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Blaues Blut

von Sarafina
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Alejandro Murieta "Zorro" Elena Montero OC (Own Character)
28.07.2009
06.09.2010
30
29.614
 
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28.07.2009 754
 
Annemarie seufzte gelangweilt. Es war wieder einmal ein grauer verregneter Tag und sie musste im Anwesen ihres Onkel´s bleiben. Und dieses war mehr als langweilig. Sie kannte es schon seit ihrem fünften Lebensjahr in und auswendig und hatte alle dunklen Ecken erforscht. Es gab nicht´s aufregendes an diesem Ort und es würde auch nie passieren, dass Aufregung verursacht wurde. Meist saß sie den ganzen Tag in einem Sessel, las ein Buch und blickte aus dem Fenster hinaus in den Garten. Ihr Onkel hatte einen manischen Sauberkeitsstil. Kein Grashalm war höher oder kürzer als der andere. Die Grasflächen schlossen mit dem gepflasterten Boden in einer Linie und die Zierbäume waren perfekt geschnitten. Auch im Haus stand alles immer an seinem Platz. Nie kam Unordnung auf. Vor allem auch wegen ihrer Tante. Diese lebte den Sauberkeitswahn ihres Onkel´s noch mehr aus, als er.
Annemarie ging dies auf die Nerven. Sie konnte sich kaum richtig bewegen. Das sie alle Ecken des Hauses ausgekundschaftet hatte, verdankte sie ihren Eltern, die oft stundenlange Gespräche mit ihren Verwandten führten, ehe sie ging.
Annemarie ist die Tochter des Grafen Philip von Wilshire und seiner Gattin Lady Samantha von Eldorad. Am königlichen Hofe von England waren sie gern gesehene Gäste und Annemarie war auch schon oft bei Hofe gewesen. Doch selbst dort fühlte sie sich einfach nicht wohl. Die Korsett´s, die bis zum Boden reichenden Röcke und die Schminkerei waren ihr zuwider. Schon als kleines Mädchen tobte sie lieber durch die Gegend. Meist kam sie verschwitzt und dreckig nach Hause. Dann hatte ihre Mutter meist ihre Dienerinnen gerufen und hysterisch gemeint, sie sollen sie stundenlang Baden, ehe sie sie wieder zu ihr bringen. Auch ihr Vater war nie begeistert von ihren Ausflügen gewesen. Immer sagte er.
„Eine englische Lady sollte sich nicht so aufführen. Du musst auf deinen Ruf achten. Was sollen die Leute denken, wenn sie dich eines Tages so sehen? Vergiss nicht. In unserer Ahnenreihe wird es nie jemanden geben, selbst dich nicht, der unsere Traditionen bricht.“
Oh, wie sie dieses Wort hasste. Tradition. Ihr Vater hielt sich für etwas sehr wichtiges, weil bewiesen ist, dass seine Vorfahren vom Königshaus abstammen. Daher stammte auch die Verbindung zum Königshaus. Meist wurde ihr Vater mit, „Gegrüßt seiest du mein königlicher Cousin.“
Annemarie war diese schmeichlerische Art mehr als zuwider. Doch ihr Vater genoss dies in vollen Zügen. Zum Jahresende dann, brachten ihre Eltern sie auf das Anwesen ihres Onkel´s, wo sie den Winter verbrachte, wie jedes Jahr. Und sie konnte wirklich die Jahre zählen. Diese verfluchten Jahre, diese verfluchten unendlich langen Tage, die nie vergehen wollten.  Es geschah einfach nicht´s. Es war einfach nicht´s los. Sie war in einer gottverlassenen Einöde. Sie hatte hier keine Freunde. Keine Menschen in ihrem Alter, die sie aufmuntern konnten. Und stundenlang vor dem Spiegel sitzen und sich bewundern wollte sie auch nicht. Dafür fand sie sich wieder nicht hübsch genug, obwohl viele sagten, sie seihe eine Schönheit. Ihr langes braunes Haar trug sie meist offen über den Rücken und reichte bis zur Taille. Ihre ebenfalls braunen Augen musterten alles neue interessiert und nachdenklich. Einmal hatte sogar die Königin gesagt, sie müsse auf ihre Augen achten. Sie würden zeigen, wie es in ihrem inneren aussähe. An diesem Tag war sie zum ersten Mal der Königin ganz nahe gekommen und hatte darauf sofort gefragt, was sie darin sähe. Die Königin hatte erwidert, sie sähe ein loderndes Feuer, was alles verschlingt, sobald es entfacht wurde. Annemarie hatte gelacht und war gegangen. Aber die Worte der Königin hatte sie sich später zu Herzen genommen, als jemand anderes ungefähr das gleiche gesagt hatte. Er meinte.
„In euren Augen glimmt das Feuer eines heißen Temperament´s, dass sich nicht unterordnen will. Doch in dieser Gesellschaft werdet ihr nie eine gute Partie machen, wenn ihr dieses Feuer nicht löscht.“
Das man ihr das gesagt hatte, lag nun zwei Jahre zurück. Sie war nun neunzehn. Um ehrlich zu sein, wunderte sie sich, dass ihr Vater sie noch nicht an einen seiner besten Freunde verschachert hatte, um seinen Einfluss noch mehr zu vergrößern. Doch es war ihr sogleich auch egal. Selbst wenn sie mit einem Grafen verheiratet wurde, es würde sich an ihrem langweiligen, elenden Leben nicht´s ändern. Sie blieb einfach die einzige Tochter ihres Vater´s und Alleinerbin seines unter ihrer Mutter Hab und Gut. Was sie, um ehrlich zu sein, überhaupt nicht wollte. Sie wollte einfach nur frei sein. Hingehen wo sie wollte. So leben wie ihr es in den Sinn kam. Ein Leben in Freiheit haben. Doch dies wurde ihr einfach verwehrt.
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