Strafe muß sein!

von Robidu
OneshotHumor / P12
13.09.2009
13.09.2009
1
1021
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Das Schweigen Lolths – in jüngster Zeit wohl eines der größten Mysterien der Vergessenen Reiche.
Es hatte zwar nur recht kurz gedauert, aber die Auswirkungen gerade auf viele Drow waren verheerend.
Die Bilanz: Ched Nasad verloren, Menzoberranzan stark angeschlagen, und auch zahlreiche andere Städte kamen nicht ungeschoren davon und können sich jetzt nur langsam von den angerichteten Schäden erholen.
Lange Zeit war die Ursache für dieses Phänomen unbekannt, doch haben Nachforschungen in letzter Zeit Licht in das Dunkel, das dieses Mysterium umgab, gebracht...


Ein Schrei hallte durch die Gänge von Mt. Celestia. Es war der Schrei einer Frau.
„Wie war das noch gleich,“ war kurz darauf eine erboste Stimme eines Mannes zu hören.
„Ihr könnt mich mal,“ erwiderte eine Frauenstimme gereizt, dem ein Klatschen und ein erneuter Schrei folgten.
„Ich versteh dich immer noch nicht,“ grollte die Männerstimme erneut. „Irgendwie höre ich immer die falschen Worte!“
„Ihr sollt mich in Ruhe lassen!“
„Keine Sorge, meine Liebe, das werde ich auch! Aber erst dann, wenn ich das nachgeholt habe, was man in deiner Erziehung offenbar komplett verabsäumt hat!“
Wieder waren ein Klatschen und ein Schrei zu hören.
„Also, was wolltest du mir noch gleich sagen?“
„Aufhören,“ schrie die Frauenstimme, jetzt deutlich flehender.
„Ich höre!“
„Ist ja gut, ist ja gut! Ich werde es auch nie wieder tun!“
„Wie bitte? Du sprichst so undeutlich!“
„Ich werde es nie wieder tun,“ rief die Frauenstimme, dieses Mal deutlich lauter.
„Hoffentlich,“ erwiderte die Männerstimme. „Sonst müßte ich wirklich böse werden!“
„Ja, ja,“ erwiderte die Frauenstimme, „ist die Mißhandlung anderer die neue Form von Gerechtigkeit?“
„Wenn man keine Ahnung hat,“ konterte die Männerstimme und ließ den Satz unvollendet in der Luft hängen. „Und wer nicht hören will, muß bekanntlich fühlen!“
„Arschloch,“ keifte die Frauenstimme.
„Angenehm, mein Name ist Tyr,“ erwiderte die Männerstimme trocken. „Freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen!“
Danach war nur noch undeutliches Gemurmel zu verstehen.

~~~++~~~


„War's das jetzt? Kann ich wieder gehen?“
„Nein. Um den Lerneffekt zu erhöhen, schreibst du mir jetzt eine Million Mal in Schönschrift 'Ich werde mich nie wieder in Dinge einmischen, die mich nichts angehen',“ grollte ein sichtlich aufgebrachter Tyr. „Und solange du damit nicht fertig bist, kommst du mir hier nicht weg!“
Lolth schnaubte verächtlich. Wer glaubte dieser Kerl eigentlich zu sein?
„Ach so, bevor ich es vergesse,“ merkte der Gott noch an: „Solltest du zu unerlaubten Hilfsmitteln greifen, verdoppelt sich die Anzahl mit jedem Vorfall. Ich hoffe, ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt! Und wenn alles nichts hilft...“ Mit diesen Worten wedelte Tyr mit dem Rohrstock vor Lolths Nase.
Entgeistert starrte die Spinnenkönigin den Blinden vor sich an. Etwas sagte ihr, daß Tyr sehr wohl Ernst machte, sollte sie irgendetwas versuchen, und so wandte sie sich resigniert dem Papierstapel vor sich zu und begann zu schreiben...

Als Tyr in seine Gemächer zurückkehrte, erwartete Torm ihn bereits.
„Ihr hattet mich rufen lassen,“ fragte dieser.
„Allerdings,“ entgegnete Tyr. „Ich habe eine Bitte an Euch, und zwar habe ich dieser sogenannten Spinnenkönigin gerade eine ordentliche Strafarbeit aufgebrummt. Könntet Ihr sicherstellen, daß Milady dabei nicht mogelt?“
„Was für eine Strafarbeit denn?“
„Beschäftingungstherapie,“ erwiderte der Blinde mit einem Grinsen. „Sie soll eine Million Mal was aufschreiben, und ich wüßte sichergestellt, daß sie das ganz normal handschriftlich erledigt, ohne daß sie auf Kopierzauber, Hast oder andere Scherze zurückgreift. Auch hat ihr niemand dabei zu helfen.“
Torm überlegte. „Das soll kein Problem sein,“ meinte er. „Schließlich kann ich mich ja auch von hier aus mit meinen Gläubigen in Verbindung setzen, zumal ich nicht meine ganze Aufmerksamkeit einsetzen muß, um Milady zu überwachen. Aber wozu soll das Ganze denn gut sein?“
„Ich will Milady zumindest zeitweise von ihren Gläubigen abschneiden, zumal Eilistraee sich mit einem Hilfeersuchen an mich gewandt hatte, da ihre Anhängerschaft zusehends durch Lolthiten in Bedrängnis gerät.“
Torm nickte verständnisvoll. Ihm war sehr wohl bekannt, daß Tyr unter den Dunkelelfen eine recht große Anhängerschaft besaß, und auch Torm und Ilmater hatten in jüngster Zeit zusehends Einfluß unter ihnen gewonnen. Daß Tyr reagierte, wenn er seine Kinder, wie er eine Anzahl Dunkelelfen bezeichnete, in Gefahr sah, war nur allzu verständlich.
Da sich zudem ein freundschaftliches Verhältnis zwsichen dem Gerechten und der Dunklen Maid herausgebildet hatte, wollte er ebenfalls nicht tatenlos zusehen.
„Überlaßt das mal getrost mir. Ich weiß, wie ich sicherstellen kann, daß Milady Überkandidelt ihre Aufgabe regelkonform erledigt,“ sagte Torm.
„Vorsicht, die Dame ist ganz schön gewieft,“ ermahnte ihn Tyr.
„Ich weiß,“ erwiderte Torm mit einem Schmunzeln. „Nur befindet sie sich hier nicht im Abgrund, sondern auf Mt. Celestia, und das gereicht ihr jetzt zum Nachteil.“
„Stimmt auch wieder,“ mußte Tyr zugeben.
Torm klopfte seinem Herrn aufmunternd auf die Schulter. „Keine Sorge, das kriegen wir schon hin! Ich denke mal, daß die Drow in nächster Zeit mehr mit sich selbst beschäftigt sind und die Priesterinnen dieser Spinnenplage alle Hände voll zu tun haben werden zu verhindern, daß die ganze Angelegenheit entgleist.“
Tyr nickte. „Mal schauen, wieviel von der glorreichen Allmacht“ – Tyr räusperte sich einmal nach diesen Worten – „dieser Spinnenbrut nach diesem Vorfall noch übrig bleibt,“ sagte er mit bierernster Miene, wenngleich Torm sehr wohl die Belustigung bemerkte, die aus den blinden Augen des Gerechten zu sprechen schien.