Bartimäus 4 - Die Rache der Halbdämonen

GeschichteAllgemein / P12
Bartimäus Kitty Nathanael alias John Mandrake
29.07.2009
11.07.2010
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Kitty

Mit schlürfenden Schritten ging Kitty durch die feuchten, dunklen Gassen von London. Sie trug einen langen Mantel in dessen Taschen sie ihre Hände vergraben hatte. Es war fast Mitternacht.
Eine Suchkugel schwebte vorüber, doch die junge Frau beachtete sie gar nicht.
Falten zogen sich über ihr Gesicht. Kitty fühlte sich verunstaltet. Die weißen Haare konnte man unter der unauffälligen, schwarzen Mütze verbergen. Diese elenden Furchen jedoch, würden wohl nie mehr verschwinden. Der einzige Trost den Kitty hatte war, dass ihre Kräfte wieder die ihrer Jugend und nicht der einer alten Oma entsprachen.
Missmutig kickte sie einen Stein zur Seite, der scheppernd gegen eine Tonne stieß. Das Geräusch hallte schaurig in den Straßen wieder.
Kitty machten die nächtlichen Schatten nichts aus, ihre Zeit in der Wiederstandbewegung hatte ihr die Angst davor genommen. Etwas anderes jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Kitty hasste die Einsamkeit die sich in ihrem Herzen eingenistet hatte und vor allem zu dieser Zeit des Tages sehr stark war.
Zweifellos waren ihre Freunde nicht umsonst gestorben. Seit einem Jahr gab es nun die neue Regierung. Das wofür die Wiederstandbewegung umsonst gekämpft hatte, war nun doch umgesetzt worden und Gewöhnliche und Zauberer hatten endlich gleiche rechte.
Doch war es gerecht, dass die beiden, denen all das zu verdanken war im entscheidenden Kampf ihr Leben gelassen hatten? Wut stieg in Kitty auf und sie ballte die Fäuste.
´Ihr habt es versprochen, verdammt! `
Unbewusst war sie stehen geblieben. Eisiger Wind kam auf und wehte ihr dicke, kalte Tropfen ins Gesicht. Unschlüssig sah sie sich um. Wohin sollte sie gehen? Schließlich entschied sie sich für den Weg zum Park. Der Wind flüsterte beruhigend in den Blättern der Bäume.
Ihr Herzschlag hatte sich gerade wieder einigermaßen beruhigt, als es geschah.
Ein schmerzerfüllter Schrei hallte durch die Stille. Kitty hielt inne. Woher war das gekommen? Wie von allein setzten sich ihre Beine in Bewegung. Ihre Hand fuhr zu den Silberscheiben, die sie unter dem Mantel verbarg. Es musste ganz in der Nähe sein. Kitty rannte nur ein kurzes Stück und schlich dann weiter. Verborgen hinter einem dichten Gebüsch, spähte Kitty auf die Wiese vor ihr.
Kaum zu sehen in der Dunkelheit erkannte Kitty die Gestalt eines Menschen. Er hielt ein zappelndes Bündel fest, das sich wild hin und her wandte, erstickte Laute waren zu hören.
„Halt endlich still, du kleine Missgeburt. Mag sein, dass er dich lebend braucht, aber auf ein paar Finger mehr oder weniger kommt es auch nicht an.“
Kittys Magen verkrampfte sich. Die Stimme war eigenartig verzehrt gewesen, zu unpassend um aus dem Mund eines Menschen zu kommen. Sie hatte die Tiefe und Macht eines Dämon besessen.
Sein Opfer schien trotz der Drohung nicht mit der Gefangennahme abfinden zu wollen.
Leise fluchend zerrte der Dämon die kleine Gestalt mit sich, dabei trat er ins helle Licht der Laternen.
Ein neuer Schock durchfuhr sie. Kitty kannte dieses Gesicht, auch wenn sie es seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte: Kein Zweifel, der Dämon hatte, aus welchem Grund auch immer, die Gestalt von Jane Farrar angenommen, die Ministerin, die seit dem großen Dämonenangriff verschwunden war.
Bei dem Gefangenen handelte es sich um ein zierliches Mädchen vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alt. Sie war geknebelt und gefesselt an Händen und Füßen.
Die Kleine wehrte sich nach Leibeskräften, doch sie hatte keine Chance.
Kitty holte mit der silbernen Wurfscheibe aus und warf sie. Die Scheibe bohrte sich in den Arm des Dämons, der einen schrillen, empörten Schrei ausstieß und sich zu Kitty umwandte.
„Was zum...?“
Kitty zog eine Scheibe nach der anderen hervor und warf sie blitzschnell hintereinander. Der Dämon musste gezwungenermaßen seine Beute loslassen, die zu Boden stürzte, und brachte sich mit einem schnellen Sprung in Sicherheit. Kitty hechtete los. Sie zog das Mädchen hoch und musste zu ihrer Überraschung feststellen, dass es federleicht war. Ohne Probleme konnte sie das Kind hochheben. Hinter ihr ertönten die Flüche des Dämon.
Kitty drehte sich zu ihm um und wollte erneut eine Scheibe nach ihm schleudern, doch der Weg war leer. Der Dämon war verschwunden und sie allein mit dem fremden Mädchen.
Ja, vieles hatte sich verbessert Dank der neuen Regierung, aber die Wesenheiten waren noch immer Sklaven. Man hielt sie für nötig um die Sicherheit des Landes zu gewehrleisten, doch für zu gefährlich, als das man ihnen irgendwelche Freiheiten zu gestanden hätte.
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