Kein Zurück

von Rakkasei
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 Slash
22.08.2009
03.02.2019
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Bitterlich schluchzend kralle ich mich an die Jacke vom Psychologen.
Mein Kopf fühlt sich so an als würde er gleich explodieren und Schmerzmittel kann ich auch keine nehmen. Sie verdünnen nur mein Blut und dieses ist nicht gerade gut. Klar gibt es auch andere Mittel, aber die Ärzte wollen mir trotz allem keine geben.
Ich hänge gerade an einer Transfusion, da ich einfach zu viel Blut verloren habe. Sie hatten alle Mühe den Blutfluss zu stoppen.
„Komm beruhige dich wieder, kleiner. Deine Mutter kommt direkt, versprochen“, zaghaft streicht er  mir durch die Haare.
Ich habe so Angst., ob ich je wieder zu Reita darf?
Nach allem was passiert ist?
Selbst Fumiko will mich momentan nicht sehen. Als ich aufgewacht bin nach der Operation, stand lediglich mein Psychologe an meinem Bett.
Wimmernd verstecke ich mein Gesicht an seiner Halsbeuge. Selbst die Beruhigungsmittel wollen nicht helfen. Eben hatte er mich gezwungen Tee zu trinken, aber danach musste ich mich direkt mehrmals übergeben.
Wie viele Stunden bin ich wach? Zwei?
Nur verschwommen habe ich anfangs die Umgebung wahrgenommen und ich konnte die Stimmen kaum zu ordnen.
„Leg dich wieder anständig hin und beruhige dich. Noch bist du nicht über dem Berg, also komm schon“, bittet mich der Psychologe und wie aufs Stichwort genau kralle ich mich noch mehr an ihn.
„Ruki, komm schon. Ansonsten muss ich die Ärzte bitten, dich fest zu binden“, ermahnt er mich.
Ängstlich schaue ich ihn an.
„Also lege dich schön brav wieder hin“, sagt er mir mit drohendem Unterton.
Sanft löst er meine Umklammerung und legt mich wieder richtig hin, deckt mich zu.
„Ich will zu Rei“, erwidere ich mit zittriger Stimme, krampfhaft versuche ich die Tränen zu unterdrücken.
„Er kommt morgen bestimmt vorbei“, antwortet er aufmunternd und lächelt mich an.
Seufzend vergrabe ich mich fast vollständig unter der Bettdecke.
Aber ich will ihn jetzt sehen, seine Stimme hören. Wissen, dass alles wieder gut wird. Ich will nicht alles verloren haben, nur weil ich die Kontrolle verloren habe.
~
Obwohl ich erst seit gestern hier liege habe ich schon eine Magensonde. Immer wieder habe ich mich heute Morgen nach dem Essen erbrochen und essen muss ich ja. Mein Herz schwächelt, heute Nacht hatte es wieder aufgehört zu schlagen.
Sie mussten mich wieder beleben, geben mir nun Mittel, damit das Blut dünner wird. Etwas was sie gestern nicht tun wollten. Aber laut ihnen ist die Wunde am Arm nicht mehr das hauptsächliche Problem. Sie meinen das größte Problem wäre der enorme Blutverlust und mein Untergewicht. Deshalb habe ich auch die Magensonde und die Transfusion.
Seit ein paar Stunden habe ich zudem eine Heizdecke, da mir zu kalt ist. Aber dank der Heizdecke fühle ich mich auch ein wenig entspannter und ruhiger. Ich weiß nicht warum, aber die Wärme spendet mir Trost.
Beruhigungsmittel bekomme ich auch keine mehr. Der Psychologe meint es wäre besser so. Hier im Krankenhaus könnte ich mich in Ruhe mit den ganzen Dingen auseinander setzen. Hier könnte man zur Not eingreifen, wenn die Situation wieder eskaliert.
Außerdem kommt er ja jetzt morgens und abends um mit mir zu reden.
Er meint ich wäre sehr gut dran. Und vor allem auch sehr ruhig, für jemanden der vor kurzem einen Selbstmordversuch überlebt hat.
Seufzend starre ich die Wand an. Der Psychologe war bis eben hier, hat mir immer wieder beruhigend durch die Haare gestreichelt. Er meint es wird alles wieder gut. Ich könne nach Hause, sobald meine Werte sich stabilisiert haben.
Eine Klinik werde ich erst einmal nicht von innen sehen. Er will mir nicht die Nähe nehmen, die ich so sehr brauche.
„Ruki? Wie geht es dir?“, besorgt mustert mich Aoi.
Er ist blass. Ich habe seine Anwesenheit gar nicht bemerkt gehabt.
„Nicht gut“, antworte ich und drehe mich seufzend auf die andere Seite.
Er fragt nicht nach, sondern legt eine Hand auf meine Schulter, streicht langsam über sie. Die aufkommenden Tränen kann ich kaum zurückhalten.
„Du bist immer noch willkommen bei uns“, meint er nur und haucht mir einen kleinen Kuss auf die Stirn, „Wenn es dir hilft, wein ruhig. Ich bin immer für dich da.“
Er ist wie mein großer Bruder, er ist genauso fürsorglich wie er.
„Wie geht es Reirei?“, frage ich ihn und drehe mich zögerlich auf den Rücken, richte jedoch meinen Blick nicht auf ihn.
„Frage ihn Morgen selbst, also wenn er vorbeikommt“, erwidert er und streicht sanft über  meine Wangenknochen.
Er beruhigt mich, auch ohne Worte.
„Ich will wieder nach Hause“, schmollend schaue ich ihn an.
„Darfst du ja auch bald. In acht Tagen bist du wieder auf einem normalen Zimmer, also sehr wahrscheinlich. Und die Zeit geht hoffentlich schnell herum“, aufmunternd lächelt er.
„Ich vermisse euch...“, und das so sehr.
Mein Herz schmerzt, vor Sehnsucht. Ich hätte es nie soweit kommen lassen dürfen. Warum habe ich bloß die Kontrolle gestern verloren, warum?!
Selbst der Psychologe kann mir keine Antwort auf diese Frage geben.
Er war selbst mehr als geschockt, da es absolut gar keine Anzeichen gab.
„Ach kleiner, komm schlafe noch etwas. Du redest wirr“, lachend zieht er mir die Bettdecke bis zum Kinn.
„Wie bist du überhaupt reinkommen? Es dürfen nur noch Familienangehörige zu mir“, fragend schaue ich ihn an.
„So oft wie du und Uruha hier schon gewesen seid, die kennen mich und wissen, dass ich mich angemessen verhalte“, immer noch lachend kneift er mir in die Wange, „und jetzt schlafe endlich.“
Es ist schon ein wenig komisch. Obwohl es erst gestern passiert ist, kommt es mir wie Jahre vor. Es geht mir auch eigentlich recht gut, dank der Tabletten. Das einzige schlimme ist das ständige liegen. Aber ich darf noch auf Toilette gehen. Zwar ist es nur dieser komische Stuhl, aber besser als nichts! So rosten meine Gelenke wenigstens nicht ein.
Lächelnd streicht mir Aoi weiterhin durch die Haare. Er hat bisher noch nicht gefragt, warum ich gestern so reagiert habe. Vielleicht hat es ihm auch schon der Psychologe erzählt, man kann es ja nie wissen.
Ich kann ihm zur Zeit keine Antwort geben.
Denn ich selbst kenne die Antwort nicht.
Die Wunden an meinen Händen, dem Kinn und den Knie sind mit Pflastern und Verbänden bedeckt. Sie waren recht tief und mussten alle erst einmal gereinigt werden. Wenigstens werden keine Narben bleiben.
„Wie wurde ich eigentlich gefunden?“, frage ich neugierig nach.
Jetzt bin ich echt gespannt. Ich kann es mir zwar vorstellen, aber ich möchte die Wahrheit wissen.
„Du hattest ja zum Sportlehrer gemeint, dass es dir nicht gut geht. Deshalb hat er auch nach wenigen Minuten Reita nachgeschickt. Als er dich nicht in den Toiletten von den Umkleiden gefunden hat, hat er dem Sportlehrer Bescheid gesagt. Dann haben nach dir halt mehrere gesucht. Als Reita die Dusche gehört hat, ist er sofort gucken gegangen. Und weiter weiß ich auch nicht, da Reita ja nach wie vor unter Schock steht und nicht viel sagt“, traurig guckst du mich an.
Ich bin total glücklich darüber, dass mich Reita gefunden hat. Klar ist es ziemlich hart für ihn, aber ich wollte ihn unbedingt noch einmal sehen. Ich hatte nämlich nicht das Gefühl, dass ich noch einen Morgen erlebe werde.
Erschöpft schließe ich die Augen, als Aoi sanft meinen Nacken massiert. Momentan liege ich auf der Seite, da mein Rücken sich langsam für das viele liegen bedankt. Ich hasse Krankenhausbetten! Die sind meist viel zu unbequem, Reitas Bett ist viel besser!
Als sich die Tür öffnet und schließt, gucke ich nicht nach. Viel lieber genieße ich noch etwas die Aufmerksamkeit von Aoi.
„Na, ihr zwei? Wie geht es unserem kleinen Sorgenkind?“, fragt Aiko flüsternd.
„Er ist ziemlich still, aber ansonsten geht es ihm ganz gut“, antwortet Aoi für mich.
Brummelnd melde ich mich zu Wort. Ich glaube der Psychologe wollte heute Abend noch einmal vorbei schauen. Aber auch nur kurz, damit ich mich nicht überanstrenge. So lange ich mich normal gegenüber den anderen Personen verhalte, ist alles in Ordnung laut ihm.
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Disclaimer: keine der oben genannten Personen gehört mir. Auch werde ich hierfür nicht bezahlt

Ich konnte Ruki einfach nicht sterben lassen ;__;" Eigentlich wollte ich dieses Kapitel erst nach der Überarbeitung posten, aber bis ich an den punkt angelange... *seufz*
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