Pokémon Mystery Dungeon - Katastrophenkiller

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
12.09.2009
05.11.2015
14
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12.09.2009 3.531
 
Pokémon Mystery Dungeon – Katastrophenkiller

So, hallo :)
Hier ist meine neue Story, dieses Mal ausnahmsweise mal nicht über Fußball, sondern über Pokémon.
Nur eines zum Anfang, die Geschichte spielt, während der Handlung von Pokémon Mystery Dungeon 1, PMD2 ist in dieser Geschichte davor passiert. Beide werden zusammenhängen und es ist von Vorteil, beide Spiele zu kennen, da auch aus beiden Spielen Personen vorkommen werden. Aber auch die die nicht beide kennen werden sicherlich ihren Spaß hier haben....
Ich hoffe euch gefällt die Geschichte, und ihr schreibt mir, wie ihr sie findet.
liebe Grüße, Ju :)


Anmerkung vom 04.01.2020: Ich habe die Geschichtenstruktur etwas überarbeitet und vor allem die ersten Kapitel zu längeren Kapiteln zusammengefasst, da sie anfangs drei bis fünf Seiten lang waren und später über zwanzig. Jetzt ist es zumindest ein bisschen gleichmäßiger, ohne dass ich die Dramaturgie kaputt gemacht habe. Geschichte wird beendet, versprochen!


Kapitel 1


Sein Leben würde an diesem Tag beginnen aus dem Ruder zu laufen. Alles würde sich verändern. Es war der Tag, an dem seine Schwester Pika während eines der unzähligen Erdbeben die die Pokémonwelt seit einigen Jahren immer öfter heimsuchten, von der Klippe an der Pelipperpost fiel.

Das Erdbeben an diesem Tag war heftiger gewesen als alle anderen davor, und das mochte etwas heißen. Denn seit Monaten waren Erdbeben, heftige, oft wochenlang andauernde Wetterextreme wie Dürre oder Regenfälle, Schnee im Sommer oder Flut an der Tagesordnung, sodass die Pokémon von Klippenweiher mittlerweile einiges gewohnt waren.
An diesem Tag würde es besonders heftig ausfallen, und was anfangs schien wie eine weitere Gemeinheit des Alltags, war der kleine Stein, der in Dragans Leben eine Lawine unglaublicher Ereignisse auslösen würde.

Wie fast jeden Tag waren Pika und Dragan bei ihrer täglichen Tour zum Pokémonplatz zur Pelipperpost gewandert, um nach Anzeigen zu schauen, von anderen Pokémon, die Retterteams gründen wollten –denen die finanziellen Mittel fehlten, die Partner oder die Retterbasis.
Es stimmte, durch die vielen Naturkatastrophen hatten sich in letzter Zeit so viele Teams gegründet, dass Pelipper mit dem Registrieren überhaupt nicht mehr hinterherkam, und ihm so langsam auch die Orden und die Starterpacks ausgingen, die jedes neue Retterteam zu Anfangerhielt.

Dragan, ein junges Pikachu, hatte diesen Traum, den jedes junge Pokémon indiesen Tagen träumte: Einmal so sein wie das ACT-Team, von Simsala, Despotar und Glurak. Einmal die selbe Anerkennung und Bewunderung erfahren, derer man sich gewiss sein konnte, wenn man jemand Verloren geglaubtes aus einer ausweglosen Situation rettete.
Im Gegensatz zu den meisten Jugendlichen jedoch hatte Dragan den Ehrgeiz, ein eigenes Team zu gründen und zu führen. Er wollte sich weiter entwickeln, stärker werden und mit seinen Aufgaben wachsen. Vielleicht einmal sogar herausfinden, was der Grund war für diese grausigen Naturkatastrophen. Und diese unterbinden.

Doch auch an diesem Tag sah es wieder schlecht für ihn aus.
Wie an jedem Tag flog sein Blick wie immer zuerst in die linke obere Ecke, wo seine Anzeige ihren Platz hatte.

'Junges Pikachu sucht Partner für Retterteam „Katastrophenkiller“. Einnahmenteilung 50:50, Retterbasis vorhanden. Bei Interesse bitte bei Pikachu Dragan aus dem Energiewald melden...'

Und wie jeden Tag auch würde er enttäuscht den Kopf wieder senken, denn ausgerechnet seine Anfrage schien der Ladenhüter zu sein.
Was mache ich bloß falsch, dass sich niemand auf meine Anzeige meldet? Das ist nicht fair!
Seine Schwester sah ihn wie jeden Morgen mitleidig an und strich ihm zärtlich über die Hand.
In diesem Moment kam Pele, seines Zeichens Chef der Pelipperpost in der dritten Generation, mit einem weiteren großen Postsack voller Rettungsmissionen im Schnabel herbeigeflogen. Er setzte sich über Dragan auf die Infotafel, blickte den Jungen forsch an, und schnaufte um den Gurt der Tragetasche herum: „All diese Rettungsmissionen...ich komm gar nicht mehr zum Luft schnappen, ich schaff das alleine nicht! Und glaubst du die Überstunden werden bezahlt? Nein...“, erspuckte den Postsack aus, und meinte dann: „Dragan, du siehst aus als ob deine Anzeige immer noch da herumhängt, oder irre ich...Nein? Stimmt das? Na klasse! Ich sag dir, wenn der Fetzen morgen immer noch da hängt, reiß ich ihn ab!“
Damit spreizte er die Flügel und flog durch das geöffnete Dach der Pelipperpost ins Innere des Gebäudes. Dragan seufzte, sah ihm traurig nach.
„Nimm's Pele nicht übel, er ist total erschöpft weil er vierundzwanzig Stunden am Tag schaffen muss. Er ist total müde und gereizt.“, versuchte Pika ihn zu trösten, und er nickte traurig, blickte dabei auf seine Füße.

Danach durchforstete er wie jeden Tag auch die Anzeigen der anderen Pokémon.
Es war schon unglaublich, was sich manchmal für neue Gruppen bildeten, solche wie Team 'Schmackhaft' oder Team 'Übel', um nur die krassesten zu nennen, die sich in den letzten Monaten neu gegründet hatten.
Viele von ihnen waren nur auf die Belohnungen aus, die auf die Rettungen ausgesetzt waren, und scherten sich nicht um andere Retterteams, behinderten diese sogar um selbst mehr Profit schlagen zu können.

So etwas fand Dragan ziemlich lächerlich, schließlich war Retter ein ernstzunehmender Beruf und nichts für schwache Gemüter. Naturkatastrophen forderten ihre Opfer und auch Dragan und seine Familie waren davon nicht verschont geblieben.
Eine seiner drei Schwestern, Paichéa, war von einem riesigen Felsbrocken erschlagen worden, als sie gerade in der Gebirgskette nach Sinelbeeren suchte. Seitdem hegte Dragan tief in seinem Inneren den großen Wunsch, andere Pokémon vor diesem traurigen Ende zu bewahren.

Plötzlich fiel sein Blick auf eine ausnahmsweise ansprechende Anzeige.
'Schiggy Blue sucht Partner für Retterteam „Go-Getters“ Teilung der Einnahmen zu gleichen Teilen, Retterbasis noch nicht vorhanden. Fürs Erste nur einfache Aufträge. Bei Interesse bitte melden bei...“

In dieser Sekunde begann die Erde zu beben.

Der Boden auf dem Dragan stand, wellte sich wie das Meer nur ein paar Meter weiter und er hatte Angst zu stürzen. Reflexartig hielt er sich am Infobrett fest und betete, dass dieses bitte nicht umstürzen und ihn erschlagen würde.
Dass seine Schwester nicht mehr in seiner Nähe war, realisierte er zuerst überhaupt nicht, doch auf einmal hörte er den Schrei.
„Dragan, Hilfe!“
Ihm schien das Blut in den Adern zu gefrieren und er wirbelte herum, seine Augen suchten hektisch nach seiner Schwester.

Pika lag an der Klippe auf dem Boden an der Pelipperpost und lief Gefahr, dort hinabzustürzen!
„DRAGAN!“,schrie sie auf, ein schriller, verzweifelter Hilfeschrei, der sich in Dragans Gehörgänge bohrte wie ein Pfeil.
Pika ist in Gefahr!
Dies war der einzige Gedanke, der in diesen Sekunden seinen Platz in seinem Kopf fand. Immer wieder wiederholte sich dieser Satz in seinem Kopf, dass es ihm vorkam wie ein Rhythmus, ein Metronom, zu dessen Takt er sich bewegen musste um dem Erdbeben entgegenzuwirken.
Pika ist in Gefahr!
Das Elektropokémon ließ die Infotafel los und versuchte, schnell zu seiner kleinen Schwester hinüberzulaufen, doch das Erdbeben war zu stark. Er stürzte, kroch weiter, versuchte sich aufzurichten, der unbändige Wille, seine Schwester zu retten war in diesem Moment so groß, dass er, wie Dragan hoffte, große Kräfte freisetzen würde.
Wenn sich irgendwelche Kräfte freigesetzt hatten, waren sie jedenfalls nicht stark genug gewesen, um dem Erdbeben zu trotzen.
Er kam nicht von der Stelle, alles um ihn herum hatte ein Eigenleben entwickelt und gab nach, wenn er sein Gewicht anders verteilen wollte, um auf die Beine zu kommen.
„Pikaa!“, rief er verzweifelt, seine kleine Schwester hing bereits mit den Füßen in der Leere und hielt sich bloß noch an einigen rosa Tulpen fest, um nicht sofort in die Tiefe zu stürzen.
„I-ich k... k.. kann m-mich ni-nicht mehr länger halten...“, ächzte sie über das Dröhnen des Erdbebens hinweg, und versuchte sich mithilfe der Blumen zurück auf sicheres Terrain zu ziehen, was misslang, und die Blumen beinahe aus dem Boden riss.
Dies war der Moment, in dem Dragan begriff, dass er alleine Pika nicht mehr erreichen konnte.
„PELE! HILFE, PELIPPER!“, rief er verzweifelt und blickte hoffnungsvoll in Richtung des Postamts.
Aus der stieg sogleich Pele, der Postbote von Klippenweiher hinab und hielt auf die Klippe zu, der Boden bebte noch immer.
„Pika, halt durch!“, rief Pele, der die Lage sofort erkannt hatte, öffnete seinen großen pelikanähnlichen Schnabel und fegte durch die Luft auf Pika zu.

Er hätte es geschafft. Fast hätte er es geschafft, wäre in diesem Moment nicht ein besonders heftiger Stoß durch den Boden gegangen,der die Tulpen komplett entwurzelte und Pika ihrem Halt beraubte.
Pika fiel.

„Neiiin…“, hörte man ihren Schrei, der immer leiser wurde, je tiefer sie stürzte. Das Pelipper flog ihr sofort hinterher und Dragan spürte plötzlich diese hemmende Angst in sich, den letzten Rest seiner Familie zu verlieren, den er noch hier hatte, bei sich.
Nach Paichéas Tod waren seine Eltern fortgezogen aus Klippenweiher, hatten sich stattdessen in Schatzstadt niedergelassen und das war eine Ewigkeit weg. Unerreichbar für Dragan und Pika, die sich entschieden hatten, die Stadt wo ihre Schwester begraben lag, nicht zuverlassen.
Die beiden hatten Geld mit dem Suchen und Verkaufen von seltenen Beeren verdient und hatten sich so eine kleine Hütte mit einem jedes Jahr einige Früchte tragenden Apfelbaum davor gekauft, an der Grenze zum Energiewald. Mit ihrem alten Haus waren zu viele Erinnerungen verbunden, an Paichéa, eine glückliche Kindheit, an ihre Eltern...

Langsam hörte die Erde auf zu beben und Dragan wagte, sich aufzurichten und an den Rand der Klippe zu gehen, herunterzuschauen.
Die Tiefe versetzte ihm einen Riesenschreck und er zuckte zurück.
Wie weit unten das Meer doch war!
Wo waren Pika und Pele? Trotz seiner Höhenangst starrte Dragan ein weiteres Mal hinab und suchte mit den Augen nach seiner Schwester.
„Pika!“, schrie er „PIKA!“ Tränen rannen über sein sonnengelbes Fell und er machte sich nicht mal die Mühe sie fortzuwischen.

Plötzlich schälte sich ein weißer, pelipperförmiger Fleck aus dem endlosen Blau heraus, und gewann sekündlich mehr an Höhe.
„Dragaaan!“, hörte er eine helle Stimme, es war Pika! Sie war sicher in Peles Schnabel, ihr Köpfchen schaute hinaus – sie war gerettet!
Pelipper schoss über den Rand und landete mit einem Ächzen neben dem Pikachu auf dem sicheren Festland.
Galant öffnete er den Schnabel, und Pika kletterte, nass und vor Kälte zitternd, aber trotzdem wohlauf und am Leben, hinaus und warf sich in die weit geöffneten Arme ihres großen Bruders.
„Dragan…“, schluchzte sie leise in sein Schulterfell. „Ich hatte Angst…“, flüsterte sie und Dragan antwortete leise: „Ich auch... dass dir etwas passieren könnte, aber es ist alles gut, alles gut... schhhh...“
Zärtlich strich er ihr über den Kopf und über das linke Ohr, das einfach nie gerade stehen wollte und immer herabhing.
Seine Schwester immer noch im Arm, wandte er sich an Pele.
„Danke Pele... ohne dich hätte sie nie so schnell gerettet werden können. Wie kann ich dir nur danken?“
„Was hätte ich denn sonst machen sollen?“, erwiderte Pele mit einer Gegenfrage „sie ertrinken lassen? Den kleinen Sonnenschein von Klippenweiher? Da kennst du mich aber schlecht!“
„Mhmmm...“, grummelte Dragan, da war schließlich auch etwas dran.
„Bring sie erstmal nach Hause, trockne sie ab und lass sie sich abregen. Das wird das Beste sein, glaube ich.“
„Ja, danke nochmal Pele... sobald du irgendwelche Hilfe benötigst, sag mir Bescheid, okay? Du hast was gut bei mir.“
„Geht in Ordnung, danke Dragan.“, sagte Pele und flog wieder in die Post.

Dragan ließ seine Schwester los, nahm ihre Hand und ging mit ihr in Richtung Pokémonplatz.
Als er über den Platz ging, sah er Snubbull und Knofensa an der Snobilikat-Bank stehend, in einen Schwatz vertieft. Als sie ihn erblickten, winkten sie.
„Hallo, Dragan! Wie geht’s? Hast du das Erdbeben eben auch gespürt? Heftig, oder? Eines der heftigsten in der letzten Zeit, vermute ich mal.“
„Hallo, Buly und Fen!“, kam es zurück „Ja, wir haben es mitgekriegt… war echt gruselig, ich hoffe es gibt keine Nachbeben." Dragan versuchte, so normal wie möglich zu klingen, konnte aber nicht verhindern, dass sich seine Nackenhaare bei der bloßen Erinnerung aufstellten „So, ich muss Pika nach Hause bringen, bis demnächst mal.“
„Mhmmm…“, meinte Fen. „Gut, dann mach mal. Mach's gut, Pika.“, sagte er.
„Bis demnächst mal! Tschüss!“, verabschiedeten Pika und Dragan sich und gingen weiter.

Als sie weiterliefen, kam ihnen ausnahmsweise mal jemand entgegen, den Dragan nicht kannte. Ein Endivie. Endivies hatte er in Klippenweiher noch nicht oft gesehen, und sofort war ihm klar, dass es nicht von hierkommen konnte. Der Verdacht bestärkte sich auch darin, dass sie eine Box trug, in der sie sicher ihr Gepäck transportierte.
„Hallo, Entschuldigung!“, begrüßte das Endivie ihn mit heller Stimme, es war ein Mädchen „wo geht es hier zum Pokémonplatz?“ Außerdem war sie offensichtlich nicht ortskundig und hatte einen komischen Dialekt.
„Einfach geradeaus, dann sind Sie fast schon da. Ist nicht zu übersehen“,antwortete Dragan freundlich und zeigte in die Richtung aus der er kam.
„Okay, danke!“, sagte das Endivie fröhlich und hüpfte davon.


Nachdem sie an ihrer Hütte angekommen waren, sie zum Abendessen jeder eine Handvoll Beeren gegessen hatte, brachte Dragan seine kleine Schwester ins Bett.
Er erzählte ihr die Geschichte von Kramurx dem Reisevogel, gab ihr einen Gute Nacht-Kuss auf die Stirn und legte sich neben sie auf ihr Lager aus Stroh.
Es dauerte nicht lange und ihre Atemzüge gingen langsam und gleichmäßig; sie war friedlich eingeschlafen.
Dragan, der eigentlich, nachdem sie eingeschlafen war, nochmal zur Pelipperpost hatte gehen wollen, um sich die Anzeige des Schiggys nochmal genauer anzuschauen, entschied sich in diesem Moment um, denn wie er so dalag, merkte er, wie viel Energie der heutige Tag verbraucht hatte, mit all den Märschen, Erdbeben und ausgestandenen Ängsten. Seine Glieder fühlten sich an wie mit Blei gefüllt und allein der Gedanke ans neuerliche Aufstehen war schon fast zu viel. In diesem Moment zollte das Pikachu der Anstrengung Tribut, sich rundum die Uhr um seine Schwester kümmern zu müssen.

Zudem war da Pikas Angst vor der Dunkelheit.
Ohne ihn konnte sie nicht mehr einschlafen, sie war seitdem ihre Schwester tot und ihre Eltern fort waren, niemals ohne ihn an seiner Seite gewesen, und hatte, so dachte Dragan, wahrscheinlich Angst, wenn ihr großer Bruder nach so einem Tag nicht bei ihr war. Würde sie also aufwachen und er war fort, würde sie sicherlich große Angst erleiden und wenn er wieder käme hätte er dann ein schlechtes Gewissen.
Morgen ist auch noch ein Tag... dachte er matt, während ihm langsam die Augen zufielen.

Am nächsten Tag war die Anzeige verschwunden.






„Nein, oder?“, erklang Dragans entsetzte Stimme, als er am nächsten Tag erneut am Infobrett der Pelipperpost stand. „Das ist jetzt nicht wahr““
„Was ist nicht wahr?“, fragte ein vorüber flanierendes Digdri ihn mäßig interessiert. Dragan schüttelte entsetzt den Kopf und starrte bestürzt die Infotafel an, die so dastand wie jeden anderen Tag auch, nur an diesem Tag fehlte dieses entscheidende Stückchen Papier, mit der ordentlichen, leicht schnörkeligen Schreibschrift und einem gezeichneten Retterorden. Statt der Suchanzeige des Schiggys war da nun eine für die Gründung eines Teams namens Team Fadenschuss (bevorzugte Pokémon Hornliu, Raupy und Waumpel, alle Andere würden aber auch genommen).
„Die Anzeige ist weg! Sie war gestern noch da, und heute…? Ich wollte mich eigentlich darauf melden, sie sah so vielversprechend aus!“, setzte er hinzu, da er bemerkte, dass das Digdri immer noch neben ihm stand.
„Sowas nennt man Pech, mein junger Freund. Aber das gleicht sich alles wieder aus. Häng doch selber eine Anzeige auf.“
„Hab ich doch, und das ist der Ladenhüter hier. Guck!“, empörte sich Dragan und zeigte auf seine, langsam leicht vor Regen verfärbte und an den Ecken ausgefranste Anzeige.
„Dann wirst du irgendetwas falsch machen – aber hab keine Sorge, das wird schon!“
Digdri verschwand wieder, und an den Spuren, die er hinterließ, konnte Dragan erkennen, wie er sich langsam in Richtung der Klippe grub. Das Elektropokémon zuckte die Achseln, und ging traurig zurück in Richtung des Pokémonplatzes.

Er erblickte Lombrero – Loma war sein Name, der vor Lepia, einem erregt mit den Flügeln schlagenden Smettbo stand und sich mit ihr unterhielt – dabei wie wild gestikulierte – aber Dragan verspürte in seinem Frust wirklich keine Lust auf einen Plausch mit einem Pokémon, dass sich in ein Sorglos-Pokémon weiterentwickeln würde, in ein Kappalores. Und auf sorglos hatte Dragan in dieser Sekunde wirklich null Bock. Frustriert kickte er einen herumliegenden Kiesel quer über den Platz und machte sich auf zu seinem und Pikas kleinem Häuschen.


Als er ihr Haus erreichte, saß Pika im Garten mit einem Obstkörbchen in Miniaturgröße - gähnend leer - und ihrer Knuddeluff-Puppe - schon ziemlich ramponiert - unter dem Apfelbaum in der Mitte der Grünfläche, sie starrte hinauf zu den Ästen an denen sonst immer Äpfel hingen – nur an diesem Tag nicht.
„Hallo Pika!“, begrüßte Dragan sein Schwesterlein und hüpfte über das Gartentor.
„Hallo Dragan...“, sagte Pika ohne den Blick vom Apfelbaum abzuwenden.
Der folgte ihrem Blick. Und stutzte.
„Wo sind die ganzen Äpfel hin?“, fragte er. Und zu seinem Entsetzen begann Pika zu weinen.
„PIKA!“, rief er erschrocken, seine Schwester schniefte, vergrub ihre Nase in ihrer Puppe, und ihre Tränen rannen ihr Gesicht hinab und fielen zu Boden.
„Was ist los, Pika?“
„M-meine Schuld...“, brachte sie hervor. Schluchzte erneut. Konnte sich gar nicht beruhigen.
„Was? Wie bitte? Jetzt sag doch mal, in ganzen Sätzen, was passiert ist ...bitte, Pika!“
Sie hickste, wischte sich die Tränen fort, und holte tief Luft.
„Und du bist dann auch nicht sauer, ja?“, fragte das kleine Elektropokémon und sah treuherzig zu seinem Bruder auf. Der zuckte zurück, und versicherte ihr: „Nein, warum auch?“
Pika seufzte. Schluckte. Ballte die Fäuste.
„Also gut...“, sagte sie resignierend „jemand hat unsere Äpfel gestohlen-“ „WAS?“, fuhr Dragan dazwischen, Pika begann wieder zu weinen. „Nein, psssst, schon gut, ich wollte nicht meckern, aber – JEMAND HAT UNSERE ÄPFEL GESTOHLEN?“
Pika nickte wieder.
„Und ich... ich konnte sie nicht aufhalten... ich hab versucht sie aufzuhalten, hab versucht sie mit meinem Elektroschock aufzuhalten, aber... sie haben mich bloß kopfüber in den Komposthaufen geschubst und dann die Äpfel weggebracht, und du warst weg, ich konnte nichts dagegen tun...“, sagte sie mit tonloser Stimme. Dragan war schockiert.
„Pika, jetzt hör mir mal zu. DU konntest gar nichts machen, du brauchst dir auch keine Vorwürfe machen, dass du nichts machen konntest, es war eher mein Fehler. MEINER. Ich hab dich alleine gelassen und dich nicht beschützt...“
„Mhm-mhmmm...“, machte Pika und presste die Knuddeluff-Puppe an sich.
„... ich werde mich sofort drum kümmern... wer hat denn die Äpfel gestohlen? Kennst du sie? Sind sie aus Klippenweiher?“
„Kenn sie nicht, sind wohl auch nicht von hier. Ich glaube... ich glaube, es waren ein Menki, ein Zwirrlicht und ein Stollrak... Sie waren glaub' ich ein Retterteam, sie nannten sich 'Team Schandmaul' und sie waren widerlich. Dragan, ich sag dir – WIDERLICH!“
Der Junge schwieg.
Er überlegte.

'Team Schandmaul' also... ein verbrecherisches Retterteam, das sich an anderer Pokémon Sachen vergreift um sich selber zu profilieren, und kämpfen dabei auch gegen kleine wehrlose Kinder! Sauerei! Gerade das sollte mich dazu anspornen, noch mehr Anstrengungen in meinen Traum zu stecken – einmal der berühmteste Retter der Pokémonwelt zu sein!
Ich BRAUCHE ein Retterteam!



„Komm erstmal mit rein. Ich werde morgen einfach im Kecleon-Laden neue Äpfel kaufen gehen, und bis dahin haben wir noch unsere Notration.“, sagte Dragan, hob das Körbchen auf, half seiner Schwester auf die Beine und zog sie in ihr Häuschen.

Nach ihrem kargen Abendessen legten sie sich wieder hin, um zu schlafen.
Dragan machte sich noch lange Gedanken, ärgerte sich über sich selbst.
Hätte ich gestern die Anzeige direkt mitgenommen, wäre ich heute in einem Retterteam. Dann hätte ich heute nicht losgehen und Pika allein lassen müssen, hätte unseren Apfelbaum verteidigen können. Ich habe alles falsch gemacht.
Und ich muss alles wieder gut machen – die arme Pika hatte solche Angst.

Solche Gedanken kreisten viele in seinem Kopf herum, bis er einschlief.
Und selbst in seinen Träumen verfolgten ihn Team Schandmaul, die Pika mit Attacken bekämpften, und dann die Äpfel stahlen, während er nutzlos in der Gegend stand. Seine Schwester schrie auf, laut und schrill, dass seine Ohren klingelten, dass alles in ihm danach schrie sich vor Pika zu werfen und sie zu beschützen, doch er konnte sich nicht bewegen. Das Stollrak lachte ein fieses, hämisches Lachen, und setzte die Attacke Kopfnuss gegen Pika ein.

„UAARGH!“, schrie er und saß senkrecht in seinem Lager.
Pika? PIKA?
Mit seinen Händchen tastete er nach seiner Schwester, doch sie lag nicht mehr da.
Sie war fort.
„PIKA!“, rief er, und große Angst überkam ihn.

Panisch sah er sich um, und sprang auf die Beine. Sein Herz klopfte wie wild.
„PIKA! Wo bist du?“, brüllte er ein weiteres Mal.

Da öffnete sich die Tür einen Spalt. Eine kleine Gestalt huschte ins Innere des Gebäudes.
„Was schreist du so? Ich bin doch da...“, nuschelte Pika undeutlich und gähnte.
„Wo... wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht!?!“, fragte Dragan, leicht verärgert.
Pika wurde rot. „Ich musste Pipi.“, flüsterte sie. „Ich bin grad rausgegangen dafür...“
Dragan entspannte sich. Puhhh. Und ich dachte schon...

„Komm, leg dich wieder hin und schlaf“, sagte Dragan bestimmend, und Pika verzog das Gesicht.  Dragan legte sich wieder hin – so bemerkte er nicht, dass Pika ein kleines, etwa kieselsteingroßes Etwas, das sie in ihrer Hand versteckt hielt, unter einem Blatt auf dem Boden versteckte.
Dann legte sie sich ebenfalls wieder zu ihrem Bruder.
„Naaaacht...“, murmelte sie, während ihr die Augen zufielen.
„Schlaf gut, Pika...“, antwortete ihr Dragan und kuschelte sich an sie.
Es dauerte nicht lange und sie schliefen.
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