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BraveStarr: Amantes amentes

von MariLuna
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brave Starr Stampede Tex Hex
27.07.2009
14.08.2009
28
56.753
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27.07.2009 1.974
 
DA hat sich wieder jemand selbständig gemacht *g*
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~ Stampede (Stella) ~

Uppsala. Ich glaube, ich wurde entdeckt.
Hastig spiele ich wieder die Unschuldige und lese weiter in dieser Speisekarte, deren Schrift so unendlich winzig ist. Entweder das oder ich muß meine Augen noch einmal verbessern. Nun, das nächste Mal, nicht hier und nicht jetzt, denn diese kleine, magische Energiespitze würde Tex sofort auffallen.

Ich wage wieder einen neugierigen Blick zu meinem Eigentum hinüber, das dort in den Armen des Marshalls hängt.
Hm, wenn ich mir das genauer überlege, hatte dieser Blick da eben aus diesen braunen, brennenden Augen nicht fast so etwas wie die Aufforderung zu einem Duell an sich?
Nicht, daß ich darauf eingehen würde, nein, das würde nur meine Tarnung gefährden, aber frech ist ein solches Benehmen allemal.

Und Tex hat tatsächlich irgend etwas bemerkt, nicht, daß mich das wundert, aber ich schätze mal, er weiß nicht, was genau er da gespürt hat.

Ich konzentriere mich auf meine Aura, unterdrücke sie noch etwas stärker, bis sie nur noch ein leiser Hauch ist und verfluche die Tatsache, daß ich so völlig aus der Übung zu sein scheine. Aber immerhin habe ich so etwas seit knapp hundertfünfzig Jahren nicht mehr gemacht, und allmählich fällt mir auch wieder ein, warum. Diese menschlichen Körper sind so beengend.

Und zu allem Überfluß juckt mich da auch noch etwas unter dem hohen Schaft meiner weichen Wildlederstiefel. Bevor ich darüber nachdenken kann, daß eine Lady so etwas nicht tut, hebe ich den Saum meines weinroten Rockes etwas an, schiebe meine Finger in meinen Stiefelschaft, breche mir dabei natürlich prompt einen Nagel ab und kratze mich ausgiebig.

Ich komme mir allmählich immer bescheuerter vor in diesen Klamotten.
Erstens war das mit den Nylonstrümpfen echt eine dumme Idee, durch die Kratzerei habe ich jetzt schon die zweite Laufmasche – na, zum Glück ist mein Rock beinahe bodenlang, da fällt das nicht weiter auf.
Zweitens schnürt mir diese Corsage fast die Luft ab und ich muß ständig darauf achten, daß nicht eine meiner Brüste aus diesem tiefen Ausschnitt hüpft, von meinen Haarsträhnen, die mir unablässig in die Augen fallen mal ganz zu schweigen.
Und wie soll ich das nur mit diesem langen Rock handhaben, wenn ich mal aufs Örtchen muß?
Wenn ich nur daran denke, wie unmöglich es für mich war auf High Heels zu laufen, dabei habe ich es probiert, wirklich. Aber nachdem ich mir das dritte Mal fast den Knöchel brach, habe ich mich für Stiefel mit flachen Sohlen entschieden und meine Körpergröße zum Ausgleich etwas höher korrigiert.
Ehrlich, es ist doch schon schwer genug, auf zwei Beinen im Gleichgewicht zu bleiben, wieso machen es sich die Menschen da mit Absätzen noch zusätzlich so schwer?
Und müssen diese Ohrringe bei jeder Kopfbewegung so klimpern?

Plötzlich steigt mir ein intensiver Geruch von Sandelholz in die Nase und dann dröhnt eine tiefe Stimme neben mir:

„Haben Sie gewählt?“

Nein, habe ich nicht, ich bin nicht als Wähler registriert, haha.
Zum Glück beherrsche ich mich rechtzeitig und denke das jetzt nur.
Langsam hebe ich den Kopf – denn Ladys machen das so, nicht wahr? Sie bewegen sich niemals hastig – und starre auf ein weißes Hemd, das von zwei Hosenträgern eingerahmt wird.
Sehr weiß, wirklich, na ja, bis auf den netten Fleck da.
Was ist das? Bratensoße?
Ich höre ein ungeduldiges Schnaufen und hebe den Kopf noch etwas höher. Und noch höher. Dann endlich starre ich in das grüne Gesicht des Rigelaners, der den Laden hier schmeißt.

„Ja“, erwidere ich mit meiner lieblichen Stimme – ich mußte ganz schön recherchieren, bis ich herausfand, welche Tonlage den meisten Menschen am besten bei einer Frau gefällt – und habe jetzt erstmal die Nase voll von Castingsshows wie „Raumstation Galaktika sucht den Superstar“, ganz ehrlich.

„Ein Sweetwater … bitte“, schiebe ich noch schnell hinterher.

Denn eine Lady ist immer von ausgesuchter Höflichkeit. Und trinkt niemals einen Starblazer, obwohl ich den jetzt wirklich lieber hätte.

Er nickt und verschwindet wieder. Sapperlot, ich kann spüren, wie die Dielen hier bei jedem seiner tonnenschweren Schritte erzittern. Der Kerl ist wirklich ein Koloß.

Kurz gleitet mein Blick über die kleine Gesellschaft hinter diesem Ficus. Alle habe ich schon einmal gesehen, einige saßen sogar schon mal in meinem Kerker, nun ja, alle bis auf die Kleine aus dem Volk der Präriewesen. Aber so, wie sie das andere Fellknäuel neben sich anhimmelt, muß sie wohl dessen „Liebchen“ sein.
Was mich unwillkürlich an meine beiden anderen „Liebchen“ erinnert.

Also mustere ich die beiden durch meine Ponyfransen hindurch möglichst unauffällig. Zufrieden bemerke ich, daß sie sich wenigstens nicht mehr umarmen. Stattdessen sieht es so aus, als machen sie sich zum Aufbruch bereit.
Ich kann mir ein enttäuschtes Aufknurren nicht verkneifen, doch es ist glücklicherweise zu leise, nicht mal der Marshall mit seinem Wolfsgehör scheint etwas bemerkt zu haben.

Hrmpf, der hat sowieso nur Augen für mein Eigentum.
Finger weg!

Also wirklich, das wurmt mich langsam. Außerdem – die können doch nicht einfach verschwinden!

Ich fasse den Entschluß, daß ich sofort eingreifen muß, also schiebe ich schnell meinen Stuhl zurück, springe auf, mache einen Schritt – und liege mit der Nase voran auf den Dielen des Saloons. Verdammter Rocksaum!
Das erste, was ich sehe, ist ein Krümel, der sich davonmacht.
Halt nein – der Krümel hat acht Beine. Das ist eine Spinne!

„Börks“, ist alles, was ich herausbringe. Plötzlich fühle ich mich von warmen Fingern am Handgelenk gepackt und in die Höhe gezogen.

„Alles in Ordnung, Mylady?“

Ich starre direkt in das bärtige, ungepflegte Gesicht eines abgehärmten Schürfers. Irritiert runzele ich die Stirn, denn er steht mir im Weg. Ich versuche über seine Schulter einen Blick auf mein Eigentum und diesen frechen Marshall zu erhaschen.
Haben die beiden eben wirklich gezögert und – oje, so, wie Tex mich ansieht … nicht gut. Hastig lächele ich den ungepflegten Schürfer an, der mir eben so galant auf die Füße geholfen hat.

„Ja, vielen Dank“, flöte ich zuckersüß. „Das war sehr freundlich von Ihnen, Mister …“

„Billy Bob“, stellt er sich vor, zieht dabei seinen Hut vor mir und lächelt verlegen.

Obwohl – Hallo? Meine Augen sind hier oben!!

„Das war sehr nett von Ihnen, Mr. Billy Bob, vielen Dank nochmal.“

Ich nicke ihm hoheitsvoll zu und will wieder zurück zu meinem Tisch, aber da legt er eine Hand an meinen Ellbogen und hält mich zurück.

„Wollen Sie sich nicht zu uns an den Tisch setzen, Miß? So ein Saloon kann ein sehr rauher Ort für eine solch feine Dame wie Sie werden“, sagt er und unterhält sich dabei eindeutig mit meinen Brüsten.
Ich bezweifle, daß die ihm eine Antwort geben können.

„Nein, danke.“

„Miß, Sie sollten wirklich-“

Nein, danke“, wiederhole ich etwas lauter und schärfer.

Verdammt, Tex und der Marshall gehen gerade zum Tresen zu dem Rigelaner um ihre Rechnung zu begleichen. Auch auf die Gefahr hin, daß Tex Lunte riecht, ich kann nicht zulassen, daß sich der Marshall weiterhin an meinem Eigentum vergreift!

Ich überlege blitzschnell und dann kommt mir eine Idee. Nur am Rande meines Bewußtseins spüre ich, wie die rauhe Hand dieses unverschämten Kerls auf meiner Kehrseite landet, denn eigentlich hole ich da schon aus.
Mit einem wirklich lauten und sehr zufriedenstellenden Klatschen landet meine Hand mitten im Gesicht von diesem Billy Bob.
Obwohl, ich habe meine Kraft wohl doch etwas unterschätzt – oder ihn für standfester gehalten – denn er landet glatt auf dem Boden.

„Ich habe NEIN gesagt!“ stelle ich noch einmal klar, hole dann einmal tief Luft und beginne zu zetern. Ja, jetzt lohnt es sich, so viele Seifenopern gesehen zu haben.

„Sie unverschämter Kerl! Was fällt Ihnen eigentlich ein? Wenn Sie Ihre Finger nicht bei sich lassen können, werde ich Sie Ihnen das nächste Mal höchstpersönlich brechen!“

Nein, Hilfe, diese Drohung war jetzt gar nicht Lady-like. Eine Lady hätte wohl eher nach ihrem Gatten gerufen, der ihre Ehre verteidigt, aber … hm, ich bin ja eine alleinstehende Lady, also von daher … zumindest habe ich nun die Aufmerksamkeit all jener, die sich hier im Saloon aufhalten, einschließlich die des Marshalls und Tex.

Es juckt mich jetzt wirklich in den Fingern, beziehungsweise in den Füßen, nur mit Mühe kann ich die Contenance bewahren und versetze diesem auf dem Boden vor mir liegenden Kerl keinen Tritt zwischen die Rippen, denn er starrt schon wieder!
Das nächste Mal nehme ich eine Körbchengröße kleiner, wirklich, aber das geht mir jetzt nur noch auf die Nerven.

Um meinen Standpunkt wenigstens noch einmal klarzustellen, greife ich nach der Vase, die auf einem nahen Tisch steht und kippe Billy Bob das Wasser samt Pflanze ins Gesicht.
Langsam und sehr, sehr genüßlich und mit einem wirklich aufreizend lieblichen Lächeln. Er hustet und spuckt und windet sich – ei, wie ich es liebe, wenn sie sich vor mir winden – und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der Marshall langsam auf uns zukommt.
Tex allerdings bleibt unsicher am Tresen stehen und mustert diese kleine Szene mit gerunzelter Stirn.
Der große Rigelaner kommt auch schon hinter seinem Tresen hervor und sogar die Deputies und die Richterin bewegen sich in meine Richtung.
Das ist mir aber nun doch wirklich ein wenig zuviel der Aufmerksamkeit.
Ich spüre, wie mein Lächeln erstirbt und sich Nervosität in mir ausbreitet.
Welche Strafe steht hier eigentlich auf tätlichen Angriff eines unverschämten Schürfers durch eine Lady?

„Gibt es hier ein Problem?“ fragt der Marshall.

Ja, laß die Finger von meinem Eigentum! Doch bevor ich eine Antwort geben kann, ertönt plötzlich eine sanfte, klare Stimme links von mir.

„Ist schon gut, Marshall, ich schätze, die Sache hat sich erledigt. Laß dich nicht weiter in deiner Pause stören, ich regel das schon.“

Verdutzt drehe ich mich um. Dort steht ein Mann, vielleicht Anfang vierzig, graumeliertes Haar und in schlichter Kleidung. Irgendwie kommt mir sein Gesicht bekannt vor.
Er lächelt mir zu, dann wirft er dem am Boden liegenden Schürfer einen scharfen Blick zu, schüttelt tadelnd den Kopf und reicht mir dann seine Hand. Rein automatisch ergreife ich sie.
Brave Starr zögert, doch dann nickt er.

„Danke, Paco“, meint er, dreht sich um und geht wieder zurück zum Tresen, wo Tex noch auf ihn wartet.

Von dumpfer Wut erfüllt muß ich mit ansehen, wie der Marshall meinem Eigentum eine Hand auf den Oberarm legt und mit ihm dann Richtung Ausgang verschwindet.

„Miß?“

Nur unwillig reiße ich den Blick von meinem Eigentum und wende mich diesem Farmer zu.

„Nennen Sie mich Paco.“

Er hebt meine Hand an seine Lippen und drückt mir tatsächlich einen kleinen Kuß auf den Handrücken. Das fühlt sich … hm, gar nicht mal so übel an.

„Angenehm, Paco.“

Jetzt erinnere ich mich an ihn. Der Farmer des Peaceful Valleys, auf den ich damals Sandstorm angesetzt habe und der tatsächlich die Chuzpe besaß, seine Tochter Michelle aus unseren Klauen zu befreien. Mit Unterstützung des Marshalls, aber trotzdem – er war ziemlich mutig für einen Farmer.

„Ich bin Stella.“

Ich habe mir auch einen passenden Nachnamen zurechtgelegt, aber er hat mir seinen ja auch nicht genannt, also, was soll’s?

„Wollen Sie sich zu mir setzen?“ fragt er mich.

Mein Blick huscht kurz zum Ausgang, aber meine beiden „Liebchen“ sind schon über alle Berge.
Tja, da ist mein ganzer Plan – sofern ich denn einen hatte – gründlich in die Binsen gegangen.
Nicht, daß ich das nicht schon gewohnt bin.

„Gerne“, höre ich mich selber sagen und ehe ich es mich versehe, zieht mich dieser Paco an meiner Hand – warum habe ich ihm die eigentlich noch nicht entzogen? – zu seinem Tisch hinüber.

In meinem Gehirn rattern alle Fakten, die ich über ihn habe zusammen: eine Tochter im Teenageralter, eine furchtbar freche Göre; Farmer des besagten Valleys, baut Obst und Gemüse an und hat Dank  eines ausgeklügelten Bewässerungssystems als einer der wenigen Farmer kein Wasserproblem (ein schlauer, findiger Mann), war früher mal Gesetzeshüter, ist jetzt jedoch eingefleischter Pazifist nachdem er bei einem Überfall den Täter erschießen mußte und dabei die Geisel schwer verletzte und zu guter Letzt: ist seit Jahren Witwer.

Und wieso zum Teufel interessiert mich das überhaupt?

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