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BraveStarr: Amantes amentes

von MariLuna
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brave Starr Stampede Tex Hex
27.07.2009
14.08.2009
28
56.753
1
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Dieses Kapitel
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27.07.2009 2.372
 
***

~ Tex Hex ~

Ein zweifelnder Blick aus grünen Augen. Ein himbeerroter Mund, der sich skeptisch verzieht. Gerunzelte Augenbrauen. Es ist interessant, wie sehr Stellas Mimik der von Stampede gleicht, wenn sie scharf über etwas nachdenkt.

„Klingt … logisch“, meint sie dann.

Wir stehen vor dem Hexagon, genau an derselben Stelle, wo wir heute morgen mit ihr Square Dance geübt haben. Inzwischen ist es früher Nachmittag und so glühend heiß und windstill, daß sich schon die erste Fata Morgana am Horizont zeigt.

Wenigstens konnten mein Marshall und ich der Mittagshitze ausweichen, indem wir Shaman Gesellschaft leisteten und ihm ein wenig beim Kochen halfen. Ich durfte sogar seine Pilzzucht bewundern. Am Ende haben wir uns sogar richtig gut verstanden und ich glaube, niemand hat sich darüber mehr gefreut als mein Marshall.
Wir haben auch nach einer Lösung für unser Stella-Problem gesucht. Ich gebe zu, im ersten Moment dachte ich wirklich, daß es eine gute Idee wäre, wenn jemand anders Stella Kußunterricht gäbe – nur für einen winzigkleinen, schwachen Augenblick und ja, ich schäme mich dafür. Aber ich habe dabei niemals an meinen Marshall gedacht. Jedenfalls nicht, bis er es selbst zur Sprache brachte. Egal, es ist sowieso viel zu gefährlich. Eigentlich gibt es nur eine einzige Möglichkeit. Aber die präsentieren wir ihr noch nicht, erst einmal haben wir ihr nur Shamans Vermutungen unterbreitet.

Aber in jenem Moment, wo Stellas Blick von mir zu Brave Starr an meiner Seite hinüberwandert, halte ich es für angebracht, jeden auch noch so kleinen Gedankengang in diese Richtung schon im Keim zu ersticken.

„Es gibt eine Lösung“, stoße ich hervor. „Nimm mir für die Dauer dieser Übung einfach meine Kräfte.“

Ihr Kopf ruckt so schnell zu mir herum, daß ihre Locken nur so fliegen.

„Das hast du doch schon einmal getan“, rede ich hastig weiter. „Wenn diese Hypothese zutrifft, dürfte es mit einem Tex Hex ohne Zauberkräfte kein Problem geben.“

Ich kann nicht fassen, daß das wirklich meine Idee war.
Zumal nun noch dieser Unsicherheitsfaktor hinzukommt, daß ich durch meine Reset-Mutation nicht weiß, inwieweit diese Magie nicht schon zu einem Teil meiner DNS geworden ist. Nicht, daß ich etwa meine Befürchtungen laut ausgesprochen hätte – weder in StarrPeak noch jetzt – mein Marshall macht sich auch so schon genug Sorgen.

Stella mustert mich ziemlich überrascht.

„Das könnte tatsächlich funktionieren“, murmelt sie dann leise und nickt.
„Einen Versuch ist es wert.“

„Nur dieser eine“, erklärt Brave Starr in scharfem Tonfall. „Das hier ist der einzige Kuß, den du bekommst. Und keine miesen Tricks.“

Ich seufze nur tonlos. Ehrlich, das ist, als wolle eine Ameise einem Ameisenbären drohen.

Stellas Augenbrauen scheinen sich auch prompt mit ihrem Haaransatz paaren zu wollen, so hoch wie sie sie zieht. Ihr Blick huscht vom Marshall zu mir.

„Ist das sein Ernst?“ fragt sie mich amüsiert.

„Und wie das mein Ernst ist!“ grollt mein Marshall. „Sonst komme ich mit Shamans Stab wieder und daß der dir zumindest Schmerzen zufügen kann, wissen wir doch.“

Stella mustert ihn lange und schweigt mindestens genauso lange. Beeindruckt ist sie trotzdem nicht.
Dann richtet sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf mich.

„Bereit, Liebchen?“

Eigentlich nicht, doch andererseits will ich die ganze Angelegenheit nur noch hinter mich bringen und daher nicke ich wortlos.

Es ist anders als das letzte Mal. Damals fühlte es sich nur an, als würde ich eine Erkältung ausbrüten, doch diesmal ist das Ziehen in den Knochen fast unerträglich.
Ich spüre, wie sich mein Körper und meine Magie dagegen wehren, voneinander getrennt zu werden. Es schmerzt furchtbar, doch ich beiße hartnäckig die Zähne zusammen und versuche mir vor meinem Marshall nichts anmerken zu lassen. Er würde sich nur wieder Sorgen machen und käme vielleicht auf die dumme Idee, diesen Versuch hier abzublasen.
Schließlich spüre ich so etwas wie ein inneres Reißen und ein Teil von mir – ist einfach weg, hinterläßt eine Leere, die mich fast schwindlig macht.
Wie aus weiter Ferne höre ich ein zufriedenes

„Das war das“,

von Seiten Stellas und noch bevor ich mich irgendwie wieder sortiert habe, schlingen sich zwei schmale, nichtsdestotrotz sehr kräftige Arme um meinen Nacken und himbeerrote Lippen senken sich auf meine.

Ich kann nicht denken, ich kann nicht fühlen, ich rieche Joghurt und Himbeeren und doch ist alles, was ich wahrnehme, dieses riesige Loch in meinem Inneren.
Ich will meine Magie zurückhaben.
Eine Zunge stupst an meine Lippen – drängend, auffordernd. Ein Teil von mir winselt auf.
Ich will meine Magie zurück.
Ich brauche sie und ja, wenn das bedeutet, daß ich Stella Zugang gewähren muß, meine Güte, dann soll es eben so sein.
Ihr warmer Atem streichelt meine Lippen und ihre Zunge erobert meinen Mund – neugierig, verspielt, anfangs etwas ungeschickt, aber dann immer sicherer werdend. Na ja, an Selbstbewußtsein hat es ihr ja nie gefehlt.
Ihre Hand in meinem Nacken drückt meinen Kopf etwas näher zu sich heran, während sie ihren eigenen etwas dreht, um einen besseren Winkel zu finden und den Kuß noch zu vertiefen. Sie hat den Bogen erstaunlich schnell heraus.

Ein dumpfes Grollen dringt an meine Ohren, ich fühle mich unsanft an den Oberarmen gepackt und fortgerissen.

„Genug!“ zischt mein Marshall.

Zwei starke, sehnige Hände, eine davon krallt sich in mein Kreuz, die andere in mein Haar und dann preßt er hart seine Lippen auf meine und spült quasi mit seiner Zunge und seinem Speichel Stellas Joghurt-Geschmack aus mir heraus.

Willkommen Bounty-Riegel-Aroma!

Dabei preßt er meinen Körper so fest an seinen, daß er mir fast regelrecht die Luft aus den Lungen quetscht. Funken tanzen vor meinen Augen, Funken, die allmählich in schwarze Flecken übergehen.
Mein Sichtfeld zerfranst an den Rändern und das letzte, was ich fühle, ist, wie sich meine Hände haltsuchend in seinem breiten Rücken verkrallen, so tief, bis mir sein Blut heiß über die Finger rinnt.

***

Das erste, was ich wieder bewußt wahrnehme, sind Brave Starrs warme Hände auf meinem Rücken, meiner Haut, wo sie glühendheiße Spuren hinterlassen. Aber es fühlt sich verdammt richtig an, als würden sie einfach dort hin gehören.
Er küßt mich immer noch, ich kann also nicht viel länger als eine oder zwei Sekunden weggewesen sein und doch erscheint es mir wie eine Ewigkeit. Das Gefühl der gähnenden Leere ist verschwunden, das Ziehen in meinen Knochen nur noch eine dumpfe Erinnerung.
Mein Inneres summt regelrecht vor Zufriedenheit.
Ich habe meine Magie zurück.

Grenzenlose Erleichterung überflutet mich, zusammen mit dieser typischen Wärme, die mit der Nähe meines Marshalls immer einhergeht. Auch wenn er momentan alles andere als sanft mit mir umgeht, brauche ich seine Gegenwart, seine Umklammerung, diese besitzergreifende Art gerade jetzt mehr als alles andere auf dieser Welt.
Stöhnend bohre ich meine Krallen noch tiefer in sein Fleisch.

***

~ Brave Starr ~

Ein scharfer, stechender Schmerz in meinem Rücken durchdringt diese rote Wolke der Eifersucht und Wut und ernüchtert mich schlagartig. Über mich selbst hell entsetzt, zucke ich zurück. Ich beende diesen Kuß und löse meine Umklammerung.
Tex’ Kopf sinkt sofort ab in meine Halsbeuge.

Meine Güte, nur noch wenige Sekunden und ich hätte die Kontrolle über meine Bärenkräfte verloren und zwar gänzlich.
Schon wieder!
In meiner Wut werden sie viel stärker als wenn ich nur von Lust beherrscht werde. Erst vor drei Wochen habe ich Tex in einem solchen Anfall an eine Felswand geschleudert und schwer verletzt und jetzt erdrücke ich ihn fast zu Tode!

„Oh, verdammt, Tex. Es tut mir leid, so schrecklich leid.“

Meine Hände wandern von seinem Rücken zu seinen Oberarmen, ich umfasse sie – vorsichtig, nicht zu grob – und will ihn von mir wegschieben, ihn aus meinem Klammergriff entlassen, in Sicherheit bringen, doch seine Nägel verkrallen sich nur noch stärker in meinen Rücken, während er sich mit seinem ganzen Körper an mich preßt, fordernd, drängend und dann suchen seine Lippen meine, ziehen mich wieder in einen Kuß hinein.
Auf einer rein emotionalen, instinktiven Ebene verstehe ich, lege ihm wieder die Hände ins Kreuz und drücke ihn an mich, diesmal jedoch ganz bewußt und kontrolliert.
Und ohne Bärenkräfte.

Irgendwann wird aus dem Aneinanderklammern ein gegenseitiges Halten und die Wildheit des Kusses läßt nach.

„Hey!“ jemand tippt mir auf die Schulter.

Stella! Oh mein Gott!

Mit Tex in den Armen drehe ich mich um und begegne einem smaragdgrünen Augenpaar.

„Na?“ fragt sie, die Arme vor der Brust verschränkt und ungedruldig mit einem Fuß auf den Boden tippend.

„Hast du dich überzeugt, daß noch alles an ihm dran ist? Können wir dann endlich im Programm weitermachen? Walzer steht noch an.“

Ihr Blick richtet sich auf den erhitzt, verlegen und verträumt aussehenden Tex.

„Also, Liebchen“, fordernd streckt sie die Hand nach ihm aus. „Soweit ich weiß, habe ich dich noch nicht entlassen.“

***

Schweiß, Staub und roter Sand. Es ist eine Wohltat, zu spüren, wie all das von kühlem, ozonangereicherten Wasser abgespült wird. Allmählich komme ich mir wirklich vor wie in einem Luxus-Hotel – das Hexagon besitzt sogar ein Schwimmbad, und nicht nur das, es ist eine richtige Wohlfühloase. Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich eine Badehose eingepackt, doch Tex hat recht – wir sind unter uns und nach diesem Tag müssen wir uns um so etwas wirklich keine Sorgen machen. Wassertretend lasse ich mich von den Lichtreflexionen auf der Wasseroberfläche verzaubern und genieße einfach nur diesen Augenblick der völligen Ruhe.
Dann taucht Tex vor mir aus den Fluten und vorbei ist es mit der Ruhe, erst recht, als er sich mit einer Hand das nasse Haar zurückstreicht. Und diese einzige, kleine, harmlose Bewegung genügt, um das Feuer in meinem inneren erneut zu entfachen.

Schon als ich ihm dabei zugesehen habe, wie er Stella in einem Walzer über eine imaginäre Tanzfläche dirigierte, konnte ich meinen Blick nicht von ihm abwenden, war verzaubert von seinen Bewegungen, die sich im Vergleich zu früher so extrem verändert haben.
Jetzt wirkt alles so fließend, so elegant.
Wie bei einem Raubtier. Einem aus der Familie der Felidae um genau zu sein.

Ich glaube, ich verfalle ihm mit jeder Sekunde mehr.

Und daß wir beide im Moment nackt sind, macht alles nur noch viel verführerischer. Und schon lege ich ihm meine Hand in den Nacken und ziehe ihn zu einem zärtlichen Kuß zu mir heran.

„Ich liebe dich“, flüstere ich mit ungewohnt rauher Stimme, während meine Linke über seine Seite streicht und ihn erzittern läßt.

„Ich habe eine Idee“, murmelt er mit blitzenden roten Augen. „Vertrau mir einfach.“

Ich vertraue ihm, ganz und gar, und so lasse ich mich von ihm in einen prickelnden Kuß hineinziehen. Genüßlich schließe ich die Augen, versinke in seiner Nähe, seinem Geschmack und erst, als ich einen leichten Druck auf den Ohren verspüre, bemerke ich, daß wir untergetaucht sind. Engumschlungen, warme Haut und kühles Wasser.

Als mir die Luft knapp wird, teilt er seine mit mir.
Es ist mitunter das Sinnlichste, Intimste, was ich bisher an diesem glühendheißen Tag erlebt habe.

Als wir wieder auftauchen, bin ich so verzaubert, ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

„Texie“, keuche ich leise, als wir uns aus einem besonders innigen Kuß lösen, „das will ich jeden Tag machen.“

„Was“ neckt er. „Schwimmen?“

Ich grinse und streiche absichtlich hauchzart über seine Lenden. Wie erwartet, keucht er leise auf.

„Auch“, bestätige ich betont verrucht.

Über seine Züge zuckt ein Lächeln, und es ist genau das Lächeln, dieses eine Lächeln, nach dem ich so lange gesucht habe.
Glücklich.
Einfach nur glücklich.

***

Der Rest des Tages verläuft sehr gemütlich, und da außer uns und Skuzz niemand mehr im Hexagon ist – und Stella bleibt schön brav in ihrer Höhle – stehen wir zu dritt in der Küche und backen eine Pizza. Danach verziehen wir uns mit unserem Werk, Starblazer und Knabberzeugs ins Wohnzimmer und ziehen uns einen Actionfilm rein. Wir machen es uns gemütlich, aber wir übertreiben es nicht, nehmen Rücksicht auf Skuzz.
Erst sehr viel später stößt Vipra zu uns, sie hat eine Plastiktüte dabei und packt ein paar Bücher aus, die sie bis auf eines ins Regal stellt, doch mit diesem einen verzieht sie sich in die Küche um dort am Eßtisch darin zu schmökern.
So für eine halbe Stunde, danach gesellen wir uns zu ihr.

Wir lassen den Abend ganz gemütlich mit einem Käse-Fondue ausklingen und die Atmosphäre erinnert mich sehr an unseren ersten gemeinsamen Abend, nur ohne Twister und daß diesmal die Klimaanlage funktioniert.
Ja, und natürlich die Tatsache, daß Tex und ich endlich zueinander gefunden haben.

Ich erinnere mich an mein Versprechen gegenüber J.B., hole meine Kamera und dann überbieten Skuzz und ich uns gegenseitig mit den besten Schnappschüssen.

Wir scherzen und lachen viel und ich fühle mich ganz einfach nur wohl.

Doch irgendwann holt uns doch der Schlafmangel ein und so ist es noch nicht Mitternacht, als Tex und ich uns zurückziehen.
Zähneputzen und ganz allgemein bettfertig machen bringen wir sogar über die Bühne ohne gleich wieder übereinander herzufallen – hey, wir haben uns immerhin die letzten füneinhalb Stunden meisterhaft beherrscht.
Aber sobald wir uns im Schlafzimmer gegenüber stehen, ist es mit der Selbstbeherrschung vorbei.

Als wir schließlich satt und zufrieden nebeneinander liegen, wobei ich ihn in meinen Armen halte und mich dicht an seinen Rücken schmiege, an diese so samtige, warme Haut und die Nase in seinem Haar vergraben, schießt mir nur ein Gedanke durch den Kopf:
Das soll nie wieder aufhören.

***

~ Stella ~

Es ist dunkel, aber meine Drachenaugen lassen mich alles ganz genau erkennen. Wie sich diese beiden im Schlaf aneinanderschmiegen ist einfach nur niedlich.
Ich war schon oft hier, in diesem Zimmer, doch noch niemals in körperlicher Form wie jetzt. Früher hat  nur meine astrale Projektion hier an diesem Bett gestanden und den Mann darin während des Schlafes betrachtet, immer mit diesem gewissen Besitzerstolz.

Doch jetzt liegt dort vor mir nicht nur ein Mann, dessen Gesicht mir fremd ist, sondern noch ein anderer, der nun seinerseits Besitzansprüche erhebt.
Und das Seltsame daran ist – ich lasse ihn gewähren.

Denn das, was Tex ausmacht, gehört auf immer und ewig mir, er ist und bleibt mein Geschöpf, wurden doch vor allem sein Geist und seine Seele durch mich geprägt und das kann mir niemand nehmen.

Auch der Marshall nicht.

Ich lausche angestrengt auf ihre Atemzüge.
Ob sie wissen, daß sich die Melodie ihrer Körper zueinander angleicht?
Nicht mehr lange und sogar ihre Herzen schlagen miteinander im gleichen Takt.

Lautlos trete ich heran, hauche erst meinem Desperado und dann dem Marshall einen Kuß auf die Lippen.

Gute Nacht, meine Liebchen.

***
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