Bartimäus 4-Die Formel des Ptolemäus

von Bartifan
GeschichteAllgemein / P6
Bartimäus Dschinn Honorius Nathanael alias John Mandrake
02.09.2009
06.01.2010
18
23.143
 
Alle Kapitel
60 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
02.09.2009 570
 
Die grauen Wolken thronten wie immer am Himmel und verdeckten die Aussicht auf den schönen Sonnenaufgang. Der riesige rote Feuerball hätte London sicherlich in theatralisches goldenes Licht getaucht, aber die Tatsache, dass nur hier und da ein paar Lichtstrahlen zwischen der Wolkendecke herabfielen und London mit einem schmuddelig- grauen Licht beschien, minderte die Pracht der Sonne beträchtlich.
Kitty trat seufzend vom Fenster weg und ließ den Blick über die auf Boden und Bett verteilten Prospekte schweifen. ÄGYPTEN- riesige Pyramiden, blauer Himmel, eine strahlende Sonne über gleisendem goldenen Wüstensand, zwischen den Dünen wandelten Kamele und Eingeborene verkauften für wenig Geld frische Datteln.
Zumindest liesen die Fotos in den Broschüren es einen annehmen und Kitty hätte an jedem anderen Tag viel dafür gegeben, dort zu sein. Nur heute, ausgerechnet am Tag der Abreise, nicht. Die Koffer standen schon fertig gepackt in der Ecke, sie war gegen etliche Krankheiten geimpft worden, hatte so viele Bücher über Pharaonen und zaubernde Priester gelesen, dass es ihr vorkam, als wäre sie in Ägypten aufgewachsen.
Kitty hatte ein Ticket für ein erstklassiges Flugzeug, das ohne Unterbrechung nach Kairo flog. Hinterher ging es nach Paris, Rom und Prag, die bedeutenden Zauberstädte dieser Welt- und trotzdem verspührte Kitty keine Vorfreude. Überhaupt keine.
Ein Grund dafür mochte wohl sein, dass Kitty trotz ihrer 19 Jahre graue Haare und Falten im Gesicht hatte und aussah wieihre eigene Oma, und das nur, weil sie einem Dämonen an den Anderen Ort gefolgt war.
Der zweite Grund, der sie daran hinderte, sich zu freuen, war dass Kitty ebenjenen Dämonen und seinen Meister schrecklich vermisste, seit die beiden sich für London geopfert hatten.
Heute Nacht hatte Kitty wieder vom letzten Augenblick geträumt, als sie die beiden gesehen hatte: Vereint in einem Körper, schwer verwundet, hatten sie versucht den Dämonen Nouda aufzuhalten. Nathanael, der Meister des Dämonen, hatte ihr sein VERSPRECHEN gegeben, dass sie sich wiedersehen würden. Dann war Kitty davongerannt und Nouda hatte die beiden getötet. Kitty schluchzte zum ertsen Mal seit langer Zeit auf und wischte sich dann wütend die Tränen weg. Es hatte keinen Sinn, zu weinen. Das brachte die beiden auch nicht wieder. Sie waren tot und würden es auch immer bleiben, egal wie oft Kitty an sie dachte.
Sie schlurfte in ihr kleines Bad. Hoffentlich würde die lange Reise sie etwas ablenken, dachte sie, während sie sich mürrisch die Zähne schrubbte. Anscheinend hatte sie schon alles vergessen, was sie die letzten Jahre gelehrt hatten: es hatte keinen Sinn zu weinen, es hatte keinen Sinn zu trauern, es hatte keinen Sinn, rumzuheulen. Das brachte weder die Vergangenheit wieder noch tote Personen.
Ägypten ist schön, sagte sich Kitty. Es gibt dort viel schönere Denkmäler und Monumente als in London. Wer wollte schon den Tower sehen, in dem die Leichen der Verräter ausgestellt waren, oder (Kitty dachte mit Schaudern an jene schrecklichen Ereignisse, die sich vor 4 Jahren dort abgespielt hatten) Westminster Abbey mit den toten Zauberern?
Nein, Ägypten würde sie schon ablenken.
Kitty lief durch die schmale Diele und schnappte sich ihren prallen Geldbeutel. Bevor abends ihr Flug ging, würde sie noch ein letztes Mal durch London laufen, denn wer wusste, wann sie es wiedersehen würde? auserdem wollte sie sich noch ein neues Haarfärbemittel kaufen, denn sie hatte es satt, angestarrt zu werden.
Kitty lief die Treppe zur Haustüre hinunter, trat ins Freie und bog in eines der kleineren Sträßchen ab. Bartimäus, den Dschinn und Nathanael hatte sie aus ihren Gedanken verdrängt.
Review schreiben