Ghost Hunt - Trennung

GeschichteMystery / P16
05.10.2009
11.10.2009
3
21207
 
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Hi, das war meine allererste FF überhaupt.

Sie ist zu dem Anime ‚Ghost Hunt’ und wohl eher etwas für Leute, die sich gerne gruseln. Ich weiß nicht, wie bekannt ‚Ghost Hunt’ hier zu Lande ist, aber ich wollte die Story hier auf FF.de unbedingt mal posten. Ich hoffe, sie gefällt. Die FF ist übrigens fertig und ich werde jede Woch ein Kapitel uploaden. Es sind nur drei, es gibt allerdings eine Fortsetzung mit zwei Kapiteln, da ich vorhatte, die beiden Hauptpersonen Stück für Stück miteinander zu verkuppeln.


-Run-

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Kapitel 1: Der Anfang vom Ende

„Jetzt reicht es! Was zu viel ist, ist zu viel!“,
Mai schlug empört mit der Faust auf den Tisch. Dieser eingebildete, egomanische und selbstverliebte Typ. Warum war sie denn so lange geblieben? Warum hatte sie es so weit kommen lassen?

Es war ihr ja schon total egal, dass ihr Boss Kazuya Shibuya – kurz Naru genannt – sie immer vor ihren Kollegen und Freunden aus der Shibuya Psychic Research Detektei und deren Auftraggebern demütigte, ärgerte und als absolut dumm darstellte.
Warum? Warum konnte er es nicht einfach dabei belassen? Musste er sie jetzt auch noch vor ihren Mitschülern demütigen? Oder was viel schlimmer war, auch vor ihrem Schwarm?

Eigentlich war sie sich sicher, dass sie ihren egomanische, eingebildeten und kaltherzigen Chef verliebt war. Da Mai sich allerdings nicht wirklich sicher war, ob ihre Gefühle jemals erwidert  werden würden, war Mai gegenüber anderen Annährungsversuchen abgeneigt.

Welcher normale Mensch mit ein wenig Stolz und einem halbwegs intakten Selbsterhaltungstrieb, würde sich so etwas noch länger bieten lassen.

Mai’s Entscheidung stand fest! Sie würde zwar ihre Freunde vermissen, aber länger hier bleiben konnte sie nicht. Es gab einfach eine Grenze bis wohin man einen Menschen demütigen konnte und diese Grenze hatte Naru heute Nachmittag eindeutig überschritten.



~ Flashback ~


Die Schule war gerade vorbei. Mai stand mit zwei ihrer Freundinnen am Schultor und unterhielt sich noch etwas mit ihnen. Eine Unterhaltung konnte sie das aber nicht wirklich nennen, denn die beiden Mädchen hatten die Schülerin abgefangen, um sie über ihren Boss auszufragen.

Die beiden Mitschülerinnen hatten ihn nämlich einige Male gesehen, als Lin und er Mai abgeholt hatten, da es gleich zu irgendeinem Auftrag gehen sollte. Bei solchen Gelegenheiten hatten die beiden Grazien auch einige Worte mit ihm gewechselt, aber nie etwas über Hobbies, Alter, Wohnort oder Marktlage – sprich Single, in einer Beziehung oder doch schwul? – in Erfahrung bringen können.

Da die Beiden aber mitbekommen hatten, auf wen der attraktive junge Mann gewartet hatte, wurde Mai jetzt gnadenlos verhört.

Von dem lauten Gespräch wohl angelockt, gesellte sich nun auch Ryou Takahashi zu der Dreiergruppe. Er war der Schwarm aller Mädchen an der Schule und hatte eine Schwäche für das Paranormale. Da auch er – genauso wie der Rest der Schule – wusste, dass Mai für einen professionellen Geisterjäger arbeitete, nutzte er die Chance um sie etwas auszufragen.

Während also die Brünette damit beschäftigt war, persönlichen Fragen über Naru auszuweichen und die fachspezifischen Fragen von Ryou so gut wie möglich zu beantworten, bemerkte sie nicht, dass vor der Schule ein Auto parkte. Sie war gerade dabei ihrem Schwarm zu erklären, wie die Infrarotkamera, die die Detektei benutzte im Groben funktionierte und wozu die Aufzeichnungen gut waren, als ihr auffiel, dass die beiden Mädchen, die bei ihr standen, verträumt auf etwas hinter ihr schauten. Keine Sekunde später hörte die junge Frau auch schon die emotionslose Stimme ihres Chefs.

„Mai, steig ein wir brauchen dich heute im Büro, es gibt eine Menge Papierkram zu erledigen.“

Noch bevor das Mädchen antworten konnte, meldete sich Ryou zu Wort und richtete seine Fragen an Naru.
„Du bist Kazuya Shibuya?  Ich habe schon einiges von dir gehört. Du bist doch der Geisterjäger, den der Direktor vor einem Jahr angestellt hatte um das Gebäude zu untersuchen, in dem es gespukt hatte? Mai arbeitet doch jetzt für dich, da wollte ich dich fragen, ob du vielleicht noch einen Assistenten brauchst? Ich arbeite auch um sonst!“, der Junge plapperte ohne Punkt und Komma einfach drauf los. Seine Begeisterung kannte kein Halten.

Eine von Narus Augenbrauen zog sich nach oben und sein blick ruhte auf den vorlauten Schuljungen vor sich. „Nein danke“, sagte er nach einer Weile kalt, „Mai zu beschäftigen ist schon ein großes Risiko für meine Detektei. Einen zweiten nichtsnutzigen Assistenten, der mehr Ärger macht, als er hilft, kann ich nicht gebrauchen.“

Mai, die diesen Wortwechsel mit angehört hatte, schnappte empört nach Luft. Als was stellte er sie hier dar? Ihre Mitschülerinnen warfen ihr spöttische Blicke zu, unter denen das brünette Mädchen rot wurde. Ein Gefühl der Scham machte sich in ihr breit, als sie an die Situationen dachte, in denen sie sich und/oder ihren Chef in Gefahr gebracht hatte.

Kurz fielen ihr einige Begebenheiten ein. Da war zum Beispiel der eine Fall gewesen, als sie fast von der Decke eines Krankenzimmers erschlagen worden wäre. Doch Naru hatte sie gerettet. Dann war davor noch diese eine Untersuchung in der Schule, bei der Mai in eine Falle gelockt worden war. Wieder hatte ER sie gerettet oder es zumindest versucht. Am Ende waren Beide in einem Abwasserkanal gestürzt und mussten dort bleiben, bis der Rest des Teams sie gefunden hatte.
Je länger Mai darüber nachdachte, desto mehr Erinnerungen, in denen sie sich irgendwie in Gefahr gebracht hatte und ihr narzisstischer Chef sie retten musste blitzten vor ihrem inneren Auge auf.

Ihre Wangen wurden langsam rot. Ohne auf die hämisch–amüsierten Blicke ihrer Mitschülerinnen zu achten, stampfte sie in Richtung Auto.

Gut sie war ziemlich oft, ziemlich tollpatschig, aber sie war nicht absolut nutzlos, oder? Es war ja nicht so, dass sie allen nur zu Last fiel, sie hatte auch schon ganz oft mitgeholfen die Geister zu exorzieren! So total unfähig, wie Naru sie hier gerade darstellte war sie doch gar nicht!

Wütend blieb sie vor dem Schwarzhaarigen stehen. „Meinst du das ernst, was du gerade gesagt hast? Hältst du mich wirklich für ein Risiko?“

„Natürlich meine ich ernst, was ich sage“, kam es ohne Zögern und ohne jegliche emotionale Regung von ihrem Gegenüber.

Mai konnte das Gekicher der beiden Mädchen hinter sich hören und den absolut ungläubigen Blick von Ryou auf sich fühlen.

Sie ballte die Hände zu Fäusten und stieg in das Auto ein. Als sie sich angeschnallt hatte bemerkte sie den entschuldigenden Blick von Lin. Es schien der Brünetten so, als wollte er sich ohne Worte, für Narus Verhalten ihr gegenüber entschuldigen. Obwohl das junge Mädchen innerlich vor Wut kochte, schenkte sie dem Mann am Lenkrad ein Lächeln, so als würde sie diese Entschuldigung annehmen.

Als dann auch Naru in den Wagen gestiegen war, fuhren sie los. Mai warf noch einen Blick zurück und sah den Mädchenschwarm, der einen Gesichtsausdruck an den Tag legte, als ob er alles was sie ihm bis dahin erzählt hatte, anzweifeln würde.

Die Wut wallte wieder in ihr auf, doch diesmal mischte sich auch ein Gefühl der Trauer und Enttäuschung.

Warum war es für Naru so wichtig sie so zu demütigen?

~ Flashback Ende ~


Jetzt saß sie hier und kochte immer noch vor Wut, denn die Blamage vor ihren Mitschülerinnen und ihrem Schwarm, war nicht die einzige Gemeinheit, die Naru ihr heute antat. Als sie vor zirka zwei Stunden im Büro der SPR ankamen, teilte ihr Boss ihr gleichgültig mit, dass der Rest des Teams bereits nach Okinawa aufgebrochen sei. Er und Lin würden sich nun auch auf den Weg machen. Genau so kalt, wie er vorher erklärt hatte, dass sie ein Risiko darstellt und im Grunde genommen nutzlos sei, teilte der Schwarzhaarige ihr mit, dass ihre Hilfe nicht gebraucht wurde. Sie sollte doch heute die Akten der letzten Geisterjagden ordnen und Kopien der Kostenaufstellungen machen, wenn sie das erledigt hatte konnte sie sich die restliche Woche frei nehmen.

Mai wusste, wenn die Wut sich gelegt hatte, dann würden andere Gefühle sie beherrschen. Trauer, Einsamkeit und Enttäuschung würden sie übermannen. Dabei hatte sie doch so gekämpft, damit sie diese Gefühle nie mehr spüren musste. Seitdem auch ihre Mutter gestorben war hatte Mai ihre Gefühle immer vor den anderen versteckt. Das Mädchen hatte die Maske der immer fröhlichen und lächelnden Mai aufgesetzt. Obwohl sie soziale Kontakte gepflegt hatte und einige ihrer Klassenkameraden auch als Freunde bezeichnete, so hatte Mai nie einen Menschen so nah an sich herangelassen, dass er sie auf irgendwelche Art und Weise verletzen konnte. Einen Teil von sich hatte sie immer versteckt, nie preisgegeben.

Nun war das junge Mädchen dabei gewesen sich anderen Menschen wirklich zu öffnen und wurde so vor den Kopf gestoßen.

Nein! Das konnte und wollte sie sich nicht antun. Mai hasste dieses Gefühl. Sie war nicht bereit diesen Schmerz wieder zu ertragen, so tat sie das einzige was in ihren Augen richtig war: Mai schrieb an diesen Abend – nachdem sie mit der Arbeit fertig war – ihre Kündigung.

Die Schülerin formulierte dieses Schreiben in zwei verschiedenen Versionen. Die erste war die offizielle Kündigung. Diese legte sie auf ihren Schreibtisch in das Postfach, da würde Naru es schon finden. Mai hätte es ja direkt auf seinem Schreibtisch platziert, aber sein Büro war zugeschlossen.

Der zweite Brief war schwer zu formulieren gewesen. Diesen Brief richtete sie an ihre Freunde. Darin bedankte sich die Schülerin für die schöne gemeinsame Zeit und verabschiedete sich von ihnen. Mai versicherte Ayako, Bou – san, John, Lin und selbst Masako darin, dass sie sich freuen würde, wenn sie weiter in Kontakt bleiben würden.

Ayako und Bou – san hatten sowohl ihre Adresse und ihre Handynummer. Mai’s  letzter Satz war: „Ich hoffe wir werden uns irgendwann einmal wieder sehen!“

Die Brünette legte den Brief in Lins Büro, denn sie wusste, dass er ihre Nachricht weitergeben würde. Mai warf noch einen letzten Blick auf den Ort, von dem sie sich jetzt verabschiedete, machte das Licht aus, schloss die Tür ab und gab die Schlüssel beim Hausverwalter ab.


Eine Woche war vergangen. Naru war eine Stunde vor der Öffnungszeit der Detektei im Büro. Lin musste noch in die Stadt um Sachen zu erledigen. Es mussten mal wieder Sachschäden am teuren Equipment bei der Versicherung gemeldet werden. Drei Infrarotkameras und ein Tonaufnahmegeräte waren bei einem Hausbrand absolut zerstört worden.

Leise seufzte der Schwarzhaarige. Mai würde erst in einer Stunde zur Arbeit antreten. Für ihn hieß das, so lange musste er noch darauf warten einen Tee zu bekommen.

Naru konnte zwar auch selbst Wasser aufsetzen und einen Tee kochen, aber irgendetwas machte Mai mit dem Tee, dass ihrer immer besser schmeckte als seiner und sogar besser als der von Lin.

Zwei Stunden später hörte der Schwarzhaarige, wie sich die Bürotür öffnete und wieder schloss. An den Schritten konnte er allerdings erkennen, dass es sich bei dem Neuankömmling um Lin handelte und nicht um Mai, wie er gehofft hatte. Naru war es zwar schon gewohnt, dass die Brünette öfters mal zu spät kam, aber noch nie war sie so spät zur Arbeit erschienen. Langsam begann er sich Sorgen zu machen.

Wenige Minuten, nachdem sein Assistent die Büroräume betreten hatte, klopfte er an der Tür des Leiters der Detektei. Lin trat ein und räusperte sich. In der Hand hielt er einen Zettel. Ohne ein Wort ging er auf seinen Chef zu und hielt ihm diesen unter die Nase. Als Naru Mai’s Handschrift erkannte griff er nach dem Blatt Papier und las ihn sich durch.

<< Der Brief>>


An Lin und den Rest,

Sorry, dass ich nicht jedem von euch so einen Brief schreibe. Ich weiß einige von euch werden mich sicher für feige halten, dass ich einfach so gegangen bin, ohne mich zu verabschieden.

Doch ich möchte für keinen von euch eine mögliche Gefahr oder ein Risiko darstellen, außerdem ist mir kürzlich erst klar geworden, wie nutzlos ich doch für die Geisterjagd bin.

Bou – san und Ayako haben meine Handynummer, wenn ihr mich noch mal sehen wollt, dann meldet euch einfach bei mir.

Lin, sollte dieser eingebildete Egomane, noch nicht dazu gekommen sein ins Postfach zu schauen, dann sag ihm doch bitte, dass er dort mein Kündigungsschreiben finden wird.

Ich hoffe wir werden uns irgendwann einmal wieder sehen!


Eure Freundin Mai

<< Ende >>


Naru schaute verwundert auf. Noch während er aufstand und in das Empfangszimmer zu Mai’s Schreibtisch ging, hörte er Lin sagen: „Ich glaube mit deinen letzten Bemerkungen hast du es wirklich übertrieben…“

„Na toll!“, war sein einziger Gedanke. Das wusste er auch so und hatte schon die ganze Woche ein schlechtes Gewissen.

Der junge Geschäftsführer sah auf den kleinen Briefumschlag im Posteingangskorb und musste schlucken. „Na toll!“, wiederholte sich in seinem Kopf der Gedanke, „Und ausgerechnet jetzt könnte ich eine Tasse Tee gut vertragen!“


„Nein, das hat sie nicht…!“, hallte der laute Ruf von Houshou Takigawa im Backstage – Bereich der leeren Konzerthalle wieder. „Was ist denn los Bou – san?“, verlangte einer seiner Band – Kollegen zu wissen, der durch den lauten Ausruf bei der Einstimmung seiner Gitarre gestört worden war. „Ja, was sollte das?“, fragte nun auch der Rest der Band nach.

Der Blonde winkte nur kurz ab und sprach weiter in sein Handy. „Nein, das werde ich nicht. Nein, ich werde auch nicht Ayako fragen, ob sie euch die Nummer gibt.“ Kurzes Schweigen seinerseits. Dafür konnten Bou – sans Bandkollegen, den Mann am anderen Ende der Leitung auf den Sänger einreden, hören. „Hör mal, Lin das geht jetzt echt nicht gegen dich, denn ich weiß ja auch ohne dass du mir irgendetwas darüber erzählst, WAS genau passiert ist, wer dafür verantwortlich ist, dass Mai abgezogen ist. Was hat er denn diesmal  gemacht? ...Ach vergiss es, ich glaube, das will ich gar nicht wissen… Ihr müsst einfach akzeptieren, dass Mai jetzt ein bisschen Zeit für sich braucht. Sie ist jung, vielleicht beruhigt sie sich ja in einpaar Tagen…“ Der Blonde wurde von der anderen Seite der Leitung unterbrochen. Der Rest der Band konnte selbst aus der Entfernung die Kälte in der Stimme des Gesprächspartners wahrnehmen.
„Deine Schuld…Wie wär’s, wenn du dich bei ihr entsch…Na, weil es deine Schuld IST!“

Jetzt war der Blonde wirklich schlecht gelaunt. Egal wer derjenige war, der mit ihm telefonierte, er hatte es geschafft den sonst so gut gelaunten und nie aus der Ruhe zu bringenden Mönch aus der Fassung zu bringen. Dies verwunderte auch den Rest der Band.

„Nein, das war mein letztes Wort!“ mit diesem, fast geschrieenen Satz klappte Bou – san das Handy zu und atmete tief aus. „Tse, und so was ist ein parapsychologisches Genie…“ Er schüttelte ungläubig den Kopf.
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