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BraveStarr: Amantes amentes

von MariLuna
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brave Starr Stampede Tex Hex
27.07.2009
14.08.2009
28
56.753
1
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Dieses Kapitel
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27.07.2009 2.275
 
4. Kapitel: Für dich, für mich, für uns

~ Brave Starr ~

Der Sommer hat uns fest im Griff, der Tag heute wird wieder sehr heiß, obwohl es noch früh am Morgen ist, rinnt mir schon der Schweiß in Strömen über den Oberkörper. Mein T-Shirt klebt auch wieder sehr unangenehm auf meiner Haut. Und der Fahrtwind zerzaust mir zwar das Haar, sorgt aber nicht wirklich für Abkühlung, ich spüre, wie sich unter meinem Hut der Schweiß sammelt.
Klasse, ganz neu und schon eingesaut.
Vielleicht liegt das aber auch an meiner inneren Hitze, ich weiß es nicht. Ich bin immer noch stocksauer, ganz egal, wie oft sich Stella entschuldigt hat und es ist mir ebenfalls egal, daß dieser „Unfall“ schon fast eine Dreiviertelstunde zurückliegt.
Ohne seine verbesserten Regenerationskräfte wäre Tex jetzt wieder ein Fall für Dr. Slim.

Er sitzt hinter mir im Sattel des Turbo-Mulis, das er mir so freundlich geliehen hat, seine Arme umklammern meine Taille, er schmiegt sich an meinen Rücken und ich kann seinen Atem fühlen, wie er meine seitliche Halslinie streichelt.

Wir sind unterwegs zu Shaman, denn ich schulde meinem Ziehvater noch ein klärendes Gespräch und da nutze ich die Gelegenheit, so bald wie möglich aus dem Einflußbereich dieses verqueren Semidrachen herauszukommen und Tex nehme ich mit, damit ihm nicht wieder irgend etwas passiert. Stella hat zwar versprochen, ihn erst am Nachmittag wieder zu sich zu rufen, aber ich traue dieser Unperson nicht.
Und je schneller wir StarrPeak erreichen, desto besser für Tex, denn bis dorthin reicht Stampedes Macht nicht, wenn wir erst einmal den Bannkreis überquert haben, kann dieses Monster ihn nicht mehr zu sich teleportieren.
Also gebe ich Vollgas.

Tex’ Kopf lehnt an meiner Schulter und wird allmählich immer schwerer. Beunruhigt gehe ich etwas vom Gas, lange mit der linken Hand nach hinten und kneife ihn in den Oberschenkel.

„Hey, hier wird nicht geschlafen!“

Er zuckt zusammen und brummelt etwas Unverständliches vor sich hin, schmiegt sich jedoch nur noch enger an. Normalerweise würde mir das ja gefallen – sehr sogar – aber ich möchte doch wirklich erst den Bannkreis überqueren. Dann können wir von mir aus einen kleinen Zwischenstopp einlegen. Also kneife ich diesmal nicht zu, sondern boxe ihn, dicht übers Knie, ich weiß, er ist da empfindlich. Wieder zuckt er zusammen und klammert sich dann fester an mich. Scheint, als wäre er vor Schreck beinahe vom Turbo-Muli gefallen.

„Bleib wach, wir sind gleich da“, befehle ich ihm.

„Dann gib endlich mal richtig Stoff“, nörgelt er. „Wir hätten doch Skullwalker nehmen sollen.“

Ich erspare mir das Kommentar, das mir auf der Zunge liegt, schließlich ist es nicht meine Schuld, daß Skullwalkers Zündkerze abgesoffen ist und wir erst die aus diesem Turbo-Muli hier hätten einsetzen müssen. Mir war das allerdings zu zeitaufwändig und wenn ich es eilig habe, habe ich es nun einmal eilig. Basta.
Ich drehe den Gashebel wieder bis zum Anschlag durch – und das Turbo-Muli jault auf wie eine getretene Katze, ein Geräusch, das Tex zu einem erschrockenen

„Sachte, sachte!“

veranlaßt, gefolgt von einem geknurrten:

„Wo hast du deine Pappe gemacht?“

Ich lasse ihn schimpfen, denn in der Ferne sehe ich schon das Flußbett, das den Bannkreis markiert.
Obwohl das hier eine andere Stelle ist, kommen bei diesem Anblick Erinnerungen hoch.
Unser erster Kuß.
Gott, war das wirklich erst vorgestern?

Nachdem wir den Bannkreis hinter uns haben, atme ich erleichtert auf und drossle die Geschwindigkeit. Tex kuschelt sich enger an mich, die Hutkrempe seines schwarzen Hutes streift kurz meinen Nacken als er den Kopf wieder dreht, es kitzelt und ich erschauere unwillkürlich.
Aber bevor die aufkommenden unzüchtigen Gedanken sich wirklich festsetzen können, gebe ich wieder etwas Gas.

Einige Minuten und eine gehörige Portion Selbstbeherrschung später erreichen wir endlich den Eingang zu Shamans Heim.

„Wir sind da“, stelle ich völlig überflüssigerweise fest.

Tex brummt nur und löst seine Umklammerung. Bevor er jedoch vom Turbo-Muli klettert, läßt er seine Hände für ein, zwei Sekunden auf meinen Hüften ruhen und streicht sanft über meine Taille. Eine Berührung wie flüssiges Feuer, die eine furchtbare Leere hinterläßt, als er seinen Platz hinter mir endgültig verläßt.

Dieser Mann wird zunehmend zu einem Suchtfaktor.

Kaum bin ich ebenfalls abgestiegen, ziehe ich ihn in meine Arme. Er hat sein zerfetztes Shirt gegen ein mitternachtsblaues Tank-Top ausgetauscht  - hm, soviel bloße, lavendelfarbene Haut - und ist beinahe genauso durchgeschwitzt wie ich. Sein Eigengeruch ist intensiver als jemals zuvor, ich muß ihn einfach schmecken.
Und ehe ich mich versehe, presse ich meine Lippen auf seinen Hals und lecke ihm einen Schweißtropfen von der Haut.
Auf meinen Lippen und meiner Zunge beginnt es regelrecht zu prickeln.
Und zum ersten Mal kann ich es ihm nachfühlen, wie es ist, wenn der Geruch oder der Geschmack des anderen einen so berauscht, daß man glatt die Welt um sich herum vergißt.

„Hm…“ seufze ich und knabbere hingebungsvoll an seinem Ohrläppchen.

Sein langer Schnauzer kitzelt meine Wange, meinen Hals und wie von selbst schmiegt sich der Rest meines Körpers an ihn.

„Marshall…“ dunkel, sehnsüchtig, aber gleichzeitig auch sehr, sehr drängend.

„Hm…?“

„Verdammt, wenn du jetzt nicht endlich hochgehst, kann ich für nichts mehr garantieren!“

Er zupft an meinem Shirt, es ist irgend etwas zwischen wegstoßen und näher heranziehen, ich nehme ihm die Entscheidung ab und dränge mich ihm entgegen. Für einen kurzen Augenblick kämpft er tatsächlich gegen mich an, doch dann taumelt er mit einem unterdrückten Stöhnen gegen mich.

Irgendwie geraten wir dabei in die Lichtschranke, die Eingangstür gleitet mit einem lauten Zischen beiseite und dieses Geräusch reißt uns aus unserem Wahn.

„Und du…“ Tex’ Stimme ist nur ein rauhes Keuchen, „bist sicher, daß ich mit hochkommen soll?“

„Jaaaa.“

Ich suche seine Lippen und wir geben uns einen langen, verzehrenden Kuß. Nach dem, was heute geschehen ist, will ich ihn in meiner Nähe wissen. Shaman wird es schon verstehen, da bin ich mir sicher.

„Komm“, irgendwie gelingt es mir tatsächlich, mich von ihm zu lösen, ich packe ihn an seinem linken Unterarm und ziehe ihn kompromißlos mit mir ins schummrige, erleichternd kühle Berginnere.

***

„Eine Tasse Tee?“

Wie immer der perfekte Gastgeber, schiebt Shaman meinem Lieblingsdesperado eine seiner Porzellantassen samt Untertasse zu und hebt vielsagend die dazu gehörige Teekanne hoch.

„Ja, danke“, erwidert Tex im selben Tonfall, als verbinde sie nicht eine jahrelange – nun ja, Feindschaft nicht wirklich, wie ich inzwischen weiß. Aber doch etwas ähnliches.

Ich weiß nicht, ob Shaman uns beide erwartet hat oder nur mich, auf alle Fälle hatte er schon Tee aufgesetzt und saß in der Wohnhöhle, als wir hereinkamen. Das magische Feuer, hinter dem Stampede all die Jahre her war – oder noch immer ist, ich blicke da noch nicht richtig durch – flackert behäbig vor sich hin und die Teekanne steht auf dem Gitterrost darüber. Mein Ziehvater sieht diese Flammen eben unter anderem auch als nützliche Energiequelle. In den kalten Nächten wärmt er sich daran und ansonsten wird darüber geköchelt.

Falls er über Tex’ Anwesenheit überrascht ist, läßt er es sich nicht anmerken.

Wir sitzen ihm gegenüber im Schneidersitz auf dem Flokati, Tex so nah bei mir, daß sich unsere Knie berühren. Ich muß mich sehr beherrschen, es fällt mir wirklich schwer, die Hände von ihm zu lassen. Und ich bin so darauf konzentriert, mich zu benehmen, daß ich fast Shamans Frage überhört hätte.

„Was führt dich hierher, mein Sohn? Und dann auch noch in solch üeberraschender Begleitung“, vielsagend gleitet sein Blick zu Tex hinüber, der sich hinter seiner Teetasse versteckt.

Meine Wolfsohren melden mir, daß Tex’ Herz schier rast, er ist genauso nervös wie ich, wenn nicht noch viel nervöser. Aber er hat sich weitaus besser im Griff.

Ich hole einmal tief Luft und sehe meinem Ziehvater dann fest in die Augen.

„Ich … muß dir etwas gestehen. Erinnerst du dich noch, an meinem Geburtstag hast du mich gefragt, wo ich mit meinem Herzen bin. Nun ja, ich …“ abermals hole ich tief Luft und werfe dem Mann zu meiner Rechten einen schnellen Blick zu, „…mein Herz ist bei Tex Hex.“

Stille.

„Hm.“

Dann wieder Stille. Shaman nippt von seinem Tee und dreht die Tasse gedankenverloren zwischen seinen Fingern.

„Shaman?“

Um seine Lippen spielt ein leises Lächeln.
„Ich habe es geahnt. Als du vorgestern verletzt wurdest und Tex dich zu mir brachte, da erkannte ich, daß euch etwas anderes verbindet als Feindschaft. Ihr seid also inzwischen Freunde? Das … kommt etwas unerwartet, fürwahr, aber nicht wirklich überraschend.“ Er nickt Tex zu.  „Da ist also doch Gutes in dir. Das freut mich. Aber wenn dem nicht so wäre, könntest du den Bannkreis nicht überqueren.“

Jetzt spielt Tex mit seiner Tasse herum.

„Ja, nun, der Bannkreis“, er räuspert sich verlegen. „Das ist so eine Sache. Der hat bei mir nur die ersten Jahre funktioniert. Ich spüre ihn zwar immer noch, nur stört er mich nicht mehr. Der Schmerz macht mir nichts mehr aus.“

Die Augen meines Ziehvaters weiten sich für den Bruchteil einer Sekunde, doch er gewinnt schnell die Fassung wieder.

Da mir Tex heute morgen davon erzählt hat – nachdem wir uns gegenseitig versprachen, ab sofort immer offen zueinander zu sein – bin ich nicht überrascht und kann Shamans Reaktionen in aller Ruhe genießen.
Ich erkenne ganz deutlichen jenen besonderen Moment, in dem er versteht, was das wirklich bedeutet.

„Oh“, macht er verblüfft und mustert meinen Süßen scharf.

„Erstaunlich“, meint er dann. „Wieviel Ehre und zweifellos Gutes sich hinter dem so offensichtlich bösen Tex Hex doch verstecken kann.“

Ich grinse vor mich hin. „Man sollte sein Buch eben nie nach seinem Umschlag beurteilen.“

Tex wiederum zuckt betont gleichmütig mit den Schultern.
„Stampede ist nicht sehr nett zu mir. Ich sah nicht ein, wieso ich ihm alles erzählen soll. Und ich … ach na ja, ich wurde gut erzogen, es liegt mir nicht, Ältere und Schwächere zu quälen.“

„Hm…“ Shamans nachdenklicher, unergründlicher Blick schweift von Tex’ Gesicht zu meinem.
Ich ergreife die Gelegenheit am Schopfe.

„Und da ist noch etwas“, beginne ich, jetzt wirklich nervös.

Mir wird bewußt, daß ich nicht wirklich darüber nachgedacht habe, wie ich es ihm beibringen soll, für mich stand nur im Vordergrund, daß ich es ihm überhaupt sage.

Ich hole einmal tief Luft. Shamans Blick scheint sich direkt in meine Seele zu bohren. Himmel, ich hasse es, wenn er das macht, doch wenn ich mich für eine Sache entschieden habe, ziehe ich sie auch durch.
Ich schnappe mir Tex’ Hand und drücke sie.

„Wir … lieben uns. Wir sind zusammen.“

So, jetzt ist es raus. Bleibt nur zu hoffen, daß Shaman uns nicht mit seinem Tee überschüttet.

„Oh.“ Shamans Blicke wandern von mir zu Tex und wieder zurück. Seine Miene wirkt seltsam ausdruckslos.

„Oh“, wiederholt er dann und starrt plötzlich ziemlich abwesend in die kleine Flamme des magischen Feuers zwischen uns.

Ich beiße mir auf die Lippen und fühle, wie Tex aufmunternd meine Hand drückt. Und dann vollführt sein Daumen kleine, beruhigende Kreise auf meinen Handrücken.
Gott, ich liebe diesen Halunken wirklich über alles.

„Noch eine Tasse Tee?“ meint Shaman auf einmal und hält Tex die Teekanne entgegen.

„Ah – ja“, entgegnet dieser verwirrt.

Während Shaman ihm nachschenkt, fragt er beinahe amüsiert:

„Und seit wann weißt du, daß du in meinen Ziehsohn verliebt bist?“

Tex’ Wangenknochen ziert ein hinreißendes dunkelviolett. Er sieht zum Anbeißen aus, wenn er errötet. Er schielt mich von der Seite her an und beißt sich auf die Unterlippe.
Ich sehe ihm fasziniert zu. Es ist erstaunlich, wie schnell manche Angewohnheiten wiederkehren, das letzte Mal hat er das wohl vor über zehn Jahren gekonnt: verlegen an seiner Unterlippe herumnagen.

„Seit … etwas länger schon.“

Er hat recht, das geht nur ihn und mich etwas an.

„Wir haben da ein kleines Problem“, schwenke ich schnell auf ein anderes Thema um, denn schließlich kenne ich doch meinen Ziehvater – der bringt es fertig und fragt noch nach Bettgeschichten.

„Stampede benimmt sich seltsam.“

Ich erzähle ihm von Stella und daß das alles wohl in jenem Moment seinen Anfang nahm, als Tex zur Abwechslung mal in Stampedes Geist hineinrutschte und nicht umgekehrt.
An dieser Stelle ergreift mein Süßer das Wort und berichtet von den Erinnerungen und vergessenen Sehnsüchten, die er dabei wohl freilegte.
Ich kenne diese Geschichte schon und lausche daher bald nur noch dieser wunderschönen, dunklen Stimme statt den Worten. Und wieder fühlt es sich an wie nachtschwarzer Samt, der mich zärtlich umschlingt und langsam in meine Gedanken gleitet. Dieses Timbre lullt mich ein und ich lasse mich nur zu gerne fallen.
Und ich kann es nicht verhindern, daß ich beginne, mir in allen Einzelheiten auszumalen, was ich mit dem berühmt-berüchtigten und unglaublich attraktiven Tex Hex anfangen werde, sobald wir wieder unter uns sind.

Erst Shamans ruhige, ernste Stimme reißt mich aus meinen Tagträumen.

„Es verwundert mich nicht, daß Stella sich sofort wieder zurückverwandelt, sobald sie dich küßt. Ein Teil von Stampedes Unterbewußtsein, jener, der mit seiner Magie fest verankert ist, spürt noch immer die Verwandtschaft zwischen seiner und deiner Magie, die ja einst ein Teil der seinen war. Eure Kräfte neutralisieren sich gegenseitig. Als Stella ist ihm das natürlich nicht bewußt. Stella mag dich attraktiv finden, vielleicht fühlt sie sich gar zu dir hingezogen, aber nicht aus denselben Gefühlen wie sich Menschen normalerweise zueinander hingezogen fühlen. Für sie bist und bleibst du nur ihr Eigentum und so etwas reicht nicht, um gegen diese gegenseitige Neutralisation anzukämpfen.“
Er überlegt kurz und fährt dann beinahe belustigt fort:
„Ich glaube, wenn Stella jemand anderen als dich küssen würde, würde sie nicht automatisch in ihre wahre Gestalt zurückrutschen.“

Erleichterung breitet sich in mir aus. Endlich werde ich nie wieder zusehen müssen, wie dieses Vollblut-Weib meinen Lieblingsdesperado küßt. Doch dann begreife ich, was das wirklich bedeutet. Erst recht, als Tex plötzlich den Kopf dreht und mich seltsam ansieht.

„Oh nein!“ wehre ich entschieden ab. „Vergiß es! Ich werde diesen Semidrachen ganz bestimmt nicht abknutschen!“

***
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