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...und nichts ist, wie es war.

von jeveuxpas
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P6 / Gen
03.09.2009
03.09.2009
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326
 
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03.09.2009 326
 
Langsam und unvermeidlich glitt ihm das Buch aus den Händen.
Er hatte es doch schon kommen sehen und doch konnte er es nicht verhindern. Er war einfach wie gelähmt, konnte nicht reagieren.
Und sah langsam dabei zu, wie das Buch seinen schwachen Händen entglitt und auf den kalten Boden fiel. Es blieb geschlossen dort liegen.
Er starrte es an, als würde es etwas bringen. Als könnte er mit seinem Blick das Buch dazu bewegen, sich wieder vom Boden zu erheben und in seine Hände zurück zu gleiten.
Selbst wenn es sich öffnen würde, wäre er schon zufrieden, dann könnte er vielleicht so weiterlesen.
Es wäre schwieriger, sicher, aber es würde gehen.
Jetzt konnte er gar nicht lesen. Und Aufstehen konnte er nicht, er fühlte sich viel zu schwach.
Er konnte sich gar nicht bewegen, Arme und Beine schienen schwer wie Blei zu sein, sein abgemagerter Körper zitterte.
Er brauchte Hilfe.
Flehend sah er zu ihr hinüber, zu ihr, die ihm jetzt doch helfen sollte, die doch eigentlich dazu da war, ihm zu helfen. Aber sie stand zu weit entfernt, stand am Fenster und blickte hinaus.
Sie war wieder viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, dass es ihm schlecht ging, um überhaupt zu merken, dass er da war.
Er hasste sie in solchen Momenten.
Wenn sie dort am Fenster stand, weggetreten als wäre nichts um sie herum wichtig, als wäre nur sie wichtig und sie das Zentrum dieser Welt. Sie starrte nach draußen, ihre Gedanken irgendwo in weiter Ferne, schon lange nicht mehr in der Realität, sondern im Traumland, wo nur sie selbst zählte.
Und sie zerpflückte die Blumen, die auf der Fensterbank standen. Seine Blumen.
Wäre er nicht so schwach, hätte er geschrien, vor Hass so laut geschrien, dass all ihre Träume zerplatzten und dass sie endlich merkte, wie schlecht es ihm ging, wie sehr er ihre Hilfe brauchte.
Aber er konnte es nicht. Er konnte nur warten und leise weinen.
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