Die Evil-Expo

GeschichteAbenteuer / P12
Sheev Palpatine / Darth Sidious
17.09.2009
29.06.2011
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Die Evil-Expo, dachte Darkseid, Herr von Apokoplips, als er durch die riesige Halle ging, die nirgends zu enden schien, jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis.
Auf der Evil-Expo gab es immer etwas Neues zu sehen, zu erleben. Schurken und das Böse an sich stellten hier aus, was ihren kranken und kreativen Geistern so einfiel. Und nebenbei traf man sich hier zum Erfahrungsaustausch, zum palavern über nervige Helden, über den Zwang des Schicksals und wie schwer es doch geworden war, einfach nur böse zu sein.

„Verehrte Besucher“, knarrte die Stimme der Ausstellungssprecherin durch die Halle, „am Stand 91 findet gleich die Vorstellung des neuen, verbesserten Todessterns statt. Imperator Palpatine persönlich wird Sie durch die Show und die holographische Erklärung führen.
Am Stand 17 erläutern die Borg ihre neuesten Techniken zur Assimilation fremder Spezies.
Stand 666 gehört wie immer dem Leibhaftigen, der pünktlich zu jeder achten Stunde die neuesten Foltermethoden der Seelen der Verdammten vorführen wird.
Die Schatten präsentieren in diesem Jahr zu unser aller Überraschung keine neueste Version ihrer Planetenzerstörer. Dieses Jahr gehen sie in eine vollkommen andere Richtung und widmen sich den kleinen und kleinsten Waffen. Ihre neueste Waffe ist ein Virus.
Und vergessen Sie auch nicht, an der großen Chaotarchen-Tombola am Stand im Hyperraum teilzunehmen. Als Hauptpreis winkt wie immer ein frisch geklontes Hilfsvolk nach eigenen Wünschen.“

Gedankenverloren schlenderte der dunkle Herr zwischen den Ständen entlang. Sollte er sich vielleicht die Darstellung des neuen Todessterns ansehen? Immerhin hatte er selbst einiges zum Design beigetragen, indem er Palpie, der alten Saufziege, Unterlagen über den Aufbau seiner vollständig verbauten Welt zukommen lassen hat.
Oder doch lieber zu den Borg? Die neuen Assimilationstechniken dürften sich für die Genfabriken seiner Heimat als sehr interessant erweisen.
Aber wenn er ehrlich war, die wahren Schätze auf der Ausstellung waren gar nicht die großen Präsentationen.
Die Juwelen gab es bei den kleinen Ständen, beim Nachwuchs.
Bis zu seiner eigenen Präsentation, dem neuesten elementaren Superkrieger, der sogar genügend Hirn hatte, um allein auf den Pott zu gehen, war noch Zeit.
Genug Zeit um vielleicht bei den Schatten vorbeizuschauen, die letztes Mal den Preis als innovativster Nachwuchs bekommen hatten.
Oder doch lieber zu den Peacekeepern? Sie waren jung, sie waren enthusiastisch. Aus ihnen konnte noch viel werden, wenngleich sie zum ersten Mal präsent waren.
Vielleicht sollten seine Schritte ihn auch zu Bill Gates und Microsoft führen, überlegte er. Niederträchtiger und böser als die war höchstens noch der Weihnachtsmann mit seiner repressiven Selektionsmethode.

„Ah, Darkseid“, grüßte ihn eine bekannte Stimme. Der mächtige Herr von Apokoplips wandte sich um und erkannte Thanos. Der Junge war in Ordnung. Nicht so gut drauf wie er selbst, aber aus ihm konnte noch was werden, wenn er endlich mal diese Marotte ablegte, alles Leben in seinem Universum auszulöschen.
„Auch mal wieder hier? Du, es gibt ja soo viel zu sehen. Ich habe schon mal von Palpie einen Vorabblick auf den neuen Todesstern bekommen. Ein irres Design.“
„Seid gegrüßt, Ihr Finsteren“, grollte einer weitere Stimme, bevor Darkseid darauf antworten konnte.
Beide fuhren sie herum. „Sauron, altes Haus.“
„Na, Sauron, auch mal wieder da?“, rief Thanos und schlug dem Hünen in der schwarzen Rüstung auf die Schulter.
„Stellst du dieses Jahr wieder aus?“, meinte Darkseid. „Vielleicht den Balrog 3.01? Ich bin schon sehr gespannt auf dieses neue Design.“
Sauron lachte laut, dass es in der Halle widerhallte.
Dies erzürnte die anderen Gäste. Sie legten die Finger an die Lippen und zischten: „Pssssst!“
„T´schuldigung“, brummte der mächtige Majar Sauron kleinlaut. „Nee, Ihr. Melkors Balrog-Technologie konnte ich noch nicht reanimieren. Die genetischen Sequenzen sind sehr verzwickt. Das wird wohl noch ein paar tausend Jahre dauern. Aber was anderes habe ich. Die ultimative Erweiterung meiner Hauptwaffe: Fliegende Nazgul.“
„Fliegende Ringgeister? Cooles System“, staunte Darkseid.
„Ach“, meinte der Herr Mordors und winkte verlegen ab. „Es ist ein einfacher Trick dabei. Ich habe geflügelte Pferde erschaffen. Auf diesen reiten nun die Nazgul. Eigentlich nichts besonderes.“
„Nein, ist es nicht. Es wird nur die unglaubliche Macht deiner Ringgeister mit perfekter Mobilität kombiniert.
Du bist ein Tiefstapler, Sauron. Diese Idee ist zwar simpel, aber genial. Darauf muss man erst mal kommen“, erwiderte Thanos.
Hinter dem Visir seines mächtigen Helmes glutete rotes Licht hervor. „Hört auf, hört auf“, rief Sauron. „Ich werde ja ganz rot!“

„Entschuldigung, bin ich hier richtig am Stand der faulen Witze?“, erklang eine harte Stimme hinter ihnen.
Es war ein Kreuz mit der Ausstellung. Irgendwie schafften es die Betreiber in jeder Saison dafür zu sorgen, dass Neuankömmlinge grundsätzlich von hinten kamen. Wobei es interessant gewesen wäre herauszufinden, wie sie bei lediglich zwei Personen entschieden, wer als bereits da und wer als Neuankömmling galt.
Arthas drängte sich zwischen Sauron und Darkseid. Vertraulich legte er ihnen seine mächtigen Arme auf die Schultern. „Es ist also wahr. Je mächtiger, desto schlechter die Gags.“
„Ha!“, rief Thanos und erntete für die Lärmbelästigung wieder ernste Blicke. Auf einer Messe der Helden, da war sich Darkseid sicher, hätten sie ruhig laut sein dürfen. So laut wie immer sie wollten. Aber es war ja noch nie leicht gewesen, ein ungerechter, selbstherrlicher Despot zu sein. Die Anstrengungen dieses Berufs wurden wie immer verkannt. „Ha“, fuhr Thanos wesentlich leiser fort. „Wenn das der Fall wäre, dann wäre dein Eisthron auf Nordend ja die Zentrale der interuniversellen Macht.“
„Ich habe schon Mächtigere für weniger gehäutet!“, erwiderte Arthas nach einer Schrecksekunde.
„Und ich wette, sie haben es gerne über sich ergehen lassen, denn dann hast du wenigstens endlich mal die Klappe gehalten!“
Die beiden tauschten ärgerliche Blicke aus. Ein harmloser Besucher, augenscheinlich ein Borg, der dazwischen geriet, zischte einmal kurz auf, bevor die Energie der Blicke ihn vaporisierte.
„Du kannst mich mal am Gletscher lecken“, knurrte Arthas. „Ich habe doch nicht mein halbes Volk ausgelöscht, um mir die Vorhaltungen eines halbseidenen Darkseid-Verschnitts anzuhören!“
„Halb...“ Erschrocken holte Thanos Luft. „Halbseidener Darkseid-Verschnitt? Ich bin ja wohl ne ganze Ecke mächtiger als Darkseid! Und ich beschränke mich nicht auf lediglich eine einzige Welt!“ Entschlossen klopfte er sich auf die Brust. „Im Gegenteil! Mein großes Ziel ist die Ausrottung des Leben im Universum, um die Seelen meiner Freundin Tod anzubieten!“
„Ein tolles Ziel, du Trottel. Wenn du alles Leben in deinem Universum ausgelöscht hast, dann ist sie arbeitslos, du Genie!“
Thanos wollte darauf etwas erwidern, stockte und setzte erneut an. „Oh.“
„Ja, oh. ICH verwandle meine Feinde ja wenigstens in nützliche Diener. Im Prinzip bin ich der Herr des Recyclings, denn ich lasse nichts und niemanden umkommen. Und aus den Resten kann man immer noch Golems basteln.“
„Du und deine Golems, ihr könnt euch meinetwegen mein Universum von hinten ansehen“, knurrte Thanos böse.
„Jungs, Jungs, das führt doch zu nichts. Ich hätte auch Grund böse zu sein, auf euch beide“, sagte Darkseid und ging massiv dazwischen. „Auf dich, weil du Thanos mit einem Vergleich mit mir beleidigen wolltest, Arthas...“
Beschämt setzte der Lich-König eine reuige Miene auf.
„...und auf dich Thanos, weil du mich plötzlich so darstellst als wäre ich ein viertklassiger Herrscher mit einer lächerlichen Machtbasis.“
Thanos dämmerte was er gesagt hatte und wurde dunkelblau. „Oh. OH. Tut mir Leid, Darkseid, so habe ich das nicht gemeint.“
„Ich bin ja nicht böse.“ Darkseid hob einen Zeigefinger. „Obwohl ich es könnte. Und ihr zwei seid doch eigentlich sehr gute Freunde. Warum streitet ihr euch? Nur weil ihr unterschiedliche Auffassungsgaben in euren Lebenszielen habt? Das ist doch dumm, so dumm. Anstatt zu streiten solltet ihr einander die Hände geben und euch wieder vertragen.“
Unschlüssig sahen sich die beiden an. Dann machte Arthas entschlossen einen Schritt nach vorne und hielt Thanos die Rechte hin. „Entschuldige, bitte. Vertragen wir uns wieder? Ich lasse dich auch meinen Eiswyrm reiten.“
Thanos grummelte unentschlossen. Schließlich aber nahm er die Hand mit allergrößter Vorsicht an. „Na, wenn ich dann auch einen Eiswyrm reiten darf... Im Gegenzug musst du mich in meinem Ferienhaus besuchen. Im Umkreis von siebentausend Lichtjahren gibt es nicht mal den Hauch von Leben.“
„Oh, das klingt gut.“ Arthas sah nach dem Händedruck in die Runde. „Und, wo wollt ihr so hin, Leute?“
„Wie wäre es“, begann Sauron, „wenn wir Palpie und seinen Vortrag besuchen? Er redet immer so trocken und fällt dann unvermittelt ins Schrille ab, da kann er die Auflockerung gebrauchen.“
„Oh, das klingt gut. Hat denn jeder einen Laserpointer dabei?“, fragte Thanos in die Runde.
„Ich habe leider nur einen richtigen Laser“, murmelte Darkseid. „Vielleicht, wenn ich daneben ziele...“
Lachend zogen die vier weiter zum Stand des Imperators.
***
Nach Ende des Ausstellungstages saßen sie noch zu fünft bei einem zünftigen Getränk beisammen.
Palpatine hatte sich ihnen angeschlossen, aber Darkseid vermutete wohl zu Recht, das dies vor allem geschehen war, um ihnen weiter Vorhaltungen machen zu können.
„Ihr hättet beinahe meinen ganzen Vortrag ruiniert“, murrte er zum zehnten Mal und nippte an seinem Bier.
„Äh, Palpie, ich glaube, du glimmst noch ein wenig am Saum“, merkte Arthas an und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.
Palpatine löschte die schwelende Verbrennung mit einem kräftigen Schuss Bier. Als dunkler Rauch aufstieg sah er die anderen vier an, während sie unverschämt kicherten. „Das findet ihr also auch noch lustig.“
„Natürlich finden wir das lustig, Palpie“, erwiderte Sauron. „Aber immerhin geben wir dir auch einen aus.“
„Immerhin“, murmelte der Imperator. „Ist ja auch das Mindeste, nachdem ihr mit einem Laser auf mich geschossen habt.“
„Hat deiner Veranstaltung aber gut getan. So viel Aufmerksamkeit hattest du schon lange nicht mehr“, merkte Thanos spitzfindig an. „Sogar ein Chaotarch kam vorbei. Bei den Peacekeepern und den Borg war praktisch nichts mehr los, weil alle bei dir standen.“
„Bei der Macht, soll ich euch dafür auch noch danken?“, fragte Palpatine bestürzt.
Als er in die grinsenden Gesichter sah, schüttelte er resignierend den Kopf. „Die nächste Runde geht auf mich.“
„Ein Hoch auf den Imperator!“, rief Thanos enthusiastisch und orderte sogleich die nächste Rutsche.

Ja, das war es wohl, warum sich Darkseid wieder und wieder die Evil-Expo antat. Es waren nicht die Projekte, es waren nicht die Aussteller. Es waren die Freunde, die hier zusammen trafen und sich austauschen konnten. Man hatte hier Gleichgesinnte in hohen Stellungen, die wirklich verstanden wie es einem ging und wie man sich fühlte. Die wussten wie belastend der Alltag als grausamer Alleinherrscher war. Die mit einem mitfühlen konnten. Und die einen nicht gleich für einen läppischen Planeten umbringen wollten. Nur hier konnte er wirklich er selbst sein und musste nicht härter, ausdauernder und despotischer wirken als er wirklich war, nur um den jungen Wölfen, die lauernd in seinem Rücken saßen, keine Angriffsfläche zu bieten. Darkseid seufzte. Es war ein stressiger Job, aber er tat ihn doch so gerne!
Hier fand er jedes Mal die Kraft um ein weiteres Jahr zu reißen. Hier, im Kreis seiner Freunde.
Arthas lachte laut auf und klopfte Thanos auf die Schulter.
Sauron machte Palpatine auf einen Fehler im Konstrukt des zweiten Todesstern aufmerksam. Und er selbst nahm dankend die neuen Getränke entgegen und verteilte sie vor seinen Freunden. An ihrem Stammtisch. Hier, auf der Evil-Expo.
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