Tiefer durch das Dunkel

von Nevara
GeschichteAllgemein / P16
28.07.2009
14.08.2009
3
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Vorwort

Die Forgotten Realms und die darin auftretenden Orte/Klassen/Götter/
gehören Wizzard of the Coast.
Die Charaktere der Geschichte

Ich habe mir erlaubt die Zeit einwenig zu manipulieren und mich nicht gänzlich daran zu halten (Sorry das neue Regelwerk sagte mir absolut nicht zu…) so könnte es sein, dass Ereignisse nicht mit den aufgeführten Jahreszahlen übereinstimmen. Ebenso sind einige Orte  meiner Fantasie angepasst oder ausgeschmückt.


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Prolog     etwas 4 Monate zuvor --Narbental Stadt

Stille. Seit Tagen herrschte in der Stadt gespenstische Stille, die nur mehr durch das Krächzen der Krähen unterbrochen wurde. Nur die, die mussten, wagten sich wieder nach draußen, großenteils ausgehungert und mit traurigen Blicken schlichen die wenigen Menschen um die Häuser herum auf der Suche nach etwas Essbaren. Auch wenn die Totenglocken schwiegen und das Gerumpel der Leichenkarren ausblieb waren die Bewohner der Stadt viel zu kraftlos und verstört um sich über den Umstand zu freuen. Anscheinend war die Pest nun genauso schnell verschwunden wie sie gekommen war, nachdem sie ganze Strassen und Familien binnen weniger Tage ausgelöscht hatte. Niemand hatte  Rat gewusst, die Kleriker des Ilmater  und Torms waren davon ebenso betroffen wie Zwielichtige Gestalten, deren Götter in ehrbaren Häusern nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurden.

Cestal und Morei hatten allerhand zu Tun in dieser Zeit und obwohl sie jeden Tag damit rechneten sich vielleicht anzustecken, gingen sie weiterhin los um Kranke zu pflegen und zumindest einwenig die Schmerzen mit Kräutern zu lindern. Nun hatten die beiden Frauen es geschafft, die Pest überlebt und doch stellte sich keine Freude ein. Asan, Moreis  Ehemann und Cestal Ziehvater war der Pest erlegen und obwohl sie ihre letzten Münzen für einen Heilzauber ausgegeben hatten, war die Prozedur wirkungslos geblieben, wie schon vorher bei so vielen anderen. Morei hatte zwischen all dieser Arbeit keine Zeit um ihren Gatten zu trauern, doch jetzt starrte sie aus den eingefallenen Gesicht an Cestal vorbei, die rotgeweinten Augen blickten in eine nicht sichtbare Welt.
Die junge Halbelfe seufzte, während sie die kratzige Decke um die  dürren Schultern ihrer Ziehmutter legte, die sie nicht weiter wahrzunehmen schien.

Mit leisen Schritten durchschritt sie die kleine Stube und verließ das Häuschen. Draußen huschten Ratten umher und Cestal trat nach einen der Tiere, das ihr den Weg verstellen wollte. Die Ratten waren fett geworden in den letzten Tagen und die junge Frau schüttelte sich als sie den Gedanken zu Ende dachte. Es würde sicher noch Tage dauern, bis alle Toten geborgen und verbrannt waren. Niemand kümmerte sich mehr um prunkvolle Beerdigungen, selbst die Leichen von Adligen wurden schnellst möglichst verbrannt.
Cestal betete innerlich, dass sie Telan treffen könnte der vielleicht ihr wieder einwenig Brot zustecken könnte. Es würde sicher noch einige Tage dauern, bevor es wieder frisches Brot geben würde, welches sie sich vermutlich ohnehin nicht leisten könnten.

Die Sonne brach zwischen den Wolken hervor und färbte die grauen Gassen einwenig freundlicher, einwenig lebendiger. Die junge Frau streckte sich und ging zum Marktplatz in der Hoffnung, wie viele andere, dort etwas Essbares zu finden.
Kurz bevor sie auf die Hauptstrasse biegen konnte legte sich eine schmale Hand auf ihre Schultern.

„Hallo Kleines, schön dich zu sehen“ Telan lächelte leicht zu ihr hinab. Cestal schnaubte kurz und erwiderte das Lächeln als sie stehen blieb. Soviel kleiner war sie nun auch nicht.
„Schön dich zu sehen“ antwortete sie und musterte ihn kurz. Seine braunen Haare waren einwenig mehr verfilzt doch sie kleines Kinnbärtchen war tadellos gestutzt wie immer. Seine spitzen Gesichtszüge wirkten etwas hagerer, aber er sah durchaus gesund aus.
Sie lächelte erleichtert.
„Du wirst da nichts finden, und das was du findest ist entweder verschimmelt oder überteuert.“ Telan winkte abwerten in die Richtung wo der Marktplatz lag. Cestal seufzte.
„Brauchst du etwas?“ seine Frage lies sie wieder aufblicken.
„Du stellst Fragen… wir haben nichts, wie die meisten. Das weißt du doch. Ich habe nicht einmal Kräuter um sie zu verkaufen, und die wird vermutlich auch keiner mehr brauchen.“ Cestal zuckte entschuldigend mit den Schultern und seufzte leise.
„Es war auch eine hirnlose Idee die Kranken umsonst zu pflegen“ quittierte Tenal nur kopfschütteln.
„Man kann doch nicht aus den Leid der Menschen Profit schlagen…“ schnaubte Cestal verärgert in seine Richtung. Zumindest war das Moreis Leitsatz als ihr Geld angeboten wurde.
„Das habe ich auch nicht gemeint, aber wohin hat euch  die Gutmütigkeit gebracht? Du  hast nicht einmal etwas was du verkaufen kannst, Kleines.“
„Nenn mich nicht so. Wir werden schon zurechtkommen, wie immer“ grummelte sie immer noch verstimmt in seine Richtung und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.
Vor allen, weil sie genau wusste, dass er Recht hatte. Sie waren bei genug Patienten, die gern einen Obolus für ihre Arbeite ihnen gegeben hatten, doch Morei  hatte schon immer so etwas abgelehnt in Krisenzeiten. Sie war sich sicher, dass es  nur eine der vielen Prüfungen Illmaters war. Dass der Mitledige Gott sich auch an ihren Hunger erfreute war Cestal jedoch schon sehr seltsam vorgekommen, doch Morei ließ nicht mit sich reden.
Während der Besatzung hatten sie bis zur Erschöpfung Soldaten und andere Verwundete gepflegt und Morei bat immer nur wenn dann um eine Spende für die Triade, vor allen Ilmater. Cestal hatte sich nie ganz mit den absoluten Glauben ihrer Ziehmutter angefreundet, hätte ihr jedoch aus Respekt niemals widersprochen.

Telan beobachtete sie stattdessen nur und begann zu schmunzeln.
„Du bist aber auch empfindlich. Komm ich hab immer was für dich, allerdings nicht ganz umsonst“ er lächelte sie an und griff in seinen Schulterbeutel. Einen halbes Brotleib drückte er der Halbelfe in die Arme.
„Du wirst für mich einwenig Arbeiten“ beantwortete er zwinkernd ihre unausgesprochene Frage.
Cestal errötete und schüttelte heftig den Kopf.
„Mensche Kleines, wieso glaubst du immer ich wäre ein Zuhälter? Ehrlich ich hab dir niemals bisher so was angeboten. Ich bin wirklich enttäuscht. Und glaub mir den Mädchen geht es derweil auch nicht besonders. Wer Hunger hat der denkt nicht ans vögeln“
Cestal errötete noch mehr.
„Es tut mir..ich meine du weißt schon..“ murmelte sie irgendwo peinlich berührt.
„Schätzchen, ehrlich, du solltest mich besser kennen. Ich brauche nur deine Augen und einwenig Fingerspitzengefühl für ein paar herrenlose Truhen. Leerstehende Häuser, verwirrte Angehörige… es ist im Augenblick sehr lukrativ, verstehst du ? Kann ich auf dich zählen?“
Unschlüssig blickte Cestal von dem Brot auf den Mann vor ihr. Sie kannte ihn schon einige Jahre und würde ihn gewiss nicht das erste Mal begleiten, dennoch kam ihr  der Gedanke  Häuser von Verstorbenen auszuplündern schäbig vor.
„Wenn wir es nicht tun, werden es andere machen, die schneller sind. Bis sich irgendeine Miliz formiert ist noch einwenig Zeit, aber was andere Diebe betrifft… wir sind immer schnell.“ Er lächelte wieder ihr zu.  
Zögernd nickte sie. Sie brauchten das Brot, und Tenal hatte ihnen immer wieder was zugesteckt. In letzten Wochen konnte sie ihn nicht einmal Rauschkräuter oder die heimlich gebrauten Gifte geben, denn alle Kräuter gingen für ihre Patienten auf, für die, die sich wie viele in diesen Stadtteil keine Kleriker oder Heilzauber leisten konnten. Nachschub blieb ebenso aus, denn die Stadt war abgeriegelt worden, um die Ausbreitung der Pest auf die umliegenden Ländereien zu verhindern.
Spielerisch knuffte Telan sie in den Arm.
„Sehr schön, ich warte nach Sonnenuntergang auf dich. Du weißt ja wie das läuft“
Cestal nickte abermals schweigend und drückte das Brotstück fester an sich während sie mit schnellen Schritten in ihre kleine Hütte eilte.

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Jahr 1375  Guthaus zur Goldenen Nysse  / Narbental

Die wenigen Kerzen erleuchteten den Raum nur spärlich,  der ebenfalls recht schmucklos ausgestattet war. Um den großen Tisch saßen einige kaum erkennbare Gestalten und unterhielten sich nur im Flüsterton.
„Seit wann spart Rendar an Kerzen?“ flüsterte eine melodiöse weibliche Stimme ihren Nachbarn zu.
„Ach du weißt doch, er meint das bringt mehr Atmosphäre“ antwortete der Mann und nur ein leise schnauben der Dame quittierte diese Antwort.
„Mir scheint er legt besonderen viel Wert darauf, dass alles heimliche noch geheimnisvoller erscheint.“ Merkte sie abermals an.
„Das tut er in der Tat. Aber nun niemand ist perfekt, meine Liebe. Und das ist eine Angewohnheit die man ihn durchaus nachsehen kann“

Mit eine lauten Räuspern eröffnete Rendar die Versammlung, natürlich erst nachdem er sich vergewissert hat, dass auch jeder seine Passworte kannte.

„Liebe Kollegen und Mitstreiter, wir werden nun uns bezüglich der  Narbental Stadt zu besprechen und zu entscheiden, wie wir weiter verfahren. Wenn ich um einen Vorläufigen Bericht bitten dürfte …“  er wand sich zu seiner  Rechten.
„Ich begrüße euch ebenfalls alle herzlich und will mich nicht lange mit Floskeln aufhalten“ begann eine melodische Stimme.
„Die Situation in der Stadt ist kritisch. Die Narbental  Stadt hatte vor einigen Monaten die mysteriöse Schüttelpest heimgesucht und mehr als die Hälfte der Bürger dahingerafft oder gezwungen die Stadt zu verlassen. Man kann sagen das nur die stursten und die ärmsten  in der Stadt geblieben sind. Doch die Bürger, die vor der Pest gefohlten sind, kehren nicht zurück. Stattdessen treibt sich allerlei Gesindel in die Stadt. Vogelfreie und Verbrecher aus den Wäldern, Piraten legen am Hafen an. Der Gouverneur der provisorischen Regierung ist im Augeblick beinahe komplett machtlos, und  kann nur mal ein Teil des Adelsbezirkes als gesichert bezeichnen. Militärische Garnisonen fehlen komplett nach der Pest.
Das Unglück und Schwäche der Stadt ist nicht unbemerkt geblieben und aufgrund ihres Hafens und der strategisch guten Position zu einen Konfliktfeld verschiedner Parteien geworden. Sowohl die Roten Magier haben eine  mittelgroße Enklave aufgebaut, wie auch die Zentraim einige Stadtbezirke unter ihr Protektorat gestellt. Es wurden ebenfalls sembische Handelskartelle gesehen. Mit klaren Worten, die Stadt ist ein reinstes Chaos im Moment.“
„Gibt es denn keine geeigneten Fürsten der einen Machtanspruch auf die Stadt stellen könnte?“  die kratzige Stimme unterbrach die kurze Stille.
„Nein, oder besser gesagt, es gibt keinen der sich um die Stadt in ihren Momentanen Zustand kümmern möchte. Vor allen Stellen die Zentarim einen Anspruch auf die Fürstennachfolge. Syculla Düsterhoff, eine Zentilritterin, soll angeblich die uneheliche Tochter des dahingeschiedenen Fürsten sein und somit eine der letzten Nachkommen der Fürstenfamilie. Sollte sich diese Behauptung als wahr erweisen, wäre das denkbar schlecht für die Narbental Region.“
„Noch eine Zentarim verseuchte Region braucht das Land nun wirklich nicht.“
„In der Tat, ihr habt Recht. Sollten wir uns um diese Nachfolgerin kümmern?“ fragte eine weitere Stimme.
„Solche Dinge obliegen uns nicht, Zanar. Wir sind keine Assassinen. Wir bewahren lediglich das Gleichgewicht und geben keiner Seite einen wirklichen  Vorzug...“ Beantwortete Rendar tadelnd die Frage.
„Natürlich...“ antwortete Zanar
„Können wir nicht jemanden einwenig „unterstützen“ um sie Zentarim zumindest eine zeitlang los zu werden?“
„Leider nein. Es gibt keine Gruppierung, die auch nur ansatzweise vertrauenswürdig wäre, und die Sembianer zu unterstützen wäre wie einen Wolf zum Schafhüten abzustellen.“
Die melodische Stimme der Frau seufzte dabei leise.
„Die anderen Narbental Städte sind gerade dabei sich noch zu erholen und können unmöglich militärische Unterstützung gewähren ohne sich selbst preis zu geben.“

Stille senkte sich über die Versammlung, die Kerzen flackerten unruhig während die Anwesenden ihren Gedanken nachgingen.
Abermals unterbrach Rendar wieder die Stille.
„Das ist in der Tat eine komplexe Situation. Wir können im Augenblick nur abwarten auf welche Seite sich die Stadt schlägt.“
Ein resigniertes Gemurmel bestätigte den Vorsitzenden.
„Ich halte es durchaus für angebracht auch die Herkunft der so genannten Nachkommin zu überprüfen. Womöglich stoßen wir auch auf andere heimliche Mitglieder der Familie oder entfernte Zweige unter den verbliebenen Adligen der Stadt. Henar ihr werdet dort mit eine kleinen Gruppe Nachforschungen anstellen.“
„Wie ihr wünscht“ antwortete eine tiefe Bassstimme.
„Arvena würdet ihr bitte weiter mit den Berichten über das Dolchtals fortfahren?...“
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