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Die Nacht, die nicht so ist wie Nächte hier eben so sind

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Seth Cohen Summer Roberts
29.09.2009
22.11.2009
3
4.017
 
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29.09.2009 1.497
 
Titel: Die Nacht, die nicht so ist wie Nächte hier eben so sind

Autor: The Nightheart

Disclaimer: OC und sein kalifornisches Lebensgefühl, seine Musik und alles Andere gehört mir nicht, die Nächte gehören mir, gehören jedem, der sich ihnen öffnet...poetisch nicht wahr?

Part: 2/3

Previously on the OC: Seth ist allein in Newport, wenn auch nicht in diesem Augenblick. Summer ist bei ihm. Summers Körper, den er vor Schlimmerem bewahrt hat. Summer selbst ist irgendwo im Rausch und nicht aufzufinden.
Jedenfalls nicht ohne weiteres...

Zusammenfassung: Seth redet mit niemanden. Er hat Erfahrung darin. Captain Oats ist streng genommen niemand, die Schönheit in seinen zittrigen Armen ist zwar alles und das Wichtigste, aber zu einem Gespräch gehören zwei Anwesende. Seth ist für richtige Gespräche aber zu feige.

Zitat: „Ich bin so abhängig von dir, dass es mir manchmal Angst macht.“

Nachts

Die Wärme dieser Nacht wandelte sich von einer lauen, angenehm spürbaren zu einer drückenden und machte Anstalten einfach nur „zu heiß“ zu werden.
Das Fehlen von Sonne, die schwarze Dunkelheit, einzig unterbrochen von dem vielen künstlichen Lichtern verlieh ihr etwas Eigenartiges, Fehlplaziertes.
Seth keuchte, in den Armen spürte er ein brennendes Ziehen, das in der Schulter zu einem dumpfen Druckgefühl wurde.
Er hatte am Anfang nur seine eignen Schritte gehört, jetzt konnte er nur das Pochen in seinem Kopf und das ewig monotone Einziehen und Ausstoßen von Luft vernehmen. Er wusste, dass er, wenn er Summer anders tragen würde, sie nur ein kleines Stück weiter hochnehmen würde, zumindest das Brennen und Ziehen ein wenig abklingen könnte, doch er traute sich nicht, sie in seinen Armen zu bewegen, traute sich nicht, Hand an sie zu legen und sei es nur um sie in eine bessere Position zu bringen.

Nur so hielt er das Tragen durch.
Nur so konnte er es sich gestatten, zu tun, was er gerade tat.
Denn das hier war unendlich viel mehr, als einen Zettel aufzuheben.
Das hier war etwas, was er nie geglaubt hatte tun zu können.
Rechtfertigen konnte er das nur vor sich, indem er sich vor Augen hielt was geschehen wäre, wenn er nichts getan hätte und dadurch, dass er sich schwor nichts, absolut gar nichts auch nur annähernd Vergleichbares zu tun.

Wenn er Summer also anders in die Arme nahm, würde er sie dann aus Versehen berühren?

Seth wollte es nicht riskieren und nahm die Schmerzen, die aus der Position in der Summer lag, für ihn resultierten, auf sich.

Sie war völlig hilflos, weggetreten und er musste sie beschützen.

Er musste einfach.

Seth hatte nicht das Gefühl eine Wahl gehabt zu haben
Wenn er sie gehabt hätte, er hätte sie zurückgelassen, auch wenn er sich später dafür verflucht hätte.

Stattdessen trug er sie durch die drückende Wärme dieser Nacht, keuchend und von Schmerzen gebeutelt.

Aber er hatte ja keine Wahl.

Summer hatte die Augen geschlossen, ungeordnet fiel das dunkle Haar in ihr Gesicht, einige Strähnen hingen ihr im Mundwinkel, andere, kaum sichtbare Haare hatten sich in den Wimpern verfangen, so dass sie immer wieder blinzelte, ohne aus ihrem Schlaf zu erwachen. Den Mund etwas offen, so dass ihre weißen Zähne aufblitzten, wirkte sie beinahe, als ob sie jeden Moment etwas sagen würde.
Seth hatte sie lange angesehen während er sie trug, so gut es eben möglich war.
Er fühlte sich ein wenig schlecht deswegen, denn immerhin konnte sie ja nichts dagegen tun.
Er ermahnte sich, sich auf das Laufen zu konzentrieren.

Noch nie war sie ihm so nah gewesen.
Er spürte sie durch seine Klamotten, hörte ihren viel ruhigeren Atem, wenn er es schaffte die Geräuschkulisse, die sein beschwerlicher Marsch bei seinem Körper hervorrief kurz auszublenden.

Eigenartig war, dass, obwohl Seth oft davon geträumt hatte, er nur Angst empfand, sie könnte aufwachen, Scham, weil er tat was er tat, Verwirrung über sich selbst und seine Handlungen, die ihn, die sie beide, hierher gebracht hatten.

„Normalerweise bin ich nicht so“, sagte er und erkannte, noch während er die Worte im Mund formte, dass er versuchte, sich bei Summer zu entschuldigen.
Er wusste, dass sie ihn nicht hörte, und eigentlich war ihm das Recht, denn er wollte sie nicht aufwecken und ihr die Situation erklären müssen, sich selbst nicht in die Situation bringen mit ihr allein zu sein.

Er hatte Angst vor Summer, gerade weil er so viel mehr für sie fühlte.
Große Angst.
Warum hatte er sich entschuldigt?
Er wusste es nicht, spürte nur, dass er auch weiterhin das Bedürfnis hatte, sich vor ihr zu rechtfertigen.

„Wirklich, normalerweise mache ich so was nicht...“

Was tat er denn da nur?!

Er zwang sich, auf die Straße vor ihnen zu sehen, doch obwohl sie alle mehrere Millionen Dollar kosteten, sahen die Villen am Straßenrand alle gleich aus, der Asphalt vor ihnen führte nur geradeaus, verwischte so zurückgelegte und noch vor ihm liegende Entfernungen zu einer nicht wahrnehmbaren, nicht erkennbaren Unendlichkeit von immer gleich bleibenden Schritten.
Keuchen und Wärme, Pochen und Brennen, dazu die nicht enden wollende Straße.

Seth kam nicht von dem Gedanken los, das er etwas tat, was Falsch war, dass er etwas tat, was er tun musste.

Er wollte mit Summer reden, es ihr erklären, aber genauso wie er sie immer wieder auf Bälle, Partys und Filmabenden einladen wollte.
Er sprach nicht mit ihr, weil jede Gelegenheit, mit ihr zu reden eine große Wahrscheinlichkeit barg festzustellen, zu erfahren, was er eigentlich wusste.

Manchmal schaffte er es sich selbst zu täuschen, doch Seth war sehr wohl gewahr wie oft und wie lange Summer an ihn dachte und in welchem Verhältnis, die beiden zu einander lebten.

„Ich hatte keine Wahl.“

Er war sich nicht sicher, ob er das nur gesagt hatte, um sich nicht den eigenen Gedanken stellen zu müssen.
Jetzt, da er wieder etwas gesagt hatte, redetet er weiter, nicht mit sich selbst, sondern mit der schlafenden Summer, die in seinem Armen lag und damit auf einmal so real war, dass es Seth den Atem verschlug.

„Ich weiß, du hörst mich nicht, aber das ist ok. Ich könnte nicht mit dir reden wenn du mir zuhörst.“ Er leckte über seine Lippen, sie schmeckten nach nichts, hinterließen aber eine Trockenheit auf seiner Zunge. „Ich musste dich mitnehmen...ich meine, ich musste wirklich. Schon klar, ich bin nicht Clarke, du bist nicht Lois, keine Sorge, ich kenne die Regeln der sozialen Pyramide.“

Die waren leicht zusammengefasst: Seth unten, der Rest darüber.

„Seth Cohens kennen Mädchen wie Summer Roberts, aber Summer Roberts kennen keine Typen wie Seth Cohen.“ Ihm fiel auf, dass er von sich in der dritten Person sprach, um eben nicht von sich zu reden. Seth war unglücklich mit seiner Rolle, egal wie sehr er versuchte, das zu leugnen. Wenn er von „Typen wie Seth Cohen“ sprach, dann klang das weiter weg, als wenn er sagte „Typen wie ich“.

„Ich weiß nicht mal, ob du weißt, wer ich bin. Ich kann zwar dein Leben erzählen seit wir Zehn waren, ich könnte eine ganze Biographie mit psychologischem Profil von dir schreiben, aber ich weiß nicht, ob du weißt wer ich bin.“
Er atmete tief ein und versuchte, aus der Luft Kraft zu ziehen, Kraft, Summer weiter zu tragen. „Ich bin so abhängig von dir, dass es mir manchmal Angst macht.“

Er redete über Summer, vor allem aber sagte er Dinge, die er sich normalerweise nicht einmal selbst eingestand.
Er traute sich in diesem Moment nicht einmal, nach unten zu sehen, zu ihr.

„Wenn wir jetzt schon in einer Extremsituation sind, kann ich dir auch sagen, was ich denke. Ich denke, dass du manchmal sehr wie ich bist. Du bist nicht DAS Newport-Mädchen und Gossip Girl. Nicht wirklich, nicht wenn es drauf ankommt, bestenfalls bist du es widerwillig. In einer anderen Welt, also Flash-Gordon-mäßig, da wärst du jemand anders. Na ja, oder du selbst, je wie man das nimmt. Ich bin auch nicht wie alle denken...wenn sie mal an mich denken.“

Summer wandte den Kopf ein Stück, was Seth augenblicklich in Panik versetzte. Doch sie fuhr nicht hoch, wachte nicht auf, regte sich nicht weiter. Nur ihr Kopf schmiegte sich etwas näher an seine Brust. Eine unbewusste Bewegung, doch genug, um Seth zu ermutigen, weiter zu reden.

„Ich bin sehr allein und manchmal schaffe ich es, mir einzureden, dass das gut so ist...aber wenn es das wäre, hätte ich diesen verdammten Zettel bestimmt nicht aufgehoben.“
Er hatte die Antwort, ohne darüber nachgedacht zu haben. Manchmal brauchte man nicht zu denken.

„Was du wissen sollst: ich verspreche mir gar nichts. Nicht hiervon. Ich träume gern und immer wenn du mich ansiehst ist das der Beginn einer neuen Vorstellung von uns beiden. Vielleicht weißt du sogar, wer ich bin. Ich habe mein Boot nach dir benannt.“

Seth glaubte manchmal tatsächlich, Summer wüsste, wer er war und was er empfand und, dass sie beide viel gemeinsam hätten, doch manchmal schlug ihm die Realität so hart ins Gesicht, dass er wünschte nicht wieder zu sich zukommen.

„Ich liebe dich.“

Das war das letzte was er für einige Zeit zu ihr sagte.
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