Wenn man aus dem Fenster schaut...

KurzgeschichteDrama / P6
16.09.2009
16.09.2009
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Nach Hause...




Dunkle Wolken zogen über die kleine, graue Stadt. Es war der erste Herbsttag und das Wetter war ein wahrer Beweis dafür. Bäume umsäumten die lange Straße, die sich irgendwo hinter einer Kurve verlor. Ein Junge zog einsam durch die Straßen, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Er trug eine dunkle, verrissene Jeans und einen nachtschwarzen Pullover, der einen starken Kontrast zu seiner hellen Haut bildete. Seine Schuhe waren alt und abgetragen, die Sohle löste sich schon halb ab. Als er um die Ecke des Kiosks bog blieb er aprupt stehen. Das konnte er jetzt nicht gerade gebrauchen.

"Hey! Was machst du denn hier?", trällerte ihm das Mädchen entgegen und kam zu ihm angestöckelt um ihn kurz zu umarmen. "Ich geh nach Hause...", murrte er nachdem er sie kurz an sich gedrückt hatte. Er blickte nach unten auf seine Schuhe. "Bist du denn nicht mit dem Bus gefahren? Himmel, mir wäre so kalt wenn ich mir denke, ich müsste den ganzen Weg bis nach dir gehen.."
In Gedanken entgegnete er ihr- Tja, du gehst aber glücklicherweise nicht zu mir!
"und das auch auch noch bei diesem Wetter!"  blickte hoch zum Himmel um dann festzustellen das die ersten kleinen Regentropfen fielen. Der Junge räusperte sich und fragte dann höflicherweise, der mürrische Ton verschwand allerdings nicht aus seiner Stimme: "Was machst du denn hier noch?"  Ihr Lächeln verschwand und sie rollte genervt die Augen. "Ich warte auf Julia... sie ist beim Arzt.", sie zeigte auf das Schild das hinter ihr stand, "mich haben sie rausgescheucht weil Handys dort drinne nicht erlaubt sind, Idioten!" Das letzte Wort richtete sie an das steril wirkende Haus.

Der Junge wippte etwas auf seinen Füßen.
Das war soo typisch, dachte er als seine Schulkameradin begann in ihrer Handtasche herumzuwühlen, und dann auf das Telefon zu schauen. Er selber besaß keines. "Naja.. ich werde dann auch mal wieder los.", sagte er und wendete sich zum weitergehen. "Du willst doch jetzt nicht ehrlich noch nach Hause gehen!? Hast du dir schonmal den Himmel angesehen? Du wirst durchnässt sein wenn du zu Hause ankommst!" Er nickte verstehend. "Ja das weiß ich, danke. Wir sehen uns dann Montag.", lächelte er ihr gezwungernermaßen zu und sie nickte nur kurz verdrossen.  "Ja, bis dann."

Als er zehn Meter gegangen war atmete er erleichtert auf. Er mochte sie nicht wirklich und danke allen Gottheiten ihn davor zu bewaren noch mehr Zeit mit ihr verbringen zu müssen. Sie war für ihr Alter von dreizehn Jahren, schon sehr damenhaft und hatte üppige Kurven. Sie hatte lange hellbraune Haaren, die ihre Schulterblätter vollkommen bedeckten, rote Kusslippen, und treue rehbraune Augen. Zudem, weißte ihr Kleiderschrank immer nur die neuesten angesagtesten Klamotten vor und ihr Handy, mit intigrierten Mp3-Playver war immer griffbereit.

Er drehte sich noch mal um, bevor er wieder niedergeschlagen den Kopf senkte und die Straßen weiter entlang ging. Er war heilfroh das er sich nicht mehr mit ihr unterhalten musste, dennoch war allein durch die Straßen zu laufen auch nicht die beste Option für ihn.
Und jetzt fing es auch noch an richtig zu Regen! Er sah zum Himml und fühlte die ersten schwaeren Regentropfen auf seinem Gesicht. Sie liefen hinunter zu seinem Hals und schließlich unter den wärmenden Kragen seines Pullovers. Es fühlte sich für ihn so beruhigend an, das kalte Nass auf seiner warmen Haut zu spüren. Er würde seinen Weg noch sehr genießen, er liebte einfach den Regen. Bis er dann irgendwann in einer kleinen Neubauwohnung, das er sein Zuhause nennen durfte, sich verschanzte und sehnsüchtig die Regentropfen an seinem Fenster beobachtete.
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