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Ready 4 Love?

von Lilly-san
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Antony Daniel Costa Duncan Matthew James Inglis Lee Ryan OC (Own Character) Simon Solomon Webbe
06.08.2009
23.06.2022
61
156.859
 
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23.06.2022 2.442
 
Es war etwas mehr als acht Wochen her, das Kristo mir den Zeitungsartikel gezeigt hatte. Dennoch musste ich immer wieder daran denken, was Duncan durch den Kopf gehen würde, sollte dieser Artikel ihm unter die Augen kommen.
Und abermals fand ich mich mehrfach vor dem Telefon stehend wieder und dachte daran, ihn anzurufen. Doch der Mut dazu fehlte mir auch dieses Mal. Vor allem nach diesem Artikel.

Ich versuchte, Duncan endgültig aus meinem Kopf zu bekommen, was mir jedoch mehr schlecht als recht gelang. Immer wieder fragte ich mich, was er wohl gerade machte, doch im Internet zu recherchieren wagte ich mich noch immer nicht, aus Angst, auf was ich stoßen würde.
So stürzte ich mich noch mehr in die Arbeit und in die Therapie, welche langsam dem Ende zuging. Mein Therapeut war zufrieden mit mir. Und dank der unzähligen Sitzungen und Stunden der Aufarbeitung, schlief ich nachts nun wieder fast durch und meine selten gewordenen Flashbacks brachten mich nicht mehr aus der Fassung. Ich hatte gelernt, damit umzugehen und sie zu akzeptieren.




An einem meiner freien Tag war ich in der Stadt unterwegs und versuchte, meine immerzu um Duncan kreisenden Gedanken, mit etwas Bummeln abzulenken. Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle kam ich an einem Musikladen vorbei. Kurz entschlossen ging ich hinein und stöberte ziellos herum. Es gab viel Bekanntes. Aber auch viel Neues. Jedoch nichts, bei dem ich sagen würde, das es mit musste. Daher machte ich mich wenig später wieder zum Ausgang. Da fiel mir neben der Tür eine Kiste auf, in denen Second Hand CDs für kleines Geld lagen. Wahllos kramte ich darin herum, ehe ein Cover mir ins Auge stach. Völlig überrascht holte die CD aus der Kiste und tatsächlich. Meine Augen spielten mir keinen Streich. Lee war in schwarz-weiß auf dem Cover abgebildet. Es war sein Soloalbum, das ich in den Händen hielt. Noch immer völlig baff nahm ich die CD mit an die Kasse und kaufte sie. Dann lief ich zu der Haltestelle und fuhr heim.

Zu Hause angekommen, war ich noch alleine. Ken war noch arbeiten. Die Gelegenheit nutzte ich, ging hoch in mein Zimmer, stellte erst die Tasche mit meinen gekauften Kleidern ab und legte dann die CD von Lee in meine Anlage. Auf dem Weg zurück zum Bett schnappte ich mir die Fernbedienung der Stereoanlage und machte es mir auf meinem Bett gemütlich. Doch plötzlich zögerte ich, den Startknopf zu drücken.
Was, wenn einen von ihnen zu hören, nun doch wieder alte Wunden aufriss …
Was, wenn ich doch noch nicht bereit war und mich das nun zurückwarf? … Ich damit all meinen Fortschritt zunichte machte …
Ich spürte, wie mein Körper anfing zu zittern und ehe ich noch weiter darüber nachdachte, was alles passieren könnte, drückte ich den Play Knopf.




Unkontrolliert liefen mir die Tränen die Wangen hinunter.
Kaum hatte Lees Stimme begonnen zu singen, brachen all die bis jetzt verdrängten Erinnerungen hervor. Und als dann noch das Lied ´How Do I` erklang, wessen Text mir Lee geschenkt hatte, war es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei.

Obwohl ich es all die Monate erfolgreich geschafft hatte zu verdrängen, spürte ich nun wieder, wie sehr mir alle fehlten: Duncan, Lee, Antony und Simon. Aber auch die anderen fehlten mir und jede Faser meines im Augenblick zitternden Körpers sehnte sich danach, zurückzukehren. Sie alle wiederzusehen. Sie alle waren meine zweite Familie gewesen. Es war mein Leben gewesen …

Doch mir war klar, dass ich damals einen großen Fehler gemacht hatte, einfach zu gehen. Fiona hatte recht gehabt. Ich hätte noch einmal versuchen sollen in Ruhe mit Duncan zu reden und erst dann, wenn dieses letzte Gespräch nichts gebracht hätte, hätte ich gehen dürfen. Zudem hätte ich mich damals schon - ob ich wollte oder nicht – in Therapie begeben müssen. So wäre der Druck, den Duncan unbewusst ausgeübt hatte, an mir abgeprallt. Wir beide hätten in Therapie gemusst … Doch wir beiden hatten versucht - jeder für sich – mit dem Erlebten fertig zu werden. Jeder von uns beiden gab sich selbst die Schuld an dem, was passiert war, obwohl es nicht unser Verschulden war.
Ein riesen Fehler.




»Hier bist du … Ist etwas passiert?« Ken war, ohne das ich es mitbekommen hatte, in mein Zimmer getreten und riss mich aus meinen Gedanken. »Was hast du denn?«, fragte er besorgt, kam von der Tür zu mir und setzte sich zu mir aufs Bett.

Verlegen wischte ich die Tränen weg und drückte auf der Fernbedienung den Knopf für Pause. »Nichts. Es ist alles in Ordnung«, versuchte ich zu lächeln, was mir jedoch nicht wirklich gelang. Die Tränen wollten nicht versiegen.

»Sicher. Und deshalb sitzt du auch auf deinem Bett. Hörst Musik und weinst dir die Augen aus.« Er wischte eine erneut kullernde Träne weg. »Also. Was ist? Hat es etwas mit Toni zu tun?«

»Nein«, schüttelte ich den Kopf.

»Ist etwas mit deiner Familie?«, hakte er weiter nach, worauf ich erneut den Kopf schüttelte. »Was ist dann? Ohne Grund weint keiner.«

Ich seufzte. Antwortete jedoch nicht.

»Ist das nicht einer von deinen Sängerjungs?«, fragte Ken plötzlich und deutete auf das Album, welches ich noch immer in einer Hand hielt. »Ich meine mich zu erinnern, ihn vor zwei Jahren im Spanienurlaub gesehen zu haben. Der kleine Quirlige, oder?«

Ich nickte, sah auf das Cover und lächelte. »Ja. Das ist Lee.« Wehmütig strich ich über die Plastikhülle und eine erneute Träne kullerte mir über die Wange und tropfte auf das Plastik.

»Hast du dir gerade seine CD angehört?«

Abermals nickte ich und schniefte. »Habe sie durch Zufall entdeckt.«

»Er hat eine echt schöne Stimme«, meinte Ken dann und strich mir eine weitere Träne von der Wange.

Ich seufzte tief. »Ja, die hat er.«

»Du vermisst die Jungs«, sprach Ken dann die Wahrheit aus.

»Ja«, antwortete ich flüsternd und nickte erneut. »Schrecklich. Das ist mir gerade beim Hören bewusst geworden.«

»Und Duncan?«

Einen Moment schloss ich die Augen und seufzte. »… Ihn auch.«

Ken sah mich forschend an. »Liebst du ihn denn noch?«

»… Ja …« Ich zuckte hilflos mit der Schulter und wischte mir mit dem Handballen über die feuchten Wangen.

»Dann gehe zurück nach London. Rede endlich mit ihm.«

Ich schüttelte den Kopf. »Es ist viel zu viel Zeit vergangen seit meinem Fortgehen. Über fünfzehn Monate … Dann der Artikel mit Toni im Club. Sollte Duncan ihn gelesen oder die Bilder gesehen haben, wird er definitiv nichts mehr mit mir zu tun haben wollen … Duncan kann manches Mal sehr hart in seinen Entscheidungen sein.« Ich senkte meinen Blick und sah auf meine Hände. »Er wird ein neues Leben haben … Ich … habe es verbockt.« Abermals liefen mir Tränen über die Wangen.

»Na komm her«, meinte Ken und nahm mich in die Arme.




Etwas über einen Monat später saßen Ken und ich am Flughafen. Wir hatten seit dem Tag, an dem ich Lees CD gehört hatte, uns mehrere Male über die Möglichkeit unterhalten, dass ich zurückging. Zumindest für den Versuch, mich mit Duncan auszusprechen. Es gab so viel Ungesagtes zwischen uns. Sollte das Ergebnis dieser Reise niederschmetternd ausfallen, konnte ich jederzeit wieder zurück nach Helsinki kommen. Doch Ken fand, es sei wichtig, es zu versuchen, damit ich mir keine Vorwürfe mehr machte. Und mein Therapeut befürwortete es. Ein weiterer, wenn nicht sogar der letzte Schritt, damit meine zerschundene Seele heilen konnte.

So willigte ich schlussendlich ein und wenig später hatte Ken mir einen Flug mitsamt einem Hotel gebucht. Nicht, dass ich meine Meinung noch einmal änderte. Es war Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, wie er es formulierte. Auch wenn ich davon ausging, dass das Ganze in einem Desaster endete und ich schneller zurück war, als ich denken konnte.




Den ganzen Flug über fragte ich mich, ob es wirklich klug war, was ich vorhatte. Ich war mehr als nervös und hatte Angst, was passieren würde. Von totaler Ablehnung, bis hin zur völligen Ignoranz war in meinen Vorstellungen alles vertreten. Und je mehr ich darüber nachdachte, umso verrückter machte mich der Gedanke daran und desto schlechter wurde mir vor Aufregung.

Nachdem das Flugzeug in London gelandet war, wartete ich erst auf meinen Koffer, ehe ich mir ein Taxi rief und zu meinem Hotel fuhr, in dem ich eincheckte. In meinem Zimmer legte ich mich auf das Bett und dachte zum wiederholten Male über mein Vorhaben nach. Ich zog den Bericht, welchen mir Ken vor zwei Wochen, gemeinsam mit dem Flugticket, gegeben hatte, aus der Seitentasche meines Rucksackes und las ihn zum hundertsten Mal durch.

Blue wieder vereint!, lautete die Überschrift. Die jungen Männer hatten sich vor einem Jahr – nach einer vorangegangenen fast einjährigen Pause – getrennt, um sich ganz ihren Soloprojekten zuzuwenden. Nun, nach fast zwei Jahren des hartnäckigen Anfragens und Wartens gaben die Jungs bekannt, das sie wieder gemeinsam die Bühne betreten und als Gruppe Blue auftreten werden. Natürlich wird jeder der Künstler bei dieser Gelegenheit auch Songs ihrer Soloalben präsentieren. Wir sind gespannt und freuen uns …

Ich ließ den Arm mit dem Zettel in der Hand sinken. Noch immer konnte ich nicht fassen, dass sie sich – statt wieder zusammen auf der Bühne zu stehen – getrennt hatten. Antony hatte mir vor meiner Flucht noch im Stillen erzählt, dass sie zum Ende des Jahres wieder gemeinsam auf die Bühne wollten und dann trennten sie sich? Was war nur passiert? … Der Knoten in meinem Magen, der sich beim erstmaligen Lesen des Textes gebildet hatte, kehrte unverzüglich zurück und zog meine Eingeweide wieder spürbar zusammen. Das ungute Gefühl, das ich mit meinem Fortgehen der oder mit ein Grund war, ließ mich nicht mehr los und ich betete, das dem nicht so war. Denn ich hatte gehofft, dass die vier nach meinem Fortgang endlich auch zur Ruhe kamen und sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren konnten …

Mit einem tiefen Seufzer blickte ich auf den Zettel hinunter. Der angegebene Termin für das erste Konzert war morgen Abend. Ken hatte alles genau geplant. Alles, bis auf eine Sache. Ich schloss meine Augen und seufzte erneut. Sämtliche Konzerte waren komplett ausverkauft. Ich schüttelte den Kopf. Das konnte alles nur schiefgehen.

Die Fragen aller Fragen war nun: Wie kam ich an die Jungs, oder bessergesagt an Duncan heran? Sollte ich mir deren Hotel suchen und dort auf ihn warten? Ich konnte mir gut vorstellen, in welcher Pension sie nach dem Konzert absteigen würden, um am nächsten Tag gemeinsam zur nächsten Stadt aufzubrechen … Oder sollte ich doch lieber zum Konzertort gehen und dort warten und hoffen? … Zudem, wer war ihr Manager? Wenn Johnny den Job wieder innehatte, würden meine Chancen gleich null sein, an Duncan heranzukommen. Wenn es jemand anderes war, hätte ich vielleicht eine geringe Aussicht auf Erfolg. Wenn mich nicht einer der anderen daran hinderte …




Todmüde wachte ich am nächsten Tag auf. Die halbe Nacht hatte ich wach gelegen und hin und her überlegt, wie ich am besten vorgehen sollte, doch war zu keiner Entscheidung gekommen.

Nach einer Dusche zog ich mich an und ging nach unten, um etwas zu essen, obwohl mir nicht danach war. Dann machte ich mich auf den Weg. Zuerst mit der Tube, dann mit dem Bus. Ich fuhr zu einem Hotel, in dem ich die Gruppe vermutete, da wir damals hier abgestiegen waren. Doch ich wagte es nicht, in die Lobby zu gehen und entfernte mich nach einer Weile wieder von dem Hotel.

Am späten Nachmittag entschloss ich mich, zur Halle zu fahren. Je näher ich dem Veranstaltungsort kam, umso nervöser wurde ich wieder und kaum tauchte die Fassade der Halle vor meinen Augen auf, bekam ich wieder Herzrasen und der Wunsch wegzulaufen, gewann an Stärke. Der Ort war mir vertraut. Hier hatten wir, gefühlt vor einer halben Ewigkeit, gemeinsam einen Auftritt gehabt.

Es überraschte mich nicht, als ich sah, das schon einige Mädchengruppen vor dem Einlass standen und gackernd darauf warteten, dass sich die Türen öffneten. Andere Gruppierungen saßen auf dem Bordstein und gönnten sich einen Snack. Ich lief an ihnen vorbei, um an den hinteren Teil des Gebäudes zu gelangen, wo die Busse parkten und auch der kurze Weg zwischen der Halle und dem hinteren Gebäude lag. Wenn die vier in die Halle oder in das hintere Gebäude gingen, mussten sie hier vorbei.

Auch hier in dem Bereich standen einige Mädchen und blickten hoffnungsvoll durch die Gitterstäbe in den dahinter liegenden Hof.

»Bist du auch so aufgeregt?«, fragte mich wenig später eins der Mädchen, das zu mir herangetreten war.

»Wieso?«, stellte ich eine Gegenfrage, ohne weiter nachzudenken. Sah man mir meine Nervosität so sehr an?

»Wieso? Na hör mal«, meinte deren Freundin zickig. »Wir hatten schon geglaubt, das wir die Jungs nie mehr zusammen sehen werden. Da ist es doch verständlich, aufgeregt zu sein.«

Ich nickte.

»Der Soundcheck ist schon eine Weile vorbei. Die vier sind wieder ins andere Gebäude«, informierte mich das erste Mädchen. »Wahrscheinlich futtern die gerade«, grinste sie erneut und sah von mir zu ihrer Freundin, die ebenfalls kicherte.

Beinahe hätte ich ihnen geantwortet, dass die vier definitiv jetzt nicht futtern würden. Um diese Zeit galt es sich umzuziehen, zu stylen, die Stimme richtig einzusingen und die Muskeln zu dehnen. Da blieb zum Essen keine Zeit. Das kam später. Doch ich verkniff mir im letzten Moment diese Bemerkung. Es hätte sicherlich fragen gegeben, woher ich das wissen sollte.

»Ich bin gespannt«, meinte die Freundin und sah mich großspurig an. »Weißt du. Lee und Antony waren vorhin hier am Gitter und haben sich mit uns unterhalten. Nachdem sie vom Soundcheck zurück in das Gebäude sind, versprachen sie wiederzukommen. Ich war kurz davor Lees Handynummer zu bekommen.«

Ich betrachtete sie einen Augenblick und kam zu dem Schluss, dass Lee ihr mit Sicherheit nicht seine Nummer gegeben hätte. Sie war nicht sein Typ. Dazu war ihr Haar viel zu kurz. Ich grinste sie nur kurz an, drehte mich dann um und lehnte mich mit dem Rücken an das Tor. Dann atmete ich tief durch. Mir war übel vor Nervosität und obendrein war ich mir nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung war, hierher zu kommen. Was, wenn Duncan mich wie Luft behandelte, sollte er an die Gitter kommen? Was, wenn mich alle wie Luft behandelten? …

»Sag mal …«, riss mich die Stimme des ersten Mädchens aus meinen Gedanken. »Ich habe das Gefühl, das ich dich schon mal gesehen habe.«

»Das glaube ich nicht«, entgegnete ich abwehrend.

»Doch, doch«, nickte sie. »Ich komme nur nicht drauf, wo. Gib mir eine Weile.«

Ich lächelte erneut und wandte mich wieder von den beiden ab. Es war höchste Zeit, auf Abstand zu gehen. Langsam schlenderte ich an den Gitterstäben entlang und brachte etwas Raum zwischen uns. Dann lehnte ich mich erneut mit dem Rücken an den Zaun und versuchte, meine noch immer vorhandene Nervosität in den Griff zu bekommen und unterdrückte das wiederholte Verlangen, mich auf und davon zu machen.
Es war richtig, dass ich es versuchte …
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