon her, dass sein Meister ihn aus seinen Diensten entlassen hatte, doch noch immer dachte Matreus jeden Tag stundenlang darüber nach, wie es nur soweit kommen konnte. Nie hätte er gedacht, dass er tatsächlich einmal ganz allein sein würde. Sein Meister hatte ihn bisher immer für sein Versagen angebrüllt und hart bestraft, aber niemals hatte er ihn fallen lassen. Doch Matreus war zu weit gegangen. Einmal zu oft hatte er einen Fehler gemacht. Er war einfach nicht gut genug gewesen und so musste er gehen.

Nachdenklich holte Matreus seinen Zauberstab aus der Jackentasche. Er besah ihn von allen Seiten und schüttelte den Kopf. Warum hatte er den eigentlich mitgenommen? Dieser Zauberstab gehörte Zanrelot, er wurde Matreus nur zur Verfügung gestellt. Doch als er seine Sachen packte, hatte er einfach vergessen, ihn aus der Jackentasche zu nehmen. Matreus hatte ihn nicht mehr benutzt, seit er an der Oberfläche war. Die Magie in ihm war nicht sein Eigentum und er hatte sich geschworen, sie nicht mehr zu benutzen, es sei denn, Zanrelot persönlich würde es ihm gestatten. Doch daran glaubte er schon lange nicht mehr. Zu viele einsame Tage und lange, kalte Nächte waren bereits vergangen.

Matreus wusste mit seinem neuen, selbstbestimmten Leben nichts anzufangen. Er hatte nie etwas anderes gelernt, als zu tun, was ihm gesagt wurde. Schon als Kind hatte ihm das erst sein Vater und später Zanrelot auf besonders schmerzvolle, aber sehr effektive Weise beigebracht. Eigene Entscheidungen zu treffen oder gar eine eigene Meinung zu haben, war ihm nie gestattet worden. Wie sollte er sich also nun alleine zurechtfinden? So saß er die meiste Zeit am Ufer der Trave und dachte über vergangene Zeiten nach. Zeiten, in denen sein Leben zwar hart, aber nicht so leer und sinnlos war. Als er noch eine Aufgabe hatte. Zeiten, in denen er bei seinem Meister sein durfte, ihm diente und treu ergeben war. Und das war er immer noch. Seufzend steckte er den Zauberstab zurück in die Jackentasche. Er musste sich damit abfinden, dass diese Zeiten nun endgültig vorbei waren. Der Meister brauchte ihn nicht mehr, das hatte er ihm selbst gesagt.

Matreus stand auf. Tiefe, endlose Trauer lag in seinem Blick. Er wusste nicht, wohin er nun gehen, was er tun sollte. Doch seine Beine trugen ihn vorwärts. Matreus ergab sich dem Drang seines Körpers, sich zu bewegen. Er achtete nicht auf den Weg. Gedankenverloren blickte er auf seine Füße, die ihn immer weiter trugen, bis sie plötzlich unvermittelt stehen blieben.