Shinai

von ButterFay
GeschichteDrama / P12 Slash
Hokuto Sumeragi Seishiro Sakurazuka Subaru Sumeragi
04.10.2009
04.10.2009
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04.10.2009 1.821
 
Kapitel 1: Vertrauen
                           

Bis über beide Ohren strahlend hüpfte ein dunkelhaariges Mädchen aus einem
der überfüllten Wagen der Yurikamome-sen, kaum, dass die Türen sich mit einem
leisen Zischen öffneten, und die Absperrung lautlos zur Seite glitt. Die
Puffärmel ihres sonnenblumenfarbenen Kleids bildeten eine perfekte Kombination
zu dem aufgebauschten Rock, der bei jedem Schritt auf und ab wippte. Die gelbe
Farbe leuchtete mit der Sonne um die Wette, und die, sowohl um ihren Hals
gebundenen, als auch in ihrem kurzen, schwarzen Haar und an den Ballerinas
befestigten orangefarbenen Kunstblumen unterstrichen das exzentrische Outfit
noch zusätzlich.

Verständlich, dass die hübsche junge Frau sämtliche Blicke auf sich zog, als
sie einige Schritte nach vor hopste, ihre Gesicht dann mit geschlossenen Augen
genussvoll dem Himmel entgegenreckte, bevor sie sich ruckartig umwandte und mit
beiden Armen winkte.
“Sei-chan, Subaru, beeilt euch!” Ungeduldig trat Hokuto von einem Bein auf
das andere, während ihre beiden Begleiter ebenfalls ins Freie traten. Subarus
Outfit zeigte deutlich, dass seine Schwester dabei ihre Finger ihm Spiel gehabt
hatte, hatte Hokuto ihre Kreativität daran doch ebenfalls mehr als intensiv
ausgelebt und ein perfekte Gegenstück zu ihrem Kleid gezaubert.

Der Onmyôji zupfte verlegen an der intensiv gelben Jacke herum, unter der er
ein nicht weniger auffälliges orangefarbenes Hemd trug. Eine enge weiße Hose
vervollständigte das Outfit, wobei Hokuto sogar darauf geachtet hatte, dass
seine Handschuhe zu der farbenfreudigen Kombination passten. Nicht wirklich
glücklich über sein auffallendes Styling senkte Subaru seinen Blick auf das
orange Kunstleder und unterdrückte ein leises Seufzen.

Er spürte wie sich seine Wangen leicht röteten, als er seinen Kopf hob und
Seishirôs amüsiertes Lächeln bemerkte. Die Kleidung des Tierarztes, ein
beigefarbener Anzug, wobei der Blazer leger über die Schultern hing, und ein
dunkelgrünes Hemd, wirkten neben den auffälligen Outfits der Zwillinge relativ
farblos. Hokuto hatte zwar schon mehrere Male versucht dem Älteren ebenfalls
einige ihrer Kreationen anzudrehen, doch bisher hatte sie sich was
Umstylungsversuchungen betraf, ihre Zähne an dem attraktiven Tierarzt
ausgebissen.

“Hokuto-chan hat ganze Arbeit geleistet. ” Anerkennend musterte Seishirô
ihn, und Subaru spürte wie seine Wangen sich noch dunkler färbten.
“Nicht wahr?” Ihre Hände in die Hüften gestemmt strahlte Hokuto stolz
über das Lob. “Da musst du wirklich aufpassen, dass ihn dir niemand
wegschnappt, Sei-chan!”
“Hokuto-chan!”, protestierte Subaru, dessen Gesichtsfarbe mittlerweile einer
überreifen Tomate glich, während Seishirô nur weiterhin lächelte.
“Also los, ab and den Strand!”

Es war eine ganz kurzfristige Entscheidung gewesen, den sonnigen Frühlingstag
zu nutzen und nach Odaiba zu fahren. Schon von hier aus konnte man die salzige
Meeresluft riechen, und Subaru musste gestehen, dass er froh darüber war, dass
er sich von seiner Schwester breit schlagen lassen hatte. Nicht, dass er
überhaupt auch nur den Hauch einer Chance gehabt hatte, Hokutos Plänen zu
entkommen.

Natürlich bedeutete der Abstecher ans Meer, dass er für seine Kunden den
ganzen Tag über nicht erreichbar war, aber ein einziger Tag Auszeit war
hoffentlich in Ordnung. Außerdem hatte er für absolute Notfälle seinen Pager
eingesteckt. Allerdings würde es einige Zeit dauern in die Innenstadt Tôkyôs
zurückzugelangen...

“Mou~ Subaru! Heute wird nicht über die Arbeit nachgedacht!” Der
schwarzhaarige Junge blinzelte überrascht als er von seiner Schwester aus den
Gedanken gerissen wurde, bevor sich ein verlegenes Lächeln auf das blasse
Gesicht stahl. Hokuto kannte ihn wirklich zu gut.
Da er sich im Klaren drüber war, dass jegliche Widerworte sowieso vergeblich
waren, nickte Subaru nur folgsam, und setzte sich in Bewegung.

Scheinbar hatte an diesem ersten warmen Frühlingstag mehrere Personen dieselbe
Idee wie ihre kleine Truppe gehabt, sodass reges Treiben an der Promenade
herrschte.
Beim Anblick, des im Sonnenlicht glänzenden Meeres schloss Subaru kurz
geblendet die Augen, allerdings blieb ihm kaum Zeit das eindrucksvolle Bild zu
verinnerlichen, da seine Schwester ihn kurzerhand am Arm packte und
weiterzerrte.
Erst als sie einen freien Platz direkt am Strand erreichten, hielt Hokuto an,
ließ sich zufrieden auf der Holzbank nieder und entledigte sich ihres
Schuhwerks, bevor sie auch schon barfuss durch den weichen Sand auf die
glänzende Wasseroberfläche zuhüpfte.

Es war schon verwunderlich wie unterschiedlich sie waren, obwohl es äußerlich
mehr als deutlich erkennbar war, dass sie Zwillinge waren. Leicht lächelnd
ließ Subaru sich auf der Bank nieder, während er seine durch das seichte
Wasser watende Schwester beobachtete, ein Ausdruck von Sehnsucht in den
tiefgrünen Ovalen.
Aus den Augenwinkeln registrierte er, dass Seishirô sich neben ihm auf der
Holzbank niederließ und automatisch rutschte er etwas zur Seite um dem Älteren
genug Platz zu bieten.

“Ist dir meine Nähe unangenehm, Subaru-kun?”
Der Onmyôji zuckte überrascht zusammen als er die dunkle Stimme des Tierarztes
direkt an seinem Ohr vernahm. “Ich wollte nur… es war so wenig Platz und ich
dachte…”, stammelte er mit knallroten Wangen, bevor er glücklicherweise von
seiner Schwester aus dieser peinlichen Situation erlöst wurde.

“Ich hole uns Eis!”
Barfuss hopste Hokuto durch den Sand auf sie zu, und Seishirô nutzte diesen
Moment der Ablenkung um völlig unschuldig seinen Arm auf die Lehne direkt
hinter Subaru zu legen.

Eigentlich hätte er sich mittlerweile längst an die triezenden Bemerkungen des
Älteren gewöhnen müssen, waren sie doch ein immer wiederkehrendes Ritual.
Doch Seishirô schaffte es immer wieder ihn völlig unvorbereitet zu erwischen.


“Kirsche für Subaru, und… lass mich raten… du willst bestimmt irgendetwas
ganz exquisites…“ Nachdenklich runzelte das schwarzhaarige Mädchen die
Stirn, bevor sich sein Gesichtsausdruck erhellte. “Cognac Eis vielleicht?”
Schmunzelnd schüttelte Seishirô den Kopf.
“Tut mir leid, Hokuto-chan, da muss ich dich leider enttäuschen. Ich
bevorzuge auch Kirscheis…”
Für einen kurzen Moment musterte Hokuto den lächelnden Tierarzt wortlos, dann
stahl sich auch wieder ein breites Grinsen auf ihre Lippen. „Ihr habt also
schon einmal denselben Geschmack was Eis betrifft. Das ist doch die perfekte
Voraussetzung für eine glückliche Ehe!“
“Hokuto-chan!”
Lachend entfernte sich die exzentrische Schwester des Sumeragioberhauptes und
ließ einen rot leuchtenden Onmyôji und einen unschuldig lächelnden Tierarzt
zurück.

Sehnsüchtig blickte Subaru hinaus auf die spiegelnde Meeresfläche. “Denkst
du das Wasser ist noch sehr kalt?”, brach er schließlich mit abwesender
Stimme die Stille ohne seinen Kopf von dem sich ihm bietenden idyllischen Bild
abzuwenden.
Erst als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm, er so registrierte,
dass Seishirô neben ihm aufstand, hob er verwirrt seinen Blick an und blinzelte
perplex als der Ältere ihm seine Hand entgegen streckte um ihm aufzuhelfen.
“Probieren wir es doch aus…”
Die Lippen des Onmyôjis verzogen sich zu einem Lächeln, das die smaragdgrünen
Augen allerdings nicht erreichte. Stattdessen lag ein Ausdruck von  Wehmut in
den Ovalen als er den Kopf schüttelte.
“Das geht nicht…”, erwiderte er mit leiser Stimme, den Blick nun wieder
der sich im leichten Wind kräuselnden Meeresoberfläche zugewandt.

“Kaum zu glauben, dass nirgendwo sonst so viele ruhelose Seelen gefangen sind
wie unter dieser spiegelnden Fläche…” Als Onmyôji konnte er Dinge spüren
und fühlen, die anderen Menschen verborgen blieben. Eine Gabe die zugleich
Segen und Fluch war. Segen, weil er damit in der Lage war anderen zu helfen.
Fluch da er aufgrund seiner Position als 13. Oberhaupt des Sumeragiclans eine
alles andere als normal zu bezeichnende Kindheit geführt hatte. Und weil
gewisse Dinge, die für andere Jugendliche als völlig selbstverständlich
wahrgenommen wurden, für ihn unmöglich waren.

Er hatte sich damit abgefunden. Mit seiner Sensibilität gegenüber
übernatürlichen Kräften konnte er das Meer zwar aus der Ferne bewundern, doch
darin schwimmen oder auch nur im seichten Wasser zu waten, war unmöglich, viel
zu gefährlich. Obwohl er Gerüchten zufolge einer der stärksten Yingyang
Meister aller Zeiten sein sollte, diesen Kräften würde selbst er nicht stand
halten können.

Umso überraschter blinzelte er als Seishirô dennoch nach seinem Handgelenk
griff, ihn hoch- und hinter sich herzog. Als er bemerkte, was Seishirô vor
hatte weiteten sich die grünen Augen panisch, und entsetzt versuchte er sich
loszureißen. “Nicht, Seishirô-san! Ich darf nicht…”
Da der Tierarzt seinen Griff in keiner Weise lockerte war der schmächtige Junge
gezwungen weiterhin hinter ihm herzustolpern. Verzweifelt versuchte Subaru ein
weiteres mal los zu kommen, und endlich hielt Seishirô inne und wandte sich mit
ernstem Gesicht ihm zu.

“Vertraust du mir, Subaru-kun?”
Die Frage überraschte den Onmyôji, wirkte sie doch völlig aus dem
Zusammenhang gerissen, sodass er erst nur perplex blinzelte und einige Sekunden
verstrichen bevor er zögernd nickte.
“Aber… das ändert nichts daran, dass ich nicht…”
Seishirôs Blick ließ ihn verstummen, und als der Ältere sich dieses mal in
Bewegung setzte, versuchte er nicht mehr sich zu befreien. Dass er Angst hatte,
sah man dem verkrampften Gesichtsausdruck des Onmyôji dennoch mehr als deutlich
an. Unbewusst schlossen sich seine Finger fester um die Hand des Tierarztes, der
seine daraufhin nur beruhigend drückte. “Du brauchst keine Angst haben…”

Keinen Meter von dem für ihn so gefährlichen Nass entfernt hielt der Tierzart
schließlich an. Subaru konnte nassen Sand unter seinen Füßen spüren, ein
offensichtliches Zeichen dafür, dass ihn das Wasser mit dem Brechen der
nächsten Welle erreichen würde.
Es kostete Subaru immense Überwindung nicht einfach zurückzuweichen, sondern
einfach nur stehenzubleiben, doch mit geschlossenen Augen und dem Wissen, dass
Seishirô neben ihm stand gelang es ihm.

Als er spürte wie das kalte Salzwasser seine Füße umspülte, zuckte er
zusammen, wappnete sich innerlich schon vor den Konsequenzen, die diese
wahnsinnige Aktion mit sich bringen würde, doch nichts geschah. Er konnte das
Blut in seinen Ohren rauschen hören, sämtlicher Lärm der anderen
Strandbesucher war in den Hintergrund getreten. Subaru spürte wie der Wind
über seine kurzen Haare strich, fühlte das kühle Nass an seinen Füßen.

Sekunden verstrichen in denen er nur völlig erstarrt mit geschlossenen Augen da
stand und nach wie vor auf die fatalen Auswirkungen wartete, bevor er
schließlich zögernd seine Lider öffnete.
Er stand hier direkt im Wasser. Wieso war nichts geschehen? Waren sämtliche
Warnungen seiner Großmutter völlig aus der Luft gegriffen gewesen, oder…
Wortlos hob er seinen Kopf, und blickte den hochgewachsenen jungen Mann neben
ihm an, der den verwirrten Ausdruck in seinen Augen mit einem sanften Lächeln
quittierte und seine Hand leicht drückte.

“Ich habe dir doch gesagt, dass ich auch ein paar einfache Fähigkeiten
besitze… Solange du meine Hand nicht loslässt, wird nichts passieren…“ Es
war offensichtlich, dass mehr als nur einfache Kräfte erforderlich waren um
sämtliche negative Wirkungen des Meerwassers auf ihn abzuhalten, doch Subaru
akzeptierte diese Erklärung ohne Nachzufragen. Es war egal, wie der Ältere es
möglich gemacht hatte, dass er nun wie ein ganz normaler Jugendlicher im Wasser
stehen konnte, es zählte einzig und alleine nur die Tatsache, dass der Tierarzt
ihm die Chance gegeben hatte für diesen winzigen Moment so zu sein wie alle
anderen.

Der Onmyôji spürte wie sich seine Wangen röteten, bevor er dann leicht
nickte. Das Lächeln, das nun Subarus Lippen umspielte, hatte Seishirô in
dieser Art und Weise noch nicht bei dem Jungen gesehen.
Keine Furcht, keine Distanz. Die letzte Mauer war gefallen. Und hätte er an der
Wirkung seiner Tat noch irgendeinen Zweifel gehegt, so zeigte ihm das leise
“Danke” seiner Beute nun umso deutlicher, dass er sein Ziel erreicht hatte.
Er hatte gewonnen.
Subaru vertraute ihm bedingungslos.

~tbc~
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