Spuren im Sand

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
Henry Fitzroy Mike Celluci Vicki Nelson
31.08.2009
08.09.2009
2
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Titel: Spuren im Sand
Fandom: Blood Ties
Autor: Aisling
Personen: Mike Celluci, Vicki Nelson, Henry Fitzroy
Inhalt: Vicki ruft Mike zur Hilfe. Doch Henry ist nicht derjenige, der sie benötigt.
Disclaimer: Nichts gehört mir
Kommentar: Antwort auf die 120_minuten Challenge. Prompt: Blutspuren.
Beta: Yukai

„Verdammt noch mal, Mike! Henry ist verletzt und braucht unsere Hilfe.“ Vickis flehender Unterton konnte sonst Steine erweichen, aber Mike hatte sich fest vorgenommen, dieses Mal hart zu bleiben. Schließlich stand sie nicht vor ihm, sondern er hörte nur ihre Stimme durchs Telefon. Und wenn es um diesen königlichen Bastard ging, konnte er verdammt gut auf stur schalten.
„Was habe ich damit zu tun? Weder ist es mein Fall, bei dem man versucht hat, ihn abzustechen, noch bin ich mit ihm befreundet. Im Gegenteil: Ich mag ihn nicht und wie du sicher weißt, beruht das auf Gegenseitigkeit.“
„Du weißt doch, dass ich im Dunkeln nichts sehen kann. Wenn er zusammengeklappt ist, kann ich auf zwei Meter Entfernung an ihm vorbei laufen und sehe ihn einfach nicht.“ Den Frust über diese Behinderung konnte Mike selbst durch das Telefon hören. „Was ist, wenn er nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommt und im Sonnenlicht verbrennt? Ich will es mir gar nicht vorstellen.“
Wieso musste Vicki auf die Sache mit der Iluminación del sol anspielen? Seufzend massierte Mike sich die Nasenwurzel. Seufzend gab er nach – er hielt es für das Beste, gar nicht erst zu fragen, was passiert war.
„Wo bist du?“
„Vor dem Clubhaus des Scarlett Woods Golf Course‎, 1000 Jane St.“
„Dafür muss ich quer durch die Stadt.“
„Um die Uhrzeit brauchst du trotzdem nicht mehr als zwanzig Minuten. Ich hasse es, dich um etwas zu bitten, aber Henry braucht deine Hilfe.“
„Wenn ich dir heute helfe, dann kommst du am Samstag mit zu meiner Familie. Meine Großmutter feiert Geburtstag.“
Er hörte, wie sie schluckte. Ein Mal, zwei Mal. „Nur für Henry. Und weil ich deine Großmutter mag. Aber nicht für deine Mutter, die mich ständig fragen wird, wann wir endlich heiraten und sie Großmutter wird.“
Die Antwort tat weh. Aber was hatte er schon zu erwarten, wenn er sie mehr oder weniger erpresste?
„Ich bin unterwegs, aber mache nichts Unüberlegtes.“
„Das mache ich nie. Danke.“
Sie legte auf, bevor Mike noch etwas entgegnen konnte.
Seufzend nahm er die Fernbedienung und schaltete den auf stumm geschalteten Fernseher aus. Es lief sowieso nichts Vernünftiges. Dass gleich ein Eishockeyspiel beginnen würde, war auch nicht so wichtig. Die Mannschaften waren bestenfalls zweitklassig.
Schnell zog er sich eine Jacke an, dann machte er sich auf den Weg.


Er hatte sein Auto noch nicht abgestellt, als Vicki die Beifahrertür öffnete und sich in den Sitz fallen ließ.
„Du fährst am besten eine Runde um den Block und parkst in der Emett Ave. Von dort ist es nicht weit bis Loch 19. Hier, ich habe einen Plan vom Gelände.“
Damit hielt sie ihm einen Flyer hin.
Mike hielt sich nicht damit auf, sie auf ihre mangelnden Manieren hinzuweisen. Stattdessen nickte er nur und folgte ihrer Wegbeschreibung.
Die Emett Ave. entpuppte sich als eine kleine Straße und Mike musste sein Auto zwischen zwei Büschen parken, damit er nicht den Weg versperrte.
Er hoffte, dass er hinaus kommen würde, ohne mit dem Auspuff irgendwo aufzusetzen.
„Was ist jetzt genau passiert?“
Mike stieg aus, ging zum Kofferraum und öffnete ihn. Vicki folgte ihm.
„Wie ich dir vor einigen Tagen erzählt habe, wird Peter Moffat von seinem Arbeitgeber verdächtigt, Geld unterschlagen zu haben und hat mich beauftragt, ihn zu beschatten.“
„Hast du. Und?“
Irgendwo musste er doch eine Taschenlampe haben.
„Er lebt weit über seine Verhältnisse. Der Golfplatz ist zwar bestenfalls Mittelklasse, aber er gibt viel Geld für Autos und Frauen aus. Viel mehr als er eigentlich verdient.“
„Wie kommt Henry ins Spiel?“
Er musste dringend das Auto aufräumen. Es ging nicht, dass er die dämliche Lampe nicht fand. Da sah er den runden Griff. Er nahm sie und knipste sie zum Test an. Es wurde hell.
„Ich habe mir gestern Moffats Wohnung genauer angesehen…“
Mike unterbrach sie. „Vicki, alles was du ohne Durchsuchungsbefehl findest, ist illegales Beweismaterial und kann nicht gegen ihn verwendet werden.“
„Ja, ja, aber ich musste wissen, worauf ich mich einlasse. Denn das schien mir mehr zu sein als nur eine einfache Unterschlagung.“
Wie sehr hatte sie sich im letzten Jahr verändert. Als sie noch im Dienst gewesen war, hatte sie noch nicht einmal an so illegale Dinge gedacht. Mike wusste genau, worauf sie anspielte.
„Industriespionage?“
„Genau.“ Vicki blickte auf den Flyer. „Wir müssen da lang.“ Sie hatte sich auch mit einer Taschenlampe bewaffnet, die nicht nur heller, sondern garantiert auch schwerer als Mikes war. Wie sie es schaffte, die und noch viel mehr in ihrer Handtasche mitzuschleppen, war ihm ein Rätsel.
So nickte er nur und ging vor – mitten durchs Gebüsch, dabei achtete er darauf, die Zweige, die in Höhe von Vickis Gesicht waren, zur Seite zu schieben, da sie die nicht sehen konnte.
„Worum geht es genau?“, wollte Mike wissen.
„Es geht um eine Entwicklung, die demnächst zum Patent angemeldet werden soll. Frag mich nicht nach Details, ich habe davon keine Ahnung. Da ich in Moffats Terminkalender gesehen habe, dass er heute Abend mit seinem Auftraggeber zum Golf spielen verabredet war, habe ich Henry gefragt, ob er nachkommen könnte. Im Gegensatz zu mir kann er spielen und ich würde nicht so auffallen.“
Im Schein der Lampe sah Mike einen Weg. „Aber Henry kann erst nach Sonnenuntergang da sein. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht? Müssen wir jetzt rechts oder links auf dem  Weg?“
„Wir müssen links abbiegen. Ich war auf dem Gelände und habe Moffat mit dem Fernglas beobachtet, hin und wieder habe ich Fotos von seiner Begleitung gemacht. Ich dachte Glück zu haben, da sie sich als sehr schlechte Spieler entpuppten und erst nach Einbruch der Dunkelheit am letzten Loch ankamen. Als Henry endlich mit seinen Golfschlägern ankam, hat er einen Ball so platziert, dass wir zu ihnen gehen konnten.“ Sie seufzte. „Ich dachte, dass es unauffällig war, aber wir kamen wohl im falschen Moment an. Wir müssen jetzt den Weg verlassen. Dann geht es durch zwei Sandlöcher und wir sind am Loch 19.“
Mike folgte ihrer Anweisung. „Und wie ist es eskaliert?“
„Ich bin mir nicht sicher. Glaube aber, dass wir zu ihnen stießen, als Moffat die Unterlagen über das Patent weiter geben wollte. Ehe wir merkten, was los war, wirbelte der andere herum und stach auf Henry ein. Er hat uns alle damit überrascht. Dann ließ er das Messer fallen und lief weg. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, dann hätte mich Henrys Gesichtsausdruck zu einem Lachanfall gereizt. Diese grenzenlose Überraschung, dass man ihn verletzten konnte.“
„Und seine Hochwohlgeborenheit?“
„Er folgte dem Fremden. Ich konnte sehen, wie sich sein weißes Hemd viel zu schnell rot färbte, aber für mich war es zu dunkel, um ihm zu folgen. Er war zu schnell für mich.“
„Und was hat Moffat gemacht?“
Im Lichtkegel sah Mike die Stange, die das 19. Loch kennzeichnete. Vicki schwieg. Sie ging einige Schritte zur Seite, dann bückte sie sich. Nicht schwungvoll, wie sie es sonst tat, sondern langsam und vorsichtig.
In Mike schrillten sämtliche Alarmglocken.
„Was ist passiert?“
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