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Ready 4 Love?

von Lilly-san
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Antony Daniel Costa Duncan Matthew James Inglis Lee Ryan OC (Own Character) Simon Solomon Webbe
06.08.2009
23.06.2022
61
156.859
 
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06.08.2009 3.625
 
Gespannt starrten Felix und ich auf den Fernseher. Keiner sagte etwas. Jeder von uns hielt den Atem an und war gebannt von dem, was wir sahen. Erst als der Bildschirm des Fernsehers Blau wurde, da das nun folgende Kameraband noch leer war, schauten wir uns einen Augenblick an, ehe wir in lautes Jubelgeschrei verfielen.
Der Grund für unser überschwängliches Gekreische?

Unser drittes, selbstgedrehtes Musikvideo. Zwar konnte es bei weitem nicht mit den Videos auf den Musiksendern mithalten. Doch für uns zwei Hobbyfilmer war es einfach fantastisch geworden. Egal was andere darüber sagen würden.
Es übertraf die beiden vorherigen von uns gedrehten Videos, welche wir vor einiger Zeit aufgenommen hatten, um Längen. Die Schnitte waren nahezu perfekt. Die Lautstärke der Musik war gleichbleibend und nicht wie bei den anderen schwankend. Die Settings waren viel besser ausgesucht. Kurz um. Es stimmte einfach alles. Die Idee dazu kam uns spontan während eines Abendessens vor einiger Zeit.

»Das ist genial geworden!«, jubelte ich und klopfte Felix vor Freude kräftig auf die Schulter.

»Ich kann mich noch gar nicht richtig dazu äußern.« Felix starrte weiterhin auf den blauen Bildschirm und kratzte sich am dunkelblonden Hinterkopf. Eine Angewohnheit, die er immer machte, wenn er unschlüssig war. »Das ist fast zu perfekt.«

»Hey!«, meinte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. »Das ist mit Abstand das beste Video, was wir bis jetzt gedreht haben. Es kann nur noch besser werden.« Ich stand auf und ging an die Kamera, um sie auszustellen.

»Und was machen wir, wenn das nächste Video nicht so gut wird? Wer weiß, ob wir das noch mal so hinbekommen. Das war Glück.«

»Nein«, meinte ich bestimmt und schaute kurz zur Uhr, welche in der Küche des Hauses von Felix und seiner Familie hing. »Das waren dreieinhalb Stunden harte Arbeit.«

»Da hast du allerdings recht.« Der junge Mann stand ebenfalls auf. »Das war harte Arbeit.« Mit einem genüsslichen Gähnen streckte er sich, ehe er grinsend weitersprach. »Und morgen kommt Video Nummer Vier dran.«

»Darauf kannst du wetten!«, stimmte ich zwinkernd zu und wir fingen an, das Wohnzimmer wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. Was für ein Glück, das Felix‘ Eltern über das Wochenende verreist waren. So konnten wir uns im Haus und im Garten breitmachen, ohne zu befürchten, dass jemand über die herrschende Unordnung meckerte.



Am Abend lagen wir im Bett und lauschten dem Regen, welcher leise auf das Dach und gegen die Fenster trommelte.

»Das war irgendwie ein anstrengender Tag«, gähnte Felix und kuschelte sich tiefer in die Bettdecke hinein. »Erst das Konzert. Dann das Fotoshooting und zum Schluss der Videodreh …«

Ich seufzte. »Ja, war wirklich etwas anstrengend heute.« Ich schloss die Augen und ließ den Tag Revue passieren …

Nach meiner Ankunft gegen Mittag hatten wir uns unsere Lieblings-Blue-DVD ´Live at Wembley` angeschaut und kurzerhand beschlossen - verrückt wie wir waren - das Konzert selbst zu geben. So hatten wir uns zwei Mikros geschnappt und munter mitgesungen.
Nach über einer Stunde lautstarkem Mitsingens und eingeschobenen Tanzeinlagen - das Einzige, was wir beide wirklich beherrschten - waren wir fix und alle.
Danach ruhten wir uns einen Moment aus, bevor wir uns stylten. Wir waren bereit für Fotos und den anknüpfenden Videodreh …

Ja, dachte ich. So mussten sich die Jungs wohl immer fühlen. Andauernd in Action … Auf der einen Seite war es bestimmt purer Stress. Doch andererseits konnte ich mir gut vorstellen, dass es auch riesen Spaß machen musste. Ständig neue Orte sehen. Neue Leute kennenlernen … Kein Tag war wie der andere.
Wie gerne würde ich einmal in so ein Leben hineinschnuppern. Nur einen Tag lang. Oder auch zwei. Doch wer würde das nicht gerne?

Leises Schnarchen neben mir verriet, das Felix ins Land der Träume entschwunden war. Ich tat es ihm gleich und schlief ebenfalls ein.



»Es bleibt bei dem Song?«, fragte ich unsicher am nächsten Vormittag. Felix hatte während des Frühstücks eine Bemerkung gemacht, aus der ich schloss, ihm gefiel das geplante Lied nicht.

»Mhm …«, kam nur als Antwort, während er einen Blätterstapel durchsuchte, der auf dem Wohnzimmertisch lag.

»Das soll was heißen?« Ich zog eine Augenbraue in die Höhe und sah ihn forschend an. Nur zu gut wusste ich, das ´Mhm` bei Felix alles heißen konnte. Ob nun positiv oder negativ …

»Soll ja heißen. Wir haben doch gesagt, dass nach ´Curtain Falls` ´When Summers gone` kommt.«

»Du magst den Song doch nicht besonders«, hakte ich nach.

»So war das nicht gemeint«, entgegnete er. »Ich kann den Text nicht hundertprozentig.« Damit zog Felix das gesuchte Blatt Papier aus dem Stapel und hielt es hoch. »Aber das Lied ist schon in Ordnung.« Felix ging mit dem Blatt Papier in der Hand zur Couch, setzte sich und studierte noch einmal den Songtext.

Erleichtert stieß ich die Luft aus. »Und ich dachte schon …«.

»Denk nicht zu viel«, grinste Felix mich über den Rand des Papiers an, ehe seine Miene wieder ernst wurde und er sich erneut auf den Text konzentrierte.



Wie am Tag zuvor fixierten wir gebannt den Fernseher. Das Video war fertig und es war genauso klasse geworden, wie seine Vorgänger. So langsam hatten wir den Dreh raus.

»Weißt du was?«, fragte mich Felix, als wir später im Bett lagen.

»Was soll ich wissen?« Ich drehte mich auf die Seite und sah ihn an. Für andere war es sicherlich ungewöhnlich, eine tiefe Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau, ohne das Liebe eine Rolle spielte. Wir kannten uns seit Kindestagen an und waren zusammen groß geworden. Auch wenn wir nicht mehr Tür an Tür wohnten, verbrachten wir unsere freie Zeit meist zusammen. So war es nicht außergewöhnliches, das wir gemeinsam in einem Bett lagen, anstelle zwei zu beanspruchen.

»Mir ist eine Idee gekommen.« Felix setzte sich auf.

»Und die wäre?« Gespannt wartete ich auf eine Antwort und sah zu ihm auf.

»Wie wäre es, wenn wir unsere selbstgedrehten Videos auf DVD brennen und zu dem Fanclub in London schicken? Vielleicht sehen sie es sich ja an und finden es gut? Eventuell sogar toll.« Seine grünen Augen funkelten freudig.

»Klar«, meinte ich sarkastisch. »Danach werden sie uns einladen und uns fragen, wie wir auf so eine brillante Idee gekommen sind.«

Felix verdrehte die Augen. »Jetzt bleib doch mal ernst. Stell dir das mal vor … Blue sieht unsere selbstgedrehten Videos …«

Nun verdrehte ich die Augen. »Sonst gehts dir gut …«

»Was denn?« Felix zuckte mit den Schultern und legte sich wieder hin. »Ist doch eine lustige Idee.«

Ich lachte auf. »Sobald sich jemand vom Fanclub die DVD ansieht – falls man sich überhaupt die Mühe macht - wirft er die Scheibe in den Mülleimer und lacht sich über uns schlapp. Darauf kannst du Gift nehmen. Die Videos sind nur für uns. So war es besprochen.«



Am nächsten Morgen sprang Felix förmlich aus dem Bett, kaum das er die Augen geöffnet hatte. Die Sonne begann gerade aufzugehen und man hörte die Vögel draußen auf den Bäumen lautstark zwitschern.

»Bist du krank?«, fragte ich im Halbschlaf und hielt meine Augen fest geschlossen.

»Nein.« Ein Piepen war zu hören, dem ein Knattern folgte.

»Was willst du denn jetzt schon am PC?« Ich richtete mich ein wenig auf, stützte mich auf den Ellenbogen ab, öffnete widerwillig die Augen und sah nun doch zu ihm herüber. War jedoch nicht bereit, ganz aufzustehen.

»Ich suche mir die Adresse des Fanclubs aus dem Netz heraus.« Felix tippelte ungeduldig mit den langen dünnen Fingern auf der Tischplatte herum, während der PC hochfuhr.

»Du hast noch immer diese bescheuerte Idee?«, stöhnte ich und legte mich wieder hin.

»Was soll schon groß passieren?«, zuckte Felix mit den Schultern, bevor er wie wild auf die Tastatur einprügelte.

»Nun … Zum Beispiel blamierst du uns.« Ich drehte mich auf die Seite und beobachtete meinen besten Freund, wie er konzentriert auf den Monitor starrte.

»Ach. Das überleben wir schon«, winkte er ab. Eine Pause entstand, in der ich fast wieder einschlief. Doch Felix‘ Stimme riss mich aus meinem Traumland. »Ich habe die Adresse!«

»Schön«, brummte ich. »Kann ich jetzt in Ruhe weiterschlafen? Acht Uhr an einem Sonntag ist mir doch noch etwas zu früh, um aufzustehen.«

»Mach das.« Felix zog sich die Tastatur wieder heran. »Ich schreibe in der Zeit schon mal einen Brief, den wir mitschicken.«

»Ahh!« Ich zog die Bettdecke über den Kopf. »Das halte ich nicht aus!«



Felix machte seine Drohung wahr und schickte eine DVD unserer selbstgedrehten Videos nach London zu dem Fanclub.
Tage vergingen. Wochen und nichts passierte. Wie ich es vorausgesagt hatte. Und wofür ich sehr dankbar war. Obwohl das Jahr so gut wie vorüber war, hatte ich im Moment viel Stress durch meine Arbeit, dass ich für Privates kaum Zeit hatte.
Morgens fiel ich im Halbschlaf aus meinem Bett, stolperte zur Arbeit. Schuftete elf Stunden nonstop. Kam nach Hause und fiel wie tot ins Bett zurück. Wenn ich mal nicht arbeitete, war ich entweder bei den Theaterproben oder im Tanztraining: mein Eigenes oder das der Kids.
Es war kein Wunder, das ich schon ewig keinen Freund mehr hatte. Zum Glück gab es dafür meinen besten Freund, mit dem ich all meine Hobbys teilten konnte.



Heute hatte ich ausnahmsweise etwas früher Feierabend, was ich den vorangegangenen Weihnachtsfeiertagen zuschrieb. Glücklich, endlich mal pünktlich zu den trotz Ferien stattfindenden Theaterproben zu kommen, fuhr ich kurz zu Hause vorbei. In der Früh hatte ich in aller Eile meine Unterlagen dafür vergessen.
Als ich in mein Wohnzimmer trat, sah ich, dass auf meinem Anrufbeantworter eine neue Nachricht gespeichert war. Neugierig hörte ich das Band ab. Es war Felix. Völlig überdreht hatte er eine nicht verständliche Nachricht hinterlassen. Kopfschüttelnd nahm ich die Unterlagen von meinem Schreibtisch und machte mich auf dem Weg zu ihm. Gespannt, was er mir berichten wollte.

Zwanzig Minuten später fuhr ich vor dem Haus vor. Kaum stand mein Auto, sah ich, wie Felix aus der Haustür heraus kam.

»Endlich! Das hat aber lange gedauert! Was hast du unterwegs gemacht? Nun komm schon.« Er winkte mich mit wild rudernden Armen ins Haus.

»Was ist denn los? Was soll denn der Aufstand?« Ich war langsam genervt. Felix war eh nicht der ruhige Typ, der fünf Minuten still sein konnte. Aber das hier war Felix extrem. Er war komplett überdreht.

»Komm, setz dich. Du wirst es nicht glauben.« Er schob mich quer durch den Flur, hinein in die Küche und drückte mich dort angekommen auf einen der Stühle, welche hier am Tisch standen.

»Was soll ich nicht glauben?« Ich sah auf die Küchenuhr und wollte aufstehen. »Wir müssen los, sonst kommen wir mal wieder zu spät zu den Proben.«

»Die Probe kannst du heute knicken. Wir haben andere, wichtigere Sachen zu machen.«

»Was ist los?« Vergeblich versuchte ich, Augenkontakt herzustellen. Doch es war unmöglich. Felix lief unentwegt um den Tisch herum und strich sich immer wieder über seinen blonden Lockenkopf. So aufgekratzt hatte ich ihn noch nie erlebt. Und wir kannten uns nun schon etliche Jahre.

»Heute war ein Brief in unserer Post«, fing er dann endlich an zu erzählen.

»Ui toll«, rollte ich mit den Augen. »Aber stell dir vor. Das habe ich auch öfters im Briefkasten.«

»Jedoch nicht so einen Brief.« Endlich setzte sich Felix mir gegenüber auf einen Stuhl. Mit einer gekonnten Bewegung zog er einen Brief aus seiner hinteren Jeanstasche und hielt diesen hoch.

»Toll. Ein weißer Umschlag«, sagte ich gespielt beeindruckt. »Da hast du Recht. So einen Brief hatte ich bis jetzt noch nicht in der Post.« Ich stand auf. »Wir müssen los.«

Felix wedelte mit dem Brief. »Er kommt direkt aus London.«

»London?« Ich zog die Stirn kraus. Da war doch was gewesen? Mein Herz machte einen Sprung.

»Vom Fanclub. Wir sind eingeladen worden! Was sagst du dazu?!« Felix sprang vom Stuhl auf und hüpfte beschwingt herum.

Fassungslos starrte ich Felix an. »Fanclub? … Du meinst? …« Ich ließ mich zurück auf den Stuhl fallen. Das war doch nicht möglich!

»Genau! Die Vorsitzende des Fanclubs hat sich die DVD angesehen und fand unsere Idee toll. Sie will uns kennenlernen! Wir werden übernächstes Wochenende für drei, fast vier Tage nach London fliegen!!! Auf deren Kosten. Unterkunft und Co. alles frei. Freitag früh soll es losgehen und Montagvormittag wieder zurück! Ist das nicht gigantisch!«

»Freitag? Bis Montag?« Ich zog die Stirn kraus. »Ich muss arbeiten. Dann das Training-«

»Nimm dir frei. Du hast doch Urlaubstage. Und die Kids werden es verkraften, wenn du einmal nicht mit ihnen trainieren kannst.«

»Freinehmen? Bist du noch zu retten?! Wir sind in der Firma chronisch unterbesetzt! Da kann ich nicht einfach freimachen.«

Felix zuckte mit den Schultern. »Dann mach blau.«

»Sicher.«

»Rede mit deiner Chefin. Sie wird es bestimmt verstehen. Du hast mir doch mal erzählt, dass sie immer dafür ist, wenn sich Träume verwirklichen. Und das ist unsere einmalige Chance dazu. Wenn wir die nicht nutzen, werden wir uns das den Rest unseres Lebens vorwerfen.«

Ich lachte auf und seufzte dann. »Das ist was anderes … Ich sehe, du wirst da alleine hinfliegen.«

»Auf keinen Fall! Entweder mit dir oder gar nicht.«

»Tja«, zuckte ich resigniert mit der Schulter. »Wenn das so ist … Dann würde ich gar nicht sagen.«



Ich weiß nicht wie, doch meine Chefin hatte sich genau für dieses besagte Wochenende in einem kurzfristigen Seminar eingeschrieben, welches von Freitag bis Sonntag ging und so bekam ich frei. Und trotz Unterbesetzung durfte ich mir sogar noch den Montag frei nehmen.

Noch immer völlig überrascht, dass es doch mit der Reise geklappt hatte, schaute ich aus dem Fenster des Flugzeuges. Neben mir summte Felix mit seinem MP3-Player um die Wette. Ich war froh, dass die Maschine relativ leer war und wir beide keinen direkten Sitznachbarn hatten. Denn diese hätten sich sicherlich beschwert über Felix‘ Gesangskünste.

Ich sah auf meine silberne Armbanduhr. Keine zwanzig Minuten mehr und wir würden in London landen. Ich freute mich unendlich darauf und konnte das Grinsen kaum zügeln. Felix hatte recht. Das war eine einmalige Chance und wenn wir sie nicht genutzt hätten, hätten wir uns das ewig vorgehalten. Womöglich noch gegenseitig. Das Einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitete, waren meine Englischkenntnisse. Diese waren völlig eingestaubt. Doch dafür hatte ich ja meine bessere Hälfte. Ich beschloss, ihn einfach reden zu lassen. Das konnte er schon immer besonders gut.

»Was glaubst du?«, meinte plötzlich Felix, der seine Kopfhörer aus den Ohren genommen hatte. »Werden wir die vier treffen?«

Ich schüttelte den Kopf. »Bestimmt nicht. Die werden Wichtigeres zu tun haben, als uns zu treffen.«

Enttäuscht seufzte er. »Ja, da wirst du recht haben«, nickte Felix, bevor einer der Kopfhörer wieder in einem Ohr verschwand. »Ich freue mich dennoch total und bin tierisch aufgeregt.«

»Das bin ich auch«, gestand ich. »Es wird aber bestimmt spaßig.«

»Das hoffe ich.«



Nachdem das Flugzeug sicher am Boden gelandet war und wir unsere Koffer vom Band geholt hatten, traten wir aus dem Sicherheitsbereich hinaus in die Empfangshalle.
Etwas unsicher, wie wir nun von hier zu dem Fanclub gelangen sollten, erkannte Felix in der wartenden Menge einen jungen Mann, der ein schmales Schild mit unseren Namen darauf hochhielt.
Bei ihm angekommen stellte sich der braunhaarige Mann als Marc Nelson vor. Er wurde geschickt, um uns zum Fanclub zu bringen.
Marc plauderte unbeschwert mit uns, während wir uns auf den Weg zum Auto machten und auch die Fahrt über redete er, als kannten wir uns schon seit Jahren.

Unser Chauffeur hielt nach etwa vierzig Minuten Autofahrt etwas außerhalb von London an einem Haus an. »Hier ist der Hauptsitz des Fanclubs und eure Unterkunft für das Wochenende.« Von außen sah das Gebäude unscheinbar aus. Eben typisch englisch. Roter Backstein. Weiße Akzente. Braunes gewölbtes Dach. Gepflegter Vorgarten. Geborgenes Vordach über der mit schmiedeeiserner verzierten Tür. Stylischer, roter Briefkasten. Einzig die Aufschrift auf der Klingel und dem Kasten am Zaun ließ erkennen, was sich hinter der Tür befand.
Es erstaunte mich, dass das Haus so freistand. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte … Wahrscheinlich ein paar kreischende Fans, die die Tür bewachten, in der Hoffnung, das Blue hier mal auftauchten …

Marc öffnete die verzierte Haustür und wir traten ein. Im Gegensatz zu der Außenfassade war es hier drinnen neu und modern eingerichtet. An den grau gefärbten Wänden hingen in weißen Rahmen Bilder von den Jungs und diverse goldene Schallplatten. In den Regalen standen verschiedene Auszeichnungen. Fast ehrfürchtig blieb ich vor einem der Regale stehen und starrte die Würdigungen an.

»Cool was?« Felix trat neben mich und flüsterte weiter: »Ob es auffällt, wenn wir eine mitnehmen?«

»Bestimmt«, schmunzelte ich, während wir weiter hinter Marc herliefen, der uns herumführte und uns dann unser Zimmer zeigte.



Keine viertel Stunde später saßen wir zu zweit in unserem Zimmer, das relativ nüchtern eingerichtet war, was uns jedoch nicht weiter störte. Es schien nicht sehr oft Besuch hier zu sein. Neben unseren an der Wand abgestellten Koffern gab es einen kleinen runden Abstelltisch, auf dem Wasserflaschen standen. Dem folgten zwei schmale Schränke und eine TV Bank, auf dem ein Fernseher seinen Platz hatte. Danach kam ein breites Fenster. Dem TV-Gerät gegenüber stand das große Doppelbett mit zwei Nachttischen. Es schloss sich ein weiterer, jedoch deutlich größerer Tisch mit zwei Stühlen an. Und zum Schluss ein schmaler Flur, der zum Bad führte.

»Ich denke, wir sollten uns ein wenig frisch machen«, gähnte Felix und streckte sich.

»Keine schlechte Idee«, stimmte ich zu und trat an den kleinen Tisch heran. Griff nach einer der Plastikflaschen und trank einen Schluck daraus. Dann ließ ich mich auf das Bett fallen, welches wider Erwarten herrlich weich war. »Ich bin irgendwie müde«, gestand ich und gähnte nun ebenfalls herzhaft. Das Adrenalin hatte sich langsam gelegt und nun strafte mich mein Körper, das ich die Nacht so gut wie nicht geschlafen hatte.

»Ich nicht. Ich bin total aufgeregt.« Felix ließ sich dessen ungeachtet neben mir auf das Bett fallen. »Ich weiß, wie ich deinen Kreislauf auf Vordermann bekomme.« Er richtete sich wieder auf und sah mich an.

Sein Blick gefiel mir nicht. Er heckte wieder etwas aus. Da war ich mir sicher. Ich erkannte, wie seine Schulter zuckte, und versuchte mich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Doch Felix bekam meine Füße zu fassen, welche er darauf gnadenlos kitzelte.
»… Ah! … Aufhören! … Nicht!«, kicherte ich und bemühte mich, meine Füße frei zu bekommen.

Felix schüttelte jedoch den dunkelblonden Lockenkopf. »Nö. Das macht Spaß.«

»Das … kann ich … mir … vorstellen … Die Rollenverteilung … ist … ungerecht!«, gluckste ich noch immer hoffnungslos verloren in seinem Griff. Tränen traten mir in die Augen.

»Ach was«, machte Felix und kitzelte munter weiter. »Sie ist perfekt.«

»Das schreit nach Rache, mein Lieber«, schnaufte ich nach einer Weile, in der wir quer über das Bett gerobbt waren und ich es endlich geschafft hatte, meine Füße in sicheres Gebiet zu bringen.

»Versuchs doch.« Auf dem Bett kniend und mit den Händen in der Hüfte sah er mich mit einem breiten Grinsen an. Mir war klar, dass ich keine Chance bei ihm hatte. Zumindest im Moment.

»Ich werde warten. Verlass dich drauf. Irgendwann, wenn du nicht damit rechnest, schlage ich zu.« Ich stand auf und trat an den Spiegel, welcher in dem schmalen Flur hing. »Ahh! Wie sehe ich denn aus?! Du hast mich ja völlig verunstaltet!« Verzweifelt versuchte ich, meine Haare ein wenig zu bändigen. Jedoch ohne großen Erfolg, worauf Felix auf dem Bett in schallendes Gelächter fiel. »Was?« Jetzt stemmte ich die Hände in Hüfte und sah zu ihm herüber.

»Du siehst süß aus, wenn du schmollst«, lachte er noch immer. »Du solltest vielleicht zuerst ins Bad und dich etwas herrichten. Könnte eine Weile dauern.«

»Blödmann«, knurrte ich und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Der geflochtene Pferdeschwanz war hoffnungslos hinüber. Da hatte er recht. »In Ordnung. Ich gehe als Erstes.« Ich trat in das Bad. Kam aber zwei Sekunden später grinsend wieder heraus. Öffnete meinen Koffer und holte meine Kosmetiktasche hervor. »Übrigens. Du solltest dringend mal mit deinem Stylisten reden oder ihn gar wechseln. Denn deine Haare sehen nicht viel besser aus als meine.« Damit verschwand ich wieder im Bad und schloss die Tür. Keine Sekunde zu spät. Von draußen flog ein Kissen an die Tür. »Daneben!«

Eine knappe Minute später ging die Badezimmertür auf und Felix trat in den Raum. Ich wusste, dass ich ihn mit seinen Haaren ködern konnte. Er war ein absolut lieber Kerl, doch eitel, was sein Haupt betraf. Wehe, eine Strähne saß nicht so, wie er wollte …

»Na Schneckchen …«

»Jetzt wieder einschleimen wollen«, grinste ich ihn durch den Spiegel an.

»Ich doch nicht …« Felix trat neben mich an das breite Waschbecken und den großzügigen Spiegel. »Schon was geplant für heute, Zuckerstange?«

»Ja. In der Tat.« Ich löste gerade die letzten Schlingen aus meinem Haar und griff nach der Bürste in meinem Reisebeutel.

»Weißt du eigentlich, dass du mir bis jetzt nie gesagt hast, wen du von den Vieren mal gerne persönlich kennenlernen würdest.«

»Das würdest du wohl gerne wissen, was?«, schmunzelte ich und kämmte mein langes Haar durch.

»Ja«, nickte er, während er nach dem kleinen, grünen Plastikpott mit Haargel griff, sich eine Portion heraus nahm und anfing seine Haare neu zu gelen.

»Vergiss es.« Damit legte ich die Bürste weg, nahm einen einfachen Haargummi und steckte die Haare locker im Nacken zusammen. Dann ging ich aus dem Bad.

»Gemeinheit«, rief mir Felix hinterher und wusch sich die Hände, um das Gel zu entfernen. »Also ich wüsste, mit wem ich gerne mal-« Er wollte gerade aus dem Bad treten. Doch ein Kopfkissen, welches ich vom Bett aus geworfen hatte, hinderte ihn daran.

Ich verdrehte die Augen. »Du und dein Duncan …« Erneut nahm die Plastikflasche in die Hand und trank einen wiederholt kräftigen Schluck daraus.

»Oh. Ist da etwa jemand eifersüchtig.« Er kam zu mir und kniff mich in die Wange.

»Quatsch. Das weißt du«, lachte ich. »Ich finde nur, jeder der Jungs ist es wert, näher kennenzulernen und etwas Zeit mit ihm zu verbringen.« Mein Blick fiel auf meine Armbanduhr. »Ich glaube, wir sollten so langsam wieder hinunter gehen. Nicht, das Marc uns vermisst.«

»In Ordnung. Also los. Auf in den Kampf.«
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