Im Mondlicht - Liebe ist manchmal nicht genug

von -Noriko-
GeschichteDrama / P12
02.10.2009
02.10.2009
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Anmerkungen:

---> L hat Kira 1 und 2 überführt und festgenommen im Sommer 2007.

Tja, das ist mein erster OneShot und sogar auch das erste Mal in der 1ten Perspektive. Aber ich habe mir wirklich alle Mühe gegeben.
Über Kommentare würde ich mich natürlich sehr Freuen! So dann viel Spaß beim Lesen, hoffentlich ;D

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Mein Herz blutete, denn die Schmerzen die ich fühlte waren unerträglich. Der Zweifel an mir selbst wurde von Tag zu Tag größer, er wuchs und schien kein Ende zu nehmen. Der Grund für all das? Es war ein Mann, ein einzelner Mann der für mich alles bedeutete, das Gute sowie Schlechte. Genau das ließ mich leiden. Er war einfach für alles in meinem Leben verantwortlich. Diese Erkenntnis trieb mich immer weiter in die unendlich scheinende Leere in meinem Leben und Herzen. Ich hatte gehofft er würde das Gute werden, die Zukunft, das Glück, eine neue Chance in meinem bisher lieblosen Leben. Das einzige aber was er mir beschert hatte, war weiteres Leid nunmehr schon seit mehr als einer Woche.
Hass und Liebe. Zwischen diesen Gefühlen war ich gefangen.
Ich kauerte auf dem kalten Boden, eine dünne weiße Decke hüllte mich ein. Es war mir egal, was mit mir passierte. Nichts in dieser Welt konnte mich trösten, denn ich wusste nichts mit mir anzufangen. Meine Lage schien aussichtslos. Langsam bahnten sich heiße Tränen über meine Wangen und tropfen auf den Holzboden, welcher übersät war mit Zeitungsartikeln. Oder einzelne Blätter worauf nur ein einziger Buchstabe stand. Der Mann der schuldig war für all das was ich im Moment empfand. Bei dieser Tatsache wimmerte ich wieder einmal auf, dabei zog sich mein Herz erneut bitterlich zusammen.

Ich hasste ihn unendlich!
Und ich liebte ihn über alles!
Diese Gedanken machten mich Wahnsinnig.
Sie machten mich krank vor Sehnsucht.

Ich zitterte am ganzen Leib, der dringend etwas zu Essen brauchte. Wie lange hatte ich nichts mehr gegessen? Ich wusste es nicht mehr und es war mir gleich. Ich fasste mir an den Kopf und vergrub meine Hände in meinen silbernen Haaren, an welchen ich leicht zog, denn der Zweifel nagte an mir. Was sollte ich tun? Ich war hilflos in dieser Welt, dazu noch vollkommen alleine. Vor nicht all zu langer Zeit, war diese Welt so wunderschön, dass es wirklich nur ein Traum sein konnte.

Denn er hatte mich geküsst...

Ich konnte es sehen, ich konnte es spüren, dass er mehr für mich Empfand. Seine Lippen waren warm, sanft und vorsichtig als ich sie auf die meinigen fühlte. Bei dieser flüchtigen Berührung begann mein Herz heftig zu Pochen, so stark, dass ich fürchtete, dass es mir aus der Brust springen würde. Seine Augenlider senkten sich leicht bei dieser sachten Berührung, dabei blickte er mich an, wie ich es vorher nie gesehen hatte. Ich konnte seine tiefe Zuneigung in seinen Augen wahrnehmen, die sonst so Ausdruckslos erschienen, aber in diesem kleinen einen Moment zeigten seine dunklen Augen was er fühlte, all das was er für mich empfand. Ich ließ mich in dem unendlich erscheinenden See davon treiben, immer tiefer in diese wunderbaren nicht fassbaren Gefühlen. Seine Fingerkuppen strichen meine Wange kurz, als sei seine Berührung nur ein Hauch gewesen. Sie hinterließen ein angenehmes Prickeln auf meiner Haut, dabei spürte ich seinen unregelmäßigen warmen Atem auf meinem Gesicht, der deutlich machte, dass es ihm auch so ergehen musste wie mir. Was mir eine angenehme Gänsehaut bescherte, denn der Gedanke, er fühlte ebenso wie ich, war der schönste Traum der hätte wahr werden können.

Wenn ich daran zurück dachte, bereitete es mir ein verträumtes Lächeln. Ich berührte meine Lippen. Sie waren rau, brüchig und eiskalt, dann aber musste ich daran denken was er mir alles angetan hatte. Es zerriss mich! Ich konnte nichts tun... denn mein tiefstes Inneres schien gebrochen zu sein.

Warum musstest du, gerade du, es sein den ich so sehr hasste?
Wieso liebte ich dich so sehr, dass ich daran zerbrach?

Ich weinte abermals bitterlich auf, was direkt in diesem leeren Raum widerhallte. Ich war ganz alleine in diesem Zimmer, ganz alleine in diesem Haus, völlig alleine in dieser gesamten Welt. Es war dunkel und die Sterne waren zu sehen durch das Fenster, wie auch der Mond der heute Voll war. Dieser schien in das Zimmer, indem man nicht laufen könnte ohne über eines der zahlreichen Zettel zu stolpern.
Nur ich warf Schatten in dem sonst völlig leeren Zimmer. Ich zog die Decke näher an mich heran, denn es war bitter kalt. Mein Gesicht musste furchtbar aussehen, es war verweint und meine Augen die so voller Leben waren, waren leer. Der Blick war unendlich leer.

Es hatte so schön begonnen,
er hatte mir erneut alles genommen.

Ich traf ihn auf der Universität, durch einen wirklich großen Zufall. Er war sonderbar, das konnte man auf den ersten Blick erkennen, denn er hob sich deutlich vom Rest der Studenten ab. Seine ganze Erscheinung war eher abschreckend als einladend, dennoch kam ich durch diesen Zufall mit ihm ins Gespräch. Dabei ließ ich mich nicht von seinem Äußerem und seinen seltsamen Eigenarten irritieren. Die Gespräche erwiesen sich als unglaublich interessant, was mich sofort in seinen Bann zog. Ich wurde neugierig.
Es begann alles an diesem Tag,
und es sollte sich mehr daraus entwickeln.

Ich traf ihn öfter auf dem Universitätsgelände und irgendwann verabredeten wir uns sogar auch außerhalb. Mein Lachen hörte damals nicht auf. Ich hatte Spaß, ich fühlte mich lebendig, er brachte Seiten bei mir zum Vorschein, die ich dachte sie würden nicht mehr existieren. Es war nur eine Frage der Zeit.
Ich begann mich in ihn, diesen merkwürdigen jungen Mann, zu verlieben.
So innig, dass jedes Mal, wenn ich ihn sah, mein Herz wild zu Klopfen begann. Immer wenn er mir ein flüchtiges Lächeln schenkte glaubte ich, ich würde keine Luft mehr bekommen. Meine Gedanken waren voll von ihm, Tag wie Nacht. Noch nie hatte ich solch ein Bedürfnis bei jemanden sein zu müssen.

Es war mir egal was all die Anderen über ihn meinten. Es war mir egal wie seltsam er war, ja genau das begann ich an ihm zu lieben, diese gesamte einzigartige Art. Immer huschte ein Lächeln über meine Lippen wenn er etwas Süßes sah, oder er einfach nur mit seinen Fingerspitzen etwas hoch hielt. Er war völlig anders, auf eine Weise die nicht hätte schöner sein können, denn mit all den Macken die er nach der Zeit zeigte, war er nur interessanter geworden. Er war vollkommen in seiner Einzigartigkeit.

Dann aber wendete sich alles,
an einem einzigen Tag.
Alles war vorbei.

Ich hatte angefangen ihm so zu vertrauen, dass ich ihm von dem Menschen erzählte, den ich am meisten hasste. Dem Menschen dem ich den Tod wünschte.

Es war L.

L der mir meine Familie zerstörte und mein gesamtes Leben. Ja, mein Vater war ein Verbrecher, der dieses Verbrechen nur beging um seine Familie zu schützen.
L überführte ihn, ohne Skrupel, tat er es in wenigen Minuten ab.
Mein Vater kam in die Todeszelle.
Meine Mutter beging daraufhin Selbstmord.
Ich stand ganz alleine in dieser Welt, denn sonst hatte ich keinen Verwandten mehr. Ich setzte seit dem alles daran L zu finden und ihn selbst zu töten! Ihn so leiden zu lassen wie ich es musste. Ich begann mein Leben nur danach zu richten und als ich alt genug war, fing ich an, an der Touou zu studieren, nur um herauszufinden wie ich einen Weg finde ihn zu kriegen. Ich schwor bitterliche Rache.

Ab da hatte er begonnen seltsam zu werden. Er sprach nicht mehr viel mit mir. Hatte ich ihn etwa verschreckt, dass ich ihm sagte L müsse sterben? Er wusste nichts von meinem Plan, ich hatte doch nur gesagt, dass ich ihn so sehr hasste, dass ich ihm den Tod wünschte. War das so falsch? Ich begann schon zu leiden, nachdem er nicht mehr viel mit mir redete und es wurde nur schlimmer als er sich immer mehr abwandte. Die Treffen mit ihm die ich so sehr liebte, blieben aus. Die Schuld schob ich mir zu. Sämtliche Dinge schwirrten mir durch den Kopf, was hatte ich nur falsch gemacht. Ich hielt es nicht mehr aus und stellte ihn kurz darauf,
seinen Blick werde ich nie vergessen.

Er kam mir nahe, machte kurz vor mir halt und seine Augen fixierten meine. Seine Mundwinkel waren leicht nach unten geneigt und ich verstand nicht warum er so ernst aussah. Ich sah ihn daraufhin fragend an. Verstand das alles einfach nicht.

In diesem einen Moment senkte er seinen Kopf und legte seine Lippen vorsichtig auf die meinen. Es war genau der Kuss, der mir jeglichen Atem geraubt hatte. Kurz darauf entfernte er sich ein wenig von mir, sein Gesicht wurde ernst. Ich war überrumpelt, völlig überfragt mit dem was ich jetzt tun sollte. Also blickte ich ihn weiterhin fragend an. Nun konnte ich noch weniger verstehen warum er sich in all der Zeit von mir entfernt hatte, wenn er doch das gleiche fühlte wie ich.

Er antwortete mir knapp. Seine Stimme war leise und tief. Sein Blick stechend.

„Ich bin der den du suchst. Ich bin L.“

Alles zerbrach. Plötzlich war nur noch ein Scherbenhaufen in mir. Ich stieß ihn von mir. Sofort neigte er seinen Kopf und blickte zu Boden.
Ich konnte nichts sagen, gar nichts kam aus meinem Mund, meine Kehle wurde trocken. Meine Augen waren geweitet, der Schock saß tief. Ich war unfähig etwas zu erwidern. War das auch sicher keine Lüge?! Es konnte doch unmöglich sein, dass gerade er … L war. Was aber sollte er für einen Grund haben mich an zu lügen? Wenn er ebenso empfand, ergab es keinen Sinn mir also so etwas schreckliches zu sagen. Somit wurde es klar, den Mann, den ich liebte, war L, der dem ich den grausamsten Tod wünschte.

Heiße Tränen flossen meinem Gesicht herab. Mein Herz schrie, voller Qualen. Augenblicklich schmerzte mich alles, jeder einzelne Muskel in meinem Körper und ich hatte Angst mich zu bewegen. Ich schluckte hart, dabei hatte ich das Gefühl mein Atem hatte aufgehört. Jedes Mal wenn ich Luft holte, fühlte es sich an wie 1000Messerstiche.

Geschockt drehte ich mich um, ohne ein Wort zu sagen ging ich, still weinend die Straße entlang. Meine Augen waren kalt, eiskalt. Mein Mund hatte sich verzogen. Über dem sonst so hübschen Gesicht, dass vollständig erstarrt war, rinnen die Tränen hinab.

Er folgte mir nicht, denn er wusste, dass es sinnlos war. Nicht einmal drehte ich mich um, während ich weiter meinen Weg ging, wie automatisch trugen mich meine Füße in mein leeres Haus.

Dort blieb ich.
Bis Heute.

Bisher hatte ich nicht einmal mehr mein Haus verlassen, nichts tat ich. Ich saß nur auf diesem kalten Boden, mit meiner Decke um meinen dünnen Körper, der auch nicht viel Kleidung trug. Es konnte so nicht weiter gehen, das wusste ich, aber was sollte ich schon machen?

Ich wusste es nicht.
Ich wusste rein gar nichts.

Keine Regung kam mehr von mir, man hörte nun nicht einmal mehr mein Schluchzen. Es war alles Fad. Ich wollte nichts mehr, alles schien so als ob ich meinen Lebenswillen verloren hatte. Nichts war mir geblieben, selbst die Liebe zeigte sich nicht als gnädig. Das einzige was ich vor mir sah war das Nichts, ein schwarzes Nichts.

In das Loch war ich gefallen und bisher nicht mehr herausgekommen.

Ich hörte das Knarren der Holzdielen. Eindeutig hatte sich jemand Zugang zum Haus verschafft.
Ich drehte mich nicht um, denn es war mir gleich ob es ein Einbrecher war. Hier gab es nichts Wertvolles und wenn er mich wollte, es gab nichts schlimmeres als das was ich im Moment empfand, denn gebrochen war ich schon. Ich hörte wie die Tür von diesem Raum leicht aufgeschoben wurde. Noch immer saß ich so da, die Beine eng an meinem Körper gezogen und die Decke um mich geschlungen.

Mein Blick war auf den Boden vor mir gerichtet. Ich schaute nicht auf, wollte es auch nicht. Die Schritte kamen zaghaft näher, dabei hörte ich wie die zahllosen Blätter zur Seite geschoben wurden. Dann verstummte alles, die Schritte hatten gestoppt. Es wurde dunkel, er warf einen Schatten auf mir, denn er stand nun genau zwischen mir und dem Fenster, dass das Mondlicht herein ließ. Langsam öffnete ich meinen Mund.

„Willst du mich? Es ist mir scheiß egal, nimm was du willst.“ Sagte ich gleichgültig und zu gleich war meine Stimme kratzig. Es gab Niemanden der mich besuchen kam, keiner mit dem ich sonst Kontakt hatte. Meine Schlussfolgerung war nur logisch, dass ich davon ausging, das es ein Verbrecher sei.

„Ja, ich will dich Mitsuko. Und, dass du mit mir sprichst.“ Kam es ernst von gegenüber. Mein Kopf schnellte hoch. Diese unverkennbaren Augen. Mein Atem hielt für einen Moment.

L.

Er stand vor mir, wie immer mit den Händen in den Taschen und gebückter Haltung. Sein Blick war wie erwartet ausdruckslos, erneut gab er nichts von seinen Gefühlen preis. Seine Worte und seine Körpersprache drückten etwas ganz anderes aus, es war wie ein Gegensatz. Er Sprach davon, dass er mich wolle mit dieser ernsten Stimme, dabei blickte er noch so unnahbar. Und was dachte er sich nur hier auf zu kreuzen und all das zu verlangen? Ich fühlte dennoch die Sehnsucht in mir aufkommen und seine Worte lösten Dinge in mir aus, die ich versuchte zu unterdrücken. Mein Herz machte einen Hüpfer, jedoch mein Verstand verabscheute ihn zu sehen. Ich konnte nichts sagen, ich sah ihn einfach nur an. Nun blickte L sich um, dabei betrachtete er aufmerksam alle Zettel. Nach kurzer Zeit hockte er sich vor mich und ich war für einen Moment vom Mondlicht geblendet. Er nahm ein Blatt hoch, wie er es immer tat, mit den Fingerkuppen. Währenddessen schaute ich ihn genau an.

Ich sog ihn förmlich in mich ein, mit jedem Atemzug den ich nahm. Seine Anwesenheit berauschte mich, mehr und mehr. Es erreichte ein Maß, sodass ich mich nicht unter Kontrolle hatte, alleine seine Präsenz machte mich wahnsinnig und mein Herz schrie nach Erlösung, die nur er mir geben konnte. Doch dann spürte ich wieder meine tiefe Ablehnung, mein Verstand meldete sich erneut bei mir, weshalb ich nochmals begann still zu weinen. Warum musste er unbedingt herkommen? Reichte es ihm nicht mich auch über die Entfernung zu quälen? Reden war zwecklos und würde zu keiner Einigung kommen. „Bitte, geh wieder“ Es musste erbärmlich geklungen haben, da war ich mir sicher. Meine Verzweiflung war deutlich zu hören gewesen, dabei sah ich mein Gegenüber noch immer an, sein schwarzes Haar glänzte leicht im Mondschein.

Er hob seinen Blick, sodass er nun direkt in meine Augen sah, nein in meine Seele. Ich bemerkte, dass er kurz überlegte, denn dann wurde sein Blick immer ein wenig leer. Doch schien er schnell seine Worte gefunden zu haben. „Nein, ich bleibe hier.“, sprach er selbstsicher. Ich erschauerte kurz, seine dunkle Stimme bereitete mir Gänsehaut. Mir wurde ganz warm, es fuhr direkt unter die Haut. „Du kannst so nicht weiter Leben, Mitsuko. Ich mache mir Sorgen.“, fügte er hinzu und diesmal hörte man einen kleinen Unterton von Besorgnis, auch seine dunklen großen Augen schienen für einen Augenblick verändert zu sein.

Die Kraft verließ mich, jetzt konnte ich mich nicht mehr wehren. Ich gab nach und mein Herz hatte durch seine letzten Worte einige Sprünge vollzogen. Ich blickte sofort verzweifelt zu Boden. Genau das war es was mich so fertig machte, ich war hin und her gerissen, zwischen meinem Herzen und meinem Verstand. Und er hatte so verdammt recht mit dem was er sagte, doch wusste ich einfach nicht weiter. Seine Anwesenheit verunsicherte mich immer weiter, auch seine Worte verbesserten es nicht, nein sie machten das alles nur noch schlimmer. Ich hätte ihn am liebsten getötet, mit meinen bloßen Händen, weil er mir so viele unendliche Qualen seit Jahren bereitete. Andererseits hätte ich ihn gerne sanft geküsst, ihn sachte berührt und das voller Liebe. Meine Sehnsucht war schier ohne Ende.
Ich wäre so gerne in seinen Armen gewesen, die mich fest hielten und alles vergessen ließen.

„Warum,... warum musst du mich so Quälen? Wieso musst du L sein?...Wieso...“, begann ich erneut mit einem Wimmern, dabei zitterte ich am ganzen Körper. Dieser würde bald nicht mehr lange ohne etwas Nahrung auskommen, die Ohnmacht war sicher in ein oder zwei Tagen. Dennoch sammelte ich meine letzten Kräfte, um kurz darauf aus der Hocke hervor zu schnellen und mit allen Vieren knapp vor ihm zu krabbeln, dabei blickte ich in sein überraschtes Gesicht.
„Wieso um alles in dieser Hölle, liebe ich dich so sehr?!“ Die Wucht meiner schnellen Attacke wie auch das gesagte ließ ihn nach Hinten fallen. Er saß nun auf seinem Gesäß, dabei stützte er sich mit seinen Händen auf dem Holzboden ab. Seine Augen waren geweitet, sein Mund ein wenig geöffnet. Offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet.
In meinem Gesicht war die blanke Verzweiflung zu erkennen.
„Ich halte es nicht mehr aus! Ich ertrage das nicht länger!“ Diese Worte waren schon erheblich leiser, aber immer noch sehr laut. Meine silbernen Haare fielen mir vom Rücken und teilweise über meinem Gesicht und erneut bahnten sich die Tränen ihren Weg, zeitgleich schaute ich ihn ernst an.

Mein Atem war schnell und unregelmäßig. L öffnete seinen Mund und setzte zu etwas an. Ich starrte gebannt auf seine Lippen, auf seine so schönen Lippen, die ich gerne berührt hätte. Wie eine Katze lag ich vor ihm auf der Lauer, ihr Opfer genau vor ihren Augen. Diese funkelten bedrohlich im Licht und die Tränen glänzten leicht. Noch immer wartete ich auf eine Antwort, die am liebsten alles geklärt hätte.

Es kam aber,
Nichts.

Er schloss seinen Mund wieder. Ich hatte ihn sprachlos gemacht. Ihm kam nichts über die Lippen, warum er nichts sagte, konnte ich nicht sagen, aber er schien gerade stark seinen Gedanken nach zu hängen, was er wohl am geeignetsten sagen konnte. Die Gefühle überrumpelten mich, es war wie ein Feuer was sich entfachte und sich rasend schnell im gesamten Körper verteilte. Ich konnte an nichts mehr denken, denn ich starrte immer noch auf seine Lippen. Unbewusst leckte ich mir über meine Trockenen. Die Gefühle sollten aufhören, endlich aufhören mich so zu verwirren!

Ich schaltete meinen Verstand aus, nichts, aber auch nichts würde mich jetzt noch aufhalten!

Die Sehnsucht hatte mich vollständig gepackt, das Feuer loderte immer stärker in mir. Noch nie hatte ich so inständig jemanden geliebt, noch nie wollte ich jemanden mehr. Mein Brustkorb begann sich heftig auf und ab zu senken, dabei sog ich nur noch mehr von seinem Geruch auf. Das ganze dauerte gerade mal Sekunden und es kamen mir wie Stunden vor.

Schnell kroch ich zu ihm und war über ihm, dabei platzierte ich meine Knie neben seinem Becken, jedoch saß ich nicht auf ihm. Sofort packte ich ihn an seinem weißen Shirt und zog ihn mit aller Kraft die ich noch hatte, zu mir. Meine Haare fielen auf sein Gesicht, als es knapp unter mir war. Schockiert starrte er mich an, als er mich so nah an sich spürte. Ich ließ mich ein wenig auf seinem Schoß sinken, um auch direkt mich mit meinem ganzen Körper an ihn zu drücken. Nun konnte ich deutlich seine Wärme wahrnehmen, auch sein Herzschlag war zu spüren, dieser mindestens genauso wild pochte wie meiner. Ich blickte ihm tief in die dunklen großen Augen. Diese Nähe war berauschend, ihn so nah an mir zu fühlen brachte mich in eine andere Welt, dabei war es nur ein bloßer Kontakt seines Körpers. Es fühlte sich verboten gut an.

„Mi-“ Weiter kam er nicht, als er diesmal seinen Mund zum Sprechen geöffnet hatte, denn ich hatte meine Lippen schon auf die seinen gedrückt, somit erstickte ich seine folgenden Worte. Nein, diese Berührung war nicht sanft und vorsichtig. Der Kuss war grob und ungestüm, die all die Sehnsucht ausdrückte die ich fühlte. Mein Atem beschleunigte sich nochmals bei diesem Kontakt, aber nicht nur mir erging es so, auch Ls Atem schien unkontrollierter zu werden. Es tauchte mich in etwas, was mich nicht mehr los ließ. Ich war Gefangene meiner selbst und nur L allein war mein Schlüssel zu meiner Freiheit, und auch noch so viel mehr.
Ich ließ sein Shirt los und löste mich schwer atmend von ihm. Ich sank noch etwas mehr auf seinem Schoß herab, sodass ich nun ganz auf ihm saß. Es bedurfte an keinen Worten, seine Gesichtszüge hatten jeglichen üblichen Ausdruck abgelegt. Denn ich sah nun klar in seinen Augen die Sehnsucht. Zum zweiten Mal, in all den vielen Wochen die ich ihn kannte, konnte ich somit erkennen was er fühlte. Dieser Blick von ihm sagte mehr als er jemals sagen könnte und würde. Es verstärkte sich ein Gefühl in mir. Ich wollte ihn für mich, ganz alleine. Die Sucht ergriff mich völlig, ich verlangte nach mehr, viel mehr.

Ich legte meine Hände auf seine breiten Schultern. Diese einfache Berührung brachte mich ganz durcheinander. Erneut musste ich feststellen wie einnehmend seine Nähe war. Am liebsten hätte ich ewig so verharrt. War das normal, dass so etwas leichtes schon so große Auswirkungen hatte? Meine nächsten Gedanken wurden unterbrochen. Seine rechte Hand berührte meine linke Wange unsicher und behutsam, was mir einen kleinen wohligen Seufzer entlockte. Seine Fingerkuppen strichen mir sanft über die Wange, als hätte er angst, dass ich zurück zucken würde, wenn er die Berührung verstärkte. Seine Lippen begannen nun aber ein kleines fasziniertes Lächeln zu formen. Offensichtlich gefiel es ihm, dass ich so auf seufzte. Ich schloss meine Augen und genoss sein neugieriges Streichen weiterhin ausgiebig. „Gefällt es dir?“ Seine leise Stimme brach die Stille, woraufhin mein Herz begann stärker in meiner Brust zu hämmern. Aber natürlich gefiel es mir! Was fragte er noch so, immerhin bemerkte er ohnehin alles sofort, warum also diese Frage? Alleine dieses Streicheln brachte mich an einen Ort an dem ich immer sein wollte, es erfüllte mich mit Glücksseligkeit. Ich wollte gerade Antworten und öffnete schon leicht meinen Mund, jedoch als ich seinen Zeigefinger an meiner Unterlippe spürte, stoppte ich. Warum unterbrach er mich jetzt? Kurz nach dieser sanften Berührung nahm er den Finger von meinem Mund, um sich etwas vorzubeugen. Seine warmen, etwas rauen Lippen wischten sämtliche Zweifel aus meinem Kopf, die noch hätten aufkommen können. Augenblicklich ließ ich nochmals einen zufriedenen Seufzer von mir verlauten, mit dem ich ihm abermals zeigen wollte, dass es mir sehr wohl gefiel. Zu gerne erwiderte ich seinen Kuss, auf den sich mein Herz so sehr gefreut hatte. Meine Sinne befanden sich auf einer anderen Ebene, dieses starke Gefühl benebelte mich ganz und zeigte mir das Liebe etwas so wundervolles sein konnte.

Ich spürte wie er seine Arme um meinen Rücken legte, nur um mich gleich darauf mehr an sich zu ziehen. Ich verfiel der Liebe, voll und ganz. Und es schien ihm genauso zu ergehen. Niemals würde er sonst sich mir so zeigen. Mein Puls raste, mein Atem war nicht mehr zu kontrollieren und die Wärme breitete sich immer weiter in mir aus. Ich lächelte leicht in den Kuss hinein, dann legte ich meine Arme um seinen Nacken und vergrub meine Hände in seinen dichten schwarzen Haaren. Dann begann ich leicht über seine Kopfhaut zu streichen, entlockte ich ihm diesmal ein kleinen Seufzer, was mich vollkommen faszinierte. Ich nahm nur noch ihn wahr, alles um mich herum verschwand in einem Schleier. Ich machte mir keine Gedanken mehr, ich handelte nur noch, denn mein Verstand war völlig dagegen.
Das wusste ich.

Nach einer Ewigkeit wie es mir vor kam, lösten wir uns langsam voneinander, jedoch nur unsere Lippen hatten sich getrennt, noch immer war ich so dicht bei ihm, dass sich unsere Nasen flüchtig berührten. Ich öffnete meine Augen und sah in die mir gegenüber. Sein Blick war leicht verklärt, was mir deutlich klarmachte wie stark seine Empfindungen waren und vor allem, dass er sie zuließ.

Ich wusste es war nicht richtig,
niemals werde ich mich dem Gefühl ganz hingeben können.
Aber zumindest diese Nacht,
nur diese einzige,
sollte es anders sein.
Ich sollte ihm gehören.

Ich stieß sanft mit meinem Oberkörper gegen seinen, damit drückte ich ihn zu Boden, was er einfach nur schlicht beobachtete. Nun lag ich auf ihm, währenddessen blickte ich ihm immer noch in die Augen. Langsam setzte ich mich auf, dabei strichen meine Hände von seinen Schultern über seinen Oberkörper, bis hin langsam zu seinem Bauch. Ich wollte jedes Bisschen von ihm fühlen, alles neugierig erkunden. L betrachtete ruhig was ich tat, doch sein Ausdruck hatte sich leicht verändert. Er genoss meine Berührungen still und ließ mich gewähren. Sein Shirt war etwas durch das Streichen verrutscht, man sah nun ein wenig freie Haut an seinem Unterbauch. Ich musste feststellen, dass es noch nie so schwer war etwas zu widerstehen, wie ich auf seinen freien Bauch starrte. Leicht biss ich mir auf meine Unterlippe. Das starke Bedürfnis ihn dort streicheln zu wollen machte sich in mir breit. Schnell wandte ich meinen Kopf nach oben, um dem Drang nicht zu unterliegen. Jedoch als ich aufblickte und in sein Gesicht sah, bemerkte ich, dass er mich noch immer ansah. Er wich meinem Blick nicht aus und er schien genau wahrgenommen zu haben wie ich ihn angesehen hatte, nur sagte er dazu nichts, stattdessen starrte er weiterhin in meine Augen. Dieser Ausdruck ließ mich zeitweise den Atem anhalten, er fesselte mich mit seinem Blick. Und ich fragte mich, was er nun dachte. Ging ihm dasselbe durch den Kopf wie mir?

Mir wurde ganz heiß,
und auch hier wusste ich,
dass es Falsch war.

Ein Lächeln umspielte nun meine Züge und es war das erste offenherzige Lächeln seit mehr als einer Woche. Ich griff nach hinten und zog die Decke zu mir, dabei schaute L interessiert zu was ich tat. Die Decke schloss ich sofort um mich, jedoch legte ich sie noch halb über ihm, nachdem ich mich dann wieder runter beugte fiel die Decke ganz über uns, es lugten nur noch unsere Köpfe heraus. Direkt merkte ich, dass es wärmer wurde, weshalb ich nicht mehr zitterte, zumindest nicht mehr weil mir kühl war. Das Lächeln ließ nicht nach, sondern ich begann ihn liebevoll anzusehen. Noch nie hatte es so gut getan. Erneut war ich seinem Gesicht so nahe, dass sich unsere Nasenspitzen trafen, dabei konnte ich meinem spielerischen Drang nicht unterdrücken und stupste seine leicht an. In diesem Moment fühlte ich mich tief mit ihm verbunden. Ein starkes Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit.

L begann tatsächlich schwach zu lächeln, nachdem er meine kindische Geste wahrnahm. Dann spürte ich seine Arme, die sich um meinen Rücken schlossen. Mein Herz überschlug sich schon fast. Ich hatte weder mit seinen Armen gerechnet, noch mit diesem Lächeln. Diesen Moment genoss ich sehr und ich war überrascht, wie viele verschiedene Seiten er besaß. Ich erschrak kurz, dabei verkrampfte ich mich leicht als er mich plötzlich mit einem heftigen Kuss überfiel. Doch der Schreck verging wie im Flug und ich schloss wieder meine Augen, während ich mich abermals davon tragen ließ. Mein Körper entspannte sich völlig, jedoch fühlte ich wie er den Druck seiner Lippen erhöhte. Ich war kurz überrumpelt nachdem er begann den Kuss zu vertiefen, was ich aber nur zu gerne erwiderte. Es wurde daraufhin mit jedem Augenblick inniger.

Mich befiel ein seltsames Gefühl. Ich war unfähig zu denken und der Kuss weckte in mir ein Verlangen, das ich vorher nie gespürt hatte. Ich wollte mehr von ihm als nur Küsse, ich wollte ihn vollkommen spüren, jede Faser seines Körpers. Leicht lehnte ich mich unter dem leidenschaftlichen Kuss zur Seite, was L sofort verstand und sich ein wenig aufrichtete, um gleich darauf mit einem Ruck die Position zu wechseln, allerdings ließ er von mir ab als er über mir lag. Seine Hände ruhten nun neben meinem Kopf, sodass seine Unterarme sich auf dem Boden abstützten und er hatte lediglich ein Bein zwischen meine gestellt. Seicht kitzelten mich seine Haare im Gesicht, was nicht unangenehm war, sie verführten mich nur dazu sie erneut an zufassen. Genau das tat ich, mit meinen Fingern strich ich ihm ein paar Strähnen nach hinten, auch wenn ich wusste es wäre eigentlich sinnlos, bei seinen wirren Haaren. Während ich mit seinen Haaren spielte sah ich ihm in die Augen. Er blickte mich auf eine Weise an, die ich mir nicht erklären konnte. Es war ein wenig so als ob er auf einen Kuchen sah, dem er nicht widerstehen konnte. Hieß das etwa L begehrte mich? Ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. Ich war jetzt zu allem bereit was folgen würde und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich würde nicht diese Begierde spüren. Ich vergrub erneut meine Hände in sein volles Haar, dabei zog ich ihn zu mir hinunter, um ihn kurz darauf in einen weiteren tiefen Kuss zu verwickeln.

Deutlich spürte ich wie mein Körper anfing wärmer zu werden, nein er begann zu brennen. Meine Gefühle brachen mit mir durch und das Einzige was ich brauchte und wollte war er. Ich fing gerade an mich in den weiten der Lust zu verlieren, als plötzlich L von mir ab ließ. Sofort blickte ich ihn irritiert an, oder wollte er doch nicht? Er sah mir direkt in die Augen, sein Gesichtsausdruck war ernst, jedoch machte die schnellere Atmung mir klar, dass er ebenso dabei war sich in eine Welt zu begeben, die extremer nicht sein konnte. „Bist du dir sicher, dass du das willst?“ Seine leichte raue Stimme hallte in meinen Ohren wider. Die Frage überraschte mich. Warum fragte er das noch? War ich nicht eindeutig genug gewesen? „Ja,... natürlich“ Noch immer leicht verwundert zog ich eine Augenbraue hoch. „Ich möchte nur sichergehen, dass du dir über die möglichen Folgen im Klaren bist.“ Er meinte doch nicht etwa …? Ein winziger Moment verging in dem ich nichts sagte, aber L wohl dazu veranlasste mir das zu nennen, was ich wirklich dachte. „Die Möglichkeit einer Schwangerschaft“ Ich schluckte hart. Natürlich hatte ich darüber nachgedacht, dass er es aber nun so offen aussprach, ließ mich doch ein wenig erröten. „Ja, ich bin mir darüber im Klaren.“, kam es über meine, immer noch leicht durch den Kuss, geschwollenen Lippen, jedoch nagte nun die Nervosität an mir. L senkte seinen Kopf und setzte mir sachte Küsse auf die Wange und schlug den Weg weiter hinunter zu meinem Kinn ein, während er dies tat, senkte er auch seinen Körper, sodass ich nun seinen gesamten Körper auf mir fühlte. Ich hielt allerdings unbewusst kurzzeitig den Atem an, als ich spürte, dass er zweifellos bereit war. Dies raubte mir jegliche Gedanken und ließen mich kurz darauf  Dinge denken, die mir die Röte ins Gesicht brachte. „Ist alles in Ordnung, Mitsuko? Du bist sehr angespannt.“ Ich blinzelte einige Male um mich zu fassen. Seine Stimme klang leicht besorgt, was auch seine Augen widerspiegelten, als ich in diese schaute. „Ich, also es ist nur so,... bitte sei vorsichtig.“ Meine unsicheren Worte hinterließen bei ihm ein erst irritiertes Gesicht, dass sich dann allerdings einen Augenblick später wandelte. Er lächelte mir auf eine merkwürdige Art und Weise zu, ich konnte es nicht deuten, was es nun ausdrücken sollte, oder was er dachte. „Das werde ich sein, entspanne dich.“ Seine dunkle leise Stimme war ruhig und sie übte auf mich eine beruhigende Wirkung aus. Erneut senkte er seinen Kopf, diesmal aber legte er seinen Mund auf den meinen. Gemeinsam versanken wir in einen sinnlichen Kuss und nochmals schmeckte ich seinen so verbotenen süßen Geschmack. Langsam schloss ich meine Augen und ließ mich davon ziehen. Nirgends wo auf dieser Welt wollte ich lieber sein, auch wenn es der kühle Boden in meinem Haus war.

Es geschah,
wir liebten uns diese Nacht.
Intensiv und zärtlich,
in diesem Zimmer,
auf dieser Decke,
im Mondlicht.

Nie werde ich diese unbeschreibliche Nacht vergessen, in der wir uns hingaben. Mein Leben lang werde ich daran denken, denn noch nie hatte mich ein Mann vorher so berührt. Ich gab ihm alles in dieser Nacht und er schenkte mir dafür sein wertvolles Vertrauen und offenbarte mir seine Gefühle, die er sonst niemanden zeigte.

Ich wachte am nächsten Morgen auf, die Vögel hatten mich geweckt. Der Baum war knapp vor dem Fenster, somit saßen die Vögel direkt davor und machten keine Anstalten ruhig zu sein an diesem Morgen. Es war angenehm warm an meiner Seite und ich konnte mich nicht daran erinnern jemals einmal so gut geschlafen zu haben, obwohl ich auf dem Boden eingeschlafen war. Verschlafen rieb ich mir die Augen, als ich sie ganz öffnete und mich umsah realisierte ich was passiert war. Die ganze gestrige Nacht spielte sich noch einmal in meinen Gedanken ab, jede noch so Kleinigkeit fiel mir ein. Ich hatte das Gefühl mein Kopf würde platzen.

Ich erschrak bis aufs Mark.
Was war passiert, dass ich das getan hatte? Was hatte ich eingenommen, dass es soweit kommen konnte? Mein Verstand meldete sich wieder und rächte sich unerbittlich dafür, denn sofort bekam ich einen Schlag. Ich fühlte mich extrem schäbig, nicht nur dass ich mit dem Mann geschlafen hatte, den ich hasste, sondern auch weil ich nun nicht weiter wusste, denn eins war mir sofort bewusst; L würde mit mir zusammen bleiben wollen. Er hätte das alles nicht zugelassen, wenn er nicht fest davon überzeugt war, dass ich bei ihm bliebe. Ich hatte ihm gestern eindeutig gezeigt, dass ich ihn wollte. Wie würde er also reagieren, wenn ich sagte ich fühle mich nun angewidert und würde ihn nicht mehr wollen? Mein Herz schrie auf und ich versuchte nicht auf dieses zu hören, denn dieses hatte mich erst in diese Lage gebracht, als ich so dumm war und mein Verstand ausgeknipst hatte.

Ich blickte zaghaft zu meiner Linken, dort lag er. L schlief noch und lag leicht lächelnd zu mir gedreht, dabei war sein restlicher Gesichtsausdruck äußerst entspannt. Seine ganze Erscheinung hatte nichts von dem, was er sonst von sich zeigte, es wirkte unecht. Jedoch hatte er seine Beine etwas angewinkelt, was aber kein Wunder für L war. Es wäre eher seltsam gewesen, wenn er es nicht getan hätte.
Ich fasste mir augenblicklich an den Kopf; was machte ich denn da! Direkt wollte ich los schreien!

Was hatte ich getan?!
Und viel wichtiger war die Frage,
Was tat ich jetzt?!

Ich konnte einfach nicht bei ihm bleiben, das würde niemals funktionieren! Mein Verstand meldete sich jetzt schon wie verrückt, dabei war es gerade mal eine Nacht mit ihm. Eine wunderschöne, musste ich mir dennoch Eingestehen. Ich war total durcheinander, mein Herz freute sich und wollte bei ihm bleiben und ihm beim schlafen zusehen, wie er dort lag, mit seinem seligen seltsamen Lächeln.

Mein Verstand fand es abstoßend.
War ich Schizophren? Was sollte das?!
Wieso konnte nicht eine Seite deutlich sein,
dann hätte ich wenigstens die Gewissheit.

Ich hielt mir entsetzt die Hand vor dem Mund. Eine Lösung musste her. Das schnell, bevor er aufwachen würde. Mein Körper begann bei der ganzen Aufregung zu zittern. Ich stand vorsichtig auf, hoffend, dass er nicht Erwachen würde. Somit stand ich nun nackt in meinem Zimmer. L bewegte sich für einen Moment und mir gefror der Körper, meine Atmung setzte kurzzeitig aus, hastig sog ich daraufhin die Luft ein, um kurz darauf meinen Atem anzuhalten, dabei starrte ich ihn in die ganze Zeit über an. Bloß keine Geräusche von sich geben. Es geschah nichts weiteres und so suchte ich mir erst mal lautlos meine Sachen zusammen. Er hatte zweifellos einen tiefen Schlaf, musste ich Feststellen. Als ich fertig war schlich ich sehr leise zur Tür, öffnete diese und trat nach draußen in den Flur. Ich drehte mich noch einmal um.

Ich warf einen aller letzten Blick auf den schlafenden L, der keinerlei den Verdacht gehegt hatte, ich könnte ihn jetzt noch verlassen, nach all dem was passiert war. Brach ich also jetzt nicht sein Vertrauen, welches er mir entgegen brachte? Enttäuschte ich ihn nun nicht zutiefst?

Es tat mir in der Seele weh,
denn ich wusste,
ich würde ihn tief verletzten.

Mit sehr gemischten Gefühlen und Tränen in den Augen, schloss ich ganz leise diese Tür, die mich nun für immer von L trennen würde. Somit verschloss ich auch mein Herz, als die Tür ins Schloss fiel. Ich konnte einfach nicht anders. Ich zog mich auf dem Flur schnell an, währenddessen flossen die Tränen nur so über mein Gesicht hinunter, mein Blick wurde verschwommener. Still weinte ich, während ich nach unten stürmte und Geld zusammen suchte, dabei fand ich mein Armband, was ich seit zwei Wochen vermisst hatte.

Ich hielt es kurz in der Hand und dachte nach, meine Tränen tropften indessen darauf hinab. Ich entschied mich dafür es hier zu lassen, mit einem kleinen Brief. Das Geld steckte ich mir schnell ein, danach nahm ich einen kleinen Rucksack, den ich mit etwas zu essen füllte. Rasch holte ich ein leeres Blatt Papier und einen Stift hervor und begann zu schreiben:

>
L

Ich kann mir nicht verzeihen und auch dir nicht, ich werde bereits schon lange fort sein wenn du diesen Brief liest.
Chaos herrscht in in mir und dies lässt mich wahnsinnig werden, weil ich zwischen Liebe und Hass zerrissen werde.
Hoffnung trage ich leider keine mehr in mir, denn sonst hätte der gestrige Abend mir sicherlich Gewissheit gegeben.
Lebe dein Leben, denn du hast mir gezeigt wie wunderschön es sein kann, du solltest es genießen.
Ich hoffe ich habe dich nicht zu tief verletzt, denn der Gedanke daran ich bereite dir großes Leid, würde mich noch weiter in den Abgrund ziehen.
Es gibt aber sicher einen Menschen auf dieser Welt der dich schätzt, finde ihn und werde mit diesem glücklich!
Bitte vergib mir, dass ich nicht deine Freundin an deiner Seite werden konnte.
Es schmerzt mich selbst sehr, dass ich nicht bei dir sein kann, aber ich würde mich um den Verstand bringen, sollte ich doch an deiner Seite bleiben.
Du warst mein erster Mann und du wirst mein Letzter bleiben, niemals werde ich einen anderen Lieben, du bist Teil meines schon fast halben Lebens.
Ich hätte niemals gedacht, dass gerade du derjenige bist, mit dem ich so viel schönes erlebt durfte, das Schicksal führte uns zusammen.
Chancenlos erscheint mir aber das Schicksal, ich werde nie meine Eltern vergessen und mit dem verbundenen Leid, was du mir beschert hattest.
Heute empfinde ich soviel Liebe und soviel Hass für dich, dass diese Waage ausgeglichen ist, weshalb es mir schwer fällt, einen solchen Brief zu verfassen.
Deshalb sei bitte nicht verärgert auf mich, dass ich es einfach nicht schaffe, diesen so einfachen Satz in einem zu schreiben.
Erinnern werde ich mich immer an dich, du wirst immer Teil meines Lebens bleiben, auch wenn ich dich niemals wieder sehen werde.
Ich bin dumm, nicht wahr? Ich lehne ein Leben ab, dass so viel schöner sein könnte, dennoch ist es mir schier unmöglich, mein Verstand für unbestimmte Zeit abzuschalten.
Nichts glich bisher an die Zeit, die ich mit dir erlebt hatte. Ich hatte soviel gelacht, wie ich es noch nie erlebt hatte.
Eigensinnig war ich schon immer, aber du L bist der merkwürdigste Mensch, der mir je begegnet ist, aber gerade mit deiner Einzigartigen Art, hast du mir für immer den Kopf verdreht. Lebe wohl.

Mitsuko
<

Nachdem ich mit dem schreiben fertig war, faltete ich das Blatt und legte die Kette hinein. Den Brief, samt Kette darin, legte ich auf dem Treppenabsatz nieder. Ich blickte die Treppe hinauf...

Es schmerzte mich so entsetzlich, aber wir zwei waren einfach nicht füreinander bestimmt. Gab es so etwas Überhaupt? Ich wusste es nicht, aber ich wusste, dass es nur Leid mit sich bringen würde hier zu bleiben. Ja, L war mein erster und letzter Mann und ein Mann der mir gezeigt hatte wie das Paradies aussah, aber auch der tiefste Teil er Hölle. Eine weitere Träne floss die Wange hinunter. Wie gerne wäre ich deine Freundin geworden.... vielleicht sogar mehr? Eins stand jedenfalls fest, L war schon sehr früh Teil meines Lebens und nichts wollte ich mehr als ihm begegnen. Ihn dann auch für das büßen lassen, was ich durchmachen musste, stattdessen fühlte ich mich ihm immer mehr verbunden und erlebte diese wundervollen Momente. Ich konnte ihm nichts antun, genau das riss mich noch weiter in den Spalt. Mein Leben war nun völlig sinnlos, es gab kein Ziel, alles worauf ich mich konzentriert hatte war, dass ich L zur strecke brachte, damit mein Leiden ein Ende hatte.

Die Tränen wurden mehr, denn L bereitete mir so noch viel mehr Qualen. Alles wofür ich gekämpft hatte, all die Jahre waren umsonst, weil mich die Liebe in die Knie zwang. Ich war unfähig, selbst für die schönsten Gefühle die man erleben konnte und dagegen kämpfte ich an.
Ich riss mich zusammen und wischte mir die Tränen aus meinem bleichen Gesicht. Mit diesen Gedanken verließ ich das Haus und blickte auf der Straße nicht zurück. Mein Weg war ungewiss und meine Zukunft versprach mir nicht viel, dennoch ging ich die Straße weiter hinunter.

Ich wusste nicht, dass diese Nacht für immer mein Leben verändern würde.
Hätte ich mich dann anders entschieden?
Ja, das hätte ich.

~~The End~~

~~L~~

L schlug langsam seine Augen auf, denn es war seltsam kühl. Er setzte sich auf, dabei rutschte die Decke von seinem Oberkörper, woraufhin er an sich hinunter sah. Er war nackt und er konnte sich gut an die vorherige Nacht erinnern. Umgehend wandte er seinen Kopf zur seiner Seite, wo er gestern mit ihr, nein es war schon früher Morgen, eingeschlafen war.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf den leeren Platz neben sich. Mitsuko war nicht da? Direkt suchte er mit seinen Augen fast panisch das Zimmer ab. Sie war nirgends zu sehen. Und es gab nur zwei Möglichkeiten die das rechtfertigten, wobei eine wahrscheinlicher war. Sie würde ihn doch nicht verlassen haben? Er schnellte auf der Stelle hoch. Das musste er sofort überprüfen, dabei beachtete er seine Kleidungsstücke nicht. Eilig und völlig hüllenlos durchquerte er den Raum. Jedoch blieb er plötzlich knapp vor der Tür stehen. L begann die Kleidungsstücke zu mustern. Ihre Sachen befanden sich nicht auf dem Boden, nicht einmal ihre Wäsche. Das höchst außergewöhnlich war, falls sie sich im Haus befinden sollte, dann war es nicht nachvollziehbar diese aufzuheben, wenn man nicht vor hatte eilig zu verschwinden und man es nicht schaffte frische Wäsche heraus zu suchen aus Angst jemand könnte sie zurückhalten. Dies ließ seine erste Theorie immer wahrscheinlicher werden. L musste sich Gewissheit verschaffen. Er drehte sich zu der Tür um und in einem mal riss er die Tür auf, um im Flur weiter zu suchen. Mit jedem Moment der mehr verging, machte sich Beunruhigung breit. Jede Tür in diesem Gang wurde geöffnet, jeder weiterer leerer Raum verunsicherte ihn mehr. Ja, es verunsicherte ihn. Er verspürte Angst. Tiefe Angst davor enttäuscht worden zu sein. Niemals zuvor war dies vorgekommen. Er hatte seine Gefühle immer zurück gehalten, da sein Posten Vorrang hatte. Nachdem er sie kennen gelernt hatte, erschien alles verdreht. Er konnte seine Gedanken nicht mehr kontrollieren und richtig analysieren. Schnell war ihm bewusst, was dies bedeutete. Und das erhoffte warten auf Besserung seiner Lage blieb aus. Ja, das Hoffen, dass seine Gefühle so schnell verblassten wie sie aufgetaucht waren. Etwas in ihm schrie auf, verkrampfte sein Herz, dabei war er sich nicht einmal seiner Lage sicher. Ihm wurde schmerzlich bewusst, was es bedeuten würde, wenn sie fort gegangen war.
Schließlich eilte er zur Treppe, als er fast unten ankam, sprang ihm sofort das Blatt, was auf der Treppe lag, ins Auge. Unverzüglich machte er die letzten Schritte die Treppe runter, dabei überschlugen sich seine Gedanken. Dieses Stück Papier befand sich gestern noch nicht auf dem Absatz. Die Wahrscheinlichkeit, es handelte sich um einen Abschiedsbrief war enorm hoch, anders würde es keinen Sinn ergeben. Und alleine dieser Gedanke versetzte ihm einen weiteren tiefen Stich.

Zögernd nahm er das zusammengefaltete Blatt Papier hoch, wobei er nicht bemerkte, das sich darin etwas befand. Die Kette fiel heraus und landete auf dem Treppenabsatz. Kurz besah er was dort heraus fiel, verschob die Musterung aber auf später. Schnell entfaltete er das Stück Papier mit den Fingern, woraufhin er begann eifrig ihn zu lesen und zu studieren. Geschockt, starrte er das Blatt Papier an, was er vor sich hielt. Und noch einmal las er sich die Zeilen durch, nur um sich zu vergewissern. Die Erkenntnis war hart. Mitsuko war fort. Sie hatte ihn verlassen und das für immer. Sie wollte ihn nicht wieder sehen.
L atmete stoß weise, sein Körper hatte sich merklich angespannt. Sie hatte die Gelegenheit genutzt um zu verschwinden. Es war extrem enttäuschend. Selbst er, hatte nicht mehr damit gerechnet, dass sie das Weite suchen würde, denn schien sie gestern doch eine Wahl getroffen zu haben, oder? Hatte sie schon gestern geplant heute zu verschwinden? Aber alles was sie gestern gesagt hatte schien der Wahrheit zu entsprechen. Aufs genauste hatte er all ihre Reaktionen beobachtet.
L fühlte sich mit einem Schlag ausgenutzt, das erste Mal in seinem Leben. Es schmerzte in seiner Brust. Fragen rauschten durch seinen Kopf auf denen er keine Antwort mehr bekommen würde. L hatte verloren, etwas sehr wichtiges, etwas was er nicht mehr missen wollte, aber nun eine große Leere darstellte. Nie hatte er sich verstandener gefühlt, sollte es wirklich so enden? Wollte er das einzige in seinem Leben, was ihm soviel Gab, etwa aufgeben? Und wie konnte dieses Gefühl so stark sein? Es entsagte jedweder Logik. Doch war es da, hatte ihn beeinflusst, ihn leiten lassen und genau das war sein Fehler. Genau dies war der Grund, weshalb er sich Empfindungen nicht leisten konnte. Aber es tat so weh. Er musste sie finden. Das alles war noch nicht vorbei und auch noch nicht zu spät.
Für ihn stand fest, er würde immer nach ihr suchen, egal in welch kleinen Ecke der Welt sie sich befand. Auch wenn es sich um Gefühle handelten, mit denen man in der Welt nicht voran kam und mehr Nachteile für seine Arbeit hatte, er konnte und wollte nicht darauf verzichten, nicht nachdem er in dem süßen Geschmack dessen gekommen war. Er war entschlossen und er erreichte seine Ziele stets. Sie zu finden würde er bald dazu zählen. L war sich sicher, er würde sie aufspüren und zurück zu sich holen, koste es was es wolle. Und sie würde sich für ihn entscheiden.
Diese Niederlage ließ er nicht auf sich sitzen.
L begann sofort in dem Brief nach Dingen zu suchen, die etwas verrieten, seine Augen verengten sich angestrengt.
Sein Mund öffnete sich leicht vor verblüffen. Augenblicklich senkte er seinen Kopf, sodass Haare vor seine Augen fielen. Sie hatte ihm eine Botschaft hinterlassen. Eine die nicht hätte für ihn schöner sein können und zugleich schmerzvoller, obwohl sie aus simplen Worten bestand. Diese Worte niedergeschrieben zu haben, mussten ihr große Mühe bereitet haben. Er ließ seine Arme sinken, dabei lockerte er seine Hände, sodass der Brief gegen Boden segelte. Für eine endlos scheinende Zeit stand er so am Treppenabsatz, dabei wiederholte sich die Nachricht immer wieder in seinem Kopf. Dann blickte er auf, ballte seine Hände zu Fäusten.
Er würde Mitsuko finden, ganz egal wo sie sich aufhielt. Ja, er war sich zu hundert Prozent sicher. Und dann würde sie sich um entscheiden, um das zu akzeptieren, was er längst getan hatte.

~~Extra L End~~


Ich hoffe es hat euch gefallen und konntet auch die Botschaft in dem Brief entschlüsseln!
Wer es nicht verstanden hat, kann sich ja Melden. Falls größeres Interesse bestehen sollte, habe ich von diesem OS eine Fortsetzung, würde sie allerdings nur online stellen, wenn genug Leser dies wollen  :)
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