Bis in alle Ewigkeit

von Hope0908
GeschichteDrama / P12
Matreus Zanrelot
09.10.2009
09.10.2009
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Diese Geschichte entstand aus deinem alternativen Rollenspiel-Posting, in dem Matreus von seinem Meister fortgeschickt wird. Dieses Posting stellt so etwas wie den "Prolog" dar und ist absichtlich in der Gegenwart gehalten.

Prolog:

Matreus steht mit tief gesenktem Kopf vor Zanrelot, als dieser ihm bestätigt, er bräuchte ihn nicht mehr als Diener, er solle seine Sachen holen und die Unterwelt verlassen. Matreus fühlt und denkt in diesem Moment gar nichts mehr. Er ist leer, erschöpft und ausgelaugt. Nur ein leichtes, kaum erkennbares Nicken bringt er zustande, ehe er sich umdreht und ganz langsam auf direktem Weg zu seiner Kammer geht. Matreus Weg führt ihn durch viele Gänge, an vielen Räumen vorbei, doch kein einziges Mal hebt er den Kopf. Er blickt starr auf den Boden vor seinen Füßen, während sein Körper den Weg von ganz alleine findet.

Erst in seiner Kammer hebt er den Blick. Er sieht sich um, blickt auf den kleinen Tisch, den einfachen Holzstuhl und das lange Bücherregal an der Wand. Er soll seine Sachen packen, aber nichts von alledem gehört ihm. Matreus schüttelt tieftraurig den Kopf. Wirklich nichts, nicht einmal ein Staubkorn, könnte er mitnehmen. Denn ihm gehört tatsächlich nichts. Als er damals hier ankam, kam er ohne Tasche, nicht einmal eigene Kleidung, außer die an seinem Leib, brachte er mit in die Unterwelt. Alles, was hier in diesem Raum zu finden ist, hat ihm Zanrelot mit der Zeit zur Verfügung gestellt. Zanrelot, der Einzige, der ihm jemals das Gefühl gab, gebraucht zu werden. Sein Meister, den er nun tatsächlich derart verletzt und erzürnt hat, dass er ihn fortschickt, ihn verstößt, ihn aus seinen Diensten entlässt. Matreus hat alles verloren. Nichts hat er mehr, nicht einmal mehr Tränen. Eine große Leere füllt ihn stattdessen aus. Eine Leere, die er noch nie zuvor gespürt hatte. Sein Leben hat seinen Sinn verloren. Matreus wird den Rest der Ewigkeit allein verbringen müssen, mit einem leeren Herzen und einer verlassenen, gebrochenen Seele.

Matreus‘ Blick fällt auf das Bett, in dem er als Kind geschlafen hat. Wie ferngesteuert geht er darauf zu, hebt das Kissen an und holt etwas darunter hervor. Matreus besieht den Gegenstand lange und intensiv. Es ist ein kleines, rotes Kissen, handgenäht. Ein großes, gelbes, gesticktes M ziert die Oberseite. Und in der rechten unteren Ecke finden sich zwei sehr kleine, aber für Matreus unübersehbare Buchstaben: SL. Sarah Levy. Matreus schließt das kleine, nur handgroße Kissen, in seine Faust ein, während er einen Moment die Augen schließt, um die Erinnerung an sie zu ertragen. Er war damals doch nicht mir leeren Händen in die Unterwelt gezogen. Matreus hatte dieses Kissen dabei. Er bekam es von Sarah geschenkt, zu seinem ersten und einzigen glücklichen Weihnachtsfest, das er bei seiner Tante verbringen durfte. Matreus atmet leise seufzend aus, dann steckt er das Kissen in seine Hosentasche.

Nun hat er alles beisammen, was ihm gehört. Seine Kleidung und Sarahs Geschenk, mehr besitzt er nicht. Matreus verschwendet keinen Gedanken mehr an seine Vergangenheit in der Unterwelt. Es würde ihn zu sehr schmerzen, noch einmal über seinen Meister und Onkel nachzudenken, der ihn verstoßen hat. Als er seine Kammer verlässt und die Tür hinter sich schließt, verschließt er sich auch vor der Erinnerung. Matreus‘ Herz wird nie wieder lieben können. Für den Bruchteil einer Sekunde blickt er den Gang entlang. Dann dreht er sich um und verschwindet in der Dunkelheit.