Picking Up The Pieces

von LMR
GeschichteDrama / P12
John Roxton Marguerite Krux
29.08.2009
13.06.2010
15
19019
 
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Zum wiederholten Mal in dieser Nacht ging der kleine Ölofen aus, der sowieso schon viel zu wenig Wärme in dem kleinen Raum spendete. Fluchend stand Marguerite auf und zog sich die wollene Decke enger um ihre Schultern. Fröstelnd suchte sie nach der Packung Streichhölzern, die sie erst nach fünf Minuten fand. Mit zitternden Fingern gelang es ihr schließlich, den Ofen wieder anzuschalten.
Der Winter hatte London fest im Griff, und wer sich nicht mehr leisten konnte, als eine zugige Wohnung, oder besser gesagt war es ja nur ein schäbiges Zimmer, mit einem Uralt-Ofen, der dauernd ausging, hatte damit zu kämpfen, nicht ernsthaft krank zu werden. Marguerite war bereits krank, aber einen besseren Ofen konnte sie sich nicht leisten, sonst würde sie sich nichts mehr zu essen kaufen können. Es war ein Teufelskreis.
Sie verfluchte wie so oft den Tag, an dem sie zurückgekehrt waren, ein schöner Morgen im beginnenden Herbst. Ihr war schon beim Aufbruch in diesem Hafen in Südamerika klar, dass sie sich von John und Challenger trennen würde – jedenfalls für eine Weile, bis sie ihre Schulden bezahlt und ihr Leben wieder auf die Reihe gebracht hatte. Wie sehr hatte sie sich diesbezüglich getäscht. Die Polizei suchte zwar nicht mehr nach ihr, so wie sie es früher öfter tat, denn die Kriegswirren waren vorbei und mit ihnen so wie es schien auch die vielen Spione und Agenten, die den Feind genauso zu verwirren gewusst hatten wie die Verbündeten. Doch Marguerites Kontaktmänner, die Hintermänner ihrer Auftraggeber und diverse andere Leute hatten sie nicht vergessen. Sie hatte ein Vermögen mit aus der verlorenen Welt herausgeschmuggelt, doch sie musste mitansehen, wie alles was sie besaß an diese Männer überging, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Früher hätte sie in Erwägung gezogen, ihre Schulden mit ihrem Körper zu bezahlen, doch dazu konnte sie sich bei Gott nicht mehr durchringen. Sie brachte es nicht mehr über sich, sie hatte sich verändert in den Jahren auf dem Plateau. Sie zog daher ein Leben in völliger Armut vor, denn auch ihrem früheren Hang zum Diamentenraub hatte sie abgeschworen. Sie war als jemand völlig anderes zurückgekehrt.
Wie so oft dachte sie wieder an John. Sie war öfter schon kurz davor gewesen, einfach zu ihm oder Challenger zu fahren und um Hilfe zu bitten. Doch so sehr verändert hatte sie sich dann doch wieder nicht. Sie war immer noch sehr stolz und wollte nicht um Almosen betteln; zumal John sie so schnell sicher nicht wieder gehen hätte lassen. Es war schon schwierig genug, sich in dem Gedrängel, das am Kai herrschte, von ihm loszumachen und  unterzutauchen, ohne dass er dies merkte. Sie konnte einfach nicht mehr zurück. Sie war arm wie eine Kirchenmaus, sie konnte keinen reichen Lord heirateten, nur weil ab und an ihre Hormone mit ihr durchgingen, und sie sich einbildete, ihn zu lieben. Das sagte sie sich immer und immer wieder, doch je länger sie die Worte in ihr Hirn hineinzubringen versuchte, desto schaler wurde ihr Beigeschmack. Sie liebte ihn wirklich. Aber für ihn und vor allem auch seine Familie war es besser, wenn sie sich niemals wiedersähen. Die Bitterkeit dieser Tatsache trieb Marguerite die Tränen in die Augen. Doch sie war schon ihr ganzes Leben stark gewesen und nun musste sie diese Stärke wieder entdecken und sich den Gefahren des Alltags stellen – als aller erstes musste sie aber zusehen, dass sie den Winter überlebte und nicht verhungerte oder erfror.

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fs folgt