Save my Life

SongficAllgemein / P6
Aruru Eruruu
07.10.2009
07.10.2009
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A/N: Diese Geschichte spielt nach dem Ende des Anime.
Copyright: Utawarerumono gehört mir nicht, sondern Aquaplus(?), Save my Life gehört Xandria.

***


Eruruu drehte sich mit einem Seufzen auf den Rücken und starrte aus dem kleinen Dachfenster, das über ihrem Bett lag. Es war finsterste Nacht und der Wind heulte um das Haus, doch sie konnte nicht schlafen, wie so oft in den letzten Wochen. Dunkle Wolken wurden über den Himmel gepeitscht und ließen nur ab und zu einen Stern sein Licht hindurch werfen. Es schien als wolle die Natur ihre Gefühle ausdrücken, denn nicht nur draußen war es düster und kalt, auch in ihrem Inneren sah es nicht viel besser aus.
Obwohl sie Aruru und ihre Freunde hatte, die sich nach Kräften bemühten ihr das Gefühl zu geben gebraucht zu werden, fühlte sie sich leer. Der Sinn ihres Lebens war verschwunden und sie fühlte sich, als hätte er auch gleich noch ihren eigenen Lebenswillen mit genommen. Sicher, sie wurde weiterhin in Tusukuru gebraucht, aber nicht einmal die dankbaren Blicke ihrer Patienten und die Bemühungen ihrer Freunde konnten sie davon ablenken, dass sie sich schrecklich einsam fühlte. Sie hatte verloren, was ihr Leben lebenswert gemacht hatte, das Licht, das immer für sie gestrahlt hatte, war nicht mehr bei ihr. Und sein Verlust hatte ein riesiges schwarzes Loch in ihrem Inneren hinterlassen, das sich nicht mehr schließen wollte.
Mit einem Seufzen stand sie auf und ging leise nach unten. Sie zog sich geistesabwesend einen Kimono über, trat auf die Straße und verließ das Dorf. Sie wollte nicht weit gehen, aber die düstere Stimmung um sie herum, war ihrer eigenen so ähnlich...

Der Sturm, der schon die ganze Woche gedroht hatte zu kommen, begann langsam einzusetzen und ließ Eruruus Kimono wie Banner wehen. Sie spürte die Kälte des Windes nicht einmal. Die Bäume flüsterten um sie herum, als sie einen Pfad entlangging, der auf einem Felsen enden würde, auf dem sie einen großartigen Überblick über das Land und auch ihr Dorf hatte.
Doch als sie auf der windgepeitschten Klippe stand, konnte nicht einmal der atemberaubende Anblick ihre Stimmung heben. Ihr Herz fühlte sich an, als müsste es jeden Moment zerspringen, doch sie konnte immer noch nicht weinen. Sie hatte nicht mehr geweint, seit er sie verlassen hatte, hatte versucht sich damit zu trösten, dass er versprochen hatte, zurück zu ihr zu kommen. Doch je länger sie wartete ohne dass das geschah, desto verzweifelter wurde sie. Sie vermisste ihn so schrecklich, sein Lachen, seine warme Stimme, das Glitzern in seinen schiefergrauen Augen, wenn er sich freute...
Ihre Großmutter hatte ihr immer gesagt, sie dürfe den Schmerz nicht in sich hineinfressen... Doch das war einfacher gesagt als getan.

Die ersten Tropfen trafen sie, als der Regen einsetzte. Er lief in Strömen über ihr Gesicht, doch sie bemerkte es nicht einmal. Die Nacht um sie herum war nicht still, doch es waren nicht die Stimmen von lebenden Wesen, die sie hörte, sondern nur das Wüten der Naturgewalten. Das Heulen des Sturmes, das Knirschen und Ächzen der Bäume im Wind, das Tosen des Regens... wie Tränen...

Ihre Großmutter hatte ihr auch manchmal Lieder vorgesungen. Die meisten davon waren fröhliche Lieder, Lieder, die man auf Festen sang, wenn die Kinder spielten, oder um kranke Patienten aufzumuntern und zum Lachen zu bringen. Die ein oder andere Ballade, die von den Heldentaten der Vorväter erzählte war auch dabei gewesen. Doch das Lied, an dass sie sich jetzt erinnerte, hatte auch Tusukuru nur einmal gesungen. Und das auch nur, als sie gedacht hatte, sie wäre allein und niemand würde sie hören. In der Nacht nach dem Tod ihres Sohnes, von Eruruus und Arurus Vater, hatte sie mit Tränen in den Augen leise gesungen und sich so in den Schlaf gewiegt. Sie hatte nie erfahren, dass Eruruu es gehört hatte. Sie hatte in dieser Nacht ebenfalls nicht schlafen können und als sie hinunter zu ihr gehen wollte um sich ein wenig Trost zu holen, hatte sie sie versehentlich belauscht. Die Erkenntnis, dass auch ihre sonst so stark erscheinende Großmutter nachts bittere Tränen weinte, hatte sie so sehr geschockt, dass sie schnell wieder zurück in ihr Bett gegangen war.
Nun, was für Tusukuru recht und billig war, würde ihr hoffentlich auch helfen.
Mit wehendem Kimono und völlig allein auf der Spitze des Felsens stehend, begann sie leise zu singen, soweit sie sich an die Melodie und den Text erinnerte.

„My soul feels empty,
I'm drowning in my tears.
It's pain I'm learning.
My heart is aching,
Got poison in my veins,
In hell I'm burning....“


Weiter kam sie erst einmal nicht, denn ihre Stimme erstickte in Tränen. Ohne, dass es ihr bewusst geworden wäre, hatte sie begonnen zu weinen und jetzt schluchzte sie so heftig, dass sie kaum noch Luft bekam, ganz zu schweigen davon, dass sie noch hätte singen können. Tusukuru hatte Recht gehabt, es tat so gut, zu trauern. Nach einer Ewigkeit, in der sie vom stintflutartigen Regen schon total durchnässt worden war, hatte sie sich so weit wieder beruhigt, dass sie sich ein wenig aufraffen konnte. Es war ja nicht so, als wäre Hakuoro gestorben, er konnte jeden Moment zurückkommen. Nur wann würde das sein? Sie wartete doch schon so lange! Und was, wenn er sich nicht mehr an sie erinnern konnte, wenn er zurück kam? Sie war sich nicht sicher, ob sie das überstehen würde.

„It's all or nothing
I'm asking you to give!“


Und dabei hatte er sie doch gebeten, immer bei ihm zu bleiben. Jetzt war es an ihr, alles von ihm zu fordern. Er hatte sie zwar von dem Bund entbunden, doch eigentlich hatte sie sich nie groß um den Bund gekümmert. Sie war bei ihm gewesen, nicht weil sie es musste, so wie Genjimaru bei Dii blieb, sondern weil sie es wollte. Und erst viel zu spät war ihr klar geworden, wie sehr sie an ihm hing. Wie gerne sie bei ihm bleiben wollte weil er längst ihr Lebensinhalt geworden war, egal wer er war und welcher formelle Bund auch immer zwischen ihnen bestanden haben mochte.

„Let live or die.
Everything is better
Than this silent lie.
Say that it's no lie!“


Sie rief es dem Brüllen des Sturmes entgegen, ein Kampfruf, von dem sie doch nicht sicher war, ob er jemals bei dem ankam, für den er gedacht war. Lass mich nicht allein hier zurück! Du hast gesagt, dass du zurückkehrst! War das etwa gelogen?!  Say that it's no lie!

„Save my life
Save my life
Let these tears be our secret
You and I
Once we were so close
Save my life!“


Doch es kam keine Antwort. Der Regen rauschte weiter völlig unberührt von ihren Tränen vom Himmel, der Wind wehte trotz ihrer Verzweiflung weiter ohne sich um sie zu kümmern. Sie wusste nicht, wie lange sie dort stand und weinte. Jetzt nicht mehr von krampfartigen Schluchzern geschüttelt, sondern einen steten Strom von Tränen weinend, der im Regen gar nicht auffiel.

Ein Blitz erhellte die Nacht, dem kurz darauf ein ohrenbetäubender Donner folgte. Eruruu sollte besser zurück ins Dorf gehen, es war sehr gefährlich, wenn sie auf der exponierten Felsspitze stehen blieb oder durch den Wald lief. Zu leicht konnte sie von einem Blitz oder einem umstürzenden Baum getroffen werden.
Sie brauchte eine Weile ehe sie sich dazu durchgerungen hatte, zu gehen und nicht einfach hier zu bleiben, aber sie war für Aruru verantwortlich und konnte sie nicht im Stich lassen. Mit einem Seufzen drehte sie sich um und wollte sich auf den Weg zurück machen, als etwas die Büsche zum Rascheln brachte. Und es war nicht der Sturm, der um sie herum wütete.
Eruruu erstarrte und versuchte in der Dunkelheit etwas auszumachen. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.
Konnte es sein...?
Hatte er ihre Gebete erhört?
Dann wurden die Äste und Blätter zur Seite gebogen und die darin verborgene Gestalt trat ins Licht der Blitze.
„Eruruu? Was machst du hier?", fragte Aruru leise und blinzelte in den Regen.
„Aruru!" Eruruu seufzte und eilte schnell zu ihrer Schwester hinüber um sie in die Arme zu schließen. „Warum bist du hier?"
„Ich bin aufgewacht und du warst weg. Ich habe mir Sorgen gemacht..."
„Entschuldige Aruru. Ich musste nur etwas allein sein.", murmelte Eruruu und versuchte ihrer Enttäuschung Herr zu werden. Es wäre auch etwas zu unverhofft gewesen, wenn Hakuoro plötzlich hinter ihr gestanden hätte, auch wenn das genau das war, was sie sich mit all ihrem Herzen gewünscht hatte.
„Geht es dir gut?"
Ihre kleine Schwester konnte manchmal ziemlich hartnäckig sein.
„Ja, mach dir keine Sorgen. Gehen wir zurück, wir sind schon völlig durchnässt." Die kleine Notlüge würde ihr Aruru hoffentlich verzeihen. Andererseits fühlte sie sich tatsächlich ein wenig besser. Dass sie hatte weinen können, hatte auch einen Teil ihrer schmerzenden Seele gereinigt wie ein Gewitter. Jetzt wäre sie vielleicht besser in der Lage, den Alltag zu meistern.
Mit einem Seufzen lehnte sie sich an ihre ebenfalls tropfnasse Schwester und ließ sich von ihr zurück ins Dorf und in ihr Haus begleiten. Vielleicht konnte sie jetzt besser schlafen, auch wenn sie erst wirklich glücklich werden würde, wenn Hakuoro wieder bei ihr war.
So lange würde sie warten müssen, egal wie sehr es schmerzte. Aber sie würde warten, egal wie lange es dauern würde, das war ihr klar geworden.
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