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Lullaby

GeschichteDrama / P12 / Gen
Dr. Walter Bishop Peter Bishop
29.08.2009
29.08.2009
1
1.232
 
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12 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
 
29.08.2009 1.232
 
Titel: Lullaby
Autorin: Painted Lady
Rating: P12
Thema: Fringe
Widmung: Wer will, das sein Name hier steht, soll mir Bescheid sagen. :)

Oh man. Es tut mir wirklich Leid, vieles in dem OS ist vielleicht nicht stimmig zur Serie, außerdem hab ich das ganze geschrieben, ohne ein Vorwissen auf die zweite Staffel, oder was wirklich passiert ist. >///< alles nur meine Fantasie. Wenn’s irgendwer lesen mag…

Painted Lady.


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Lullaby


Schwarz.

Überall Schwarz.

Wände, Decke, Boden – nichts, außer Dunkelheit.

Der Kopf schmerzt, die Glieder sind schwer, die Lieder schwach. Flatterig wie ein Schmetterling das Bewusstsein, irgendwo zwischen Realität und Traum. Verloren zwischen den Welten, gefangen in der eigenen Seele.

Holz. Ja, Holz! Und Blut, vom Kratzen daran. Die Fingerkuppen bereits taub und abgewetzt, die Kehle stumm vom Schreien. Eine Kiste. So beengend. Kein Entkommen.

Die Luft ist stickig und beklemmend, sie drückt auf den Brustkorb, als wenn sie ihn zerquetschen wollte. Der Atem ist stockend und angestrengt, jeder Zug nach Sauerstoff schmerzt und brennt im ganzen Körper. Das ist die Hölle und Satan wartet nur darauf, die Seele nach dieser Folterung zu zerschmettern.

Im Inneren ein reines Tohuwabohu, kein Gedanke, kein Gefühl, absolute Leere. Nur der Instinkt ’Ich will Leben!’ ist noch da, gepaart mit einer wahnsinnigen Panik.

Die Kinderhände sind zu schwach, sich aus dem Jetzt zu befreien und die Zeit ist fast abgelaufen. Statt Tränen rinnt Sand die rosigen Wangen herunter, schon seit Tagen leidet der Körper Durst.

Erstickte Schluchzer bahnen sich den Weg aus dem Innersten, anstatt still zu liegen und sich die Luft einzusparen. Wer wird noch zur Rettung kommen? Wer könnte hier suchen? Niemand. Alleine. Sterben. Augen aufgerissen. Aus.

~

Mit einem leisen, aber panikerfülltem Schrei fuhr Peter aus dem Schlaf, sein Schlafanzug klebte an ihm und der gesamte Körper des Jungen zitterte wie Espenlaub, während sich ein saurer Geschmack im Mund breit machte. Reflexartig griff er nach der Schüssel, die seine Mutter ihm gestern Abend dorthin gestellt hatte und erbrach sich fast augenblicklich darein.

Ein wimmerndes Geräusch entfloh seiner Kehle und sein Kopf schmerzte so sehr, dass er glaubte, er würde jeden Moment in Ohnmacht fallen müssen. Es war wieder passiert. Schon wieder.

Er war gestorben.

Und egal wie oft seine Eltern ihm auch erklärten, dass es am Fieber lag, dass ihm seine Träume bescherte, glaubte er selber es seien Visionen, etwas mit tieferem Hintergrund. Aber nur eine weitere Bestätigung für das, was er eh schon wusste.

Mit tapsigen Schritten schleppte sich der Siebenjährige ins Bad, möglichst leise um Mutter und Vater nicht aufzuwecken. Nachdem er den Lichtschalter gefunden hatte und das Badezimmer in grellem Licht erhellt worden war, taumelte er mehr als er ging zum Waschbecken, um sich kaltes Wasser ins Gesicht zu werfen und mit Gurgeln den bitteren Nachgeschmack der Magensäure aus seinem Hals zu waschen.

Den Blick in den Spiegel vermied er bewusst, das letzte Mal als er sich selber gesehen hatte, war er so sehr zusammengeschreckt, dass er in Tränen ausgebrochen war. Peters Haut war blass und hatte eine kranke Farbe, Augen und Nase waren rot und geschwollen, die Lippen trocken und brüchig.

Er hatte Angst.

Todesangst.

Er wusste, was die Ärzte sagten, auch wenn sie dazu mit seinen Eltern alleine sein wollten; aber er wusste auch, dass die Medikamente die er nahm nur die von seinem Vater waren und nicht die, die das Krankenhaus ihm verschrieben hatte. Ja, er vertraute ihm immer noch mehr als allen anderen Menschen dieser Welt, selbst nach dem allem, was passiert war. Er würde ihn retten. Bestimmt. So wie er ihn immer rettete. Selbst wenn gar keine Hoffnung mehr bestand, laut den Ärzten, Walter würde alles wieder richten. So wie immer.

An solche Gedanken klammerte er sich immer, wenn es besonders schlimm wurde und er eigentlich wusste, dass es nicht stimmte.

Schon von Kleinkindbeinen an war er immer nur klein, schwach und kränklich gewesen, jede kleine Erkältung hatte ihm beinahe das Leben gekostet. Und jetzt… Peter war zumindest froh, das er die Zeit nicht in irgendeinem Krankenhaus vor sich hinvegetieren musste, er wusste selber nicht, wie seine Eltern ihn daraus geholt hatten.

„Ich…ich will nicht sterben…“, nuschelte der Kleine immer wieder, während er sich den Schweiß und die Tränen unaufhörlich mit Wasser wegzuwaschen versuchte, dass regelmäßige Plätschern des Wassers durchbrach zumindest solange die Stille, die sich wie ein Stöpsel in sein Ohr gelegt hatte. Alles brummte bloß monoton und dumpf und die Welt um ihn herum verschwamm immer mehr.

„Peter? Bist du darinnen?“ Die wohlvertraute Stimme seines Vaters lies ihn ruckartig aufschnellen, was ihm höllische Kopfschmerzen verursachte. „Ja.“, antwortete er deshalb tonlos und leise.

Die Badezimmertür wurde vorsichtig geöffnet und der Wissenschaftler – sein Vater Walter Bishop – trat ein. „Du siehst nicht gut aus.“ Peter drehte sich vom Waschbecken weg, nachdem er das Wasser abgestellt hatte und spürte sogleich eine kalte Hand auf seiner Stirn.

„Du hast immer noch viel zu hohes Fieber, konntest du deshalb nicht schlafen?“ Nicken. „Soll ich dir etwas dagegen geben?“ Erneutes Nicken. „Dann warte einen Moment, ich gehe eben ein Medikament holen.“

Natürlich. Walter scheute es auch nicht extra zum Labor zu gehen, um diese späte Zeit, damit es seinem Sohn besser gehen konnte.



Die Medis, die Walter ihm gebracht hatten, waren erstaunlich süßlich und im Gegensatz zu den anderen, bitteren auf eine gewisse Art und Weise beruhigend. Eine sorgende Hand zog Peters Decke über diesen und ging danach um den Eimer zu säubern.

Dann stellte sein Vater ihm eine neue Schüssel hin, für alle Fälle und nahm sich den Schreibtischstuhl, um sich neben seinen Sohn an dessen Bett zu setzen.

Geborgenheit.

Peter wusste nicht, was er ohne Walter tun sollte. Erschöpft schloss er die Augen, das Medikament schien eine einlullende Wirkung zu haben, die ihn nur noch am Rande mitbekommen lies, dass Walter begonnen hatte ein Lied zu summen, dass er ihm als er noch ein Kleinkind gewesen war immer vor dem Schlafengehen vorgesungen hatte.

Wie durch einen dicken Nebel drangen die Noten zu ihm durch und ließen den Kleinen irgendwie ein Gefühl von Hoffnung überkommen. Er würde gesund. Das sagte sein Vater ihm ja auch immer. Und Walter irrte sich niemals. Das dieser irgendwann von seiner Seite wich, um selber noch ein wenig Schlaf zu bekommen, bemerkte er gar nicht. Süße Träume empfingen ihn, doch schon bald wichen sie einer gedankenlosen Leere.

Diese Nacht überlebte Peter Bishop nicht.

~

Eine zweite Chance.

Mehr war es doch gar nicht, was Walter sich wünschte. Alles wieder gut machen, dass wollte er. Und vielleicht auch noch einmal von vorne anfangen.

Es war unglaublich schwer gewesen, Bell von seinem Vorhaben zu überzeugen und selbst jetzt zweifelte sein Partner wohl immer noch an der ganzen Aktion.

„Walter…ich kann verstehen, dass du um deinen Sohn trauerst, aber das ist einfach zu gewagt, Tote kann man nicht zurückholen.“

Doch, er konnte es. Er war Walter Bishop, er war ein Genie und er konnte nicht verlieren. Niemals. Und wenn er dazu sich selber, vielleicht sogar die Menschheit in Gefahr brachte und die Ordnung des Universums zerstörte – es war ihm egal.

Er wagte es.

Er holte sich seinen Sohn zurück. Oder zumindest, ein Abbild von ihm. Seine Frau glaubte an ein Wunder. Ja, Peter würde leben. Gesund. Wie früher. Aber komplett anders. Das sein Selbst jetzt in der anderen Welt den Verlust seines geliebten Sohnes beklagen musste, war ihm in Trauer ebenfalls egal.

Er würde da sein. Diesmal würde er alles richtig machen. Glaubte er.
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