Twins Twist

GeschichteAbenteuer / P18 Slash
Draco Malfoy Fred Weasley Harry Potter Lucius Malfoy Viktor Krum
27.08.2009
18.12.2009
23
117943
128
Alle Kapitel
550 Reviews
Dieses Kapitel
55 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Sooooooooooo, da bin ich wieder mit einer neuen Geschichte. Mal sehen, was ihr sagen werdet....

_______________








Lange starrte Lucius auf das Gemälde über seinem Schreibtisch. Darauf abgebildet war eine blonde Frau mit einem schier unglaublich feinen Gesicht. Züge, die er fast jeden Tag wiedersehen konnte, wenn auch nicht an ihr. Ihre waldgrünen Augen schienen ihn zu mustern, nun schon fast sechzehn Jahre lang mit einem schrecklichen Vorwurf.  

„Ich habe es nicht tun wollen, “ beharrte er erneut leise. „Und ich kann es endlich rückgängig machen, “ fügte er dann mit einem feinen Lächeln hinzu. „Aber ich glaube nicht, dass Draco sonderlich begeistert sein wird, das ist dir hoffentlich klar, oder? Ich fürchte, ich habe ihn vollkommen versaut, er ist schrecklich verwöhnt und was nachkommt, wird nicht viel besser sein.“

Der Blonde strich mit einer Hand über den Rahmen des Portraits. „Redest du dann wieder mit mir?“ fragte er nur. Das Gemälde hatte noch nie gesprochen, aber er gab die Hoffnung nicht auf. Nach einem kurzen Moment wandte er sich wieder zu seinem Schreibtisch, sah auf den versiegelten Brief. Er hatte ihn gerade fertig geschrieben und würde ihn jetzt abschicken. Fudge würde es hassen, aber er würde sich sicher auch nicht sperren, der Mann wusste, was gut für ihn war.

Vor allem jetzt, wo Lucius es geschafft hatte, sich von jedem Verdacht frei zu machen. Denn der Krieg, der so viele Jahre getobt hatte, war zu Ende. Und es war ein teures Ende gewesen. Im Ministerium. Er hatte Potter den Rücken gedeckt, wenn auch aus Gründen, die niemand nachvollziehen konnte, während der weinende Bengel beendet hatte, was ein Jahr nach seiner Geburt begonnen hatte – zu spät für dessen Patenonkel, aber es war vorbei. Tom Riddle, alias Lord Voldemort, war tot. Mausetot, ohne eine Aussicht auf Wiederkehr.

Dumbledore hatte ihn augenblicklich nach Askaban bringen lassen wollen, doch daraus war nichts geworden, denn das Ministerium hatte ihn als ihren Spion von Beginn an geoutet, so, wie Severus der für den Alten gewesen war. Natürlich hatten sie voneinander gewusst und sich gegenseitig gedeckt. Er hatte nichts verloren, nur noch Ansehen gewonnen. Ansehen, Geld, alles, was er wollte. Es war nur noch eine Sache, die er sich zu holen gedachte, mit allen nur erdenklichen Rechten. Selbst das Gesetz war auf seiner Seite. Ein Fakt, der nicht immer gegeben gewesen war.

Und der Krieg hatte ihn von noch etwas befreit – der Furie, die er zu heiraten gezwungen gewesen war, um seine Stellung als Spion zu festigen. Narcissa Black, die dumme Furie, hatte voll hinter dem verrückten, schlangenköpfigen Irren gestanden. Sie hatte sogar regelmäßig mit ihm geschlafen, war eine seiner Mätressen gewesen, zusammen mit ihrer mindestens so bekloppten Schwester.

Er selbst hatte nur ein einziges Mal mit ihr geschlafen, weil man das in der Hochzeitsnacht nun einmal tun musste, danach hatte er die Frau nicht mehr ohne Handschuhe angefasst und auch das erste Mal war er nur durch Tränke im Stande gewesen, zu tun, was zu tun war.

Draco war von der Frau privat immer behandelt worden, wie etwas Dreckiges, etwas Verachtenswürdiges. Weswegen er den Jungen vermutlich nur noch mehr verwöhnt hatte. Er liebte Draco abgöttisch, doch da war noch Jemand, mit dem der sich diesen Platz teilen musste und was er auch noch nicht wusste.

Nun, er würde es wohl spätestens bis Ende dieser Woche erfahren, daran hatte Lucius keine Zweifel. Rasch band er den Brief an das Bein der Eule, die auf seinen ausgestreckten Arm geflogen war, dann öffnete er das Fenster und ließ das Tier fliegen, sah ihm hinterher. Er konnte es eigentlich kaum erwarten, auch, wenn er durchaus mit Schwierigkeiten rechnete, aber er war sich auch sicher, dass Diese sich meistern lassen würde.

Allerdings grinste er jetzt schon bei der Vorstellung daran, wie Severus wohl auf diese Neuigkeiten reagieren würde, er rieb sich die Hände. Ja, das würde sicherlich einer dieser Momente werden, die später immer wieder erzählt werden würden. Eine der Familiengeschichten, die sich über Generationen halten würde, auch, wenn nicht jeder Teil davon schön war. Aber das Leben war nun mal nicht fair, nett oder einfach. Das machte es aus.

Rasch goss er sich eine weitere Tasse teuren Kaffees ein und nippte daran, genoss den bitteren Geschmack. Ja, er liebte seinen Luxus und der war auch schwer erarbeitet. Er war ein Finanzgenie und entgegen aller Meinungen über sich kannte Lucius sich in der Muggelwelt gut genug aus, um zu wissen, wo und wann er Geld anlegen musste. Es gab zwei Ketten, die ihm gehörten und die allein schon mehrere Kammern in Gringotts voll hielten. McDonalds und Starbucks, Letztere beschäftigte sich mit etwas, dass er liebte – Kaffee.

Zu all dem kamen aber auch Immobilien und andere Dinge, die weit verteilt waren. Ja, er hatte das Vermögen der Malfoys erfolgreich ausgeweitet und gestärkt. Im Grunde konnten wohl inzwischen drei Generationen nur von den Zinsen allein sicher und gut leben. Aber es war nicht Lucius’ Art, sich auf der faulen Haut auszuruhen, das konnte er gar nicht mehr. Er brauchte mehrere Stunden Arbeit am Tag, gefolgt von einer Trainingseinheit, ob nun magisches Duellieren oder Muggelkampfsport, so oft es nur ging, mit Severus zusammen. Der Tränkemeister war sein bester Freund und Vertrauter, aber nicht mal ihm hatte er je gesagt, was damals geschehen war und welche Folgen es gehabt hatte.

Mit einem Lächeln und der Tasse in der Hand lehnte Lucius sich zurück. Er konnte es kaum erwarten. Er würde wohl auch gleich einem Hauself einige Befehle erteilen...

     





Müde kämpfte Harry sich auf die Beine. Noch immer ging er wie ein Zombie durch die Tage. Schlafen konnte er kaum noch und das nicht nur wegen seiner konstanten Alpträume. Es war inzwischen viel mehr. Er schaffte auch die Aufgaben kaum, die sein Onkel ihm aufbürdete und sein Rücken erzählte diese Geschichte auch. Aber Harry hatte schon lange aufgehört, sich zu wehren, er hatte es verdient. So viele Menschen waren wegen seiner Dummheit gestorben, er hatte es verdient, vielleicht nicht wegen der Dinge, die hier passierten, aber wegen all dem, was er durch seine pure Existenz ausgelöst hatte.

Mit geübten Bewegungen schaltete er den Herd an und stellte die Pfanne darauf, legte die Speckscheiben hinein, während er in einer Schüssel Eier für Omeletts verquirlte. Er musste sich dafür nicht anstrengen. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Während der Speck briet, deckte er den Tisch. Drei Gedecke, nicht mehr. Drei Tassen, zwei Gläser, ein Päckchen Saft. Wurst und Käse.

Immer wieder legte Harry neue Speckscheiben nach, stapelte die Fertigen auf einem Teller und klappte die Omeletts zusammen. Er arbeitete auf Autopilot und als seine Verwandten kamen, um sich zu setzen, füllte er deren Teller, stellte Nachschub auf den Tisch, reinigte den Herd und schlich dann weiter, um die Wäsche, die er am frühen Morgen noch an geschaltet hatte, im Garten aufzuhängen. Weder der Schlag auf eine der offenen Wunden an seinem Rücken noch das gestellte Bein merkte er wirklich.

Denn immer, wenn er sich überlegte, etwas zu sagen, sah er sie vor sich, Ron, Hermine und Sirius. Drei Menschen, die er liebte und die gefallen waren. Weil er zu lange gebraucht hatte. Weil er gezögert hatte, weil er nicht töten wollte, weil er zu langsam und zu schwach war, weil er schlecht und ein Freak war.

Er hatte es verdient, jeden Schlag, jede seiner Verletzungen.

Darum sagte Harry auch nichts, zu niemandem. Na ja, wem auch? Er hatte seit er hier war, ohnehin keinen einzigen Brief mehr bekommen und dazu kam noch, dass die Weasleys sicher nichts mit ihm, dem indirekten Mörder von einem von ihnen, zu tun haben wollten. Wer wollte das schon? Hermine war das einzige Kind ihrer Eltern gewesen und auch sie war tot, dabei war sei doch immer die Intelligenteste von ihnen gewesen.

Mit mechanischen Bewegungen hängte er die Wäsche draußen auf, dann ging er zum Schuppen und holte den Rasenmäher. Stellte ihn zusammen mit einem Rechen bereit, trat dann in die praktisch verwüstete Küche, die wieder leer war. Mit langsamen Bewegungen warf er die Reste in den Müll, er durfte sie nicht essen und er wollte es auch nicht. Er füllte die Spülmaschine, setzte sie an und wischte dann durch, versetzte die Küche in ihren Urzustand, bevor er raus ging, um den Rasen fertig zu mähen, bevor es zu heiß werden würde. Denn das schaffte dann nicht mal mehr er.

Nach dem Mähen und Rächen stellte Harry wieder alles beiseite, trat in die Küche, wo ein Glas Wasser und zwei Brote lagen, Beide dünn mit Margarine bestrichen. Daneben ein Apfel und eine lange Liste mit Aufgaben, die es zu erledigen galt. Harry setzte sich, tank etwas und knabberte an einem Brot, während er die Liste durchging. Es war das Übliche, Dinge, die er jeden Sommer zu tun hatte und die ja auch für zwei Tage waren, wie er annahm. Das Bad putzen, Dudleys Zimmer aufräumen, den Dachboden neu ordnen und den Zaun streichen, zu dem Rest seiner Aufgaben.

Das zweite Brot schnitt er durch und packte es ein, er trank das Glas leer, steckte auch den Apfel in die Tasche des weiten Pullovers für später. Er schlich sich anschließend weiter, immer am Arbeiten, manchmal biss er von dem Brot ab, aber setzen tat er sich nicht ein einziges Mal.

Er arbeitete stur durch, ohne eine weitere Pause, strich schließlich trotz allem sogar noch den Zaun, ohne ein Wort der Klage und auch die Schläge seines Onkels, dem alles nicht schnell genug ging, hielt er wortlos aus. Er hatte generell kaum noch etwas gesagt, seit das Schuljahr zu Ende war. Er hatte auch auf keiner Party auftreten dürfen. Dumbledore hatte es ihm verboten, er sei ein Mörder, das dürfe er nicht vergessen, er habe kein Recht zu feiern.

Harry verstand den alten Mann nicht, in dem er einst einen Großvater gesehen hatte, keine Worte des Trostes, keine Unterstützung, als er Rons Leiche heraus geschleppt hatte. Nur die eisigen Worte, dass alles seine Schuld sei und dass Dumbledore nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Danach hatte er dem Anderen nicht mehr gesehen.

Alles hatte sich verändert. Harry hatte nichts mehr. Niemandem, dem er vertrauen konnte. Sirius war tot, gestorben, weil er ihn retten wollte, dabei war er doch nur ein wertloser Freak. Aber sein Patenonkel hatte mehr in ihm gesehen. Der Mann hatte ihn geliebt wie ein Vater. Remus war seit der Schlacht im Ministerium verschwunden, seine besten Freunde waren tot. Er war allein.

Was machten da schon ein paar Schläge?

Es war weit nach zwei Uhr nachts, als Harry sich hinlegte, um für wenigstens zwei Stunden zu schlafen, auch, wenn die nicht erholsam sein würden. Dazu kam, dass er an diesem Tag nichts zu essen bekommen würde, sein Onkel hatte gemeint, er wäre das Essen nicht wert, da sein Abendessen nicht geschmeckt habe.






Lucius war wenig überrascht als er, nur zwei Tage später, eine dringende Einladung zu Fudge erhielt. Er hatte schon damit gerechnet. Es war Freitag und alles bereit. Das Zimmer, ein Termin bei seinem persönlichen Schneider und andere Dinge. Der Blonde sah in den Spiegel, während er eine der seidenen Westen über sein Hemd zog und fein säuberlich zuknöpfte. Erst dann griff er zu seinem Umhang und grinste, während er seinen Stab ergriff. Es war soweit. Heute würde er bekommen, was er schon seit Jahren wollte und was einfach nicht möglich gewesen war.

Nachdem sein Äußeres perfekt wie immer war, trat Lucius zum Kamin: „Büro des Ministers!“, rief er deutlich, trat am anderen Ende elegant heraus und musterte den Mann, der so schön unter seiner Knute stand. „Minister, “ stellte er ruhig fest.

Fudge starrte den Mann immer noch ungläubig an, lächelte aber dann und deutete auf einen der Stühle. Es gab wenige Dinge, die er sich nicht leisten konnte, Lucius Malfoy zu verärgern war eines davon. Denn der Mann hatte ihn in der Hand, auf mehr als eine Weise. Er war von dem Geld des Blonden mindestens so abhängig, wie von dessen Schweigen, denn auch er trug einen Totenkopf auf den Armen und niemand durfte je etwas davon erfahren. „Ihr Brief hat mich... sehr überrascht...“

„Und?“, fragte Lucius ruhig. „ich fordere mein Recht und Sie wissen, dass man es mir niemals verwehren kann.“

„Ja, aber Sie wissen doch, in diesem speziellen Fall...!“

„Und?“, fragte Lucius kühl. „Mein Manor ist besser gesichert, als Askaban und ich habe andere Mittel. Außerdem kenne ich die Todesser, ich würde sie nie in die Nähe lassen! Wollen gerade Sie mir allen Ernstes in den Rücken fallen?“, fragte er dann, übertrieben freundlich.

„Nein!“; rief Fudge sofort aus. „Nein, nein auf gar keinen Fall, aber das ist eine... komplizierte Situation für mich und Dumbledore kann mir sehr, sehr großen Ärger machen, das wissen Sie.“

„Kann er nicht, glauben Sie mir, “ lächelte Lucius süffisant. „Vielleicht ab heute weniger, als je zuvor.“

„Wie das?“

„Ich werde Ihnen einen Brief schreiben, “ versprach Lucius ruhig. „Sobald ich habe, was ich will und was mir von Rechts wegen zusteht.“ Er hielt seine Hand auf.

Fudge sah den Anderen an. Doch dann gab er nach, legte einen Zettel in die Hand des Blonden. „Bitte schicken Sie mir schnell Ihren Plan,“ bat er ruhig, nahm aber dann den Umschlag, der ihm zugeschoben wurde und er wusste, im Grunde hatte es sich für ihn schon wieder gelohnt. Wen interessierten da schon Dumbledores Pläne? Er hängte sein Fähnchen in den Wind und der kam von den Malfoys aus.

Lucius hingegen rümpfte nur seine Nase, er hasste so durchsichtige Menschen, aber sie waren einfach zu handhaben, also machte er gute Mine zum bösen Spiel. Immerhin musste er nie warten, bekam immer, was er wollte und hatte dadurch seine Ruhe.

Denn er wusste, Dumbledore hätte es nur zu gern anders gehabt, der Alte hatte alles versucht, um ihn nach Askaban zu bringen, aber er war kolossal gescheitert, Lucius liebte es, dem Alten zu zeigen, wo der Hammer hing. Denn es war eine Tatsache, dass er es war, der mehr Einfluss hatte, man sah zu ihm auf, wegen seines Stammbaums und auch wegen dem, was er im Krieg geleistet hatte.

Mit gemessenen, zügigen Schritten lief Lucius aus dem Ministerium, apparierte sich dann davon. Er war aufgeregt, denn auch, wenn es Ärger geben würde, es war das, was er schon so lange machen wollte. Allerdings verzog Lucius angewidert die Nase, als er sah, wo er gelandet war. Mitten in einer Muggelgegend. Nicht, dass er generell etwas gegen sie hatte, aber das hier war ein typischer Vorort, geprägt von Vorurteilen und anderen Dingen. Er musterte das Haus, Nummer vier, eine Weile und sprach einen schnellen Zauber. Nein, der Junge war nicht da. Vielleicht mit Freunden spielen, nahm er an und wartete einfach.

Und das noch nicht mal so lang, wie er erwartet hatte. Keine zehn Minuten später sah er den Jungen um die Ecke biegen, beladen mit Tüten und mit vollkommen ausdruckslosem Gesicht. Der Junge schien ihn nicht mal wahr zu nehmen. Er war trotz der höllischen Temperaturen in einen langen, weiten und hässlichen Pullover sowie in Monsterhosen gekleidet. Ohne ein Wort ging er auf diesen zu und warf die Tüten, die allesamt nur Lebensmittel enthielten, auf den Boden. „Potter.“

Müde sah Harry auf, blinzelte Kurz. Sein Hirn gab ihm die sinnvolle Information, dass er etwas tun sollte, so was wie schreien wie am Spieß, sich verteidigen, wegrennen, irgendwas eben. Gleichzeitig war es ihm aber eigentlich  vollkommen gleichgültig. Nichts konnte schlimmer sein, als das, was er die letzten drei Wochen durchgemacht hatte. „Was wollen Sie?“, fragte er daher nur müde. „Mich umbringen? Bitte. Ich halte sogar still.“

Verwirrt runzelte Lucius die Stirn, packte das Kinn des Jungen und hob es an. „Nichts dergleichen, nur ein paar alte Fehler beheben und mir wieder holen, was ich unfreiwillig weggeben musste...“

„Ich habe nichts, mir gehört nichts und ich will nichts...“

„Du hast keine Ahnung, Junge, “ lächelte Lucius nur und noch bevor Potter reagieren konnte, packte er diesen und apparierte zurück zu seinem Manor, direkt in die neu gerichtete Zimmerflucht, die alles außer einer eigenen Küche hatte.

Erschrocken keuchte Harry auf, er versuchte, sich zu wehren, aber da spürte er schon die Apparation und er musste an sich halten, um sich nicht zu übergeben. Er merkte, wie der Arm sich lockerte, stolperte von dem Blonden weg. „Was....was wollen Sie von mir?“; fragte er müde. „Bitte, ich habe keine Lust auf irgendwelche Spielchen!“

„Ich spiele nie und schon gar nicht mit Etwas, das mir so wichtig ist, “ gab er zurück. Er wunderte sich, dass Potter so ruhig blieb, aber er ging einfach davon aus, dass die Schlacht ihn hatte erwachsen werden lassen. Im Gegensatz zu Draco hatte der Junge ja aktiv daran Teil nehmen müssen, so was ging an niemandem einfach so vorüber.

„Was wollen Sie?!“

Lucius lächelte nur. „Es wird Zeit, dass du erfährst, wer du bist.“

„Was...? Wovon reden Sie?! Ich bin Harry Potter, ob ich es sein will, oder nicht! Ich bin der beschissene Junge, der es nicht auf die Reihe bekommt, ins Gras zu beißen!“

„Nein;“ gab Lucius nur zurück. „Sieh in den Spiegel, “ forderte er Harry auf. Er wartete, bis der Junge dem Befehl folgte, dann strich er durch dessen Haare. „Sieh hin, “ forderte er auf. „ich mache ein altes Anpassungsritual rückgängig.“

Verständnislos starrte Harry in den Spiegel. Er war zu müde, um sich zu wehren, sein Hirn funktionierte zu langsam, um zu begreifen, was hier gerade geschah. Er sah nur, dass er selbst sich auf ein Mal zu verändern schien. Seine Haut wurde noch etwas bleicher, als sie es ohnehin im Moment war, sein Gesicht veränderte sich und dann... wurden seine Haare so weißblond, wie die von Lucius Malfoy. Entsetzt fasste Harry sich ins Gesicht, strich über die Züge. Das war doch nicht mehr er! Das... das war Draco Malfoy! Denn selbst seine Augen blieben nicht verschont! Zwar blieben sie äußerlich grün, doch wurden sie bis zur Pupille hin zu einem seltenen Eisblau. Selbst die Narbe auf seiner Stirn, sie war fast vollständig verschwunden! Das Unheimlichste aber war, dass auch die Person im Spiegel ihre Hand zum Gesicht bewegte und es abtastete.

„Was...?“

„Willkommen zurück zu Hause, mein Sohn.“

„Was...?! Aber wie...? Wovon reden Sie?! Das da bin nicht ich! Ich hatte schon immer ganz schwarze Haare! Und grüne Augen! Und dunklere Haut! Das...!“

„Nein, “ gab Lucius nur zurück, strich durch die nun glatten Haare des Jüngeren, die ihm bis zur Schulter reichten, genau wie die von Draco auch. Aber am Ende des Sommers würden sie wohl etwa bis zur Mitte des Rückens gehen – bei Beiden, dessen war er sich sicher.

„Aber... ich sehe aus, wie Malfoy! Was haben Sie getan?!“

„Du BIST ein Malfoy, “ gab Lucius nur zurück: „Natürlich siehst du auch so aus! Was hast du erwartet?“, Lucius lächelte, wandte Harry so um, dass der ihn ansehen musste. „Du bist Dracos jüngerer Zwilling, er ist dein Bru... He! Ein Malfoy kippt doch nicht einfach so um!“ Der Langhaarige packte seinen Sohn, legte ihn auf das Bett und seufzte leise. Was hatte er erwartet? Er hatte doch gewusst, dass es sicher nicht leicht werden würde.

Nur kurz danach schreckte Harry wieder auf. Verdammt! Er war eingenickt! Und das, wo noch so viel Arbeit auf ihn wartete! Nicht zu vergessen, dass er auch noch von Lucius Malfoy geträumt hatte! Er wollte sich aufrichten – und sah besagten Mann neben sich sitzen. Oh verdammt! Das konnte doch wohl nicht wahr sein!

Lucius lächelte etwas: „Nun, noch mal, du bist Dracos Zwillingsbruder und somit mein Sohn,“ beendete er den Satz. „Und nur, um es angemerkt zu haben, ein Malfoy lässt sich nicht einfach so aus den Latschen hauen.“

Okay, kapitulierte Harry. Lucius Malfoy bildete sich ein, dass er, Harry Potter, sein Sohn war. Hatte er gedacht, sein Leben könne nicht noch schlechter werden? So viel dazu! „Sir, das geht gar nicht! Ich... sehe doch ganz anders aus und...!“

Lucius deutete nur zum Spiegel. „Ich finde, du bist ein Ebenbild von Draco, bis hin zu den Augen, seine haben sich auch in den letzten beiden Wochen verändert.“

„Aber....aber wie... wie sollte das möglich sein?!“

Lucius seufzte leise. Er strich Harry etwas durch die Haare. „Es ist eine längere Geschichte. Ihr seid nicht Narcissas, aber auch nicht Lily Evans Kinder, “  setzte er an. „Ich bin Veela, wir sind eine Spezies, die sich Gefährten sucht, die miteinander kompatibel sind, es gibt immer mehrere Möglichkeiten und darum sterben wir nur dann, wenn es nur Eine für uns gab. Nun, ich habe mich verliebt, das ist lange her, sie war eine wunderbare, junge Frau, ich habe sie in Griechenland in einer Veelakolonie getroffen und wir wollten heiraten. Sie war auch schon schwanger. Aber mein Vater und Voldemort wollten, dass ich die Blackfurie heirate. Sie haben Laia getötet, aber sie hatte kurz zuvor unsere Kinder auf die Welt gebracht. Ich habe Narcissa erpresst, aber sie hat sich geweigert, sich um mehr als ein schreiendes, spuckendes Ekel zu kümmern, also musste ich einen von euch woanders verstecken. Die Potters wollten schon immer Kinder und Ihres ist bei der Geburt gestorben, ein kleines Mädchen. Über eine Agentur habe ich ihnen dich bringen lassen, sie haben einen üblichen Zauber angewandt, um dir ihre Charakteristika zu geben.“

Harry runzelte die Stirn. Was bedeutete das? Was ging hier vor? Wie konnte er ein Malfoy sein, ein Vollblut? Jemand... den Sirius sicher verachtet hätte. Und Ron erst! Der Jüngere schauderte regelrecht. Das war... definitiv zu viel auf ein Mal. Er verstand das alles nicht! Draco, sein Zwilling! Der Junge, der ihn so liebte, wie er Voldemort!

Lucius beobachtete das, was sich in dem schmalen Gesicht abspielte, er lächelte ermutigend. „Ich bin dein Vater, ich wollte nie dass all das geschieht, ich habe nach dem Tod der Potters versucht, dich wieder z u mir zu holen, aber dann habe ich begriffen, dass ich dich damit in Lebensgefahr bringe und du warst bei deinen Verwandten, ich wusste, es geht dir gut. Allerdings wollte ich dich, jetzt, wo die Gefahr vorbei ist, hierher holen, auch, weil du, wie Draco, ein reinrassiger Veela bist und zu eurem Geburtstag...“

Veela, schoss es Harry durch seinen Kopf. Noch mehr. Und noch mehr Kopfweh. Das war wirklich zu viel. Er ließ sich zurück auf das Bett fallen. War eigentlich irgendwas in seinem Leben wahr? „Was... bedeutet das?“ fragte er dumpf. Er wusste nicht, was er fühlen sollte, ob er fühlen sollte. Oder ob es ihn umbringen würde, wenn er beginnen würde, sich zu öffnen, nur um dann heraus zu finden, dass das alles nur ein perfides Spiel zu sein schien.

„Dass du ab jetzt hier wohnst natürlich, du bist mein Sohn, du gehörst hierher. Solltest du etwas brauchen, ruf einfach Dobby, den solltest du ja noch kennen, “ Lucius grinste etwas. „Ich habe ihn zu dir geschickt, um dich zu schützen, du bist sein Master, er ist dein Elf, Draco hat auch einen. Und nein, ich habe ihn nicht frei gestellt, ich habe eine Show aufgezogen, um sicher zu gehen, dass Jemand da ist, der dir helfen kann.“ Kurz runzelte Lucius die Stirn: „ich glaube, das war sehr viel, vielleicht solltest du dich etwas hinlegen und schlafen. Danach wird einiges vielleicht klarer sein, “ bot er an.

Harry sah den Anderen fragend an. „Nur... wie war mein Name?“, fragte er auf ein Mal.

Lucius lächelte etwas, strich dem Jüngeren kurz über die Wange. „Darian. Darian Abraxas Malfoy, “ gab er zurück und ließ mit einem Zauber diese billige Entschuldigung für Schuhe verschwinden, die wirkten, als würden sie gleich zerfallen. „Warum?“

„Ich... muss nicht mehr Harry sein?“, fragte der Jüngere, regelrecht erleichtert. Allein diese Vorstellung, nicht mehr so angesehen zu werden, entweder wie ein Mörder oder wie ein Heiliger, schien ihm wie der Himmel. Aber.... hatte er eine Chance?

Lucius grinste etwas. Sieh einer an. Das würde vielleicht doch leichter werden, als er auch nur zu hoffen gewagt hatte. „Ja,“ gab Lucius zurück. „Du musst nicht Harry Potter sein, weil du es nicht bist. Brauchst du noch etwas von deinen Verwandten?“, fragte er nach. „Gringottsschlüssel oder deinen Zauberstab?“

Harry nickte müde, ja, er hatte noch Dinge da, an denen er so sehr hing. Sein Fotoalbum, sein Umhang. Auch, wenn es nicht seine Eltern waren, sie mussten ihn geliebt haben.

„Dobby wird wissen, um was es geht, er wird dir die Sachen bringen, “ erklärte Lucius, hob die Decke und legte sie um den Jüngeren. „Schlaf etwas, danach wird es dir sicher besser gehen und dann können wir weiter reden...“ Er blieb sitzen, während er beobachtete, wie die Augen sich schlossen, es schien nicht lange zu dauern, bis sein Sohn eingeschlafen war. „Ich freue mich wirklich, dass du wieder da bist, Darian, “ sprach er leise. Er war nie gut mit seinen Gefühlen gewesen, aber es war schön, endlich zu wissen, dass seine Familie nach so langer Zeit vollständig war. Er beugte sich über den Jungen, der ein Ebenbild von Draco war und küsste ihn auf die Stirn, so, wie damals, als er gezwungen gewesen war, ihn herzugeben. „Ich lasse dich nicht mehr gehen, “ versprach er dann leise.

Er blieb noch eine Weile sitzen, aber dann erhob er sich. Es gab Dinge zu erledigen. Unter Anderem die Neueinschulung seines Sohnes unter dessen wahren Namen und der Brief an Fudge, der diesen von allen Problemen erlösen würde, so der die Schulakten für Darian fälschen würde. „Schlaf gut, Darian, “ lächelte er, es war ein tolles Gefühl, diesen Namen wieder auszusprechen. Leise, um den Jungen nicht zu wecken, verließ er das Zimmer, er würde Dobby sagen, dass er seinen Sohn säubern und ihm anständige Sachen anziehen sollte. Warum auch immer der Junge es für toll  hielt, in Lumpen herum zu rennen.

Harry versuchte, sich gegen den Schlaf zu wehren, doch es gelang ihm nicht, er fühlte sich von all den Informationen so erschlagen und verraten, dass er froh war, ihnen zu entkommen, selbst, wenn er sie nur gegen Alpträume eintauschen konnte. Alles schien ihm besser, als seine eigenen, auf ein Mal blonden Haare zu ertragen. Und vielleicht würde er ja aufwachen und alles war nur ein dummer Traum gewesen...